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Untersuchung über Häufigkeit und Einfluss von Schilddrüsenfunktionsstörungen, Parametern des Lipid- und Entzündungsstoffwechsels sowie dem Auftreten suizidalen Verhaltens bei psychiatrischen Patienten mit affektiven Erkrankungen

Suizidalität ist bei allen Menschen möglich. Jedoch gibt es bisher keine verlässlichen Prädiktoren, die allen Suizidopfern oder suizidalen Patienten gleich sind. Verschiedene Autoren konnten zwar Hinweise über einen möglichen Zusammenhang (neuro-)biologischer Parameter und Suizidalität zeigen, dennoch ist es der Forschung bis heute nicht gelungen, einen sicheren Prädiktor für das individuelle Risiko eines jeden Menschen zu finden. Auch ein Zusammenhang zwischen Schilddrüsenfunktionsstörungen, Auffälligkeiten im Lipidstatus sowie von Entzündungsparametern bei Betroffenen mit suizidalen Verhaltensweisen weckte schon früh das Interesse verschiedener Forschergruppen. So konnte zum Beispiel Peng et al. (2018) eine positive Korrelation zwischen dem niedrigen Spiegel von L-Thyroxin und Serum Cholesterin bei schwer depressiven Patienten mit Suizidversuch beschreiben. In einer indischen Studie von Jose et al. (2015) wurde des Weiteren eine positive Korrelation zwischen Prolaktin und Schilddrüsenhormonen mit der Schwere der Psychopathologie und dem Suizidrisiko bei unbehandelten männlichen Patienten mit Schizophrenie festgestellt.
In der hier vorgestellten Querschnittstudie soll untersucht werden, inwieweit Schilddrüsenfunktionsstörungen, Veränderungen des Lipidstoffwechsels, Entzündungsparameter sowie verschiedene Persönlichkeitsmerkmale das Suizidrisiko von Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen beeinflussen und ob diese als Modell für eine biologische Prädiktion für die Einschätzung von Suizidalität eingesetzt werden können. Die Studie wird in der Klinik für seelische Gesundheit, Helios Klinikum Aue in Kooperation mit der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Uniklinikum Dresden, Klinik für Psychiatrie, Verhaltens Medizin und Psychosomatik, Chemnitz durchgeführt.
Nach der Erhebung soziobiografischen Daten mit Erfassung von Resilienz und Vulnerabilitätsfaktoren, erfolgt die Erhebung verschiedener psychometrischer Skalen im Rahmen eines Interviews (Beck-Depressions-Inventar [BDI], Montgomery Asberg Depression Scale [MADRS], Young Mania Rating Scale [YMRS], Symptomcheckliste [SCL-90], diagnostisches Interview bei psychischen Störungen [DIPS/MINI], Sheehan Suicidality Tracking Scale [S-STS], SKID-5-PD oder IKP).  Parallel wird eine einmalige Blutprobe zur Bestimmung von Schilddrüsenhormonen (TSH, fT3, fT4), den Schilddrüsenautoantikörpern (MAK, TAK, TRAK), Parameter des Lipidstoffwechsels (Cholesterin, Triglyceride, LDL, HDL) und Entzündungswerten (CRP) entnommen.
Einbezogen in die Studie werden psychiatrische Patienten mit affektiven Erkrankungen, welche aufgrund akuter Suizidalität stationär aufgenommen werden bzw. Patienten nach stattgehabtem Suizidversuch, die sich zum Zeitpunkt der Datenerhebung in ambulanter oder stationärer Behandlung in der Klinik für seelische Gesundheit des Klinikum Aue oder in der Klinik für Psychiatrie, Verhaltensmedizin und Psychosomatik Chemnitz befinden. Es wird eine Kohortengröße von ca. 60 Patienten angestrebt.
Die Ergebnisse sollen eine Aussage ermöglichen, ob die in der Studie erhobene Variablen als mögliche Prädiktoren des suizidalen Verhaltens in Betracht gezogen werden könnten und als Marker für das beobachtete suizidale Verhalten genutzt werden können.

Kontakt:
PD Dr. med. habil. Ute Lewitzka  
Evgeniy Romanov (Helios Klinikum Aue)