Benutzerspezifische Werkzeuge

Um eine möglichst große Sicherheit bei der Durchführung des künstlichen Gelenkersatzes zu gewährleisten, sind verschiedene Maßnahmen notwendig:

Vor der Operation

  • Überprüfung der Operationsfähigkeit: Da die künstliche Gelenkersatz-Operation immer ein den Körper mehr oder weniger belastender Eingriff ist, müssen Vorerkrankungen bekannt und ggf. behandelt werden. Dazu gehört insbesondere die Überprüfung der Herz- und Lungenfunktion sowie eine bestmögliche Einstellung von Kreislauferkrankungen sowie Störungen des Stoffwechsels (z.B. Diabetes mellitus) und der Blutgerinnung. Auch bekannte Allergien sind dem Arzt mitzuteilen, damit entsprechende Medikamente oder gar Prothesenbestandteile (z.B. bei Metall-Allergie) vermieden werden können. Werden im Vorfeld einer Gelenkersatzoperation gerinnungs-hemmende Medikamente eingenommen, kann eine vorübergehende Umstellung notwendig werden.
    Alle diese Maßnahmen erfolgen – je nach individueller Situation - in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Hausarzt, Orthopäden und Unfallchirurgen bzw. Narkosearzt. Dazu ist mit einem mehr oder weniger großen Vorlauf vor der Operation auch ein Termin in der Klinik (sogenannte „prästationäre Untersuchung“) notwendig, zu dem das Ambulanzpersonal entsprechende Termine anbietet.

Patientenaufklärung HTEP

  • Patienteninformation und Einverständnis: Der Operationserfolg hängt unter anderem davon ab, wie gut der Patient über die Durchführung des Eingriffs und die damit verbundenen Maßnahmen aufgeklärt ist. Besonders wichtig ist hierbei, dass weder zu viele Ängste vor möglichen Komplikationen bestehen noch unrealistische Erwartungen zum Ergebnis aufgebaut sind. Bereits bei der gemeinsamen Abstimmung eines möglichen Eingriffes in der Sprechstunde sollten alle Fragen angesprochen werden, die für Patienten von Bedeutung sind. Später können diese im Rahmen zusätzlicher Vorstellungen bis zum Tag der Operation bei Bedarf nochmals vertieft werden.

Prothesenplanung mit Pat.

  • Operationsplanung: Der Operateur führt vor dem Eingriff am Computer mit Hilfe eines speziellen Planungsprogrammes eine Simulation von Knochendurchtrennung und Prothesenauswahl durch, die ein sehr genaues Röntgenbild erforderlich macht. Anhand einer in dieser Röntgenaufnahme aufgebrachten Metallkugel können genaue Längen und Durchmesser geeigneter Implantate vorausbestimmt werden. Zusätzlich ist die Kenntnis der Beinlänge erforderlich, denn es muss entschieden werden, ob im Rahmen des Eingriffes ein Ausgleich (Verlängerung oder Verkürzung) notwendig ist. Auch bei bestmöglicher Planung kann jedoch nie eine ideale Beinlängengleichheit garantiert werden, weil die richtige Gelenkspannung gelegentlich eine Verlängerung oder Verkürzung erforderlich macht.

Während der Operation

  • Antibiotika-Gabe zum Schutz vor Entzündungen: Auch bei sorgfältigster Operationstechnik besteht das Risiko einer durch Bakterien verursachten Entzündung des Kunstgelenkes, weil sich im Körper befindliche Erreger bevorzugt auf die Flächen von eingebrachten Fremdmaterialen absetzen. Diese Gefahr lässt sich vermindern durch die Verabreichung eines geeigneten Antibiotikums unmittelbar vor dem Hautschnitt. Handelt es sich um einen länger dauernden Eingriff, kann die Gabe des Antibiotikums nochmals wiederholt werden. Bei der Zementierung von Prothesen besteht noch ein zusätzlicher Schutzmechanismus: In den Knochenzement sind Antibiotika eingebracht, die über die ersten Wochen nach der Operation langsam freigesetzt werden und die mögliche Ansiedlung von Bakterien auf der Prothese behindern. Trotz all dieser Maßnahmen läßt sich das bei medizinischen Eingriffen bestehende Entzündungsrisiko jedoch niemals ganz ausschliessen.
  • Blutersatz: Grundsätzlich erfolgt bei der Operation eine sorgfältige Blutstillung. Um einen nicht immer vermeidbaren Blutverlust auszugleichen, wird insbesondere bei niedrigen Blutwerten oder größeren Eingriffen auch das in der Operation abfliessende Blut gesammelt. Damit kann es nach entsprechender Reinigung wieder in den Kreislauf zurückgegeben werden. Bei größeren Eingriffen kann auch die zusätzliche Verabreichung von Blutkonserven während oder nach dem Eingriff erforderlich werden. Besteht aufgrund besonderer Glaubenszugehörigkeit der Wunsch nach einer Vermeidung solcher Maßnahmen, ist das im Rahmen der Patientenaufklärung anzusprechen.
Lagerung des Patienten im Operationssal
Lagerung des Patienten im Operationssaal

Nach der Operation

  • Vorbeugung von Blutgerinnseln: Um einer möglichen Entstehung von Blutgerinnseln vorzubeugen (Thrombose der Beingefäße oder Lungenembolie), sind nach einer Operation zwei wichtige Maßnahmen erforderlich:
    Am Abend der Operation bzw. spätestens am Folgetag werden Medikamente verabreicht, die zu einer Verlangsamung der Blutgerinnung beitragen (sogenannter „Thrombose-Schutz“). Diese Medikamente werden entweder als Tablette oder als Spritze verabreicht und sind über mehrere Wochen (auch noch in der Rehabilitationsbehandlung) notwendig. Damit ist heute ein sehr wirksamer Schutz vor der Entstehung von Blutgerinnseln erreichbar. Weil die Blutgerinnung jedoch damit verlangsamt ist, muss eine etwas erhöhte Blutungsneigung und die Gefahr von Blutergüssen im Wundgebiet in Kauf genommen werden.
    Eine weitere wichtige Vorbeugungsmaßnahme ist die möglichst frühzeitige Bewegung des Patienten. Dies wird in den ersten Tagen durch Aufstehen mit Hilfe von Krankengymnasten oder Pflegepersonal sowie später das möglichst häufige eigenständige Aufstehen unterstützt. Im Liegen sollten möglichst häufig die Füße bewegt und die Beine angespannt werden, um den Blutkreislauf anzuregen.
  • Vorbeugung von Verknöcherungen: Bei Gelenkoperationen kann sich eine Verknöcherung von Weichteilen in der Umgebung aufgrund von Kalkeinlagerung ausbilden. Zur Vorbeugung werden Medikamente verabreicht, die gleichzeitig Entzündungs- und Schmerz-hemmend wirken. Besteht eine bekannte Unverträglichkeit gegenüber solchen Substanzen,  liegt eine Einschränkung der Nierenfunktion oder die Neigung zu Magenunverträglichkeit vor, wird eine einmalige Bestrahlung des Operationsgebietes unmittelbar vor oder nach dem Eingriff durchgeführt.
  • Krankengymnastik: Die Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit wird durch krankengymnastische Behandlung unterstützt. In Abhängigkeit von der Art und Größe des Eingriffs sowie dem Allgemeinzustand gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen.
  • Belastung des operierten Beines: Bei den allermeisten Kunstgelenk-Operationen würde die stabile Verankerung der Prothese eigentlich eine volle Belastung unmittelbar nach dem Eingriff erlauben. Dennoch schützt eine Teilbelastung mittels Gehstützen die Heilungsphase der Weichteile, weshalb im Rahmen der Krankengymnastik bis zur abgeschlossenen Wundheilung eine etwas verminderte Belastung beübt wird. Die Dauer einer solchen Teilbelastung wird beim Entlaßgespräch mit dem Arzt abschließend besprochen und im Arztbrief für nachbehandelnde Ärzte bzw. Krankengymnastik und Rehabilitationsbehandlung festgelegt.
    Bei der Verwendung von Kurzschaftprothesen ist manchmal eine Teilbelastung über die Dauer von 4 Wochen nach der Operation empfohlen, um ein sicheres knöchernes Einwachsen sicher zu stellen.
  • Rehabilitationsbehandlung: In den ersten Tagen nach der Operation erfolgt eine Beratung durch den Sozialdienst der Klinik im Hinblick auf die Auswahl einer sogenannten „Anschlussheilbehandlung“. Speziell geschulte Mitarbeiter erläutern die unterschiedlichen Alternativen und leiten eine Antragstellung beim Kostenträger in die Wege. Die Anschlussheilbehandlung kann stationär (in einer Klinik) oder ambulant (in einem ambulanten Rehabilitationszentrum) erfolgen. Die jeweiligen Vor- und Nachteile können dabei mit den Sozialarbeitern abgewogen werden. Letztlich entscheidet der Kostenträger, ob und wo die Maßnahme durchführbar ist. Bei berufstätigen Patienten erfolgt im Rahmen der Anschlussheilbehandlung auch eine Einschätzung hinsichtlich der weiteren Eignung am Arbeitsplatz sowie eine Beratung zu evtl. erforderlichen Veränderungsmaßnahmen (z.B. berufliche Wiedereingliederung, Umsetzung am Arbeitsplatz oder gar Umschulungsbedarf).

„Meilensteine“ im Ablauf eines künstlichen Hüftgelenkersatzes*

Wochen vor der Operation

  • Ärztliche Untersuchung und Aufklärungsgespräch
  • Überprüfung der Operationsfähigkeit
  • Ggf. Einstellung Begleiterkrankungen, Medikamenten-Anpassung

Tage vor der Operation

  • Vorstellung in „Prästationärer Untersuchung“
  • Narkosegespräch

Operationstag

  • Nüchtern bleiben (kein Rauchen, keine Nahrungsaufnahme)
  • Post-operative Überwachung (Wachzimmer oder Station)

1. Tag nach Operation

  • Aufstehen aus dem Bett mit Physiotherapeut/in
  • Physiotherapeutische Behandlung
  • Beantragung Rehabilitation durch Sozialdienst

2.Tag nach Operation

  • Entfernung des Saugschlauches
  • Gangschule mit Hilfsmitteln im Zimmer mit Physiotherapeut/in
  • Physiotherapeutische Behandlung

3. bis 6.Tag nach Operation

  • Selbständiges Aufstehen
  • Gehen auf Stationsebene und Treppe mit Physiotherapeut/in
  • Physiotherapeutische Behandlung
  • Röntgenkontrolle

7.Tag nach Operation

  • Entlassungsgespräch
  • Entlassung nach Hause oder Direktverlegung Reha-Klinik

*je nach Operationsablauf, Zustand des Patienten und Wochentag sind Abweichungen von diesem Zeitplan möglich