Benutzerspezifische Werkzeuge

Mein Leben mit dem Kunstgelenk – auf was ist zu achten?

Um die möglichst lange Lebensdauer eines Kunstgelenkes auszuschöpfen, sollten folgende Empfehlungen beachtet werden:

Allgemeine Hinweise für das Verhalten im Alltag:

Günstig wirken sich aus

  • möglichst viel Abwechslung zwischen stehenden, sitzenden und  liegenden Haltungen
  • die Vermeidung von Bewegungen, die mit erhöhtem Risiko für eine Auskugelung einhergehen
  • regelmäßige körperliche Betätigung mit Sportarten, die wenig Gewichts-  und Stoßbelastung für die betroffene Hüfte beinhalten (z. B. Schwimmen, Wassergymnastik, Rad fahren auf ebenem Gelände, Ergometertraining  gegen  geringen Widerstand, Nordic Walking, Skilanglauf, Thai Chi, Qi Gong, etc.)
  • Optimierung des  Körpergewichts: Übergewicht kann die Lebensdauer von Kunstgelenken begrenzen. Deshalb ist die richtige Einstellung des Körpergewichts eine wichtige Maßnahme in der Behandlungsplanung. Als Maßzahl für die Bewertung des Körpergewichts in Relation zur Körpergröße kann der „Body Mass Index (BMI)“ errechnet werden. Der Wert sollte beim Erwachsenen möglichst unter 25 kg/m2 (Normalgewicht) liegen, aber zumindest 30 kg/m2 (leichtes Übergewicht) nicht überschreiten.


Der eigene BMI kann sehr leicht errechnet werden:
BMI = Körpergewicht / (Körpergröße x Körpergröße) (in Kilogramm) (in Metern)

Vermieden werden sollten

  • körperlich einseitige  Belastung (z. B. übermäßig langes Stehen und Gehen)
  • das längerfristige Heben und Tragen von schweren Lasten (mehr als 25kg)
  • sturzgefährdende Tätigkeiten
  • Entzündungen im Körper, die zur Prothesenvereiterung führen können (z.B. eitrige Zähne oder Zehennägel, Geschwüre an den Beinen

Wichtig für Patienten mit einem Kunstgelenk ist eine rasche Behandlung von auftretenden eitrigen Entzündungen an anderen Körperstellen, um eine Verschleppung von Bakterien über die Blutbahn aus Wunden aller Art an das Kunstgelenk zu vermeiden. Mögliche Streuherde sind:

  • Zahnwurzel-Entzündungen
  • Infektionen des Hals-Nasen-Ohren-Bereiches
  • Nagelbettentzündungen an den Zehen
  • Geschwüre an den Beinen (z.B. bei chronischen Durchblutungsstörungen)

Deshalb ist eine regelmäßige Körperhygiene, Haut- und Fußpflege von großer Bedeutung. Diese Vorsichtsmaßnahme gilt lebenslang!

Anpassung sportlicher Tätigkeiten

Grundsätzlich gilt auch für Patienten nach dem endoprothetischen Gelenkersatz, dass (richtig betriebene) sportliche Tätigkeit viele günstige Effekte zeigt und deshalb ratsam ist. Nach mehrjähriger Gelenkabnutzung entwickeln sich häufig Einschränkungen in den konditionellen Fähigkeiten. Koordination und Ausdauer sind über die Jahre oft schlechter geworden, weshalb richtige Bewegung und Sport einen wichtigen Schritt zur Wiedererlangung einer normalen Lebensqualität darstellen.

Ein sehr guter und von den Kostenträgern unterstützter Ansatz ist die Teilnahme am „Rehasport“ der mittlerweile von vielen Einrichtungen angeboten wird. Der behandelnde Arzt stellt dazu eine Verordnung aus und es muss nur ein geeigneter Anbieter (auch häufig Sportvereine mit entsprechenden Programmen) gefunden werden. Im Dresdner Bereich bieten dies beispielsweise folgende Institutionen an:

Folgende Sportarten können ohne wesentliche Einschränkung mit einem künstlichen Hüftgelenk ausgeübt werden:

  • Ergometer Training
  • Fahrradfahren
  • Schwimmen (Brustschwimmen ist möglich, wenn die Öffnung und das Außendrehung der Beine nicht übermäßig erfolgen, Rückenschwimmen und Kraulen sind ohne Einschränkung möglich)
  • Wandern
  • Nordic-Walking
  • Tanzen
  • Golf
  • Gymnastik
  • Krafttraining unter professioneller Anleitung (Gesundheitssport/ Physiotherapie).

Rehasport_Treppe

Hüftrehasport






Mit entsprechender Erfahrung sind auch weitere Sportarten für Endoprothesenträger möglich:

  • Bowling
  • Kanu/Rudern
  • Bergwandern (Abstützen auf Wanderstöcken beim Bergabgehen, Vermeidung langer Abstiege z. B. durch Benutzung einer Bergbahn)
  • Reiten
  • Skilanglauf

Es ist zu empfehlen, die sportlichen Aktivitäten mit dem behandelnden Arzt abzustimmen, denn sportliche Tätigkeiten mit sehr hoher Gelenkbelastung stellen einen Risikofaktor für die Lebensdauer eines Kunstgelenkes dar. Deshalb haben betroffene Patienten hier einen guten Ansatzpunkt zur Beeinflussung des langfristigen Ergebnisses. Alle Tätigkeiten, die über einen längeren Zeitraum ausgeübt werden und wiederholt auftretende Stöße mit hohen Spitzenkräften beinhalten, sind ungünstig. Dies gilt zum Beispiel für bestimmte Ballspiele (insbesondere Fußball) und Sprungsportarten, aber auch übermäßige Laufbelastung (z. B. Langstreckenläufe).

Anpassung beruflicher Belastung

Bei hoher beruflicher Belastung sind entsprechende Unterstützungsmaßnahmen sinnvoll. Dazu gehören u. a. Hilfen zur Erhaltung eines Arbeitsplatzes, berufliche Anpassungsmaßnahmen, und Leistungen an Arbeitgeber zur Unterstützung der Beschäftigungsbereitschaft. Bei Bedarf sollten Patienten mit ihrem Rentenversicherungsträger Kontakt aufnehmen, um ein Beratungsangebot zu erhalten.

Alltagsrelevante Abläufe nach Hüftgelenksersatz

Nach dem Ersatz des Hüftgelenkes durch ein Kunstgelenk müssen Sie einige alltägliche Bewegungen verändern.

Wenn von Ihrem Operateur nicht anders verordnet, sollten Sie für 8 Wochen bestimmte Positionen und Bewegungen vermeiden und Ihren Alltag entsprechend einrichten.

Dieses Faltblatt soll Ihnen eine Anleitung für Ihr Bewegungsverhalten für die Zeit nach der Operation geben.

Hinweise_Tipps_nach_Hueft-TEP.JPG