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Brain mapping

Brain Mapping - das derzeit vermutlich sicherste Verfahren zum Nachweis funktioneller Hirnareale

Die Bedeutung einzelner Hirnareale für den Funktionserhalt nach einer Operation ist nicht endgültig geklärt, insbesondere die Frage, ob die Ausschaltung eines bestimmten Areals einen Funktionsverlust zur Folge hat. Dies betrifft insbesondere Areale, die für die Sprachfunktion bedeutend sein könnten.

Die im letzten Jahrhundert entwickelten Konzepte einer interindividuell konstanten anatomischen Lokali-
sierung sprachaktiver Areale haben sich nicht halten können, im Gegensatz etwa zum sensomotorischen Cortex, der nahezu keine interindividuelle Variabilität aufweist und oft bereits kernspintomographisch eindeutig zu lokalisieren ist.

Deshalb wurde bei Tumorlokalisationen in oder in der Nähe sprachaktiver Zentren bisher entweder von einer Operation abgesehen, um eine erhebliche Minderung der Lebensqualität des Patienten durch schwere Sprachstörungen (Aphasien) zu vermeiden, oder der Tumor wurde nur teilreseziert in Bereichen weitab vermuteter sprachaktiver Zentren.

OP-Techniken mit intraoperativer elektrophysiologischer Lokalisierung („brain mapping“ oder „electrical stimulation mapping“) sprachaktiver Areale wurden erstmals von Penfield et al. bei Epilepsiechirurgischen Eingriffen vorgestellt. Eine modifizierte Technik wird in einigen neurochirurgischen Zentren heute bei Patienten mit niedergradigen Gliomen oder anderen Läsionen in der Nähe von vermuteten funktions-
kritischen, „spracheloquenten“ Arealen angewendet, um durch ein intermittierendes Funktionsmonitoring (elektrische Stimulation corticaler funktionssensitiver Areale und Mapping) die individuelle Lokalisation sprachaktiver Areale exakt zu lokalisieren und somit operationsbedingte neurologische und neuropsycho-
logische Defizite möglichst zu vermeiden.

Das „brain mapping“ stellt derzeit vermutlich das sicherste Verfahren zum Nachweis funktioneller Hirnareale dar.


Jedoch ist eine derartige Testung am wachen Patienten trotz schmerzfreier Durchführung mit einer starken psychischen Belastung verbunden und kommt aus unserer Sicht nur für einzelne Patienten in Betracht.
Es besteht außerdem das Risiko eines stimulationsinduzierten generalisierten epileptischen Anfalles, weshalb einige Gruppen routinemäßig unmittelbar präoperativ ein Antiepileptikum applizieren, wenn nicht unter epilepsiechirurgischen Bedingungen operiert werden soll.

Ein derartiges Vorgehen ist daher nicht bei allen Patienten mit Hirntumoren in eloquenten Arealen indiziert, möglich oder überhaupt wünschenswert.

 
Da es sich bei der menschlichen Sprache um ein sehr komplexes Phänomen handelt, können sowohl durch apparative bildgebende Untersuchungen als auch bei der intraoperativen Stimulation unter Verwendung unterschiedlicher Paradigmen immer nur bestimmte Teilaspekte bzw. Funktionen lokalisiert werden. Die Definition „adäquater“ Paradigmen zur prä- und intraoperativen Sprachtestung wird momentan im Bereich der neuropsychologischen Forschung sehr kontrovers diskutiert.