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30. Dezember 1969

Pressemeldungen aus der MK III

16. März 2016

Dresdner Kongress hat hohe Blutfette und Autoimmunerkrankungen im Blick

Vom 17. bis 19. März findet in Dresden das „4th Dresden International Symposium on Therapeutic Apheresis“ statt. Mehr als 200 Experten aus 22 Ländern diskutieren dann über neue Perspektiven von Aphereseverfahren. Die Methode basiert auf der therapeutischen Grundlage, krankmachende Stoffe selektiv aus dem Blut zu entfernen. Tagungsort ist das Congress Center Dresden.

Es sind ungewöhnliche Therapieverfahren: Statt dem kranken Körper ein Medikament zur Besserung oder gar Heilung zuzuführen, werden ihm Bestandteile entzogen. Gemeint ist eine spezielle Gruppe von Blutreinigungsverfahren, die Apherese, bei der - vergleichbar der Hämodialyse (Blutwäsche) -, die krankmachenden Stoffe aus dem Blut entfernt werden. Das können bestimmte Blutfette sein, aber auch, je nach Krankheit, Entzündungsfaktoren und Bakterien. „Denn die Methode der Apherese wird nicht mehr nur bei schweren Fettstoffwechselstörungen angewandt, bei denen die üblichen Medikamente keine oder kaum Besserung bewirken“, so Professor Dr. Bernd Hohenstein, der als Nierenspezialist auch die Abteilung für extrakorporale Verfahren und Lipoproteinapherese am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden leitet.

Die Dresdner verfügen heute über das größte universitäre Apheresezentrum in ganz Deutschland. Der Grundstein für den Standort Dresden wurde bereits vor mehr als 25 Jahren von Professor Dr. Ulrich Julius gelegt. 2010 fand hier das erste Dresden International Symposium on Therapeutic Apheresis statt, das in Fachkreisen sofort auf große Resonanz stieß. Inzwischen hat sich der Kongress zum wichtigsten Expertenforum für extrakorporale Blutreinigungsverfahren entwickelt. „Über 200 Teilnehmer aus 22 Nationen werden zum lebhaften Expertenaustausch in Dresden erwartet“, so Prof. Hohenstein, der gemeinsam mit Prof. Julius Tagungspräsident des 4th Dresden International Symposiusm on Theraoeutic Apheresis ist. Damit zählt Dresden europaweit zu den herausragenden Standorten für diese Verfahren und verfügt über die modernste Technologie. Prof. Hohenstein: „Wir sind inzwischen zum Referenzzentrum für die Industrie und für Studienkonzepte im Bereich der Aphereseverfahren geworden.“

Inzwischen gibt es eine eigene europäische Fachgesellschaft, an deren Gründung die Dresdener maßgeblich beteiligt waren. Eine Hauptaufgabe der Fachgesellschaft ist es, die therapeutischen Vorteile des Verfahrens auch politisch weiter durchzusetzen, um langfristig Kosten zu verringern und somit zukünftig noch mehr Menschen diese Verfahren zu ermöglichen. Denn die Krankheitsbilder, für die die Apherese eine sinnvolle Behandlung darstellt, haben sich erweitert. So ist im Laufe der letzten Jahre der große Komplex der Autoimmunerkrankungen hinzugekommen. Es gibt weitere spezielle Verfahren, die es möglich machen, bestimmte Eiweiße (Antikörper) gezielt aus dem Blut zu entfernen. Dies unterstützt die Therapien für zahlreiche Erkrankungen oder ersetzt teilweise sogar medikamentöse Behandlungen. Positive Erfahrungen haben die Dresdner mit diesen als Immunadsorption bezeichneten Verfahren inzwischen bei schweren Hauterkrankungen, schweren Fällen von Neurodermitis und Erkrankungen des Nervensystems, wie Multiple Sklerose oder Myasthenie gemacht. Auch bei rheumatischen Erkrankungen, Nierenerkrankungen und natürlich der Organtransplantation haben sich diese unterstützenden Verfahren inzwischen etabliert. „Auch Kinder und Jugendliche können damit gut behandelt werden“, berichtet Bernd Hohenstein.

Sogar bei der etablierten Behandlung schwerer Fettstoffwechselstörungen mit Hilfe der Lipoproteinapherese gab es eine spannende neue Entwicklung: Standen zu Beginn Patienten mit massiv erhöhtem, medikamentös nicht kontrollierbarem LDL-Cholesterin im Zentrum der Apherese-Behandlung, so hat sich in den letzten Jahren in einem zu hohen Lipoprotein(a)-Gehalt ein weiterer Risikofaktor für Gefäßschäden identifizieren lassen. Noch immer wird an diesen Risikofaktor zu selten gedacht, obwohl dadurch teilweise bereits im Alter von 30 Jahren Herzinfarkte und andere schwere Gefäßkomplikationen auftreten. Und weil es dagegen noch keine etablierte Medikamenten-Therapie gibt, stellt die Apherese zurzeit die einzige Behandlungsmethode bei einer Gefäßerkrankung mit erhöhtem Lipoprotein(a) dar. Dies bestätigte eine deutschlandweite Studie zum Thema. So konnten über einen Zeitraum von zwei Jahren bei erhöhtem Lipoprotein(a) und fortschreitender Gefäßschädigung unter der Apherese-Therapie Gefäßereignisse in einem Zeitraum von zwei Jahren um mehr als 80 Prozent reduziert werden. Statistisch betrachtet benötigen in Sachsen rund 1600 Patienten eine Apheresetherapie. Faktisch erhalten zurzeit deutschlandweit rund 2500 - davon 200 in Sachsen - diese spezielle Behandlung. Trotz der nachgewiesenen Erfolge der Apherese-Behandlung erhalten noch immer viel zu wenige Menschen diese manchmal lebensrettende Therapie.

Susanne Witzigmann M.A.

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26. Januar 2016

Dresdner Forscher leisten wichtigen Beitrag zur Entschlüsselung der Sprache der Zellen

Die Forschungsergebnisse der Untersuchung molekularer Mechanismen in neuralen Stammzellen und Inselzellen zeigen erstaunliche Parallelen und bergen dadurch neue Therapieformen, unter anderem für Diabetes.

Die Stammzellforscher PD Dr. Andreas Androutsellis-Theotokis, PhD, Dr. Jimmy Masjkur und Dr. Steven W. Poser vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden haben entschlüsselt, dass Inselzellen und neurale Stammzellen Signale aus ihrer Umgebung ähnlich interpretieren und darauf auch ähnlich reagieren. Diese Erkenntnisse könnten helfen, Zellen so zu manipulieren, dass sie Schäden am Gewebe reparieren und zur Regeneration anregen. Daraus können sich mögliche neue Therapieansätze für die Behandlung von Stoffwechselerkrankungen wie zum Beispiel Diabetes ergeben. Die Forschungsergebnisse wurden gerade in der renommierten Fachzeitschrift Diabetes unter dem Titel Endocrine Pancreas Development and Regeneration: Noncanonical Ideas From Neural Stem Cell Biology ( DOI: 10.2337/db15-1099 ) veröffentlicht.

Neurale Stammzellen besitzen außergewöhnliche Fähigkeiten: Sie können sich teilen, in eine Art ‚Winterschlaf‘ fallen oder sich in reife Zelltypen differenzieren und als solche unterschiedlichste Funktionen übernehmen. Was aber macht die neuralen Stammzellen zu diesen Multitalenten?

Möglich wird dies durch bestimmte Signalwege, denn die Stammzellen empfangen Signale des umgebenden Gewebes und reagieren darauf. Entscheidend ist die Art, wie diese Zellen die empfangenen Signale interpretieren - vergleichbar mit Menschen, die zwar dieselbe Sprache sprechen, jedoch aufgrund unterschiedlicher Dialekte manche Wörter unterschiedlich interpretieren. Für die Forscher gilt es demnach zu entschlüsseln, wie Stammzellen die unterschiedlichen Signale aus ihrer Umgebung interpretieren - welchen ‚Dialekt‘ sie verstehen - und ob man diesen dann gezielt einsetzen kann, um Zellen zu überreden, verletztes Gewebe zu regenerieren.

Die Stammzellforscher PD Dr. Andreas Androutsellis Theotokis, PhD, Dr. Jimmy Masjkur und Dr. Steven W. Poser von der von Professor Dr. Stefan R. Bornstein geleiteten Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Uniklinikum Dresden haben jetzt einen solchen molekularen ‚Dialekt‘ entdeckt und ihn STAT3-Ser/Hes3-Signaltransduktionsweg genannt. Was ihn so spannend macht, ist die Tatsache, dass ihn nicht nur Stammzellen, sondern auch bestimmte Zellen nutzen, die ebenfalls über die Fähigkeit zur Teilung und Differenzierung in andere Zelltypen verfügen.

Zellen, die diese Anforderung erfüllen, sind die Inselzellen aus dem Pankreas (Bauchspeicheldrüse), die unterschiedliche endokrine Hormone, einschließlich des Insulins produzieren. Das Pankreas kann als ein hochplastisches Organ im Rahmen der Homeostase (Gleichgewicht) und der Regeneration multiple Veränderungen durchlaufen. Die Erkenntnis, dass die Inselzellen dieselben Signalwege wie die zur Regeneration fähigen Stammzellen nutzen, könnte zukünftig neue Therapieoptionen für den Diabetes eröffnen. Denn ein wichtiger Faktor bei der Diabetes-Forschung ist die Erhaltung und Regeneration der Inselzellen. So werden – über die Quelle der Stammzellforschung - die für die Regeneration notwendigen Signalwege verstanden. Und die Signalwege der neuralen Stammzellen dienen als „Blaupause“ bei der Identifikation neuer molekularer Mechanismen der Pankreasbiologie. Die Dresdner Forschungsergebnisse wurden jetzt unter dem Titel Endocrine Pancreas Development and Regeneration: Noncanonical Ideas From Neural Stem Cell Biology in der renommierten Fachzeitschrift Diabetes (DOI: 10.2337/db15-1099) veröffentlicht.

Susanne Witzigmann M.A.

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27.10.2015

Ehrhart-Bornstein Trauer um Dr. Monika Ehrhart-Bornstein

Am 24. Oktober verstarb die Dresdner Molekularbiologin im Alter von 56 Jahren.

„Meine Arbeitsgruppe ist eine kleine UNO“, war ein häufiges Zitat von Dr. Monika Ehrhart-Bornstein über ihre Arbeitsgruppe Molekulare Endokrinologie, die sie seit 2005 an der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden leitete. Die Forschungsarbeit der Molekularbiologin war von Internationalität geprägt. Monika Ehrhart-Bornstein arbeitete in engem Verbund mit führenden Wissenschaftlern wie dem Nobelpreisträger Andrew V. Schally zusammen. International waren auch ihre Erfolge als Dresdner Nebennieren-Expertin. So isolierten sie und ihr Wissenschaftsteam weltweit erstmals im Tiermodell nervenähnliche Stammzellen aus dem Nebennierenmark. Ein Erfolg, der großes Potenzial für die Zukunft birgt, denn Ehrhart-Bornsteins Untersuchungen haben gezeigt, dass sich Stammzellen aus dem Nebennierenmark wegen ihrer biologischen Eigenschaften zur Behandlung von Nervenerkrankungen eignen könnten. Nur wenige Jahre später legte Monika Ehrhart-Bornstein den Beweis für diese These vor, als es ihr und ihrem Team gelang, die Stammzellen aus dem Nebennierenmark mit einem speziellen Wachstumsfaktor in nervenähnliche Zellen umzuwandeln. Dies gilt als weiterer Meilenstein auf dem Weg zu neuen Therapieoptionen für Nervenerkrankungen wie Morbus Alzheimer und Morbus Parkinson mit Hilfe von Nebennieren-Stammzellen.

Dr. Monika Ehrhart-Bornstein leitete zahlreiche große Forschungsprojekte, beispielsweise zu Chromaffinen Progenitorzellen aus dem Nebennierenmark im Sonderforschungsbereich 655 ‚Cells into tissues‘ oder in der KFO 252 ‚Microenvironment of the Adrenal in Health and Disease‘ im Bereich der Stressforschung. Weitere Forschungsthemen der Molekularbiologin waren Nebennierentumoren und Nebennierenversagen. Als Tagungspräsidentin holte sie 2012 die 10. Nebennierenkonferenz nach Dresden, auf der international führende Wissenschaftler neue diagnostische und therapeutische Ansätze zur Behandlung von Nebennierenkrankheiten diskutierten.

Monika Ehrhart-Bornstein wurde 1959 in Heidenheim geboren. Schon in der Schule zeigte sich ihre besondere Begabung für Mathematik, Naturwissenschaften und Technik. Nach dem Abitur absolvierte sie ein Studium der Biologie an der Universität Ulm und promovierte 1988 zum Thema ‚Chromogranin A im endokrinen Pankreas des Rindes: Zelluläre und Subzelluläre Verteilung, Charakterisierung und Quantifizierung‘. Während ihres Studiums lernte Monika Ehrhart-Bornstein auch ihren späteren Ehemann kennen. Als Stipendiatin setzte sie ihren wissenschaftlichen Werdegang am Physiologischen Institut der Universität Bergen in Norwegen fort, 1989 wurde sie Stipendiatin am Panum Institut Kopenhagen, Dänemark. Es folgten Stationen als Wissenschaftlerin am Universitätsklinikum Ulm, am Department of Biochemistry der Universität von Texas in Dallas und am Universitätsklinikum Leipzig. 1998 wechselte die Wissenschaftlerin an die National Institutes of Health, NIH, in Bethesda in den USA, wo sie über den Einfluss adenoviraler Vektoren auf die adrenokortikale Steroidogenese forschte. Im Jahr 2001 wurde Dr. Monika Ehrhart-Bornstein Arbeitsgruppenleiterin am Deutschen Diabetes Forschungsinstitut Düsseldorf. Ihr Thema war der ‚Einfluss adipozytärer Sekretionsprodukte auf die adrenale Steroidogenese‘. 2005 erfolgte schließlich der Wechsel als Laborleiterin ans Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden. Ihre Publikationsliste umfasst 300 Artikel und Buchbeiträge, sie wurde in der Fachliteratur viele tausend Mal zitiert.

Privat engagierte sich Monika Ehrhart-Bornstein intensiv für die Jüdische Gemeinde zu Dresden, der sie angehörte, und war eine große Förderin der International School Dresden. Ihre Familie mit ihrem Mann und den beiden gemeinsamen Söhnen stand für sie immer an erster Stelle. Gemeinsam unternahmen sie viele Reisen und pflegten einen großen Freundeskreis.

Am 24. Oktober ist Dr. Monika Ehrhart-Bornstein im Alter von 56 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben. Sie hinterlässt ihren Mann, den Klinikdirektor der Medizinischen Klinik III am Dresdner Uniklinikum, Professor Dr. Stefan R. Bornstein, sowie ihre Söhne Alexander (24) und Tobias (22).

Susanne Witzigmann M.A.

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30.09.2015

TransCampus London-Dresden:
Two top universities pursue worldwide success together

The first meeting between the Vice Chancellors of King’s College London and Technische Universität Dresden in late September sealed the merger of research and teaching at the two elite universities. The GWT-TUD is supporting the project with a TransCampus professorship, while pharmaceuticals company Quintiles sponsors the TransCampus Summer School.

It was a meeting at the very highest level. TUD Vice Chancellor Professor Dr Hans Müller-Steinhagen received his counterpart Professor Dr Edward Byrne of King’s College London in front of a packed auditorium in the Altana Gallery in the Görges Building. The Vice Chancellors of the two elite universities had come together for the official signing of the cooperation agreement for TransCampus London-Dresden. This is the first time that two top European universities have come together to form a TransCampus. The project got underway in April this year, with joint research projects and exchange programmes for academics and students. And we have already seen some initial big successes that would not have been possible without the cluster. For example, islet cell, kidney and bone marrow transplantation at the TransCampus London-Dresden is now one of the largest transplant centres in the world. Engineering also has many joint research topics, such as telecommunications, where researchers are working together to achieve a world standard in the development of mobile communications. Further fields of research in physics and the arts will follow.
“Successful, forward-looking science needs close connections, especially at an international level,” says Vice Chancellor Müller-Steinhagen. “King’s College London and TU Dresden are taking this one step further. The TransCampus we have established together bears witness to a real commitment to collaboration. It represents combined forces and profitable synergies – across national and institutional boundaries. We are really setting an example here.”
In his talk, “Challenges for a modern university in the 21st Century”, Vice Chancellor Byrne emphasised the importance of international networks if universities are to compete with the best. He also highlighted the fact that, although any elite university brings new jobs, greater economic strength and the arrival of research institutions to the region, the cluster of two elite universities multiplies this positive development and creates ideal conditions for significantly better promotion of top-level research.
TransCampus Dean and Professor of Medicine Stefan R. Bornstein also sees the London-Dresden cluster as much more than simply a doubling of knowledge and skills. “London and Dresden are united by a common spirit, shared values and a passion for research. We want to drive these forward together, for example in research into immunotherapy for cancer and in fighting widespread diseases like diabetes and depression. And – given the large-scale humanitarian crises facing the world, such as the Ebola epidemic and the large number of people being forced to flee their homes – we want to make our own contribution to finding solutions for dealing with the great challenges of our time, for the benefit of all of humanity.”
The TransCampus London-Dresden receives vital support from a TransCampus professorship funded by the GWT-TUD, as well as the TransCampus Summer School sponsored by Quintiles.
Professor Edward Byrne spent two days in Dresden, gaining an insight into the top-level research being carried out in the field of telecommunications at Dresden 5G Lab Germany, Silicon Saxony and TU Dresden. He was also able to dip his toe into Dresden’s culture with a visit to the Alte Meister gallery.

Photo: UKD/Stephan Wiegand
Front row, left to right: Monica Miess, Quintiles; Beate-Victoria Ermisch, GWT-TUD. Back row, left to right: Vice Chancellor Professor Dr Hans Müller-Steinhagen, TU Dresden; Vice Chancellor Professor Dr Edward Byrne, King’s College London; Professor Dr Stefan R. Bornstein, TransCampus Dean and Director of the Medical Clinic and Polyclinic III at Universitätsklinikum Dresden.

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30.09.2015

Großzügige Sachspende für die Diabetes-Fußstation

Das Dresdner Unternehmen DAS Environmental Expert sponsert der Station MK3 S2 zwölf Fernseher im Wert von fast 12.000 Euro.

„Patienten, die an einem fortgeschrittenen diabetischen Fußsyndrom leiden, haben häufig offene Stellen an den Füßen, die nur langsam oder ohne stationäre Behandlung gar nicht mehr heilen. Die Wunden liegen an den belasteten Stellen der Füße, was das Gehen unmöglich macht, wenn man Heilung erwartet. Nun kommt es auf die richtige Behandlung an“, so Oberarzt Dr. Hannes Rietzsch von der von Professor Dr. Stefan R. Bornstein geleiteten Medizinischen Klinik und Poliklinik III. „Die Infektion muss bekämpft, die Durchblutung verbessert und der Fuß von jeglichem Druck entlastet werden. Die Behandlung ist durch Entlastung mittels Bettruhe, fußchirurgischen Eingriffen und eine extrem zögerliche Abheilung bei teilweise erheblichen Durchblutungsstörungen gekennzeichnet. Häufig rettet das Bein der betroffenen Patienten nur eine subtil ausgeführte Minor-Amputation. Die damit verbundenen langen Krankenhausaufenthalte stellen eine starke Belastung für die Patienten dar.“
Um die Wochen der Heilung, die die Betroffenen vor allem im Bett verbringen müssen, ein bisschen angenehmer zu gestalten, gibt es ab heute in jedem der elf Patientenzimmer sowie im Aufenthaltsraum einen neuen, leicht zu bedienenden LED-Fernseher mit großem Bildschirm. Dr. Hannes Rietzsch: „Diese werden auch den Augenveränderungen bei Diabetes mellitus optimal gerecht.“ Die neuen Fernseher ersetzen die alten Röhrengeräte, deren Bildschirme viel zu klein waren. Sponsor der neuen Geräte ist Dr. Horst Reichardt, Eigentümer des Unternehmens DAS Environmental Expert. „Die Fernseher sollen helfen, den langen Tag im Krankenhaus ein wenig bunter und abwechslungsreicher zu gestalten. Ob bei einer Sportsendung, einem spannenden Film oder den Sendungen, die bisher zum normalen Alltag der Patienten gehört haben. Vielleicht tragen die nun farbenfrohen Bilder sogar ein wenig zur schnelleren Genesung bei.“

Foto: UKD/Thomas Albrecht
V.l.n.r.: Sylvia Jentsch, Bettina Thiele, Margit Schulz, Dr. Horst Reichardt, Dr. Hannes Rietzsch, Dennis Leonhardt

Susanne Witzigmann M.A.
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28.09.2015

Wieviel Zeit bleibt für Hausbesuche?

Wissenschaftler des Bereichs Allgemeinmedizin der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden erhielten den ersten Posterpreis auf der Jahrestagung 2015 der Südtiroler, Deutschen und Österreichischen Gesellschaften für Allgemeinmedizin .

Es waren gleich drei Gesellschaften für Allgemeinmedizin – darunter die DEGAM aus Deutschland - die Ende September gemeinsam in Bozen ihre Jahrestagung abhielten. Und es gab drei Preisträger für die besten Poster. Wie schon 2014 erhielt auch in diesem Jahr das Dresdner Team einen der begehrten Preise. Die Wissenschaftler Stefan Bojanowski, Dr. Karen Voigt und Prof. Dr. Antje Bergmann haben sich wissenschaftlich der Frage „Zeit für Hausbesuche – wann und wieviel?!“ genähert und die Jury mit den Dresdner Ergebnissen überzeugt. Diese enthielten Informationen zu inhaltlichen Aspekten von Hausarztbesuchen wie diagnostische und therapeutische Tätigkeiten sowie Entscheidungen bezüglich der weiteren Behandlung aber auch organisatorische Merkmale. Dokumentiert und statistisch ausgewertet haben die Dresdner die Hausbesuche von 21 Arztpraxen, die alle Hausbesuche jeweils einer Woche dokumentierten. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass der Behandlungsschwerpunkt bei Routinehausbesuchen auf der Beratung der Patienten oder Angehörigen liegt.  Landärzte benötigen sowohl für  den Hausbesuch als auch für An- und Abreise weniger Zeit als die Kollegen in den Städten. Ob dies mit einer größeren Hausbesuchszahl zu begründen ist, konnte aufgrund der geringen Fallzahlen nicht abschließend geklärt werden. Die von den Preisträgern aktuell in Sachsen durchgeführte epidemiologische Jahresstudie SESAM-5 wird (ca. 250 Hausärzten dokumentieren > 4000 Hausbesuche) weitere Informationen liefern.
Der Posterpreis ist mit 1000 Euro dotiert.

Susanne Witzigmann M.A.

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22.09.2015

Transcampus London – Dresden: Zwei Spitzen-Unis setzen gemeinsam auf Welterfolg

Erstes Treffen der Rektoren vom King’s College London und der Technischen Universität Dresden findet morgen (23. September) in Dresden statt.

Professor Edward Byrne, Rektor des King’s College London, und Professor Hans Müller-Steinhagen, Rektor der TU Dresden, bekräftigen bei ihrem Treffen die gemeinsame Forschungsarbeit beider Elite-Universitäten. Auf dem Programm steht die strategische Entwicklung weiterer Transcampus-Projekte in Medizin und Biotechnologie, Ingenieur-, Natur- und Geisteswissenschaften. Erste Erfolge verzeichnet der in Europa bislang einmalige Verbund schon jetzt in der Medizin: In der Insel-, Nieren- sowie Knochenmarktransplantation gehört der Transcampus London - Dresden zu den größten Transplantationszentren der Welt.

Der Startschuss für den europaweit ersten Transcampus zweier Elite-Universitäten fiel schon im April dieses Jahres mit gemeinsamen Forschungsprojekten und Austauschprogrammen für Wissenschaftler und Studierende. Am Mittwoch, dem 23. September, treffen die Rektoren von King’s College London und Technischer Universität Dresden, Professor Dr. Edward Byrne und Professor Dr. Hans Müller-Steinhagen, erstmals in Dresden zusammen, um den Verbund beider Spitzen-Hochschulen schriftlich zu besiegeln. Das Ziel des Transcampus London – Dresden ist dabei weit mehr als die Verdoppelung von Wissen und Können, denn die Bündelung der Kompetenzen und Ressourcen beider Universitäten schafft Synergien, zu denen verbesserte Fördermöglichkeiten für Spitzenforschung zählen, die den Transcampus zu einem Magneten für Wissenschaftler und Studierende weit über europäische Grenzen hinaus und zum Modell und Vorreiter für andere große Universitäten werden lässt. „Erfolgreiche und zukunftsweisende Wissenschaft benötigt enge Vernetzung, insbesondere auch auf internationaler Ebene“, betont der Rektor der TU Dresden, Prof. Hans Müller-Steinhagen. „Das King’s College London und die TU Dresden tragen diese Feststellung einen Schritt weiter. Der gemeinsam etablierte TransCampus zeugt von einer echten Verpflichtung zur Zusammenarbeit. Er steht für gebündelte Kräfte und gewinnbringende Synergien – und all dies über jegliche nationalen oder institutionellen Grenzen hinweg. Das hat absoluten Vorbildcharakter!“

Bereits Ende April wurde Professor Dr. Stefan R. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III sowie des Zentrums für Innere Medizin am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden und Prorektor für Internationales und Entwicklung der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden, vom Londoner King’s College zum Transcampus-Dekan ernannt. Erste gemeinsame Forschungsprojekte folgten schnell, beispielsweise bei der Immuntherapie gegen Krebs sowie der Erforschung großer Volkskrankheiten wie Diabetes und Depression. Ein weiteres Forschungsfeld sind künstliche Organe und das Beschreiten neuer Wege bei der Transplantationsmedizin. In der Insel-, Nieren- und Knochenmarktransplantation gehört der Transcampus London – Dresden inzwischen zu den weltweit größten Transplantationszentren.

Doch auch über die Medizin hinaus arbeiten London und Dresden bereits zusammen, zum Beispiel in der Nachrichtentechnik, wo die Forscher in der Weiterentwicklung des Mobilfunks gemeinsam auf den Weltstandard zielen. Weitere Forschungsbereiche - unter anderem in der Physik sowie in den Ingenieur- und Geisteswissenschaften - werden folgen.

Zwei Tage hat Professor Edward Byrne für seinen Besuch in Dresden geplant. Bei der feierlichen Unterzeichnung der gemeinsamen Absichtserklärung beider Rektoren am ersten Tag des Besuchs werden neben den Dekanen der TU Dresden auch die Direktoren großer Forschungseinrichtungen sowie Repräsentanten aus Politik und Industrie anwesend sein. Am zweiten Tag erhält Rektor Byrne einen Einblick in die Dresdner Spitzenforschung im Bereich der Ingenieurwissenschaften der TU Dresden und wird mit dem Besuch der Alten Meister auch in die Dresdner Kultur eintauchen.

Susanne Witzigmann M.A.

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17. Juni 2015

Die Dresdner Neuesten Nachrichten berichten über die Notaufnahme am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

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1.6.2015

TU Dresden und King’s College starten als Europas
erster Transcampus durch Bornstein - Lechler.jpg

Professor Dr. Stefan R. Bornstein initiiert als erster Transcampus-Dekan gemeinsame Medizinforschung zwischen dem Londoner King’s College und der TU Dresden. Der Verbund beider Elite-Hochschulen bringt neue Strukturen für Therapie, Forschung, Förderung und Studium. Dresdner Auftakt des Transcampus war Ende April der Besuch von Prof. Sir Robert Lechler, Direktor des King‘s Health Partners Academic Health Sciences Centre und Prorektor am King’s College London.

„Pursuit of Clinical Transplantation Tolerance“ war der Titel des Vortrags, den Professor Sir Robert Lechler bei seinem ersten Besuch in Dresden Ende April hielt. Damit gab der englische Wissenschaftler im überfüllten Hörsaal des MTZ den Startschuss für den Transcampus zwischen dem Londoner King’s College und der Technischen Universität Dresden. Mit seinem Vortrag gab der Immunologe außerdem einen spannenden Einblick in sein Fachgebiet. Für die Dresdner Mediziner wird es zukünftig nicht nur bei Einblicken in die Forschung der renommierten Londoner Hochschule bleiben.
Mit der Ernennung des eurapaweit ersten Transcampus-Dekans zwischen der Technischen Universität Dresden und dem King’s College hat die Londoner Universität ein Projekt gewagt, das Vorreiter und Modell für andere große Universitäten werden könnte. Professor Dr. Stefan R. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III sowie des Zentrums für Innere Medizin am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden und Prodekan für Internationales und Entwicklung der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden, wird als frischernannter Transcampus-Dekan die Ressourcen beider Hochschulen im Bereich Medizin zusammenführen und stärken. Prof. Bornstein. „Die Dresdner Forschung steht für Exzellenz und das Beschreiten neuer und erfolgreicher Wege. Das renommierte Londoner King’s College blickt auf eine lange Tradition zurück und ist bis heute mit den Namen weltbekannter Wissenschaftler, darunter zahlreiche Nobelpreisträger, verbunden. Führen beide Elite-Hochschulen ihre Kompetenzen zusammen, entsteht mehr als die Verdoppelung von Wissen und Können. Es geht um Synergien, zu denen verbesserte Fördermöglichkeiten zählen, die den Transcampus zum attraktiven Kooperationspartner für andere renommierte Hochschulen sowie zum Magneten für Wissenschaftler und Studierende weit über europäische Grenzen hinaus machen. Den größten Nutzen sollen jedoch unsere Patienten aus diesem Modell ziehen, die nun Zugang zu den Kompetenzen beider medizinischer Einrichtungen bekommen.“
„Das Interesse des traditionsreichen King’s College London an einer strategischen Partnerschaft mit der TU Dresden durch ein eigenes Transcampus-Dekanat ist ein weiterer Beleg für die exzellente Dresdner Forschung und zugleich Anerkennung unserer Kompetenz im Wissenschaftsmanagement“, so Professor Dr. Heinz Reichmann, Dekan der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden. „Die Dresden-London-Allianz in der medizinischen Forschung verdeutlicht auf besondere Weise unseren Anspruch, Grundlagenforschung zu Gunsten von Patienten umzusetzen – eines der Hauptziele der Medizinischen Fakultät in Dresden.“
Die Aktivitäten zwischen Dresden und London sind mit der Ernennung neuer Transcampus-Professoren gestartet, wie dem Dresdner Experten für metabolisch-vaskuläre Medizin, Professor Dr. Andreas Birkenfeld, sowie Prof. Dr. Martin Bornhäuser, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I am Dresdner Uniklinikum. „Erste Projekte richten sich auf die Bereiche Diabetologie und Hämatologie. Hier gehören beide Universitäten zu den führenden Zentren in Europa. Mit der Ernennung neuer Transcampus-Professoren werden sich die gemeinsamen Aktivitäten auch auf weitere Medizinbereiche ausdehnen“, so Professor Bornstein: „Im September erwartet unser Rektor, Professor Dr. Müller Steinhagen, den Rektor des King’s College, Professor Dr. Edward Byrne, mit seinen Prorektoren sowie dem strategischen Management in Dresden. Dann steht die strategische Entwicklung weiterer Transcampus-Projekte über die Medizin hinaus auf dem Programm.“

Susanne Witzigmann M.A.
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21.5.2015

Dresdner Diabetologe erhält Ferdinand-Bertram-Preis

Birkenfeld

Prof. Dr. Andreas Birkenfeld vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden wurde mit dem äl testen Preis der Deutschen Diabetes-Gesellschaft ausgezeichnet. Der Ferdinand-Bertram-Preis gilt als die renommierteste Auszeichnung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft und ist mit 20.000 Euro do tie rt.

Dass das Dresdner Universitätsklinikum in der Behandlung des Diabetes mellitus zu den führenden Zentren Europas gehört, hat es gerade einmal mehr unter Beweis gestellt. Mitte Mai wurde Prof. Dr. Andreas L. Birkenfeld, der zum Team von Klinikdirektor Professor Dr. Stefan R. Bornstein zählt, mit dem Ferdinand-Bertram-Preis 2015 der Deutschen Diabetes-Gesellschaft ausgezeichnet. Birkenfeld hat seit 2014 den Lehrstuhl für Metabolisch-Vaskuläre Medizin an der Medizinischen Klinik und Poliklinik III inne. Der Forschungsfokus des Stoffwechselexperten liegt auf der Aufklärung von Mechanismen, die zu Insulinresistenz und Typ 2 Diabetes führen. Aus den Ergebnissen sollen dann auch Rückschlüsse auf neue Behandlungsmöglichkeiten gezogen werden. So hat Professor Birkenfeld eine Hormonfamilie beschrieben, die vom Herzen ausgeschüttet wird und möglicherweise die Entstehung des Diabetes verhindern kann. Zum anderen forscht er an einem  Gen, das sowohl eine wichtige Rolle bei der Entstehung des Typ-2-Diabetes und  des Übergewichts, als auch des Alterns spielt. Der Name des Langlebigkeitsgens ‚INDY‘ steht für „I’m not dead yet‘ und ist Erläuterung und Statement zugleich. Denn dieses Gen könnte auch der Schlüssel zu einem längeren Leben sein.

Bereits vor 15 Jahren fand der US-Forscher Dr. Steven Helfand heraus, dass eine reduzierte Aktivität des Gens INDY die Körperfettmasse bei Fadenwürmern und Taufliegen verringert sowie die Lebenszeit beider Arten erhöht. Dem Dresdner Forscher Birkenfeld ist es nun gelungen, einen Mausstamm zu züchten, bei dem mINDY, wie das Gen bei Säugetieren heißt, ausgeschaltet ist. Trotz fettreicher Ernährung blieben die Mäuse schlank und bildeten keinen Typ-2-Diabetes aus, während die Mäuse der Kontrollgruppe mit mINDY zunahmen und insulinresistent wurden. Dieses Ergebnis brachte die Forscher zunächst zum Staunen und dann auf Ideen für neue Forschungsansätze. Prof. Birkenfeld: „Unser nächstes Ziel ist, herauszufinden, ob die Mäuse, denen mINDY fehlt, im Alter länger gesund bleiben und länger leben.“ Bisherige Ergebnisse sind vielversprechend und könnten schon bald den Weg für vollkommen neue Therapieformen bereiten. Dazu Professor Stefan Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III sowie des Zentrums für Innere Medizin am Uniklinikum: „Bestätigen sich die bisherigen Vermutungen zum Langlebigkeitsgen INDY, würde dies langfristig neue Therapieformen im Kampf gegen den rasanten Anstieg von Diabetes-Typ-2, insbesondere auch bei älteren Menschen möglich machen.“
Für seine herausragende Forschung wurde Prof. Dr. Andreas Birkenfeld, der zuvor an der Yale-Universität in den USA und anschließend an der Berliner Charité forschte, jetzt mit dem Ferdinand-Bertram-Preis ausgezeichnet. Die Auszeichnung gilt als ältester und renommiertester Wissenschaftspreis, den die Deutsche Diabetes-Gesellschaft, DDG, vergibt. Der Preis wurde 1964 von der damaligen Firma Boehringer Mannheim, jetzt Roche Diagnostics GmbH, gestiftet und wird seitdem jährlich verliehen. Er ist mit 20.000 Euro dotiert. Namensgeber des Preises ist der deutsche Arzt und Diabetelogie Ferdinand Bertram (1894 – 1960).

Susanne Witzigmann M.A.
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19.03.2015

Dresdner Forscher ist Langlebigkeits-Gen auf der Spur

Stoffwechselexperten finden ein Gen, das der Schlüssel für ein längeres Leben sein könnte.
Prof. Dr. Andreas L. Birkenfeld vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden erforscht das Gen INDY, das eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Typ-2-Diabetes und Übergewicht sowie beim Altern spielt, für mögliche neue Therapieansätze.

Bislang gilt das Altern als eines der wissenschaftlich am wenigsten verstandenen Phänomene. Die medizinische Forschung geht davon aus, dass unterschiedliche, hochkomplexe Mechanismen dafür verantwortlich sind, Funktion und Lebensdauer von Zellen, Organen und Organismen zu begrenzen. So soll ein Zusammenhang zwischen hoher Kalorienzufuhr, Übergewicht, Insulin-Resistenz und verkürzter Lebenszeit bestehen. Der Stoffwechselexperte Prof. Dr. Andreas L. Birkenfeld vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden ist hier einem Gen auf der Spur, das Statement und Name zugleich ist: ‚I’m not dead yet‘ - ich lebe immer noch -, kurz INDY genannt, könnte nämlich der Schlüssel zu einem gesünderen und längeren Leben sein. Vordaten zeigten, dass bei Taufliegen und Fadenwürmern die verminderte Aktivität von INDY die körpereigene Fettmasse verringert und die Lebensdauer verlängert. Das brachte Birkenfeld und seine Kollegen auf die Idee, einen Mausstamm zu entwickeln, bei dem mINDY - wie das Gen bei Säugetieren heißt - gentechnisch ausgeschaltet wird. Die Forscher konnten zeigen, dass die Mäuse ohne mINDY sowohl bei einer hochkalorischen Diät, als auch während des Alterungsprozesses kaum Gewicht zunahmen und auch nicht insulinresistent wurden - im Gegensatz zu den Kontrollmäusen mit mINDY, die dieselbe Futtermenge erhielten. „Dieser Befund war ausgesprochen erstaunlich“, so Professor Birkenfeld.
Weiterhin konnten die Dresdner Forscher zeigen, dass Menschen mit Übergewicht eine erhöhte Aktivität von mINDY aufweisen. Die Mediziner wollen nun erforschen, ob die Ausschaltung des mINDY-Gens auch zu einem verlängerten Leben führt und ob die Mäuse während des Alterns länger gesund bleiben. Sollten die Forschungsergebnisse, die für Mitte 2015 erwartet werden, wie erhofft ausfallen, werden weitere Anstrengungen unternommen, um eine Hemmsubstanz des Genprodukts zu finden. Im Idealfall könnten vielleicht schon in einigen Jahren erste Studien mit Patienten starten. Prof. Birkenfeld: „Wir wollen den Zusammenhang zwischen Energieverbrauch, Insulin-Resistenz und Altern aufdecken, mit dem Ziel, mögliche neue Therapieansätze gegen  Fettsucht, Typ-2-Diabetes, die nicht alkoholisch verursachte Fettleber und  für das gesündere Altern zu entwickeln.“
Seit 2014 hat Professor Birkenfeld den Lehrstuhl für Metabolisch-Vaskuläre Medizin an der von Professor Dr. Stefan R. Bornstein geleiteten Medizinischen Klinik und Poliklinik III inne. Getragen wird Birkenfelds Professur von der GWT-TUD GmbH. Ein wichtiger Grund für den Wechsel von der Berliner Charité ans Dresdner Uniklinikum waren für den international bekannten Glukose- und Lipidstoffwechsel-Experten Birkenfeld die Dresdner Forschungsbedingungen. Denn Dresden bietet Birkenfeld, zu dessen wissenschaftlichen Stationen auch mehrere Forschungsjahre an der Yale Universität in den USA zählen, optimale Voraussetzungen für translationale Forschung. Diese gilt als Brückenschlag vom Labor zum Krankenbett und umgekehrt. „Damit unsere Patienten mit neuen Therapien möglichst schnell von dem Wissen profitieren, das wir aus unserer Forschungsarbeit erlangen“, so Andreas Birkenfeld.
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usanne Witzigmann M.A.
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08.03.2015

Prof. Dr. Stefan R. Bornstein gives ENDO TV the latest on the new clinical practice guidelines for Adrenal Insufficiency. Dr. Bornstein tells ENDO TV that Adrenal Insufficiency is often overlooked and practitioners should not always wait for diagnostics.

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Rosh Haayin, Israel, 19. Februar 2015

Beta-O2's ßAir Bio-artificial Adrenal Device Shows Potential to Treat Adrenocortical Insufficiency and Other Stress-related Disorders

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Dresden, 19. Februar 2015

Dresdner Forschern gelingt Transplantation von Nebennierenzellen im Bioreaktor

Als zentrales Stressorgan ist die menschliche Nebenniere für die Verarbeitung von Stress verantwortlich. Ist ihre Funktion gestört, produziert sie nicht ausreichend stressregulierende Stoffe. Die Folge sind schwere und oft lebensbedrohliche Erkrankungen. Weil die Medizin bisher nur beschränkt Hilfe bietet, erforschten Dresdner Mediziner unter der Leitung von Prof. Dr. Stefan R. Bornstein vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus gemeinsam mit dem Medizinnobelpreisträger Prof. Dr. Andrew Schally im Tiermodell ein künstliches Nebennierensystem. Dieses wurde vom israelischen Unternehmen Beta O2 entwickelt und soll zukünftig beim Menschen die Transplantation von Nebennierenzellen möglich machen. Davon profitieren sollen Patienten mit Nebennierenversagen, aber auch angeborenen Neben-nierenkrankheiten wie dem Adrenogenitalen Syndrom.

Steht ein Mensch unter Stress, schüttet sein Körper Stressregulierer aus. Das sind Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin - Hormone und Botenstoffe -, die regulierend in den Stoffwechsel eingreifen und so dem Organismus helfen, die außergewöhnliche Belastung zu bewältigen. Cortisol hat hier eine entscheidende Bedeutung für den Kohlenhydrathaushalt, den Fettstoffwechsel sowie den Proteinumsatz. Produziert werden diese Hormon- und Botenstoffe in den Nebennieren, die darum als zentrale Stressorgane gelten. Durch eine Unterfunktion der Nebenniere, die sogenannte Nebenniereninsuffizienz, vermindert sich die Produktion der Stressregulierer und das normale Gleichgewicht im Stoffwechsel ist gestört. Ein Zustand, der gravierende Folgen für die Gesundheit hat und sogar lebensbedrohlich sein kann. Genauso verschlechtern angeborene Störungen bei der Hormonbildung  die Lebensqualität der Betroffenen deutlich. Ein Beispiel ist der 21-Hydroxylasemangel, die häufigste Form des Adrenogenitalen Syndroms, bei dem die Betroffenen eine starke Vermännlichung aufweisen.

Bislang bietet die Medizin bei solchen Störungen nur eingeschränkt Hilfe: „Die Therapie besteht derzeit im Ersatz der fehlenden Hormone“, sagt der Nebennierenexperte Prof. Dr. Stefan R. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik III am Dresdner Universitätsklinikum. „Dies entspricht aber nicht der komplexen und natürlichen Ausschüttung der Hormone im Tagesverlauf.“ Die Dresdner Forscher setzen gemeinsam mit dem amerikanischen Nobelpreisträger Prof. Andrew Schally - von der Miller School of Medicine der University of Miami - auf einen anderen Therapieansatz: Die Transplantation von hormonproduzierenden Nebennierenzellen aus einem Spenderorgan. Nur sie könnte eine permanente und damit natürliche Ausschüttung der Hormone möglich machen. Die Forscher entnahmen Nebennierenzellen von Rindern, bereiteten sie in einem aufwendigen Verfahren auf, um Lebensdauer und Funktion der Zellen zu erhöhen, und transplantierten diese schließlich in Ratten. Das Experiment gelang, die Zellen nahmen im Empfängerkörper die regelmäßige Hormonproduktion auf.

Und auch der entscheidende nächste Schritt glückte: Die Forscher gaben die Zellen vor der Transplantation in eine kleine Kapsel, ein künstliches Nebennierensystem, das vom israelischen Unternehmen Beta O2 entwickelt wurde, und pflanzten es dem Empfänger ein. Der Vorteil: Das künstliche System macht eine Immunsuppression beim Empfänger überflüssig. Die Kapsel schützt die Spenderzellen vor den Angriffen des Immunsystems, lässt aber die Hormone durch die halbdurchlässigen Wände in den Körper des Empfängers passieren.

Für Professor Bornstein ist damit ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum künstlichen Nebennierensystem für den Menschen gelungen: „Unsere Vision ist, dass Menschen zukünftig sogar Nebennierenzellen einer anderen Art transplantiert bekommen, wie beispielsweise vom Schwein. Die Kapsel schafft die biotechnische Voraussetzung dafür, denn sie trennt die Spenderzellen vom Körper des Empfängers und überträgt ausschließlich die für den Stoffwechsel wichtigen Hormone.“ Im Blick für eine zukünftige Transplantation haben die Dresdner Patienten mit Nebenniereninsuffizienz, aber auch mit angeborenen Krankheiten wie dem 21-Hydroxylasemangel.

Die Forschungsergebnisse aus Dresden sind gerade unter dem Titel „Transplantation of bovine adrenocortical cells encapsulated in alginate“ in der renommierten Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences, PNAS, veröffentlicht worden. (doi 10.1073/pnas.1500242112)

Susanne Witzigmann M.A.

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Dresden, 06. Januar 2015

INDY - ein Gen als Schlüssel für Langlebigkeit?

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Dresden, 05. September 2014

Dresdner Mediziner wiesen weltweit erstmals spezielle Vorläuferzellen zur Regeneration von Nierenschädigungen nach

Nephrologen des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden erforschten einen Mechanismus in der Niere, der Zellschädigungen von sogenannten Mesangiumzellen mit Hilfe von Vorläuferzellen regeneriert.

Damit die Nieren möglichst optimal Giftstoffe aus dem Körper filtern, greifen viele Mechanismen innerhalb des Organs ineinander. Störungen führen langfristig zu schweren Erkrankungen. So ist die Schädigung bestimmter Zellen in den Nierenkörperchen – winzig kleinen kugeligen Gebilden in der Nierenrinde - eng verknüpft mit verschiedenen chronischen Nierenerkrankungen. Dresdner Forscher unter der Leitung von Professor Dr. Christian Hugo wiesen jetzt erstmals Vorläuferzellen nach, die in der Lage sind, geschädigte Mesangiumzellen zu ersetzen. Das Mesangium der Nierenkörperchen wird im Rahmen verschiedener entzündlicher Erkrankungen, insbesondere der häufigen IgA-Nephropathie geschädigt und zerstört. Das Forschungsergebnis öffnet neue Perspektiven für zukünftige Therapieansätze und wurde gerade im hochrangigen Journal of the American Society of Nephrology veröffentlicht. Im September wird das Forschungsprojekt dann auf der 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie in Berlin der Fachwelt präsentiert. Als einer der Tagungspräsidenten hat Prof. Hugo dem Thema Regeneration hier einen besonderen Schwerpunkt eingeräumt.

Vorläuferzellen – auch Stammzellen genannt - stehen im Blick der Wissenschaft. Denn sie haben die Fähigkeit, kranke Zellen zu ersetzen und selbst deren Funktion zu übernehmen. Die medizinische Forschung sieht in ihnen eine wichtige Hoffnung für zukünftige Therapieansätze bei verschiedenen Krankheiten. Dass Vorläuferzellen auch bei der Heilung von bestimmten Nierenschäden des Mesangiums eine entscheidende Rolle spielen könnten, hat nun weltweit erstmals der Dresdner Forscher Professor Dr. Christian Hugo gemeinsam mit  seinen nephrologischen Mitarbeitern, insbesondere den Wissenschaftlern Dr. Charlotte Starke und  PD Dr. Vladimir Todorov, unter Beweis gestellt. Im Tiermodell wiesen die Wissenschaftler nach, dass spezielle Vorläuferzellen außerhalb der Nierenkörperchen in der Lage sind, bei Bedarf - im Erkrankungsfall - in die Nierenkörperchen einzuwandern, sich dort niederzulassen und in Mesangiumzellen auszudifferenzieren.

In der Nierenrinde befinden sich Nierenkörperchen, kugelförmige Gebilde von 0,2 Millimetern Durchmesser. Sie bestehen aus einem kapillären Gefäßknäuel, dem Glomerulus, das von einer doppelwandigen Kapsel umgeben ist. Glomerulus und Kapsel bilden zusammen die Blut-Harn-Schranke und erfüllen damit eine wichtige Aufgabe bei der Filterfunktion der Niere. Im Glomerulus befinden sich auch sogenannte Mesangiumzellen (intraglomeruläre Mesangiumzellen). Sie haben die Fähigkeit, sich zusammenzuziehen und sind daher wichtig für die Kapillarfunktion. Insgesamt kommt den Mesangiumzellen eine zentrale Rolle bei der Aufrechterhaltung der Struktur und Funktion des Glomerulus zu. Sind die Mesangiumzellen geschädigt, hat das schwerwiegende Folgen. So geht verschiedenen chronischen Nierenerkrankungen, wie insbesondere der IgA-Nephropathie, aber auch der Lupus Nephritis, dem hämolytisch-urämischen Syndrom oder der thrombotischen Mikroangiopathie eine Schädigung der Mesangiumzellen voraus.

Prof. Hugo: „Wir sind von einem Mechanismus ausgegangen, der die Mesangiumzellen regeneriert. Dabei konzentrierten wir uns auf Vorläuferzellen, die das Hormon Renin produzieren. Diese Vorläuferzellen sorgen in der Embryonalphase für die Entwicklung der Mesangiumzellen. Wir untersuchten nun, ob Renin-positive Zellen im erwachsenen Tier auch zur Regeneration geschädigter Mesangiumzellen beitragen und deren Funktion übernehmen.“ Die Dresdner erforschten diese These an Mäusen mit experimentell geschädigten Mesangiumzellen. Demnach wandern Renin-produzierende Vorläuferzellen von außerhalb tatsächlich zu den kranken Mesangiumzellen in den Nierenkörperchen und entwickeln sich dort selbst zu Mesangiumzellen. Haben die Vorläuferzellen diese Funktion erreicht, produzieren sie kein Renin mehr.

„Unser Forschungsergebnis belegt eindeutig, dass die Niere über den Mechanismus verfügt, diese wichtigen Zellen zu regenerieren. Möglicherweise ist dieser Regenerationsmechanismus bei bestimmten Nierenerkrankungen beeinträchtigt oder defekt, so dass dies zu dem chronischen Fortschreiten der Erkrankung beiträgt oder sogar dafür verantwortlich ist. Darum werden wir zukünftig einen Forschungsschwerpunkt auf die Aktivierung/Unterstützung dieses Regenerationsprozesses legen“, so der Nephrologe.

Mit ihren jüngsten Forschungsergebnissen haben die Dresdner einen ersten Schritt auf dem Weg zu neuen Therapieoptionen bei der Behandlung schwerer chronischer Nierenerkrankungen erreicht. Die Publikation mit dem Titel ‚Renin Lineage Cells Repopulate the Glomerular Mesangium after Injury‘ erschien gerade im hochrangigen Journal of the American Society of Nephrology (doi: 10.1681/ASN.2014030265).

Kontakt:
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Medizinische Klinik und Poliklinik III
Prof. Dr. med. Christian Hugo
Tel.: +49 0351 458 4879
E-Mail: christian.hugo@uniklinkum-dresden.de

Susanne Witzigmann M.A.

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Dresden, 21. August 2014

Dresdner Diabetes-Experte gehört zu Spitzenmedizinern

Die Focus-Gesundheitsredaktion würdigte Professor Dr. Stefan R. Bornstein vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden als einen der bundesweit besten Diabetologen. Für das umfangreiche Behandlungsspektrum des Typ-1-, Typ-2- und des Schwangerschaftsdiabetes erhält der Klinikdirektor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Dresdner Universitätsklinikum hohe Bewertungen in der Rubrik der Patienten- und Kollegen-Empfehlungen sowie bei wissenschaftlichen Publikationen und Studien.

Damit würdigt das Magazin Focus, das bereits seit 1993 die Spitzenreiter unter den bundesweiten Experten verschiedener medizinischer Fachbereiche listet, einen Diabetologen, der bei der Behandlung des Diabetes Typ 1 und 2 gemeinsam mit seinem Team aus Medizinern, Pflegekräften, Physiotherapeuten und Ernährungsberatern auf neueste Ergebnisse aus der Forschung sowie individuelle Behandlungsstrategien setzt. So gibt es am Dresdner Uniklinikum eine der größten Insulinpumpenambulanzen in Deutschland mit Plätzen für 400 Patienten. Außerdem verfügt die Klinik über den europaweit ersten Lehrstuhl zur Prävention des Diabetes. 2008 ging hier das deutschlandweit einzige Inselzelltransplantationsprogramm an den Start. Die Transplantation Insulin-produzierender Zellen, sogenannter Inselzellen, stellt für Menschen mit Typ 1 Diabetes, die trotz medikamentöser Behandlung an starken Schwankungen ihres Zuckerhaushalts leiden, eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität dar.

Diabetes Typ 1 ist dadurch gekennzeichnet, dass das eigene Immunsystem die körpereigene Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse angreift und die insulinproduzierenden Beta-Zellen zerstört. Eine schwere Verletzung kann jedoch ebenso den Organausfall verursachen. So hatte ein Arbeitsunfall die Bauchspeicheldrüse eines 43-jährigen Mannes 2013 so schwer verwundet, dass sie entfernt werden musste. Durch eine erfolgreiche autologe Transplantation am Dresdner Universitätsklinikum arbeiten die insulinproduzierenden Zellen des Mannes nun in dessen Leber weiter. Für die Eigenspende wurden dem Unfallopfer die Zellen aus dem verletzten Pankreas entnommen, aufbereitet und dem Patienten in die Leber gespritzt. Entscheidender Vorteil einer solchen Eigenspende: Das Immunsystem greift die eingepflanzten Zellen nicht an.

Damit auch Empfänger fremder Inselzellen zukünftig keine Immunsuppressiva mehr brauchen, erforschen die Dresdner ein künstliches Pankreassystem. Dazu implantierten sie 2013 einem Patienten einen Bio-Reaktor mit menschlichen Inselzellen, die dort rund ein Jahr zuverlässig das lebenswichtige Insulin produzierten. Ein erfolgreicher Heilversuch. Das künstliche Pankreassystem ― entwickelt von einem israelischen Unternehmen ― schützt die Spenderzellen vor Angriffen des Immunsystems, lässt jedoch umgekehrt das Insulin in den Körper gelangen. Ein knappes Jahr produzierte das künstliche Pankreassystem Insulin im Körper des Patienten. Prof. Bornstein: „Das ‚Ei des Kolumbus‘ ist dabei die kontrollierte Sauerstoffversorgung der Zellen, die dadurch aktiv bleiben.“ Für den Medizin-Nobelpreisträger Prof. Andrew V. Schally von der Miller School of Medicine der University of Miami, der im Forschungsverbund mit den Dresdnern steht, hat dieser Erfolg „historische Bedeutung“.

Damit könnten zukünftig sogar insulinproduzierende Zellen vom Schwein eingesetzt werden, ohne vom menschlichen Organismus abgestoßen zu werden. Die Erforschung der Xenotransplantation steht darum ebenfalls im Focus der Dresdner Mediziner. Xenotransplantation nennt man die Übertragung von Geweben oder Organen, bei denen Spender und Empfänger nicht derselben Art angehören, wie beispielsweise von Tier zu Mensch. Bislang gibt es diese Form der Transplantation in der Praxis noch nicht.

Susanne Witzigmann M.A.

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Dresden, 19. Juni 2014

Wegbereiter der Gesundheitsreform in den USA hält Vortrag in Dresden


Prof. Dr. Kevin Grumbach spricht am 7. Juli um 13 Uhr im Hörsaal 1 des Medizinisch-Theoretischen Zentrums (MTZ) des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden über Chancen und Hürden der US-amerikanischen Gesundheitsreform.

Der Allgemeinmediziner gehörte dem Expertenteam zur Vorbereitung der Gesundheitsreform von US-Präsident Barack Obama an und zählt zu den international führenden Experten im Bereich Gesundheitssystemforschung. Prof. Dr. Kevin Grumbach setzt sich für einen umfassenden, staatlichen Krankenversicherungsschutz in den USA und die Gewährleistung einer medizinische Grundversorgung zum Beispiel durch die Entwicklung innovativer Formen medizinischer Primärversorgung insbesondere in unterversorgten Regionen ein. Mit seinem Besuch in Deutschland folgt er einer Einladung des Bereichs Allgemeinmedizin am Dresdner Uniklinikum.

2010 wurde in den USA das Gesetz ‚Patient Protection and Affordable Care Act’ – auch Obamacare genannt - verabschiedet. Dieses Gesetz sieht eine Versicherungspflicht für alle Amerikaner ab diesem Jahr vor – mit staatlichen Zuschüssen zu den Versicherungsbeiträgen für Einkommensschwache. So verpflichtet es private Krankenversicherungen, neue Kunden auch dann aufzunehmen, wenn diese Vorerkrankungen haben, die hohe und dauerhafte Kosten verursachen wie Bluthochdruck oder Diabetes. Das Gesetz verbietet zudem das sogenannte Lebens-Limit, wonach US-Versicherungen Patienten bislang kündigen konnten, wenn diese eine bestimmte Summe an Arztkosten und Medikamenten erreicht hatten.
Einer der führenden wissenschaftlichen Köpfe, die die Gesundheitsreform auf den Weg gebracht haben, ist Prof. Dr. Kevin Grumbach, Leiter des ‘Departments of Family and Community Medicine’ der University of California sowie Co-Direktor weiterer großer Forschungseinrichtungen wie des UCSF Centers for Excellence in Primary Care. Am Dresdner Uniklinikum spricht er im Juli in seinem Vortrag ‘From Bismarck to „Obamacare“: Real change or false hope for reform of US health care?’ über Chancen der US-amerikanischen Gesundheitsreform sowie über falsche Erwartungen an das neue System.
Prof. Dr. Antje Bergmann, Leiterin des Bereichs Allgemeinmedizin der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden: „Mit Kevin Grumbach begrüßen wir hier in Dresden einen international führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, der sich insbesondere für eine verbesserte medizinische Grundversorgung in ländlichen Regionen sowie für innovative Formen medizinischer Primärversorgung durch Hausärzte einsetzt. Neben seiner Forschung kennt Grumbach die Arbeit der Allgemeinmedizin auch aus der eigenen ärztlichen Praxis am San Francisco General Hospital Medical Center. Die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation in den USA ist in vielen Bereichen natürlich grundlegend verschieden von der in Deutschland. Für uns sind die Erfahrungen Grumbachs jedoch von sehr großem Interesse, da wir in Dresden unseren Fokus ebenfalls auf die Erforschung wirkungsvoller Strategien für eine zukünftige Sicherung ärztlicher Versorgung im Bereich der Allgemeinmedizin legen.“
Welche Hürden und Hoffnungen jedoch mit dem neuen Gesundheitssystem einhergehen, ist Thema des Vortrags ‘From Bismarck to „Obamacare“: Real change or false hope for reform of US health care?’ von Prof. Dr. Kevin Grumbach. Der Vortrag ist auf Englisch. Die Teilnahme ist kostenlos.

Datum: Montag, 7. Juli 2014
Uhrzeit: 13 – 14:30 Uhr
Ort: Hörsaal 1, Medizinisch-Theoretisches Zentrum, MTZ,
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Fiedlerstraße 42, 01307 Dresden

Susanne Witzigmann M.A.

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Lab'ohr'gespräche: Ansätze zur Heilung von Diabetes
- ein Interview mit Prof. Stefan R. Bornstein vom Diabetes-Kongress 2014

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Dresden, 4. Juni 2014

Dresdner Diabetesforscherin erhält hochrangigen Wissenschaftspreis
Dr. Barbara Ludwig

Dr. Barbara Ludwig vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden wurde in Berlin mit dem Ernst-Friedrich-Pfeiffer-Preis der Deutschen Diabetes-Gesellschaft ausgeze i chnet. Die Medizinerin erhielt die Ehrung für ihre wissenschaftlichen Leistungen bei der Erforschung neuer Therapien des Typ-1-Diabetes. 2008 startete Dr. Barbara Ludwig an der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des Uniklinikums Dresden das deutschlandweit einzige Inseltransplantationsprogramm. 20 Transplantationen sind die bis heute erfolgreiche Bilanz des Programms. Unter Leitung von Klinikdirektor Professor Dr. Stefan R. Bornstein gelang Ludwig und ihrem Team 2013 weltweit erstmals, ein künstliches Pankreassystem zur Behandlung  von Typ-1-Diabetes erfolgreich einem Patienten einzusetzen. In Berlin erhielt sie nun den Ernst-Friedrich-Pfeiffer-Preis der Deutschen Gesellschaft für Diabetes. Dieser wird für wissenschaftliche Arbeiten und wegweisende Leistungen in der Behandlung des Typ-1-Diabetes vergeben.

In der Behandlung des Diabetes mellitus gehört das Uniklinikum Dresden zu den führenden Zentren Europas. Zum Team von Klinikdirektor Professor Dr. Stefan R. Bornstein zählt die Diabetes-Expertin Dr. Barbara Ludwig. Die Dresdner Wissenschaftlerin hat sich auf die Erforschung neuer Therapien zur Behandlung des Typ-1-Diabetes spezialisiert. Von ihrer Forschungsarbeit profitieren vor allem Ludwigs Patienten. Im Zentrum ihrer Leistung steht ein Inseltransplantationsprogramm, das die Medizinerin in Dresden aufbaute und das seitdem deutschlandweit das einzige Programm ist, das diese Therapie anbietet. Die Transplantation von Insulin-produzierenden Zellen aus einem Spenderorgan stellt für Menschen, deren Körper kein eigenes Insulin mehr produziert und trotz optimaler Insulintherapie an starken Schwankungen ihres Zuckerhaushalts leiden, eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität dar. Dabei werden aus einem Spenderorgan die Insulin-produzierenden Zellen in einem aufwendigen Verfahren isoliert und dem Empfänger in die Leber infundiert. Und es gibt weitere Möglichkeiten, die Methode zu nutzen. Beispielsweise bei Patienten, denen bei Operationen an der Bauchspeicheldrüse oder nach Verletzungen das Organ entfernt werden muss. 2013 isolierten Barbara Ludwig und ihr Team aus einem schwerstverletzten Organ die Inselzellen und spritzten diese dem Patienten zurück in die Leber. Dies bewahrte den Patienten vor Diabetes.
Einen Schwerpunkt ihrer Forschungsarbeit setzt Barbara Ludwig außerdem auf die Verbesserung von Lebensdauer und Leistungsfähigkeit der transplantierten Inselzellen. Hier arbeitet die Dresdnerin unter anderem in engem Forschungsverbund mit dem Medizin-Nobelpreisträger Andrew V. Schally.
2013 machten die Dresdner Wissenschaftler mit einem weiteren Projekt auf sich aufmerksam: Zum ersten Mal weltweit wurde am Dresdner Universitätsklinikum einem Patienten mit Typ-1-Diabetes ein künstliches Pankreassystem eingepflanzt, in dem Inselzellen aus einem Spenderorgan das lebenswichtige Insulin produzierten. Rund ein Jahr blieb der kleine Bio-Reaktor in Form einer flachen Dose im Körper des Patienten. Seine Besonderheit: Das künstliche Pankreassystem ― entwickelt von einem israelischen Unternehmen ― macht anders als bei sonstigen Organ- und Gewebetransplantationen die Immunsuppression überflüssig. Denn es schützt die Spenderzellen vor Angriffen des Immunsystems, lässt jedoch umgekehrt das Insulin in den Körper gelangen. Klinikdirektor Prof. Bornstein ist überzeugt, dass das neue System die Diabetestherapie zukünftig revolutionieren kann. „Bereits in etwa fünf Jahren“, so seine Schätzung, „könnten Patienten von der innovativen Therapie profitieren.“

Für ihre wegweisende Forschungsleistung zu neuen Therapien des Typ-1-Diabetes wurde Barbara Ludwig nun mit dem Ernst-Friedrich-Pfeiffer-Preis der Deutschen Diabetes-Gesellschaft, DDG, ausgezeichnet. Der hochrangige Preis wird seit 1998 jährlich für wissenschaftliche Arbeiten und herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Ätiologie - der Lehre von der Ursache zur Entstehung von Krankheiten - sowie der Behandlung des Typ-1-Diabetes vergeben. Der Preis dient der Anerkennung und Förderung junger Wissenschaftler und ist mit 10.000 Euro dotiert.

Der Preis ist nach dem Ulmer Internisten und Endokrinologen Professor Dr. Ernst-Friedrich Pfeiffer (1922 - 1997) benannt, der die Wirkmechanismen oraler Antidiabetika, rheumatischer Nierenerkrankungen sowie die Funktion von Hypophysen- und Nebennierenrinde erforschte. Internationale Beachtung erwarb er sich unter anderem mit Forschungsarbeiten zur Entwicklung einer künstlichen endokrinen Bauchspeicheldrüse, die er Ulmer Zuckeruhr nannte.

Susanne Witzigmann M.A.

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Dresden, 17. März 2014

Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie feiert 60. Jubiläum:

Neue Impulse für die Stoffwechselforschung


Rund 1000 Endokrinologen aus ganz Deutschland, Europa und den USA diskutieren vier Tage in Dresden über neue Therapieansätze bei Stoffwechselerkrankungen. Zum Auftakt der Tagung sind auch externe Gäste zu einem Konzert der Neuen Jüdischen Kammerphilharmonie Dresden ins Congress Center eingeladen. Der Konzertbesuch ist kostenlos.

‚Endokrinologie – vom Labor zu neuen Diagnosemethoden, Medikamenten und Therapien‘ heißt das Motto der diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Unter der Leitung von Tagungspräsident Professor Dr. Stefan R. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, diskutieren vom 19. bis 22. März Stoffwechsel- und Hormonexperten neue therapeutische Perspektiven, die aus der Erforschung endokriner Organe resultieren. Zu diesen gehören beispielsweise Nebenniere, Schilddrüse oder Hirnanhangdrüse, die Hormone ‚endokrin‘, das heißt nach ‚innen‘ ins Blut abgeben.
In mehr als 25 wissenschaftlichen und klinisch geprägten Symposien werden auf dem Dresdner Kongress die Erforschung bislang noch nicht bekannter molekularer Mechanismen sowie klinische Aspekte beleuchtet. Beispielsweise zu zukünftigen Therapien rund um Zelltransplantationen. Denn: „Endokrine Organe, wie vor allem die Nebenniere, eignen sich wegen ihres speziellen Mikromilieus, ihrer hohen Durchblutung, Hormonsekretion und aufgrund der lokalen Immunsuppression als ein möglicher Ort für Transplantationen von Stammzellen, die dort ungehindert ihre Arbeit aufnehmen können“, so Prof. Bornstein.
Aus Anlass des 60. Geburtstags der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie legt die diesjährige Tagung den Fokus nicht nur auf Zukunftsperspektiven, sondern wirft auch ein Schlaglicht auf das bisher Geleistete. „Dass die Endokrinologie heute vor einem neuen Anfang steht und wichtige Impulse für neue Therapieansätze in der Tumor- und Diabetestherapie, in der Stammzell- und Stressforschung, in der Organ- und Inselzelltransplantation, aber auch in der Erforschung des Mikrobioms und Lipidoms gibt, verdankt sie ihrer großen Tradition und Geschichte“, so der Tagungspräsident. Es ist kein Zufall, dass das Jubiläum – wie schon vor zehn Jahren – ausgerechnet in Dresden gefeiert wird. Prof. Bornstein: „Aufbauend auf der Dresdner Stoffwechselschule gehört dieser Standort heute zu den führenden Forschungs- und Behandlungszentren endokriner Erkrankungen sowie des Diabetes.“
Zur Eröffnung des Kongresses findet ein dreißigminütiges Konzert der Neuen Jüdischen Kammerphilharmonie Dresden im Congress Center statt, bei dem Werke von Felix Mendelssohn (Sinfonia Nr. 2 in D-Dur), Erich W. Korngold (Lento religioso) sowie Franz Schreker (Scherzo) zu hören sein werden. Das Konzert findet am Mittwoch, dem 19.03., von 19:00-19:30 Uhr im Großen Saal des Dresdner Congress Centers statt. Der Eintritt ist frei.

Susanne Witzigmann M.A.

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11. März 2014

Im Dresdner Fokus: Blutfette und Autoimmunerkrankungen

International führende Experten treffen sich in Dresden zu einem
dreitägigen Kongress zu Aphereseverfahren.

Vom 13. bis 15. März diskutieren 250 Mediziner aus zehn Nationen während des „3rd Dresden International Symposium on Therapeutic Apheresis“ am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden über neue Behandlungsansätze für schwere Fettstoffwechselerkrankungen und Autoimmunerkrankungen. Therapeutische Grundlage sind dabei Aphereseverfahren, bei denen krankmachende Stoffe aus dem Blut gefiltert werden.

„Vermutlich würden viele unserer Patienten heute nicht mehr leben, hätten wir in den letzten Jahren nicht beharrlich um eine Kostenerstattung der Lipoproteinapherese-Therapie gekämpft“, sagt Professor Ulrich Julius. Der Stoffwechselexperte der Medizinischen Klinik III am Dresdner Universitätsklinikum hat vor rund 25 Jahren in
Dresden die erste Lipoproteinapherese durchgeführt, ein spezielles Blutreinigungsverfahren, bei dem mit maschineller Hilfe - vergleichbar der Hämodialyse - krankmachende Fettpartikel aus dem Blut gefiltert werden. „Die meisten Patienten mit einer Fettstoffwechselstörung können jedoch mit Medikamenten völlig ausreichend
behandelt werden“, so Ulrich Julius. Doch die Patienten, die die Medikamente nicht vertragen oder bei denen die Wirkung der Medikamente unzureichend ist, profitieren von der speziellen Behandlung. „Manche Patienten erleiden trotz medikamentöser Therapie einen Herzinfarkt oder Gefäßverschluss nach dem anderen“, so Julius. Oft spielen genetische Faktoren dabei eine Rolle. Seit der ersten Lipoproteinapherese hat Professor Ulrich Julius das größte universitäre Apheresezentrum in Deutschland aufgebaut. Angetrieben von seinen Erfahrungen und dem Wunsch nach Austausch mit anderen Kollegen rief der Dresdner Wissenschaftler und Mediziner im Jahr 2010 das „Dresden International Symposium on Therapeutic Apheresis“ ins Leben, bei dem international führende Experten über neue Therapieansätze im Bereich der Fettstoffwechselerkrankungen diskutieren. Gleich das erste Treffen stieß auf eine große Resonanz. Vom 13. bis 15. März bieten die Dresdner darum in diesem Jahr bereits zum dritten Mal ein Forum für Spezialisten aus vielen Ländern, die diese spezielle Therapie erforschen und vorantreiben.
Während in der Anfangszeit die Behandlung des bekannten Risikofaktors LDLCholesterin (Low-Density-Lipoprotein-Cholesterin) im Fokus stand, hat sich in den letzten Jahren ein weiterer Risikofaktor, nämlich das Lipoprotein(a) (Lp(a)), als deutlich größeres therapeutisches Problem herausgestellt. So kann ein massiv erhöhter Lipoprotein(a)-Spiegel ein Risiko für Gefäßschäden und daraus resultierende Komplikationen wie Herzinfarkte sein. „Auch dieser Faktor liegt in den menschlichen Genen, wird aber weitaus weniger beachtet und darum zu selten getestet“, so Julius. Für das Lp(a) gibt es derzeit noch keine etablierte medikamentöse Therapie. Darum stellt für Patienten, die eine fortschreitende Gefäßerkrankung verbunden mit deutlich erhöhtem Lp(a)-Werten haben, die Apherese die einzige Therapie dar. Derzeit ist der jüngste Dresdner Patient gerade 32 Jahre alt. Die Dresdner Abteilung war auch maßgeblich an einer deutschlandweiten Studie zur Erforschung der Wirksamkeit der Lipoproteinapherese bei Patienten mit erhöhtem Lp(a) beteiligt. Diese Arbeit war 2013 im Medizinjournal Circulation veröffentlicht worden und wies nach, dass Gefäßereignisse unter der Therapie während eines Zeitraums von zwei Jahren um mehr als 80 Prozent reduziert werden können. Statistisch betrachtet benötigen in Sachsen rund 1.600 Patienten eine Apheresetherapie. Faktisch erhalten zurzeit deutschlandweit rund 2.000 - davon 150 in Sachsen - diese spezielle Behandlung.

„Im weiteren Laufe der Jahre ist aber auch noch der große Komplex der Autoimmunerkrankungen hinzugekommen“, berichtet Professor Bernd Hohenstein. Der Mediziner, der ebenfalls der Medizinischen Klinik III angehört, ist einer der Nierenspezialisten des Universitätsklinikums und hier seit rund eineinhalb Jahren für den
Bereich der Aphereseverfahren verantwortlich. „Inzwischen gibt es weitere spezielle Verfahren, die es möglich machen, bestimmte Eiweiße beziehungsweise Antikörper gezielt aus dem Blut zu entfernen“, so Hohenstein. Diese Verfahren unterstützen die Therapien für zahlreiche Erkrankungen oder ersetzen sogar medikamentöse
Behandlungen. Positive Erfahrungen haben die Dresdner mit diesen als Immunadsorption bezeichneten Verfahren inzwischen bei schweren Hauterkrankungen, schweren Fällen von Neurodermitis und Erkrankungen des Nervensystems, wie Multiple Sklerose oder Myasthenie gemacht. Auch bei rheumatischen Erkrankungen,
Nierenerkrankungen und natürlich der Organtransplantation haben sich diese unterstützenden Verfahren inzwischen etabliert. „Auch Kinder und Jugendliche können damit gut behandelt werden“, berichtet Bernd Hohenstein. „Entscheidender Vorteil der Immunadsorption ist, dass wir keine Blutbestandteile ersetzen müssen und die Verträglichkeit recht gut ist.“ Aus diesem Grund widmet das Dresdner Symposium diesen Therapieverfahren einen ganzen Tag. „Die Anwendung der Immunadsorption wird in den kommenden Jahren deutlich zunehmen“, so Professor Hohenstein. Nach dem Bezug neuer Räume ist das Dresdner Uniklinikum mit
inzwischen 12 Behandlungsplätzen darauf optimal vorbereitet. „Von großer Bedeutung ist für uns natürlich die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den verschiedenen Spezialisten innerhalb und außerhalb des Klinikums und wir hoffen diese Zusammenarbeit durch unser Symposium weiter zu fördern“, betont Bernd Hohenstein.
Insgesamt 100 Patienten erhalten derzeit am Dresdner Uniklinikum eine Lipoproteinapherese oder Immunadsorption. Bei der Anwendung beider Verfahren gibt es eine deutlich zunehmende Tendenz.

Kontakt:
Medizinische Klinik und Poliklinik III
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Technische Universität Dresden
Prof. Dr. med. Bernd Hohenstein
Tel.: +49 0351 458 4955
E-Mail:

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Ein Beitrag des Deutschlandfunks zum 'künstlichen Pankreas'

8. Januar 2014

http://www.deutschlandfunk.de/immunsuppression-kuenstliche-bauchspeicheldruese.676.de.html?dram:article_id=274029

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Dresdner Forschern gelingt mit künstlichem Pankreas Durchbruch in der Diabetestherapie

29. Oktober 2013

Menschliche Inselzellen produzieren in implantiertem Bio-Reaktor knapp ein Jahr Insulin im Körper eines Typ-1-Diabetikers.

Weltweit zum ersten Mal setzten Diabetesforscher des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden, das Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung ist, erfolgreich ein künstliches Pankreassystem zur Behandlung eines Patienten mit Typ-1-Diabetes ein. Dazu implantierten sie einem Patienten einen Bio-Reaktor mit menschlichen Inselzellen, die dort rund ein Jahr zuverlässig Insulin produzierten. Das von Professor Dr. Stefan R. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik III des Dresdner Uniklinikums, geleitete Forscherteam publiziert die Ergebnisse der erfolgreichen Therapie nun in der renommierten wissenschaftlichen Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS 2013; doi:10.1073/pnas.1317561110). Die neuartige Therapie und das Pankreassystem könnten die bei Transplantationen notwendige Immunsuppression überflüssig machen. Allerdings bedarf es weiterer Studien, bevor eine größere Zahl an Patienten von dieser innovativen Therapie profitieren kann.

Zum ersten Mal weltweit wurde am Dresdner Universitätsklinikum einem Patienten mit Typ-1-Diabetes ein künstliches Pankreassystem eingepflanzt, in dem Inselzellen wie in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) das lebenswichtige Insulin produzieren. Rund ein Jahr blieb der kleine Bio-Reaktor in Form einer flachen Dose im Körper des Patienten.

Seine Besonderheit: Das künstliche Pankreassystem ― entwickelt von einem israelischen Unternehmen ― macht anders als bei sonstigen Organ- und Gewebetransplantationen die Immunsuppression überflüssig. Denn es schützt die Spenderzellen vor Angriffen des Immunsystems, lässt jedoch umgekehrt das Insulin in den Körper gelangen.Prof. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Dresdner Uniklinikum: „Das ‚Ei des Kolumbus‘ ist dabei die kontrollierte Sauerstoffversorgung der Zellen, die dadurch aktiv bleiben.“ Prof. Bornstein ist überzeugt, dass das neue System die Diabetestherapie zukünftig revolutionieren kann.

Damit könnten zukünftig sogar insulinproduzierende Zellen vom Schwein eingesetzt werden, ohne vom menschlichen Organismus abgestoßen zu werden. „Müssen die Empfänger von Spenderzellen nicht mehr lebenslang Immunsuppressiva nehmen und könnte man das Problem der fehlenden Spenderorgane umgehen, könnten viel mehr Menschen mit Diabetes als bisher von einer Inselzelltransplantation profitieren“, so der Dresdner Diabetes-Experte.

„Der weltweit erste Einsatz eines Bio-Reaktors bei einem Diabetespatienten ist ein weiterer Beleg für die erfolgreiche Verknüpfung von Spitzenmedizin und Wissenschaft in Dresden. Sie ist Frucht einer Strategie, deren Fundament mit der Gründung der Dresdner Hochschulmedizin vor nunmehr genau 20 Jahren gelegt wurde“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus. „Diese beeindruckenden Ergebnisse verdeutlichen unseren Anspruch, Grundlagenforschung zu Gunsten von Patienten umzusetzen  eines der Hauptziele der Medizinischen Fakultät in Dresden“, so Prof. Dr. Heinz Reichmann, Dekan der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der Technischen Universität Dresden.

Für den Medizin-Nobelpreisträger Prof. Andrew V. Schally von der Miller School of Medicine der University of Miami, der im Forschungsverbund mit den Dresdnern steht, hat dieser Erfolg „historische Bedeutung“. Denn für Menschen mit Typ-1-Diabetes, die trotz medikamentöser Therapie an lebensbedrohlichen Schwankungen ihres Zuckerhaushalts leiden, stellen die Pankreas-Organ- sowie die Inselzell-Transplantation derzeit die einzi3 gen Möglichkeiten dar, um die insulinproduzierenden Beta-Zellen zu ersetzen. Beide Optionen bringen eine deutlich verbesserte Diabetes-Kontrolle und Lebensqualität für die Betroffenen. Doch die dauerhafte Einnahme von Immunsuppressiva macht anfällig für Infektionen oder andere mögliche Nebenwirkungen wie ein erhöhtes Krebsrisiko. Darum kam die Behandlung bislang nur für Menschen in Betracht, die ganz spezielle medizinische Kriterien erfüllen.

Dr. Barbara Ludwig hat 2008 das Inselprogramm an der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Dresdner Universitätsklinikum aufgebaut, das seitdem deutschlandweit das einzige aktive Zentrum für die Inseltransplantation ist. Im Zentrum von Dr. Ludwigs Forschungsarbeit steht die Verbesserung der Qualität der Inselzellen. Das künstliche Pankreassystem hat sie zunächst umfassend zusammen mit israelischen Kollegen an Tiermodellen erprobt, bevor es erstmals klinische Anwendung fand. Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeit wurden gerade in der hochrangig eingestuften Fachzeitschrift PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences) publiziert: PNAS 2013; doi:10.1073/pnas.1317561110. Bevor jedoch mehr Menschen vom Dresdner Forschungserfolg profitieren können, sind weitere Studien und Entwicklungen notwendig. „Wir schätzen, dass das System in fünf Jahren eine Therapieoption in der Behandlung des Diabetes sein wird“, so Professor Bornstein.

Eine 3D-Animation des Bioreaktors finden Sie unter http://www.youtube.com/playlist?list=PLxfoFLLl3pz8a4-EERSw4-6kHSdChCeO_

Susanne Witzigmann M.A.

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Diabetes: Heilung durch Zelltransplantation?

Ein Beitrag des NDR-Fernsehens in der Sendung "Visite"
gesendet: 13.08.2013

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Organvergabe ohne Sinn? Wenn die Transplantation zum Glücksspiel wird.

SAT 1, Wissenschaftssendung Planetopia vom 12.03.2013

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"Rettende Inseln" - DIE ZEIT, 04. Juli 2013 - über das Dresdner Inselzelltransplantations-Programm

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Mediziner aus Dresden und New Delhi starten gemeinsames Forschungsprojekt im Wettlauf gegen Diabetes

Dresden, 17. Juni 2013

Dresdner Forscher unter Leitung von Professor Dr. Stefan R. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden und Prodekan für Internationales und Entwicklung der Medizinischen Fakultät der TU Dresden, haben sich mit indischen Forschern zur internationalen Kooperation DIMT (Diabetes Intestinal Microbiota Triangle) zusammengeschlossen, die in einer großangelegten Studie die Wirkung der sogenannten bariatrischen Chirurgie auf die Darmflora und damit auf den Stoffwechsel bei krankhaft fettleibigen Patienten mit Typ 2 Diabetes mellitus erforscht.
Dass Magen-Bypass-Operationen die Zusammensetzung des Mikrobioms (Darmflora) verändern, wurde in Europa bereits 2011 nachgewiesen. Dass dadurch auch nachhaltig der Stoffwechsel verbessert wird – zum Beispiel bei Typ-2-Diabetes und krankhafter Fettleibigkeit -, haben Professor Bornstein und sein Team erst kürzlich erforscht. Im Fokus des Dresdner Projekts standen Menschen, die sich einer Magen-Bypass-Operation unterzogen hatten, an Diabetes Typ 2 litten und einen BMI von mehr als 40 aufwiesen, also stark fettleibig waren. Die Darmflora der meisten Patienten gehörte vor der Operation dem Besiedlungs-Typ an, der Stoffwechselstörungen wie Diabetes und Fettleibigkeit begünstigt. Drei Monate nach der Operation zeigte die Darmflora der Menschen mit Magen-Bypass einen neuen Besiedlungs-Typ, wie er meist bei schlanken Menschen zu finden ist, wodurch für die Patienten eine deutliche Verbesserung der metabolischen Parameter folgte.

Das Dresdner Ergebnis ist nun Impuls und Grundlage für das deutsch-indische For-schungsprojekt. „Indien gehört wie Deutschland zu den Ländern, in denen wir eine dramatische Tendenz zu Diabetes-Neuerkrankungen sowie eine Zunahme an krankhafter Fettleibigkeit beobachten“, so Prof. Bornstein. „In einer Kohortenstudie werden wir jetzt auch in Indien die Zusammensetzung des Mikrobioms bei schlanken sowie bei fettleibigen Menschen untersuchen, die sich einer Magen-Bypass-Operation unterzogen haben. Wir wollen herausfinden, ob der Stoffwechsel von Menschen mit anderem Ernährungs- und Lebensstil ähnlich auf die Magen-Bypass-Operation reagiert, wie bei Menschen, deren Organismus durch den westlichen Lebensstil geprägt wurde, nämlich mit einem verbesserten Stoffwechsel.“
Vom Ergebnis des deutsch-indischen Projekts erhoffen sich die Forscher neue Erkenntnisse über die Funktion des Mikrobioms für einen gesunden Stoffwechsel jenseits kulturell unterschiedlicher Lebensstile. Damit wollen sie neue therapeutische Strategien für eine Darmflora entwickeln und vorantreiben, die den menschlichen Stoffwechsel unterstützt, gesund zu bleiben.

Susanne Witzigmann M.A.

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A detailed study on 'diabesity'

16.05.2013

A study will be conducted across India to explore better therapy to control the double-barrel menace of diabetes coupled with obesity, doctors said Thursday.

New Delhi. "We have found that Indian population is predisposed to obesity at a younger age and diabetes is a growing menace. The study will be ethnic-specific. We will conduct the study in south, central and north India," said Deep Goel, director, bariatric surgery, BLK Super Speciality Hospital.

"With the help of various institutions, we will start the study in a couple of months," Goel said.

"This study will be helpful for both the countries", Prof Bornstein said. The detailed study across the country on diabesity (diabetes plus obesity) will be supported by the Department of Medicine of the ‘Technische Universität Dresden’ in Germany and the Beijing Genomics Institute of China. BLK Super Speciality Hospital in the national capital is the nodal centre in India for the study.

According to the doctors, mostly affluent urban Indians are now obese and obesity is increasing rapidly among urban school children.

The populations which was under-nourished for a long time are now exposed to the overnourishment of the modern world through globalisation and westernisation, which has led to increased consumption of junk food, said Praneet Kaur, CEO, BLK Super Speciality Hospital.

"With the bad fat nutritional history of the developing world, the epidemic is exploding in developing countries. In order to address this, the study will help to explore various modalities and therapeutic interventions," Kaur said.

Indians are more vulnerable to diabetes because genetically they have a higher percentage of body fat to muscle compared to Europeans. The fat is usually deposited around the abdomen, where it interferes with insulin and increases sugar levels in the blood, causing diabetes in people with a low body mass index.

The study will also discuss about safety, durability of diabetes recovery and long- term outcome of surgical diabetes therapy.

Deep Singh Bhangu

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Musculoskeletal health - ein Interview mit Prof. Dr. Lorenz C. Hofbauer

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Diabetes Kongress 8. - 11. Mai 2013 – Dresdner Beitrag für die Vorab-Pressekonferenz
im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin

2. Mai 2013

Ist Diabetes in Zukunft heilbar?
Dresdner Wissenschaftler erforschen "Bio-Reaktor"

Dresdner Wissenschaftler erforschen derzeit einen „Bio-Reaktor“, der zukünftig im Körper von Typ-1-Diabetikern die Insulinproduktion übernehmen könnte. Dieses Thema stellt Prof. Dr. Stefan R. Bornstein vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden auf der Vorab-Pressekonferenz am Donnerstag, den 2. Mai, in Berlin im Vorfeld des Diabetes Kongresses 2013 vor, der 48. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft vom 8. bis 11. Mai 2013 in Leipzig.

Etwa sechs Millionen Menschen in Deutschland sind an Diabetes mellitus erkrankt. Rund 90 Prozent von ihnen leiden an Diabetes Typ 2. Etwa 300.000 haben Diabetes Typ 1, eine Autoimmunerkrankung, die meist schon im Kindes- und Jugendalter auftritt. Das eigene Immunsystem greift dabei die körpereigene Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse an und zerstört die insulinproduzierenden Beta-Zellen. Für die Mehrzahl der Patienten mit Typ-1-Diabetes, ist die Behandlung mit Insulin eine sehr zuverlässige und sichere Therapie, die hilft, diabetes-assoziierte Komplikationen zu reduzieren oder gar zu verhindern. Eine intensivierte Insulintherapie mit mehreren Injektionen täglich oder einer Insulinpumpe zeigt, dass dies ein wirksames Verfahren ist, um den Blutzucker in einem akzeptablen Bereich zu halten.

„Pankreas-Organ-Transplantationen sowie die Inselzell-Transplantation sind derzeit die einzigen Möglichkeiten, um die Beta-Zellen zu ersetzen“, sagt Professor Dr. med. Stefan R. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden. „Beide therapeutischen Optionen bringen eine gute Kontrolle des Diabetes und können diabetischen Folgekrankheiten vorbeugen“, erklärt der Diabetologe. So stellt die Transplantation von Insulin-produzierenden Zellen aus einem Spenderorgan für Menschen, die an Typ 1 Diabetes erkrankt sind und trotz medikamentöser Behandlung an starken Schwankungen ihres Zuckerhaushalts leiden, eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität dar. 2008  startete in Dresden das zurzeit deutschlandweit einzige aktive Inselzellprogramm zur Behandlung von Typ-1-Diabetes.

Da die Patienten nach der Inselzell- oder Organtransplantation Immunsuppressiva einnehmen müssen, sind sie anfällig für Infektionen oder andere mögliche Nebenwirkungen. Darum bleibt diese Therapie auf wenige Patienten beschränkt, die spezielle medizinische Kriterien erfüllen. Gemeinsam mit dem Medizin-Nobelpreisträger Prof. Andrew V. Schally wird zurzeit in Dresden erforscht, wie sich Leistungsfähigkeit und Lebensdauer der insulin-produzierenden Zellen mit neuen Wirkstoffen für die Zukunft weiter verbessern lassen.

Damit noch mehr Betroffene von dieser Therapieform profitieren, sind jedoch ganz neue the-rapeutische Möglichkeiten notwendig. Eine solche Entwicklung könnte schon bald Wirklichkeit werden: So wird in Dresden gerade ein von einem israelischen Unternehmen entwickelter Bio-Reaktor erforscht, der die Form einer kleinen Dose hat und mit Insulin-produzierenden Zellen befüllt ist. Dieser Bio-Reaktor soll zukünftig im Körper von Typ-1-Diabetikern die Insulinproduktion übernehmen. Entscheidender Vorteil dieser Kammer im Vergleich zur bisherigen Inseltransplantation soll sein, dass sie eine Immunisolation bietet. Der Empfänger bräuchte keine Immunsuppressiva mehr einzunehmen, da die Kammer zwar eine kontrollierte Sauerstoffversorgung der Inselzellen erlaubt und das produzierte Insulin aus der Kammer in den Körper leitet, die Inselzellen jedoch vor der Immunantwort des Empfängers, nämlich der Abstoßung der Zellen, schützt.

Susanne Witzigmann M.A.

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Mehrfacherkrankungen sind eine Herausforderung für die ärztliche Praxis

12. April 2013

Die Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden unter der Leitung von Prof. Dr. Antje Bergmann lädt Experten aus Deutschland zum wissenschaftlichen Symposium ein. Im Fokus der Veranstaltung stehen epidemiologische Zusammenhänge, Versorgungsmanagement und Medikation multimorbider, also mehrfacherkrankter Patienten. Die Veranstaltung findet am Mittwoch, dem 17. April, ab 16:30 Uhr im Hörsaal 1 des Medizinisch-Theoretischen Zentrums (MTZ) in der Fiedlerstraße 42 am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden statt und richtet sich vor allem an niedergelassene Ärzte. Die Teilnahme ist kostenlos.

Mehrfacherkrankungen sind das Thema des achten wissenschaftlichen Symposiums mit dem Titel „Multimorbidität – Herausforderung für die Praxis“ des Bereichs Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden. Mediziner sprechen von Multimorbidität, wenn ein Patient gleichzeitig mehrere Erkrankungen hat. Meist sind es ältere Patienten, die an verschiedenen Krankheiten zugleich leiden. Denn häufig begünstigt das Bestehen einer Erkrankung das Entstehen weiterer. So kann die Zuckerstoffwechselstörung Diabetes mellitus in der Folge zu Nierenerkrankungen, Herz-Kreislauferkrankungen oder Sehbehinderungen führen. Für alle Hausärztinnen und Hausärzte stehen darum die Verhinderung oder Verzögerung von Folgekrankheiten und weiterer körperlicher Einschränkungen sowie eine optimale Behandlung der bestehenden Krankheiten im Vordergrund.

„Eine optimale Therapie bedeutet eine individuell auf das Gesamtkrankheitsbild des einzelnen Patienten abgestimmte Behandlung“, so Professorin Dr. Antje Bergmann, Leiterin des Bereichs Allgemeinmedizin an der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden. Wie solche Therapien praktisch umzusetzen sind, welche Behandlungskonzepte den Betroffenen dabei Hilfe versprechen und was das Problem der Multimedikation für die tägliche Praxis bedeutet, ist das Themenspektrum des Symposiums, zu dem die Dresdner Allgemeinmediziner Experten aus ganz Deutschland - wie eine Gesundheitsökonomin der Universität Wuppertal und eine wissenschaftlich renommierte Allgemeinmedizinerin aus Frankfurt am Main - eingeladen hat.

„Durch unsere tägliche Arbeit mit den Patienten und mit unserer Forschung leisten wir Allgemeinmediziner bundesweit einen wichtigen Beitrag, multimorbiden Patienten eine an die Lebenssituation angepasste Behandlung zu bieten und damit zugleich auch die medizinischen, pflegerischen und wirtschaftlichen Herausforderungen, die diese Krankheitsbilder für unser Gesundheitssystem darstellen, zukünftig besser meistern zu können.“

Susanne Witzigmann M.A.

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Studie weist positive Wirkung von Lipidapherese
bei erhöhtem Lipoprotein(a) nach

Dresden, 08. April 2013


Dresdner Mediziner zeigen, dass ein spezielles Lipoprotein offenbar ein größerer Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen ist, als ein zu hoher LDL-Cholesterin-Spiegel. Die Lipidapherese ist ein spezielles Blutreinigungsverfahren, bei dem krankmachende Fette aus dem Blut gefiltert werden. Das Verfahren reduziert die Gefahr erneuter Arterienverschlüsse und senkt damit das hohe Risiko für Herzinfarkt sowie Gefäßverschlüsse bei Patienten mit Fettstoffwechselstörungen. Bislang lag der Fokus bei Patienten mit stark erhöhtem LDL-Cholesterin. Doch Wissenschaftler der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus wiesen jetzt erstmals in einer Studie mit 87 Patienten nach, dass Menschen mit erhöhtem Lipoprotein(a)-Wert sogar stärker von diesem Verfahren profitieren.

Fette binden im Blut an Eiweißstoffe und bilden sogenannte Lipoproteine. LDL-Cholesterin (Low-Density-Lipoprotein-Cholesterin) und Lipoprotein(a) gehören in diese Gruppe und sind – massiv erhöht - gefährliche Risikofaktoren für Atherosklerose und daraus resultierende kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkte. Nicht bei allen Betroffenen helfen Medikamente wie Statine, die schlechten Fette ausreichend zu senken. Zur Behandlung von Lipoprotein(a) steht zurzeit in Deutschland kein mehr zur Verfügung. Bei diesen Hochrisiko-Patienten hat jedoch die Lipidapherese eine positive Wirkung. Denn dieses Verfahren filtert - ähnlich der Hämodialyse - die krankmachenden Fette aus dem Blut. Die Medizinische Klinik und Poliklinik III unter Leitung von Klinikdirektor Prof. Dr. Stefan R. Bornstein am Uniklinikum Dresden verfügt über das größte universitäre Lipidapherese-Zentrum in Deutschland.
Bislang schien diese Therapie für Menschen mit erhöhtem LDL-Cholesterin den größten Nutzen bei der Vermeidung kardiovaskulärer Ereignisse zu bringen. So übernehmen Krankenkassen seit 1990 die Lipidapherese-Behandlung bei diesen Hochrisiko-Patienten. Dass auch ein erhöhter Lipoprotein(a)-Spiegel ein schwerer Risikofaktor für Gefäßkomplikationen ist, konnte zwar schon länger gezeigt werden, doch gab es bislang nur wenige Daten zur Effektivität der Lipoprotein-Apherese bei diesen Patienten. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten dieser Therapie bei Patienten mit erhöhtem Lipoprotein(a)-Spiegel erst seit 2008.
Das Dresdner Forscherteam um Professor Dr. Ulrich Julius konnte jetzt erstmals nachweisen, dass die Lipidapherese bei Menschen mit erhöhtem Lipoprotein(a) sogar eine stärkere Reduzierung des Herzinfarktrisikos und anderer kardiovaskulärer Ereignisse bewirkt, als bei Patienten mit zu hohem LDL-Cholesterin-Wert. Professor Julius: „Wir haben 87 Apherese-Patienten untersucht, von denen ein Drittel ausschließlich ein erhöhtes LDL-Cholesterin, das zweite Drittel ausschließlich einen zu hohen Lipoprotein(a)-Wert aufwies und beim letzten Drittel beide Werte erhöht waren. Das Ergebnis unserer Studie war verblüffend, wir konnten tatsächlich nachweisen, dass Menschen mit ausschließlich erhöhtem Lipoprotein(a) oder beiden erhöhten Werten deutlich mehr von der Lipidapherese profitieren, als Menschen mit ausschließlich zu hohem LDL-Cholesterin.“
Die Dresdner Mediziner ziehen aus der Studie den Schluss, dass das Lipoprotein(a) ein größerer Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen sein könnte, als das bislang vermutete LDL-Cholesterin. „Das Lipoprotein(a) bleibt im Fokus unserer Forschung“, so Prof. Julius.

Susanne Witzigmann M.A.

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Neue Therapien und Standards bei Lupus


Dresden, 28. November 2012

Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden veranstaltet gemeinsam mit der Lupus-Selbsthilfegemeinschaft und dem Rheumazentrum Dresden-Chemnitz einen Patiententag am kommenden Samstag, den 1. Dezember.

„Etwa jede tausendste Frau und jeder zehntausendste Mann leiden unter Systemischem Lupus erythematodes (SLE), einer seltenen Autoimmun- oder Rheumaerkrankung, die den gesamten Körper betreffen kann. Am häufigsten erkranken junge Frauen. Häufig fallen zunächst Fieber, Erschöpfung und Empfindlichkeit gegen Sonnenlicht auf. Befallen werden kann jedes Organ. Eine schwere Entzündung kann zum Beispiel in der Haut, in den Gelenken, in den Nieren oder in den Blutgefäßen des Gehirns auftreten. Meist wird die Erkrankung durch moderne Medikamente gut kontrolliert. Doch manchmal reicht die Standardtherapie nicht aus“, so Prof. Dr. Martin Aringer, Leiter des Bereichs Rheumatologie der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden.
Für Patientinnen und Patienten sowie ihre Angehörige  veranstalten Prof. Aringer und sein Team gemeinsam mit der Lupus-Selbsthilfegemeinschaft und dem Rheumazentrum Dresden-Chemnitz  an diesem Sonnabend einen Patiententag. In den Vorträgen geht es um bestehende und neue Therapien sowie um unerwünschte Wirkungen von SLE-Therapien. Außerdem informieren Ärztinnen aus der Poliklinik für Parodontologie sowie der Frauenklinik des Uniklinikums über Zahngesundheit und gynäkologische Hormongaben bei SLE. Im Focus stehen auch wichtige Aspekte zur Behandlung von Schmerzen, über die die niedergelassene Rheumatologin Dr. Kirsten Lüthke und Dr. Birgit Kittel, Chefärztin am Fontana-Klinikum Bad Liebenwerda, sprechen werden.
Die Veranstaltung beginnt am Samstag um 10 Uhr im Hörsaal des Kinder-Frauenzentrums (Haus 21). Die Teilnahme ist kostenfrei. Betroffene und ihre Angehörigen sind herzlich zu der Veranstaltung eingeladen.

Susanne Witzigmann M.A.


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Ehrhart-Bornstein

Forscherin gelingt weltweit erstmals Umwandlung menschlicher Stammzellen der Nebenniere in nervenähnliche Zellen

15. November 2012

Das Forschungsergebnis öffnet der regenerativen Medizin neue Perspektiven, beispielsweise zur Behandlung von Morbus Alzheimer und Morbus Parkinson.

Einem internationalen Forscherteam unter Leitung von Dr. Monika Ehrhart-Bornstein von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden ist es erstmals gelungen, menschliche Vorgängerzellen der Nebenniere zu isolieren und in nervenähnliche Zellen umzuwandeln. Das Forschungsergebnis könnte neue Wege zur Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen wie Morbus Alzheimer und Morbus Parkinson eröffnen. Langfristiges Ziel ist, in nervenähnliche Zellen umgewandelte Stammzellen den Erkrankten zurück zu transplantieren. Die jüngsten Forschungsergebnisse kommen dieser Therapieoption einige Schritte näher. Dennoch müssen weitere Hürden genommen werden, bis das Verfahren in der Praxis angewendet werden kann.

Stammzellen sind eine große Hoffnung in der medizinischen Forschung. Denn zu den Aufgaben von Stammzellen gehört, alte und kranke Zellen im gesamten Organismus zu erneuern, indem sie selbst die jeweilige Funktion der ausgefallenen Zellen übernehmen. Wegen dieser Fähigkeit werden Stammzellen - auch Vorgängerzellen genannt - immer häufiger zur Behandlung verschiedener Krankheiten eingesetzt. Für Therapien genutzte Stammzellen werden bislang aus Knochenmark, Eigenblut oder Nabelschnurblut gewonnen, anschließend entsprechend ihrer zukünftigen Aufgabe biologisch programmiert und in den Körper des Erkrankten zurückgegeben. Ein komplizierter Prozess.

Der Dresdner Molekularbiologin Dr. Monika Ehrhart-Bornstein und ihrem Team, zu dem auch Forscher des „Center for Neurosciences and Cell Biology“ der portugiesischen University of Coimbra gehören, ist jetzt erstmals gelungen, Stammzellen aus dem Mark der menschlichen Nebenniere zu isolieren und durch Behandlung mit einem speziellen Wachstumsfaktor in nervenähnliche Zellen umzuwandeln. „Die Stammzellen im Mark der Nebenniere bergen ein besonderes Potenzial für zukünftige Therapien von Nervenerkrankungen wie Morbus Alzheimer und Morbus Parkinson. Denn sie zeigen eine enge biologische Beziehung zu Nervenzellen“, so Dr. Monika Ehrhart-Bornstein.

Darum sind die jüngsten Ergebnisse weitere Meilensteine auf dem Weg zu neuen Therapieoptionen mit Hilfe von Nebennieren-Stammzellen. Dies unterstreicht die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse in der Fachzeitschrift „Stem Cells - Translational Medicine“. http://stemcellstm.alphamedpress.org/site/misc/PressRelease009.xhtml

2009 gelang es der Dresdner Forscherin und ihrem Team erstmals weltweit, Stammzellen aus dem Nebennierenmark von Rindern zu isolieren und die besonderen biologischen Eigenschaften dieser Stammzellen nachzuweisen. Mit den neuesten Forschungsergebnissen legt Dr. Monika Ehrhart-Bornstein jetzt den Beweis vor, dass auch das menschliche Nebennierenmark Stammzellen mit diesen speziellen Eigenschaften aufweist. Außerdem demonstrieren die Ergebnisse, dass die Stammzellen aus der menschlichen Nebenniere isoliert und in nervenähnliche Zellen umgewandelt werden können. Langfristiges Therapieziel ist, Stammzellen aus dem Nebennierenmark von Patienten mit Nervenerkrankungen zu isolieren und nach entsprechender Programmierung dem Patienten zurück zu transplantieren. Mit den aktuellen Forschungsergebnissen sind die Dresdner Forscher diesem Ziel ein gutes Stück näher gekommen.

Susanne Witzigmann M.A.
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Dresdner Forscher entdecken Zusammenhang zwischen Darmbakterien, Diabetes und Fettleibigkeit


Dresden, 05. November 2012

Magen-Bypass-Operationen verändern die Zusammensetzung der Darmflora und verbessern nachhaltig den Stoffwechsel, die neuen Bakterien können langfristig aber zu Problemen führen.
Professor Dr. Stefan R. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, hat erforscht, wie sich die Darmflora bei Menschen nach Magen-Bypass-Operationen verändert. Die Patienten litten an Diabetes Typ 2 sowie krankhafter Fettleibigkeit. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass drei Monate nach der Operation Bakterienarten fehlen, während andere hinzugekommen sind. Dies bewirkt einen für den Gesamtorganismus deutlich verbesserten Stoffwechsel. Doch die Veränderung birgt langfristig möglicherweise neue Risiken.

Der menschliche Organismus beherbergt knapp 200 verschiedene Bakterienarten. Ohne ihre aktive Unterstützung wäre ein gesundes menschliches Leben nicht möglich. Die meisten dieser Mikroorganismen befinden sich im Darm. Die menschliche Darmflora ist jedoch unterschiedlich zusammengesetzt. Forscher unterscheiden zwischen drei verschiedenen Besiedlungsmustern: Bacteroides, Prevotella oder Ruminococcus. Erst 2011 wurde in Europa erforscht, dass der jeweilige Besiedlungs-Typ über die Nahrungsverwertung im Organismus entscheidet. So macht der Bacteroides-Typ aus dem Nahrungsbrei große Mengen Kohlehydrate für den weiteren Stoffwechsel verfügbar. Ein Mensch dieses Typs neigt eher zur Fettleibigkeit. Die beiden anderen Typen hingegen scheiden mehr unverdauten Zucker aus. Ihre Wirte bleiben eher schlank.
Hier knüpft die Forschung von Prof. Bornstein und seinem Team an. Hat die Zusammensetzung der Darmflora Einfluss darauf, ob ein Mensch an einer Stoffwechselstörung erkrankt oder nicht? Und was passiert mit der Darmflora, wenn der Körper durch einen sogenannten Roux-en-Y-Bypass zum Abnehmen gezwungen wird?
Im Fokus des Dresdner Forschungsprojekts standen Menschen, die sich einer Magen-Bypass-Operation unterzogen hatten, an Diabetes Typ 2 litten und einen BMI von mehr als 40 aufwiesen, also stark fettleibig waren. Die Darmflora der meisten Patienten gehörte vor der Operation dem Besiedlungs-Typ an, der Stoffwechselstörungen wie Diabetes und Fettleibigkeit begünstigt.
Drei Monate nach der Operation zeigte sich Erstaunliches: Die Darmflora der Menschen mit Magen-Bypass hatte sich verändert und zeigte jetzt einen neuen Besiedlungs-Typ. Prof. Bornstein: „Die Veränderung der bakteriellen Flora ist durch eine Reduzierung bestimmter Keime gekennzeichnet, während die Anzahl anderer Keime ansteigt. Aus dieser neuen Zusammensetzung resultiert eine deutliche Verbesserung der metabolischen Parameter.“ Ein Ergebnis, das vielen Menschen mit Diabetes Typ 2 und krankhafter Fettsucht Hoffnung bringt. Doch Grund für Euphorie besteht nach Ansicht der Forscher dennoch nicht. Die Langzeitergebnisse nach Magen-Darm-Operationen fehlen.
Für die Zukunft sind auf diesem neuen Forschungsgebiet aber weiterhin spannende Erkenntnisse zu erwarten. „Die verstärkt hinzugekommen Darmkeime der Probanden können möglicherweise Impulsgeber für neue Krankheiten sein“, so Prof. Bornstein. Dies wollen die Dresdner nun weiter erforschen. Langfristiges Ziel von Professor Bornstein und seinem Team ist jedoch, therapeutische Ansätze für eine Darmflora zu entwickeln, die den menschlichen Körper unterstützt, gesund zu bleiben.

Susanne Witzigmann M.A.

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Professor Morawietz ist zum Präsidenten der Gesellschaft für Mikrozirkulation und Vaskuläre Medizin gewählt

Oktober 2012

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in Deutschland. Die Gesellschaft für Mikrozirkulation und Vaskuläre Biologie e.V. fördert die Zusammenarbeit zwischen experimenteller Grundlagenforschung und klinisch angewandter Forschung sowie den wissenschaftlichen Nachwuchs auf diesem Fachgebiet.

Auf ihrer Jahrestagung in Mannheim wurde jetzt Prof. Dr. Henning Morawietz von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden zum Präsidenten der Gesellschaft gewählt. Ein besonderes Anliegen der Gesellschaft für Mikrozirkulation und Vaskuläre Biologie ist die die Zusammenarbeit mit fachnahen ausländischen Gesellschaften. Prof. Morawietz wird daher die Jahrestagung der Gesellschaft in Zusammenarbeit mit den Kollegen der Schweizer Fachgesellschaft im Jahr 2013 in Dresden ausrichten.

Wissenschaftliche Schwerpunkte von Prof. Morawietz sind Gefäßerkrankungen - wie Arteriosklerose - sowie die Bedeutung von oxidativem Stress im Herz-Kreislauf-System.

Kontakt:
Prof. Dr. Henning Morawietz, Medizinische Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Bereich Gefäßendothel/ Mikrozirkulation, Fetscherstr. 74, 01307 Dresden, Tel.: 0351 458 6625, Fax.: 0351 458 6354, E-mail:
Henning.Morawietz@tu-dresden.de , http://www.tu-dresden.de/medmiz/ .

Susanne Witzigmann M.A.
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Wenn’s um die Nieren geht


20. September 2012

Am Sonntag, dem 14. Oktober, steht im Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Haus 19, von 9 Uhr bis 14 Uhr das Entgiftungsorgan Niere im Focus eines Tags der offenen Tür sowie des 8. Dresdner Patientenseminars „Schlechte Nierenfunktion – wie weiter?“. Zum Patientenseminar wird eine Anmeldung erbeten unter Telefon: 0351/458-4233 oder per Fax unter: 0351/ 458-5333:

Die Nieren erfüllen viele wichtige Aufgaben im menschlichen Körper. Eine der wichtigsten ist ihre Filterfunktion. Denn mit dem Urin scheiden die Nieren Stoffwechselendprodukte und Gifte aus. Für den Körper Wertvolles wie Eiweiß wird dabei abgetrennt und erneut dem Stoffwechsel zugeführt. „Eine dauerhaft erhöhte Eiweißausscheidung kann darum ein wichtiges Signal für eine Nierenschädigung sein“, so  Prof. Dr. Christian Hugo, Leiter des Bereichs Nephrologie an der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des Uniklinikums Dresden. „Auch viele kleine Nierenschädigungen durch zu wenig Trinken oder bestimmte Schmerzmittel führen langfristig zu einer Vernarbung des Nierengewebes und im schlimmsten Fall zu einem fortschreitenden Nierenversagen mit Dialysepflichtigkeit.“
Die Nieren und ihre Krankheiten stehen am Sonntag, dem 14. Oktober, im Focus eines Tags der offenen Tür am Uniklinikum Dresden. Von 9 Uhr bis 14 Uhr stellen sich Prof. Hugo sowie sein gesamtes Team aus Ärzten und Schwestern den Fragen der Besucher. Erstmals können die Gäste dabei die neuen Räume des KfH-Dialysebereichs, der Nierenambulanz sowie die auf 22 Betten erweiterte nephrologische Station besuchen. Zu der Veranstaltung eingeladen sind alle interessierten Ärztinnen und Ärzte, aber auch Bürgerinnen und Bürger. Wer möchte, kann seinen Blutdruck messen und seinen Urin testen lassen. Die Dresdner Nephrologen möchten auch vor allem die Menschen ansprechen, die bereits an einer Nierenerkrankung leiden oder eine Vorerkrankung wie Diabetes oder Bluthochdruck haben, die das Risiko einer Nierenschädigung deutlich erhöht. Prof. Hugo: „Bei einem Drittel der Dialyse-Patienten verursachte der Diabetes die Nierenkrankheit. Hinsichtlich des Blutdruckes sind die Nieren gleichzeitig ‚Täter und Opfer‘. Der Blutdruck setzt die Nieren sozusagen ‚unter Druck‘ und schädigt so das Nierengewebe, die geschädigten Nieren wiederum fördern den Bluthochdruck durch vermehrte Bildung von bestimmten Botenstoffen. So entsteht einen Teufelskreis, der die Nieren schnell und fast immer unbemerkt zerstören kann.“
Der Tag der offenen Tür ist verknüpft mit dem 8. Dresdner Patientenseminar zum Thema ‚Schlechte Nierenfunktion – wie weiter?‘. Hier geht es – auch im Gespräch mit betroffenen Patienten - um die Themen Nierentransplantation und Lebendspende, um Nierenersatztherapien wie die Hämo- und Bauchfelldialyse, aber auch um die Frage, wie die Nierenfunktion besser erhalten bleibt. Prof. Hugo: „Wir möchten einerseits das Wissen vermitteln, was man selbst für einen möglichst langen Erhalt der Nierenfunktion tun kann. Zum anderen möchten wir bei den vielen nierenkranken Patienten die Angst vor der Dialyse mildern und zeigen, dass ein Leben mit akzeptabler Lebensqualität auch unter einer Nierenersatztherapie möglich ist.“

Susanne Witzigmann M.A.

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Dresdner Allgemeinmedizin lädt Medizinstudenten zur Summer School

Dresden, 29. August 2012

25 Medizinstudierende aus ganz Deutschland lernen in Dresden, was es bedeutet, Hausärztin oder Hausarzt zu sein. Erkennen und Behandeln häufiger Krankheiten, Kommunikationstraining, Blickdiagnose und Wundversorgung sind einige der Bereiche, die Studierende bei der Dresdner Summer School Allgemeinmedizin vom 03. bis zum 07. September üben. Unter Leitung von Professorin Dr. Antje Bergmann von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden erfahren die angehenden Mediziner in Theorie und Praxis, was sie können müssen, um zukünftig erfolgreich als Hausärztin oder Hausarzt zu praktizieren. Die Summer School Allgemeinmedizin wurde von der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) ins Leben gerufen und findet jetzt zum ersten Mal in Dresden statt.

Was bietet der Beruf der Hausärztin oder des Hausarztes zukünftigen Medizinern? Vom 03. bis zum 07. September bekommen Medizinstudenten aus dem ganzen Bundesgebiet bei der Dresdner Summer School Allgemeinmedizin darauf eine Antwort. In der Theorie und anhand vieler praktischer Übungen. „Vor dem Hintergrund eines drohenden Hausärztemangels ist es unverzichtbar, die Allgemeinmedizin zu stärken, beispielsweise durch eine speziell auf den Beruf des Hausarztes bezogene praxisnahe und patientenorientierte Ausbildung der angehenden Ärztinnen und Ärzte“, so Professor Dr. Stefan R. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden.
Geleitet wird die Summer School Allgemeinmedizin von Professorin Dr. Antje Bergmann, Leiterin der Allgemeinmedizin an der Medizinischen Klinik und Poliklinik III. Für die Professorin ist die frühzeitige Ausbildung zukünftiger Allgemeinmediziner nicht nur ein wichtiges Anliegen, sondern fester Bestandteil ihrer täglichen Arbeit. In ihrer hausärztlichen Gemeinschaftspraxis werden die Studierenden daher umfassend auf ihren zukünftigen Beruf vorbereitet. Prof. Bergmann: „Ich halte es für dringend erforderlich, bereits das Studium für zukünftige Allgemeinmediziner attraktiv zu gestalten. Darum freuen wir uns, die Summer School Allgemeinmedizin zum ersten Mal am Dresdner Uniklinikum anbieten zu können. Die Veranstaltung bietet Medizinstudenten die Chance, sich eine Woche intensiv und ohne Prüfungsdruck mit diesem Fach der Medizin auseinanderzusetzen und für den wichtigen und spannenden Beruf der Hausärztin oder des Hausarztes zu begeistern.“
Insgesamt 25 Studierende nehmen am Programm der Dresdner Summer School Allgemeinmedizin teil. Neben Professorin Bergmann beteiligen sich vor allem Mediziner der Sächsischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (SGAM)  sowie angehende Allgemeinmediziner am Training. Zum Übungsprogramm gehören die Gesprächsführung mit Patienten, die Versorgung akuter und das Management chronischer Wunden, das Erkennen und Behandeln häufiger Erkrankungen, ein Notfalltraining, die Blickdiagnose und ein Nahtkurs. Auch die Behandlung psychosomatischer Erkrankungen, der Umgang mit Pharma-Referenten sowie die Frage „Wie suche ich das richtige Medikament aus?“ stehen auf dem Programm.
Bei der Summer School Allgemeinmedizin lernen die aus dem ganzen Bundesgebiet angereisten Studenten aber nicht nur ihr künftiges Aufgabenspektrum, sondern auch Dresden kennen. So stehen ein gemeinsames Abendessen, eine Stadtführung, eine Drachenbootsfahrt sowie ein Grillabend an der Elbe mit den Gästen an. Vielleicht begeistert sich der eine oder die andere dabei nicht nur für die Allgemeinmedizin, sondern auch für die Region um die sächsische Landeshauptstadt als zukünftigen Arbeitsort.

Susanne Witzigmann M.A.

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In der Allgemeinmedizin gehören Familie und Arbeit zusammen

Dresden, 13. Juli 2012

Das Team der Allgemeinmedizin am Dresdner Universitätsklinikum Carl Gustav Carus erhielt den 3. Preis für Familienfreundlichkeit 2011. Die Ausschreibung des Preises findet jährlich statt und soll auf familienfreundliche Studien- und Arbeitsbedingungen in den ausgezeichneten Bereichen der TU Dresden aufmerksam machen. Die Preisgelder, die zwischen 500 und 200 Euro liegen, werden für weitere familienunterstützende Maßnahmen genutzt.

„Bei uns sind Familie, Arbeit und wissenschaftliche Karriere vereinbar“, so Prof. Dr. Antje Bergmann, Leiterin des Bereichs Allgemeinmedizin der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus. Und weil hinter den Worten der Professorin Taten stehen, wurde ihr Team gerade erst für seine familienfreundlichen Arbeitsbedingungen mit dem 3. Preis für Familienfreundlichkeit 2011 der TU Dresden ausgezeichnet.
Für Antje Bergmann, selbst Mutter von drei Kindern, ist Familienfreundlichkeit im Arbeitsleben gelebte Selbstverständlichkeit. Insgesamt acht Personen bilden das Team der Allgemeinmedizin. Neben der Leiterin sind dies eine Sekretärin sowie sechs wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Forschung und Lehre. Sechs der acht Personen sind Mütter mit insgesamt 13 Kindern zwischen zehn Monaten und 16 Jahren. „Für mich stellte sich nie die Frage, ob eine Mitarbeiterin mit Kindern den Aufgaben in unserem Team gewachsen ist. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass gerade auch Wissenschaftlerinnen Familie und Beruf vereinbaren können. Es wäre ein wirtschaftliches Dilemma, die enorme Ressource von jungen Wissenschaftlerinnen ungenutzt zu lassen, indem man Umfeldbedingungen wie Unterstützung bei der Kinderbetreuung oder flexibler Arbeitszeitregelung nicht familienfreundlich gestaltet.“
Viele Wissenschaftlerinnen mit Kinderwunsch stehen auch heute noch vor Barrieren, die die Familienplanung in den Hintergrund drängen. Zu diesen gehören unter anderen zu geringe Planungs- und finanzielle Sicherheit sowie zu wenige attraktive Angebote zur Teilzeitarbeit. Im Gegensatz hierzu zeichnet sich die Arbeit in der Dresdner Allgemeinmedizin durch ein respekt- und vertrauensvolles Miteinander auf allen Arbeitsebenen aus, beispielsweise durch Flexibilität von Zeit und Ort bei der Arbeitsorganisation. „Ein solidarisches Miteinander ist für uns selbstverständlich, damit die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Karriere für Männer und Frauen mit und ohne Kinder zur Selbstverständlichkeit wird“, so Prof. Bergmann.
Der Preis ist mit 200 Euro dotiert. Der erste Preis für Familienfreundlichkeit 2011 ging an das Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik (ILK) der TU Dresden, der zweite Preis an den Studentenrat der TU Dresden.

Susanne Witzigmann M.A.

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Hochdotiertes Stipendium für
Dresdner Knochenforscherin

Dresden, 29. Juni 2012

Sylvia Thiele erhält ein Stipendium zur Erforschung einer speziellen Form der Osteoporose.
Die Europäische Knochengesellschaft European Calcified Tissue Society hat das diesjährige Forschungsstipendium für Doktoranden an die Dresdner Wissenschaftlerin Sylvia Thiele aus der Abteilung für Endokrinologie, Diabetes und Knochenerkrankungen der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden vergeben. Sylvia Thiele erforscht einen molekularen Mechanismus der Glukokortikoid-induzierten Osteoporose, einer speziellen Form der Knochenstoffwechselstörung. Das Stipendium ist mit 30.000 Euro dotiert.

Die Osteoporose gilt als die häufigste Knochenerkrankung, von der vor allem ältere Menschen betroffen sind. Die Krankheit ist charakterisiert durch eine Abnahme der Knochenmasse sowie durch eine Verschlechterung der Mikroarchitektur in der Knochenstruktur. Die Folge ist ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche. In den meisten Fällen handelt es sich um eine primäre Osteoporose, das bedeutet, die Krankheit ist keine Folge anderer Erkrankungen.
Im Gegensatz dazu sind für die sogenannte sekundäre Form der Osteoporose eine andere Grunderkrankung oder deren Behandlungsfolge verantwortlich. „Die Glukokortikoid-induzierte Osteoporose (GIO) ist dabei die häufigste und schwerwiegendste Form der sekundären Osteoporose“, so die Dresdner Knochenforscherin Sylvia Thiele. „Rund ein Prozent der Erwachsenen in Deutschland und bis zu 2,5 Prozent der älteren Menschen müssen Glukokortikoide zur Therapie immunvermittelter Krankheiten wie rheumatoider Arthritis, chronisch-entzündlichen Darmkrankheiten oder Lungenerkrankungen nehmen.“ Die Einnahme von Glukokortikoiden kann jedoch zu Knochenverlust führen. Am Beginn einer Therapie steigert sich die Knochenresorption, während zugleich die Funktion der Osteoblasten, den knochenbildenden Zellen, beeinträchtigt wird. Zusätzlich kommt es zu einer verminderten Kalziumaufnahme und verstärkter Harn-Kalzium-Ausscheidung. Sylvia Thiele: „Trotz verbesserter Diagnose- und Behandlungsmethoden erleidet die Hälfte der Patienten durch die Glukokortikoide eine Wirbelkörperfraktur. Neben dem Leid der Betroffenen stellt dies auch eine große ökonomische Belastung dar.“
Unter der Leitung des Dresdner Hormon- und Osteoporose-Experten Prof. Dr. Lorenz Hofbauer, der weltweit zu den führenden Forschern im Bereich der Knochenstoffwechselerkrankungen gehört, und in Zusammenarbeit mit der Dresdner Wissenschaftlerin Dr. Martina Rauner untersucht Sylvia Thiele welche Auswirkung das Ausschalten eines speziellen Gens in den Knochenzellen auf die Entwicklung dieser Form der Osteoporose hat. Mit dem Projekt erhoffen sich die Dresdner ein besseres Verständnis der molekularen Mechanismen der Glukokortikoid-induzierten Osteoporose, um langfristig die Nebenwirkungen einer Glukokortikoidtherapie für die Patienten zu reduzieren und damit sicherer zu machen.
Welche Bedeutung Sylvia Thieles Arbeit für die internationale Forschung hat, hob nun die Europäische Knochengesellschaft European Calcified Tissue Society – ECTS – hervor. Sie vergab das diesjährige und mit 30.000 Euro dotierte Forschungsstipendium für Doktoranden an die Dresdner Naturwissenschaftlerin.

Susanne Witzigmann M.A.

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„Es ist ein gutes Gefühl, zufriedenen Patienten
zu begegnen“

Dresden, 28. Juni 2012

Die Station für Akut-Geriatrie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden wird am 1. Juli zehn Jahre alt. Die Geriatrie ist die Lehre von den Krankheiten des alternden Menschen. In einer Gesellschaft, in der es immer mehr ältere Menschen gibt, erlangt die geriatrische Medizin zunehmend an Bedeutung. Das Dresdner Universitätsklinikum hat den steigenden Bedarf bereits vor zehn Jahren erkannt und damals eine Station für Akut-Geriatrie gegründet. Hier behandeln Dr. Gabriele Krumpolt und ihr Team pro Jahr zwischen 450 und 500 ältere Menschen mit vorwiegend neurologischen, psychiatrischen und internistischen Krankheiten sowie Patienten, die akut pflegebedürftig geworden sind.

Die Gesellschaft wird immer älter, wie die demografische Entwicklung zeigt und für die Zukunft prognostiziert. Doch mit zunehmendem Alter steigt auch das Risiko schwerer sowie Mehrfach-Erkrankungen. Geriatrie ist die medizinische Spezialdisziplin, die sich um eine ganzheitliche Behandlung alter Menschen mit Mehrfach-Erkrankungen bemüht und dabei den Blick auf die körperlichen, geistigen und sozialen Bedingungen von akuten, chronischen, rehabilitativen oder präventiven Behandlungen der Patienten richtet. Im Fokus der Mediziner stehen dabei vor allem die Menschen, die akut erkrankt und dadurch pflegebedürftig geworden sind. Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden hat den steigenden Bedarf an Behandlungen für alternde Menschen mit vielschichtigen Krankheiten erkannt und am 1. Juli 2002 eine Station für Akut-Geriatrie in der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des Uniklinikums gegründet. Seitdem erhielten dort 4800 Patienten Hilfe.
Prof. Dr. Stefan R. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III: „Unsere Patienten leiden meist an verschiedenen Einzelsymptomen, die in ihrer Kombination typisch für ältere Menschen sind, ihre jeweilige Ursache jedoch in verschiedenen Krankheiten haben oder haben können. Die Behandlungsschwerpunkte unserer Akut-Geriatrie liegen bei den internistischen, neurologischen und/oder psychiatrischen Erkrankungen.“
Geleitet wird die Station für Akut-Geriatrie von der Fachärztin für Physikalische und Rehabilitative Medizin und Geriaterin Dr. Gabriele Krumpolt: „Unsere Station bietet älteren, akut erkrankten Patienten, die bisher weitestgehend mobil und aktiv waren, ein auf ihre Bedürfnisse spezialisiertes Behandlungszentrum. Dabei ist es vor allem der interdisziplinäre Ansatz, der unser Programm seit zehn Jahren so erfolgreich macht.“ Bereits kurz nach Gründung der Station, deren Bettenzahl bei 18 liegt, arbeiteten Internisten, Neurologen und Psychiater Hand in Hand, um den Patienten mit oft variablen Krankheitsbildern eine möglichst optimale, ganzheitliche Therapie zu bieten.
Zu den typischen Krankheitssymptomen der älteren Patienten gehören die verschiedenen Arten von Demenz, Einschränkungen der Sinne wie Hören, Sehen, Tasten oder des Gleichgewichts. Weitere Symptome sind die Folgen von Schlaganfällen, Instabilität oder Schwindel sowie Inkontinenz und der allmähliche Verlust von Flüssigkeit im Gewebe. Doch die Patienten von Oberärztin Gabriele Krumpolt haben auch Krankheiten, die nicht unbedingt altersbedingt sind wie Meningitiden – Entzündungen der Hirn- und Rückenmarkshäute -  oder HIV-Infektionen. Darum steht für das Team der Akut-Geriatrie eine individuell auf jeden Patienten zugeschnittene Behandlung im Vordergrund. „Bereits bei der Aufnahme vermitteln wir unseren Patienten eine entspannte Atmosphäre, um ihnen die Angst vor dem Krankenhaus zu nehmen. Die meisten Patienten sind sehr zufrieden mit der intensiven Betreuung, die sie in unserem Hause erhalten. Häufig hören wir am Abschluss einer Behandlung auch die Frage: Kann ich nicht hierbleiben?“, so die Leiterin der Akut-Geriatrie. „Inzwischen sind wir auch für viele Kliniken in und um Dresden eine gefragte Station. Von dort erreichen uns regelmäßig Anfragen zur Übernahme von Patienten mit meist längerem Krankheitsverlauf.“ Diesen Erfolg sieht Oberärztin Krumpolt in der guten Teamarbeit aus Medizinern, Schwestern, Ergotherapeuten und Sozialarbeitern begründet, die sich gemeinsam um das Wohl der Patienten kümmern.
Und auch die oft jungen Ärztinnen und Ärzte, die aus den verschiedenen medizinischen Fachrichtungen kommen und einige Monate auf der Akut-Geriatrie hospitieren, finden die Arbeit mit den alten Menschen nach anfänglicher Skepsis zumeist spannend und interessant. „Es ist der besondere interdisziplinäre Ansatz, der die Arbeit in der Geriatrie so fruchtbar für die Medizinerausbildung macht“, so Dr. Gabriele Krumpolt. Dass die Medizinerin die Arbeit mit den alten Menschen liebt, merkt man ihr an. „Sie leben uns vor, was auch uns später erwartet. Es ist ein gutes Gefühl, zufriedenen Patienten zu begegnen.“

Der Begriff Geriatrie für die Lehre und Behandlung von Krankheiten des alternden Menschen hat sich übrigens vor fast hundert Jahren in der Medizin etabliert. Bereits 1914 prägte der Wiener Arzt Ignatz Leo Nascher den Begriff in seinem Lehrbuch „Geriatrics: The diseases of old age and their treatment“.

Susanne Witzigmann M.A.

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Biologie der xenogenen Zell- und Organtransplantation - vom Labor in die Klinik

25. Mai 2012

Dresdner Spitzenmediziner erforschen neue Transplantationswege mit Tier-Geweben und -Organen. Die DFG fördert mit mehr als 13 Millionen Euro den SFB/Transregio „Biologie der xenogenen Zell- und Organtransplantation – vom Labor in die Klinik“. Neben Spitzenmedizinern der TU Dresden erforschen Wissenschaftler der LMU München, der TU München, der Medizinischen Hochschule Hannover sowie weiterer vier Forschungsinstitute neue Wege der Organ-, Gewebe- und Zelltransplantation.

Organ- und Zelltransplantationen sind bei manchen chronischen Erkrankungen eine Behandlung der Wahl, bei denen andere Therapien keinen Erfolg (mehr) versprechen. Dies ist beispielsweise bei einer Leberzirrhose der Fall, einem drohenden oder bereits eingetretenen Nierenversagen oder bei einem Typ-1-Diabetes mellitus mit schwerem Krankheitsverlauf. Ins Spektrum der Transplantationen gehört auch die Inselzelltransplantation, die zurzeit deutschlandweit nur in Dresden angeboten wird. Dabei werden Insulin-produzierende Zellen aus einem Spenderorgan (Bauchspeicheldrüse) entnommen, aufwändig aufbereitet und anschließend dem Empfänger in die Leber gespritzt.

„Die Zusage der DFG für einen Forschungsverbund dieser Größe unterstreicht einmal mehr, welche Bedeutung Transplantationen als Therapie in der Medizin haben. Und die Bedeutung und Notwendigkeit von Transplantationen wird in Zukunft weiter zunehmen“, so der wissenschaftliche Sekretär und Dresdner Standortsprecher des Transregio 127, Professor Stefan R. Bornstein, Klinikdirektor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden. Bornstein und weitere Dresdner Spitzenmediziner gehören zum Transregio 127, der eine Kooperation von Experten aus Grundlagen-, translationaler Forschung sowie Transplantationsmedizin darstellt. Prof. Bornstein: „Viele Menschen warten vergeblich auf ein lebensrettendes Organ, weil das Angebot an Spenderorganen viel geringer ist, als die Zahl der potenziellen Empfänger. Darum suchen wir neue Wege, die zukünftig mehr Menschen helfen können.“ Neue Transplantationswege erhoffen sich die Wissenschaftler durch die Erforschung xenogener Transplantationen oder Xenotransplantationen. Bei dieser Form der Transplantation gehören die Gewebe- oder Organ-Spender einer anderen Art an als die Empfänger.

Der Schwerpunkt des Dresdner Beitrags im deutschlandweiten Forschungsverbund liegt bei der Inselzelltransplantation. So beschäftigt sich ein Projekt der Dresdner Wissenschaftler am Universitätsklinikum und am Center for Regenerative Therapies Dresden (CRTD) Prof. Triantafyllos Chavakis, Dr. Claudia Waskow und Dr. Barbara Ludwig mit dem frühen Funktionsverlust transplantierter Inselzellen durch eine früh einsetzende Abstoßungsreaktion. Die Wissenschaftler haben hier die biologischen Mechanismen im Endothel (Gefäßwandauskleidung) der Leukozyten (weiße Blutkörperchen) im Blick. Im Mausmodell untersuchen sie die Immunantwort durch Implantation von Schweinezellen in Mäuse mit humanisiertem Immunsystem.

Ein weiteres Projekt der Forscher Dr. Barbara Ludwig und Prof. Stefan R. Bornstein beschäftigt sich mit der Entwicklung einer Kammer für Inselzellen, die Insulin-produzierende Zellen enthält und in den Körper des Empfängers eingesetzt wird. Entscheidender Vorteil dieser Kammer im Vergleich zur bisherigen Inseltransplantation soll sein, dass sie eine Immunisolation bietet. Der Empfänger bräuchte keine Immunsuppressiva mehr einzunehmen, da die Kammer zwar eine kontrollierte Sauerstoffversorgung der Inselzellen erlaubt und das produzierte Insulin aus der Kammer in den Körper leitet, die Inselzellen jedoch vor der Immunantwort des Empfängers, nämlich der Abstoßung der Zellen, schützt.

In einem dritten Projekt erforschen die Dresdner Mediziner Substanzen, die Entzündungs- und Abstoßungsreaktionen gegen Inselzellen verhindern sollen, die nach bisherigen Verfahren in die Leber gespritzt werden. Ein weiteres viertes Projekt der Dresdner Forscher am CRTD und Paul Langerhans Institut Dresden unter der Leitung von Dr. Stephan Speier, Prof. Michele Solimena und Prof. Ezio Bonifacio beschäftigt sich mit der einmaligen Möglichkeit, das Überleben der insulinproduzierenden Langerhansschen Inseln in einem Transplantationsmodell im Augenhintergrund von Tieren darzustellen.
Mit diesem Verbund ist Deutschland weltweit an vorderster Front, das Gebiet der Transplantationsmedizin entscheidend zum Wohl der Patienten voranzutreiben.

Informationen für Journalisten:
Prof. Dr. med. Stefan R. Bornstein, Tel.: +49 351 458-5955
stefan.bornstein@uniklinkum-dresden.de

Susanne Witzigmann M.A.

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Dresdner Forscher mit renommiertem europäischem Wissenschaftspreis Chavakis ausgezeichnet

23. März 2012

Der Dresdner Mediziner Prof. Dr. Triantafyllos Chavakis erhält den Preis der Europäischen Gesellschaft für klinische Forschung (European Society for Clinical Investigation) für herausragende Leistungen in der Grundlagen- und translationalen Forschung.
Professor Dr. Triantafyllos Chavakis von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden sowie des Instituts für Physiologie der Medizinischen Fakultät der TU Dresden gehört zu den weltweit führenden Wissenschaftlern, die akute und chronische Entzündungsprozesse erforschen.

Der ESCI Award for Excellence in Basic/Translational Research ist eine besondere Auszeichnung für biomedizinische Forschung. Einmal im Jahr zeichnet die Europäische Gesellschaft für klinische Forschung (ESCI - European Society for Clinical Investigation) einen herausragenden Forscher damit aus. Vorraussetzung ist, dass der oder die Ausgezeichnete einen bedeutsamen Beitrag zu Erforschung, Diagnose und Therapie einer Erkrankung geleistet hat. Da es ein europäischer Wissenschaftspreis ist, muss die Person einen großen Teil ihrer Arbeit an europäischen Forschungseinrichtungen absolviert haben und unter 45 Jahre alt sein.

Diesjähriger Preisträger des ESCI Award for Excellence in Basic/Translational Research ist der Dresdner Mediziner Prof. Dr. Triantafyllos Chavakis. Chavakis gehört weltweit zu den führenden Wissenschaftlern, die die molekularen Mechanismen zur Entstehung von Entzündung – Inflammation –  erforschen. ‚Regulation der Leukozyten-Endothel-Interaktionen bei der Entzündung’ heißt der Forschungsschwerpunkt des Wissenschaftlers. In diesem Zusammenhang hat seine Arbeitsgruppe herausragende Beiträge zum Verständnis der Leukozytenrekrutierungskaskade in den letzten 10 Jahren gemacht. Aktuell erforscht der Mediziner die Wechselwirkung von Blut- und Gefäßzellen im Zusammenhang mit metabolischen Störungen. Prof. Chavakis: „Neue Studien zeigen, dass vor allem die Entzündungsprozesse im Fettgewebe Ursache für Folgekrankheiten wie Diabetes sind. Unsere Aufgabe ist, die genauen Mechanismen auf Zell- und molekulargenetischer Ebene zu erforschen.“ Im Tiermodell untersucht der Mediziner den Einfluss der Entzündung der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und der Gefäßzellen (Endothel) auf das Fettgewebe. Prof. Chavakis geht dabei von der These aus, dass die Interaktion von weißen Blutkörperchen und Gefäßzellen im Fettgewebe die Insulinresistenz beeinflussen kann, die schließlich zu Diabetes führt.

Ein weiteres Feld von Chavakis ist die Erforschung von Entzündung in den Netzhautgefäßen des menschlichen Auges, der Retina. „Bei Erwachsenen liegt die Ursache für Sehstörungen und Blindheit häufig in einer diabetischen Retinopathie. Deren Hauptursache liegt vermutlich in einer Störung - Dysfunktion - des Endothels“, so der Dresdner Mediziner. Als Endothel wird die innere Schicht oder Auskleidung von Gefäßen bezeichnet. Zu einer Dysfunktion des Endothels tragen vermutlich entzündliche Prozesse in den Netzhautgefäßen bei, die Menschen mit Diabetes aufweisen. Die endotheliale Dysfunktion führt zu einer Minderdurchblutung und Sauerstoffminderversorgung (Hypoxie) der Netzhaut. Das Resultat der Hypoxie ist eine pathologische Neubildung von fragilen Gefäßen, die leicht bluten. Dies kann zur Erblindung führen. Prof. Chavakis: „Ein Ziel unserer Arbeit ist, die molekularen Mechanismen der endothelialen Dysfunktion genauer zu erforschen, um daraus neue Therapieansätze zur Behandlung der diabetischen Retinopathie zu entwickeln.“

Professor Chavakis erhält den ESCI Award for Excellence in Basic/Translational Research in Budapest, Ungarn. ESCI wurde 1967 als europaweite Gesellschaft für Kliniker und Wissenschaftler gegründet, die ihre Forschungsarbeit der Entschlüsselung von Mechanismen zur Entstehung von Krankheiten widmen.

Triantafyllos Chavakis ist bereits Träger des Otto-Hahn-Preises der Max-Planck-Gesellschaft (2001), des Oskar-Lapp-Preises der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (2003), des Gotthard-Schettler Preises der Deutschen Gesellschaft für Angiologie sowie des Alexander-Schmidt-Preises der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung (2005).

Susanne Witzigmann M.A.
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Ursache für entzündlichen Knochenschwund entdeckt

15. März 2012

Das Forschungsergebnis birgt neue Therapieansätze für die Behandlung von chronisch-entzündlichen Krankheiten wie Parodontitis.

Professor Dr. Triantafyllos Chavakis von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden – unter Leitung von Prof. Dr. Stefan R. Bornstein - sowie des Instituts für Physiologie der Medizinischen Fakultät der TU Dresden entdecken im Verbund mit internationalen Forschern die Ursache für Parodontitis, einer chronisch-entzündlichen Krankheit, die vor allem ältere Menschen trifft und die einen entscheidenden Einfluss auf die allgemeine Gesundheit hat. Demnach ermöglicht die verringerte Bildung eines Proteins den Entzündungsprozess. Die Forschungsergebnisse wurden gerade in der renommierten Fachzeitschrift Nature Immunology publiziert.

Die meisten Erwachsenen leiden an Parodontitis, einer chronischen Entzündung des Zahnhalteapparates. Etwa zehn bis 15 Prozent der Betroffenen - zu denen vor allem ältere Menschen gehören - haben eine schwere Form der Krankheit. Parodontitis führt langfristig zu Knochenverlust, außerdem hat die chronisch-entzündliche Krankheit einen entscheidenden Einfluss auf die allgemeine Gesundheit. Sie erhöht das Risiko für Diabetes mellitus, chronische Lungenerkrankungen, Atherosklerose, und möglicherweise auch für rheumatische Arthritis.
Das Team vom Dresdner Mediziner Prof. Dr. Triantafyllos Chavakis hat nun gemeinsam mit dem Team von Prof. Dr. George Hajishengallis von der University of Louisville, School of Dentistry, im Tiermodell herausgefunden, dass Parodontitis mit einer verringerten Bildung des Glykoproteins Del-1 verbunden ist. Prof. Chavakis: „Mit zunehmendem Alter erhöht sich die Anfälligkeit für chronische Entzündungen wie beispielsweise die Parodontitis. Bei dieser Entzündung wandern sogenannte neutrophile Leukozyten (weiße Blutkörperchen) aus der Blutbahn an den Entzündungsherd. Diese Entzündungsreaktion wird durch eine komplexe Kaskade von weiteren Prozessen angetrieben.“
Die Forscher fanden heraus, dass das Protein Del-1 die Adhäsion (Anlagerung) der neutrophilen Leukozyten an das Endothel (Gefäßzellen) verhindert. Die Herunterregulation von Del-1 im Maus- sowie im humanen Periodontium (Zahnhalteapparat) ermöglicht die Entzündungskaskade. „Bislang war viel über Prozesse bekannt, die zur Leukozytenadhäsion führen aber wenig über körpereigene Prozesse, die die Leukozyten-Adhäsion und -Wanderung hemmen. Im Mausmodell zeigte sich nun, dass die verminderte Expression von Del-1, die im Alter vorkommt, die Gewebsentzündung und den entzündlichen Knochenschwund fördert. Ähnlich wurde verminderte Del-1 Expression im humanen Parodontitisgewebe gefunden. Somit ist der Zusammenhang zwischen der körpereigenen Bildung von Del-1 - am Beispiel der Parodontitis im Zahnhalteapparat - wichtig für die Verhinderung eines Entzündungsprozesses“, so Prof. Chavakis. Im Mausmodell zeigte sich ebenfalls, dass lokal verabreichtes Del-1 die Leukozytenansammlung und den Knochenverlust verhindert. Triantafyllos Chavakis: „Die Substanz Del-1 wird damit zum vielversprechenden therapeutischen Ansatz in der Behandlung der Parodontitis und vielleicht auch bei anderen entzündlichen und autoimmunen Erkrankungen.“

The leukocyte integrin antagonist Del-1 inhibits IL-17-mediated inflammatory bone loss. Nat Immunol. May 2012, Volume 13 No 5. Eskan MA, Jotwani R, Abe T, Chmelar J, Lim JH, Liang S, Ciero PA, Krauss JL, Li F, Rauner M, Hofbauer LC, Choi EY, Chung KJ, Hashim A, Curtis MA, Chavakis T, Hajishengallis G.

Susanne Witzigmann M.A.

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Dem frühen Herzinfarkt begegnen

Dresden, 13. März 2012

Experten diskutieren neue Therapien bei Fettstoffwechsel- und immunologisch bedingten Erkrankungen.

Menschen mit stark erhöhtem LDL-Cholesterin (Low-Density-Lipoprotein-Cholesterin) haben ein besonders hohes Herzinfarkt-Risiko. Medikamente können den LDL-Cholesterin-Wert senken. Doch das gelingt, trotz angepasster Ernährung, nicht bei allen Patienten. Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden bietet solchen Patienten ein spezielles Blutreinigungsverfahren, die Lipoproteinapherese, an. Dabei wird das krankmachende LDL-Cholesterin zu mehr als 60 Prozent aus dem Blut gefiltert. Die Lipoproteinapherese der Dresdner Medizinischen Klinik und Poliklinik III ist inzwischen die größte universitäre Einrichtung ihrer Art in Deutschland. Ihr Leiter, der bekannte Fettstoffwechselforscher Prof. Dr. Ulrich Julius, lädt vom 15. bis 17. März bereits zum zweiten Mal internationale Experten zu einem Symposium in das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden ein, um neue Ergebnisse zur Lipoproteinapherese zu diskutieren.
Produziert ein Körper zu viel LDL-Cholesterin, kommt es zur Ablagerung von Blutfetten an den Blutgefäßwänden. Mögliche Folgen sind Arterienverschluss und Herzinfarkt. Normalerweise helfen Medikamente, die sogenannten Statine, sowie eine angepasste Ernährung, das ‚schlechte’ Cholesterin zu senken. Dies gelingt jedoch nicht immer, wie bei der familiären Hypercholesterinämie. Die Betroffenen sterben oft sehr früh an Herzinfarkten als Folge ihrer Stoffwechselstörung.
Der Dresdner Mediziner Professor Dr. Ulrich Julius gehört zu den international führenden Fettstoffwechsel-Experten. Seit 40 Jahren erforscht der Wissenschaftler Störungen und neue Therapien in diesem Bereich, begründete 1990 die Dresdner Lipoproteinapherese. Fast 70 Patienten erhalten hier zwei- bis viermal pro Monat an insgesamt neun Behandlungsplätzen eine Lipoproteinapherese-Behandlung. Mehr als 18.000 Behandlungen sind das in rund 21 Jahren.
Prof. Julius: „Bei diesem Verfahren wird das Blut - vergleichbar einer Hämodialyse - außerhalb des Körpers von den krankmachenden Fetten gereinigt. Dabei werden LDL-Cholesterin und andere Stoffe wie das Lipoprotein(a) sowie Triglyzeride in einem zwei- bis dreistündigen Verfahren herausgefiltert. Die Behandlung reduziert deutlich die Gefahr neuer kardiovaskulärer Ereignisse, zu denen Infarkte und Arterienverkalkung gehören“, so der Mediziner Julius.
Doch die Geräte, die das Blut von schlechtem LDL-Cholesterin reinigen, können noch mehr. Prof. Julius: „Mit diesem Verfahren kann man ebenso Antikörper und Giftstoffe aus dem Blut der Patienten entfernen und dadurch den Ablauf anderer lebensbedrohlicher Krankheiten positiv beeinflussen. Diese Therapie wird beispielsweise bei einigen Autoimmun-Erkrankungen eingesetzt, bei denen Antikörper gegen körpereigenes Gewebe gebildet werden. Die Antikörper sind vermutlich für die Erkrankung verantwortlich und werden darum aus dem Körper ausgewaschen.“
Um aktuelle Forschungsergebnisse und neue Therapieansätze mit anderen internationalen Spitzenforschern zu diskutieren, rief der Dresdner Wissenschaftler 2009 das „Dresden International Symposium on Therapeutic Apheresis“ ins Leben. Prof. Julius: „Beim unserem zweiten Symposium werden wir gemeinsam mit internationalen Spitzenforschern neue Wege bei der Behandlung von Fettstoffwechselstörungen diskutieren. Einen weiteren Focus werden wir außerdem auf die Immunadsorption legen und ihre Wirkung bei verschiedenen Erkrankungen wie pulmonaler Hypertonie oder multipler Sklerose diskutieren. Auf dem Symposium werden auch moderne Verfahren der Photopherese erörtert.“ Dies ist ein Verfahren, bei dem Blut mit lichtaktivierbaren Pharmazeutika behandelt wird, die dann mit UV-Licht aktiviert werden.
Das interdisziplinär angelegte Symposium bringt Experten aus den Bereichen Fettstoffwechsel, Transfusionsmedizin, Kardiologie, Nephrologie, Hämatologie, Dermatologie und Rheumatologie zusammen. Es wird auch Pflegepersonal aus Apherese-Einrichtungen teilnehmen.

Susanne Witzigmann M.A.
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Forschungsprojekt untersucht hausärztliche Versorgung in Sachsen

22. Februar 2012

Wissenschaftlerin des Universitätsklinikums Dresden erforscht Rahmenbedingungen und Arbeitsinhalte allgemeinärztlicher Hausbesuche. Die Studie wird im Rahmen der DFG-Nachwuchsakademie Versorgungsforschung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert und bereitet ein Projekt zur sachsenweiten Erhebung von Inhalten und Bedingungen von Hausarztbesuchen vor. Daraus sollen langfristig Strategien resultieren, die dem drohenden Hausärztemangel nachhaltig entgegensteuern.

Aktuelle Daten belegen, dass ein Allgemeinmediziner pro Woche durchschnittlich 25 Hausbesuche absolviert. Es sind vor allem alte und schwerkranke Menschen, die häufig nicht mehr mobil und darum auf den Besuch ihres Arztes oder ihrer Ärztin zu Hause angewiesen sind. Die meisten dieser Patienten sind mindestens 75 Jahre alt und älter. „Doch der Anteil älterer Personen in der Bevölkerung steigt kontinuierlich und damit auch der Bedarf, immer mehr Menschen zu Hause ärztlich zu versorgen“, so Dr. Karen Voigt, Wissenschaftlerin im Bereich Allgemeinmedizin der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden. Während der Anteil der über 80-Jährigen im Jahr 2010 noch bei 5,2 Prozent lag, wird für das Jahr 2020 ein bundesweiter Anteil von über 7,4 Prozent erwartet, für Sachsen liegt die Prognose sogar bei 9,4 Prozent.

Für die hausärztliche Versorgung sind diese Zahlen von großer Bedeutung“, so die promovierte Gesundheitswissenschaftlerin und Soziologin, „besonders vor dem Hintergrund ständig steigender Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Krebs, koronare Herzkrankheiten sowie Demenz. Wir stehen vor der Aufgabe, die notwendige hausärztliche Versorgung auch zukünftig zu sichern.“ Um dem drohenden Mangel an Hausärzten mit wirkungsvollen Strategien entgegenwirken zu können, hat das Dresdner Uniklinikum gerade die Zusage für die von der DFG geförderte Studie „Inhalte und Rahmenbedingungen allgemeinärztlicher Hausbesuche. Eine Feasibilitystudie in Vorbereitung auf eine Vollerhebung in Sachsen“ erhalten. Projektstart ist Februar 2012, federführend ist Dr. Karen Voigt, die eine Förderung im Rahmen der DFG-Nachwuchsakademie Versorgungsforschung erhält. „In Modellprojekten wird bereits heute die Übertragung ärztlicher Leistungen auf nichtärztliches Personal - beispielsweise Krankenschwestern - erprobt“, so Voigt. „Mit Ausnahme der Abrechnungsdaten fehlen deutschlandweit zurzeit jedoch Daten über die Versorgungsinhalte der Hausbesuche.“

Diese Daten will die Dresdner Forscherin nun in einer sogenannten Vollerhebung sachsenweit ermitteln. Dabei geht es vor allem um die Frage, wie viele der Hausarzt-Leistungen tatsächlich nur vom Mediziner erbracht werden dürfen und wie viel nichtärztliches Personal dabei leisten kann. Die Studienergebnisse sollen anschließend als Grundlage für einen Kriterienkatalog zur Übertragung allgemeinärztlicher Hausbesuche auf nichtärztliches Personal dienen. Bei der Befragung, die sich sowohl an Patienten als auch Mediziner richtet, geht es um inhaltliche Aspekte von Hausbesuchen, beispielsweise zu diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen sowie um organisatorische Rahmenbedingungen wie den zeitlichen Aufwand von Hausbesuchen.

Damit die Studie möglichst viele Teilnehmer findet und optimale Ergebnisse erzielt, wird Dr. Karen Voigt vorab in einer sogenannten Machbarkeitsstudie die Bedingungen für die anschließende Hauptstudie erforschen. „Die Entwicklung eines solchen Studiendesigns ist für die akademische Allgemeinmedizin – unter Leitung von Prof. Dr. Antje Bergmann – an der TU Dresden von hoher Bedeutung. Denn ein Schwerpunkt dieses auf Versorgungsforschung spezialisierten Bereichs liegt in der Umsetzung sächsischer epidemiologischer Studien in der Allgemeinmedizin (SESAM). In diesen Forschungsschwerpunkt wird sich auch die geplante Hauptstudie zu Inhalten und Rahmenbedingungen von Hausbesuchen einreihen“, so Dr. Karen Voigt. Der Bereich Versorgungsforschung gehört zu den Profilschwerpunkten der Medizinischen Fakultät der TU Dresden. Die aktuelle Studie leistet einen wichtigen Beitrag zur weiteren Etablierung dieses Forschungsbereiches.

Susanne Witzigmann M.A.

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Boehringer Ingelheim, GWT and the TU Dresden sign diabetes research collaboration

Ingelheim, Dresden February 3rd, 2012 – Boehringer Ingelheim, GWT and the Department of Medicine of the TU Dresden have signed a research collaboration agreement to develop new insights into the causes of diabetes and the link between excessive blood glucose, the hallmark of diabetes, and the serious complications of the disease that can affect many organ functions.

As partners, Boehringer Ingelheim, GWT and the TU Dresden will work together to enhance the knowledge of the disease to ultimately enable the discovery and development of innovative therapies that will treat these diseases more effectively. With this five-year industry-academia collaboration, Boehringer Ingelheim will further strengthen its efforts to translate basic scientific findings into more effective treatments of human diseases.

The partners have initially defined six research projects bridging between preclinical findings in the laboratory or from investigational treatments, to the corresponding clinical situation with patients. The projects range from the exploration of causes for the destruction of insulin-producing beta cells to the cells and molecules triggering diabetic complications in organs such as the eye (diabetic retinopathy), which can lead to blindness, kidney (nephropathy), nerves (neuropathy) or skin (ulcerations). Results from these studies may help to design new medicines for clinical testing, or to better understand how drug candidates can be tested in clinical trials with biomarkers, and ultimately used in an optimal way for those patients most likely to show clinical benefit.

"We are very pleased to collaborate in this important field of medical need with the distinguished scientists of the TU Dresden”, says Professor Wolfgang Rettig, the Senior Vice President of Research at Boehringer Ingelheim. “ This research partnership builds upon the excellent, shared experience gained from our earlier collaboration with the TU Dresden.”

"Our academic industry partnership with Boehringer Ingelheim and the TU DResden is ideally suited to move forward the translational process from bench to bedside", says Professor Stefan Bornstein, Director of the Medical Clinic and Policlinic III of the University Clinic Carl Gustav Carus Dresden.

About Boehringer Ingelheim

The Boehringer Ingelheim group is one of the world’s 20 leading pharmaceutical companies. Headquartered in Ingelheim, Germany, it operates globally with 145 affiliates and more than 42,000 employees. Since it was founded in 1885, the family-owned company has been committed to researching, developing, manufacturing and marketing novel products of high therapeutic value for human and veterinary medicine.

As a central element of its culture, Boehringer Ingelheim pledges to act socially responsible. Involvement in social projects, caring for employees and their families, and providing equal opportunities for all employees form the foundation of the global operations. Mutual cooperation and respect, as well as environmental protection and sustainability are intrinsic factors in all of Boehringer Ingelheim’s endeavors.

In 2010, Boehringer Ingelheim posted net sales of about 12.6 billion euro while spending almost 24% of net sales in its largest business segment Prescription Medicines on research and development. Updated information on the corporation s annual results in 2011 will be available end of April 2012. For more information please visit www.boehringer-ingelheim.com

About GWT
The GWT-TUD is a company of the TUDAG-Group, the Technische Universität Dresden AG. The company is a service provider for knowledge and technology transfers and creates solutions for concrete projects and questions raised in research and development for clients in the industry.

By the temporary use of high performing interdisciplinary research teams of the GWT the clients professional staff can be supported and the scope of innovative endeavors can be individually designed with the benefit of no need to increase own resources.

With more than 1.000 individual projects and a total overall result of more than 18 million Euros the GWT-TUD GmbH belongs to the leading organizations for knowledge and technology transfers in Germany. For more information please visit www.gwtonline.de

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Europaweite Studie erforscht Präventionsstrategien zum gesunden Altern

3. Februar 2012

Dresdner Wissenschaftler gehört zum internationalen Forschungsteam, das die Wirkung von Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren und Bewegung auf chronische Erkrankungen im Alter untersucht. Osteoporose, Herz- und Lungenerkrankungen, Demenz sowie andere chronische Erkrankungen nehmen immer mehr zu. Vor allem ältere Menschen sind davon betroffen. Wie Menschen gesünder altern können, untersucht eine internationale Studie, die im Februar startet. Die Wissenschaftler erforschen dabei die Wirkung von drei einfachen Maßnahmen wie die Einnahme von Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren in Kombination mit einem Trainingsprogramm auf eine bessere Gesundheit von Senioren. Zum Forscherteam gehört der Hormon- und Osteoporose-Experte Prof. Dr. Lorenz Hofbauer von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden.

Der Anteil der 70- bis 80-Jährigen in der Bevölkerung wird in den kommenden 20 Jahren laut Prognosen voraussichtlich um 40 Prozent steigen, die Anzahl der Menschen über 80 Jahre soll sich sogar verdoppeln. Damit sind auch alters-assoziierte Krankheiten wie Osteoporose, Herz- und Lungenerkrankungen sowie Demenz weiter auf dem Vormarsch. Neben dem persönlichen Leid für die Betroffenen hat diese Entwicklung zusätzlich ernsthafte soziale und wirtschaftliche Folgen für die Gesellschaft. Wissenschaftler su-chen darum nach Maßnahmen, um dem Anstieg chronischer Krankheiten im Alter entgegenzuwirken.

Unter Leitung der Universität Zürich startet im Februar eine europaweite Studie über gesundes Altern. Im Fokus der Forschung stehen drei einfache Maßnahmen, die Senioren zu Hause durchführen können: die Einnahme von Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren sowie ein einfaches Trainingsprogramm. Die DO-HEALTH-Studie (VitaminD3-Omega3-Home Exercise – Healthy Ageing and Longevity Trial) soll ein zuverlässiges Ergebnis über Effektivität und Sicherheit der drei einfachen Präventionsmaßnahmen bringen. Prof. Dr. Heike Annette Bischoff-Ferrari ist Direktorin des Zentrums für Alter und Mobilität der Universität Zürich und Principal Investigator der DO-HEALTH-Studie: “Mehrere Studien haben gezeigt, dass Vitamin D und einfache gezielte Trainingsprogramme die funktionale Beweglichkeit verbessern können und Stürze als auch Knochenbrüche bei Senioren signifikant verringern, sogar um bis zu 30 Prozent. Auch Omega-3 bringt signifikante gesundheitliche Vorteile für Senioren. DO-HEALTH hofft die zuverlässige Evidenz liefern zu können, dass diese drei Interventionen, alleine oder kombiniert, in der Lage sind, die Anzahl an Frakturen, den funktionellen und kognitiven Rückgang und das Risiko von Bluthochdruck sowie das Risiko für Infektionen in der älteren Bevölkerung zu reduzieren.“

Zum internationalen Forscherteam gehört der Hormon- und Stoffwechselexperte Prof. Dr. Lorenz Hofbauer von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden. In seinem Forschungslabor werden neue biochemische Knochen- und Muskelmarker analysiert. „Diese Präventionsstudie wird den Einfluss relativ simpler Maßnahmen auf die Vitalität und Mobilität älterer Menschen zeigen“, so Professor Hofbauer. Die Studie startet in fünf europäischen Ländern mit über 2000 gesunden Probanden im Alter ab 70 Jahren und wird über einen Zeitraum von drei Jahren laufen.

Susanne Witzigmann M.A.

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Internationale Spitzenforscher diskutieren zum Stressorgan Nebenniere

18. Januar 2012

Vom 20. bis 22. Januar findet in Dresden die 10. Deutsche Nebennierenkonferenz statt.

Stress wird im heutigen Alltag zunehmend zu einem Problem, denn zuviel Stress macht den menschlichen Körper krank. Als zentrale Stressorgane sind die Nebennieren für die Verarbeitung von Stress verantwortlich. Sie schütten stressregulierende Stoffe aus.  Noch immer mehr Stress führt immer öfter zu Störungen im Stoffwechsel und in der Folge zu Volks- und chronischen Krankheiten. Auf der 10. Deutschen Nebennierenkonferenz diskutieren international führende Wissenschaftler neue therapeutische Ansätze zur Bewältigung von Stresskrankheiten. Organisiert wird der Kongress von Wissenschaftlern der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie.

Depressionen, Herz- und Kreislauferkrankungen, Diabetes, Neuro- und Immunerkrankungen nehmen weltweit ständig zu. Eine entscheidende Ursache hierfür liegt im zunehmenden Stress des normalen Alltags. „Steht der Mensch unter Stress, schüttet sein Organismus Hormone und Nervenbotenstoffe aus, die ihm helfen, die Situation zu bewältigen. Dies sind Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin. Produziert werden die Stressregulierer in den Nebennieren. Darum gelten die Nebennieren als
zentrale Stressorgane“, so die Dresdner Nebennieren-Forscherin Dr. Monika Ehrhart-Bornstein von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden. "Wird Stress zum Dauerzustand, nimmt die verstärkte Produktion von Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol Einfluss auf den gesamten Organismus. Denn diese Stoffe sind für den Kohlenhydrathaushalt, den Fettstoffwechsel und den Proteinumsatz von entscheidender Bedeutung. So ist zum Beispiel das Stresshormon Cortisol wie ein Nährstofffür die Fettzellen im Körper. Verursacht durch zunehmenden Stress geraten die verschiedenen Stoffe schließlich aus dem Gleichgewicht.“ Die Folgen sind chronische und Volkskrankheiten wie
Depressionen, Herz- und Kreislauferkrankungen oder Neuro- und Immunerkrankungen.

Auf der 10. Deutschen Nebennierenkonferenz diskutieren in Dresden internationale Spitzenforscher neue diagnostische und therapeutische Ansätze, um den Folgen von Stress entgegenzusteuern. Organisatoren des Kongresses sind Dr. Monika Ehrhart-Bornstein und Prof. Dr. Graeme Eisenhofer, ebenfalls von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III, in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Dass Dresden Austragungsort des Kongresses ist, zeigt die Bedeutung des Forschungs-standorts im Bereich Nebenniere. So gehören Prof. Dr. Stefan R. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III, Dr. Ehrhart-Bornstein sowie Prof. Eisenhofer international zu den führenden Nebennieren-Experten. Unter Leitung von Prof. Bornstein und gefördert mit 3,2 Millionen Euro von der Deutschen Forschungsgemein-schaft geht die klinische DFG-Forschergruppe „Microenvironment of the Adrenal in Health and Disease“ den molekularen Mechanismen zwischen dem Gewebe der Nebennieren und den umgebenden Zellen auf den Grund, um neue Antworten zur Bekämpfung von Stresskrankheiten zu finden.
Während des dreitägigen Kongresses werden neben der Stressforschung noch weitere Schwerpunkte bei der Nebenniere und ihren Krankheiten gesetzt, beispielsweise zu Nebennierentumoren oder Nebennieren-Versagen. „Durch den intensiven Austausch
mit führenden Wissenschaftlern erwarten wir neue Erkenntnisse und damit für die Zukunft mögliche neue Therapieansätze“, so Dr. Monika Ehrhart-Bornstein. Weitere Informationen unter: p://www.endokrinologie.net/download/veranstaltungen/12011001.pdf

Susanne Witzigmann M.A.

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Professor Morawietz zum Fellow der American Heart Association gewählt

Prof.Morawietz

2. Dezember 2011

Prof. Dr. Henning Morawietz von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, ist auf der Jahrestagung der Gesellschaft in Orlando, USA, zum International Fellow der American Heart Association (FAHA) gewählt worden. Die American Heart Association ist die weltweit führende Fachgesellschaft zur Erforschung und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wissenschaftliche Schwerpunkte der Arbeit von Prof. Morawietz sind Gefäßerkrankungen - wie Arteriosklerose - sowie die Bedeutung von oxidativem Stress im Herz-Kreislauf-System.


Susanne Witzigmann M.A.

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Dresdner Mediziner erhält Zusage zu EU-Projekt


17. November 2011

Eine Zusage über 1,5 Millionen Euro für ein Forschungsprojekt im siebten EU-Rahmenprogramm hat der Mediziner Prof. Dr. Triantafyllos Chavakis von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus sowie des Instituts für Physiologie der Medizinischen Fakultät der TU Dresden erhalten. Sein Projekt mit dem Titel „ENDHOMRET - Endothelial hoeostasis and dysfunction in metabolic-vascular retina disease: The role of endothelial cell-intrinsic and endothelial cell extrinsinc inflammatory pathways“ ist im Programm „ideas“ des European research Council – ERC - beantragt. Mit der Bewilligung des Projekts „ENDHOMRET“ hat erstmals ein Wissenschaftler des Dresdner Uniklinikums ein ERC-Projekt erhalten. Dieses soll noch im November starten.

Prof. Chavakis und sein Team erforschen die molekularen Mechanismen, die zur diabetischen Retinopathie führen. Dies ist eine Sehstörung, die als Folgeerkrankung von Diabetes auftreten kann. „Bei Erwachsenen liegt die Ursache für Sehstörungen und Blindheit häufig in einer diabetischen Retinopathie. Über deren Entstehung ist leider noch nicht viel bekannt. Doch eine Hauptursache liegt vermutlich in einer Störung - Dysfunktion - des Endothels“, so der Dresdner Mediziner. Als Endothel wird die innere Schicht oder Auskleidung von Gefäßen bezeichnet. Zu einer Dysfunktion des Endothels tragen vermutlich entzündliche Prozesse in den Netzhautgefäßen bei, die Menschen mit Diabetes aufweisen. Die endotheliale Dysfunktion führt zu einer Minderdurchblutung und Sauerstoffminderversorgung (Hypoxie) der Netzhaut. Das Resultat der Hypoxie ist eine pathologische Neubildung von fragilen Gefäßen, die leicht bluten. Dies kann zur Erblindung führen.
Prof. Chavakis: „Ziel des Forschungsprojekts ist, die molekularen Mechanismen der endothelialen Dysfunktion genauer zu erforschen, um daraus neue Therapieansätze zur Behandlung der diabetischen Retinopathie zu entwickeln.

Susanne Witzigmann M.A.

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Vortragsabend zur Prävention des Diabetes

am Montag, den 14. November, um 17 Uhr im MTZ, Hörsaal 1.

7. November 2011

Übergewicht, Bluthochdruck, Fett- und Glukosestoffwechsel-Störungen gehören zu den Risikofaktoren für die Entstehung von Diabetes mellitus Typ 2. Gesunde Ernährung und mehr Bewegung könnten das Ausbrechen der Krankheit jedoch vermeiden oder verzögern. Was dabei im Körper passiert und wie man seinen Lebensstil zu Gunsten von mehr Lebensqualität ändert, zeigt ein Vortragsabend zur Prävention des Diabetes im Dresdner Uniklinikum. So erläutert eine Ernährungswissenschaftlerin, was gesunde Ernährung bedeutet. Die Gäste haben außerdem die Möglichkeit, ihr eigenes Diabetes-Risiko zu testen. Die Veranstaltung ist kostenlos und findet statt am 14. November ab 17 Uhr im Hörsaal 1 des MTZ.

Was kann der einzelne tun, um sein Diabetes-Risiko zu senken? Antworten auf diese Frage gibt ein Informationsabend zum Weltdiabetestag im Dresdner Uniklinikum. Prof. Dr. Peter Schwarz, der den europaweit ersten Lehrstuhl zur Prävention und Versorgung des Diabetes an der Medizinischen Klinik und Poliklinik III innehat, erläutert aus Sicht des Mediziners Chancen und Möglichkeiten, die Krankheit zu vermeiden.
Eine Ursache für die Zunahme von Diabetes sehen Experten in der ständig steigenden Zahl an Übergewichtigen. Ernährungswissenschaftlerin Gesine Weser vom Dresdner Tumaini-Institut für Präventionsmanagement gibt einen Einblick, was richtige Ernährung für Menschen mit Diabetes-Risiko bedeutet und wie sie diese im Alltag umsetzen können. „Was darf und sollte alles auf dem Tisch landen, damit der Diabetes vom Tisch ist“, so Gesine Weser. Als einfache Faustregel gilt, mindestens fünf Obst- und Gemüseportionen am Tag zu essen. Zwei davon hat man beispielsweise schon geschafft, wenn zum Frühstück ein Apfel gehört und das Mittagessen eine Portion Rotkohl enthält.
Die Präventions-Experten halten viele weitere Tipps und Wissenswertes rund um Essen und Bewegung für ihre Gäste bereit. Die Besucher haben außerdem die Möglichkeit, das eigene Diabetes-Risiko an Geräten zu testen, die allein durch Hautkontakt mit Händen, Füßen und Stirn die persönlichen Werte ermitteln. Die Veranstaltung ist kostenfrei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Vortragsabend findet am 14. November 2011 um 17 Uhr im Hörsaal 1 des Medizinisch-Theoretischen Zentrums – MTZ – Fiedlerstraße 42, 01307 Dresden statt.

Susanne Witzigmann M.A.

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Zwei ERC-Starting-Grants für Spitzenforschung an der TU Dresden

Dresden, 8. November 2011

Der Europäische Forschungsrat hat aktuell zwei Wissenschaftler der TU Dresden mit ERC-Starting-Grants ausgezeichnet. Prof. Triantafyllos Chavakis von der Medizinischen Fakultät und Dr. David Wendland von der Philosophischen Fakultät der TU Dresden gelang es, diese begehrten EU-Förderungen zu erhalten. Das Förderprogramm unterstützt Spitzenforschung, die sich mit bahnbrechenden Themen beschäftigt.


Eine der beiden Zusagen über einen ERC Starting Grant in Höhe von 1,5 Millionen Euro hat der Mediziner Prof. Triantafyllos Chavakis von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus sowie des Instituts für Physiologie der
Medizinischen Fakultät der TU Dresden erhalten. Sein Projekt trägt  den Titel „ENDHOMRET - Endothelial homeostasis and dysfunction in metabolic-vascular retina disease: The role of endothelial cell-intrinsic and endothelial cell extrinsinc inflammatory pathways“und konnte bereits im November starten. Prof. Chavakis und sein Team erforschen die molekularen Mechanismen, die zur diabetischen Retinopathie führen. Dies ist eine Sehstörung, die als Folgeerkrankung von Diabetes auftreten kann. „Bei Erwachsenen liegt die Ursache für Sehstörungen und Blindheit häufig in einer diabetischen Retinopathie. Über deren Entstehung ist leider noch nicht viel bekannt. Doch eine Hauptursache liegt vermutlich in einer Störung - Dysfunktion - des Endothels“, so der Dresdner Mediziner. Als Endothel wird die innere Schicht oder Auskleidung von Gefäßen bezeichnet. Zu einer Dysfunktion des Endothels tragen vermutlich entzündliche Prozesse in den Netzhautgefäßen bei, die Menschen mit Diabetes aufweisen. Die endotheliale Dysfunktion führt zu einer Minderdurchblutung und Sauerstoffminderversorgung (Hypoxie) der Netzhaut. Das Resultat der Hypoxie ist eine pathologische Neubildung von fragilen Gefäßen, die leicht bluten. Dies kann zur Erblindung führen. Prof. Chavakis: „Ziel des Forschungsprojekts ist, die molekularen Mechanismen der endothelialen Dysfunktion genauer zu erforschen, um daraus neue Therapieansätze zur Behandlung der diabetischen Retinopathie zu entwickeln.“

In diesem Jahr wurden europaweit 480 ERC-Starting-Grants vergeben, zwei davon gingen an die TU Dresden. Insgesamt hat die TU Dresden damit bereits fünf ERC-Starting-Grants und einen ERC-Advanced-Grant (Prof. Karl Leo).

Susanne Witzigmann, Kim-Astrid Magister

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Dresdner Universitätsklinikum sucht 150 gesunde Probanden für Studie zu seltener Nebennierenkrankheit

Dresden, 04. November 2011

Jeder Teilnehmer erhält eine Vorsorge-Untersuchung mit EKG, Blutanalyse und Urintest.

Die Ursachen für Bluthochdruck, Herzkreislaufstörungen, Angstzustände und Depressionen sind vielfältig. Ein Grund könnte in einer erhöhten Menge bestimmter Hormone liegen, wie eine Studie der Medizinischen Klinik und Poliklinik III (MK III) am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden unter Leitung von Klinikdirektor Prof. Dr. Stefan R. Bornstein jetzt näher beleuchten will. Ein „Hormon-Überschuss“ kann nämlich durch Tumore verursacht sein. Denn Tumore gehören zu den Hormonproduzenten. Den Focus will das Wissenschaftlerteam, zu dem außer dem Nebennieren-Experten Bornstein auch Prof. Graeme Eisenhofer (MK III) zählt, auf die Tumoren der Nebennieren legen.
Die Nebennieren gehören zu den hormonproduzierenden Drüsen im menschlichen Körper und stellen beispielsweise Adrenalin her. Sie liegen jeweils rechts und links über den Nieren. Die Nebennieren sind etwa vier Zentimeter lang, wiegen bis zu 15 Gramm und bestehen aus Rinde und Mark. Sowohl in der Rinde als auch im Mark können Tumoren entstehen. Tumoren der Rinde sind nur selten bösartig, zu den im Mark entstehenden Tumoren gehören die sogenannten Phäochromozytome. Prof. Eisenhofer: „Alle Nebennieren-Tumore produzieren selbst verschiedenartige Hormone, die wiederum zu Symptomen wie Bluthochdruck und Herzkreislaufstörungen führen können. Darum wollen wir bei gesunden Probanden – Männern wie Frauen - die Menge bestimmter Hormone bestimmen, um Richtwerte für normale Hormonmengen zu erhalten. Das Gesamtergebnis soll später als Grundlage für eine bessere Diagnostik und Therapie von Nebennierentumoren dienen.“
Für die Studie werden Teilnehmer mit gutem Gesundheitszustand gesucht, die sich einer Untersuchung mit EKG, Blut- und Urinanalyse unterziehen wollen.

Susanne Witzigmann M.A.

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Professionelles Management treibt medizinische Forschung voran

Dresden, 12. Oktober 2011

Wie aktive Drittmitteleinwerbung mehr Fördergelder für medizinische Forschung einbringt, zeigt das Beispiel des „Grant Writing Office“, das die GWT-TUD GmbH an der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden aufgebaut hat. Vom Erfolg des Konzepts profitieren die Patienten. Denn das eingeworbene Geld - 7,5 Millionen Euro - fließt in die translationale Forschung, die sich für die schnelle und erfolgreiche Umsetzung von Grundlagenforschung in neue Therapien einsetzt.

Seit September 2009 laufen die Forschungsanträge der Medizinischen Klinik und Poliklinik III (MK III) am Dresdner Uniklinikum über den Schreibtisch von Dr. Gregor Müller. Der 41-Jährige ist Leiter des „Grant Writing Office“, das die GWT - ein Dienstleistungsunternehmen für Wissens- und Technologietransfer an der Schnittstelle zwischen öffentlichen Forschungseinrichtungen und Industrie - an der MK III aufgebaut hat. Gerade hat Dr. Müller den 50. Antrag (Grant) eingereicht: „Ich bearbeite alle Arten von Forschungsanträgen. Dazu zählen Einzel- oder Gruppenanträge an die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), Förderprojekte des Bundes, EU-Projekte sowie Anträge an gemeinnützige Stiftungen. Jeder der Anträge hat im Durchschnitt ein Volumen von 300.000 Euro.“ Klinikdirektor Prof. Dr. Stefan R. Bornstein hatte die Idee, die Forschungsaktivitäten der MK III professionell managen zu lassen, „damit die Anträge vor der Einreichung auf Form und Inhalt geprüft und notfalls überarbeitet werden“. Die GWT lieferte das passende Konzept zur Idee: ein „Grant Writing Office“, dessen Aufgabe ist, die Förderchancen und damit das Fördervolumen durch Drittmittel deutlich zu erhöhen.

Das Konzept erwies sich als erfolgreich. Rund 70 Prozent der Anträge, die bislang vom Office-Leiter bearbeitet wurden, sind bereits bewilligt. In der Summe sind das 7,5 Millionen Euro.
Dr. Gregor Müller: „Für die Mediziner steht die Krankenversorgung an erster Stelle. Um zukünftig Krankheiten noch besser heilen zu können, brauchen wir aber auch die medizinische Forschung. Das ‚Grant Writing Office’ bietet Medizinern darum eine entscheidende Hilfestellung auf dem Weg von einer Projektidee zum erfolgreichen Forschungsantrag.“ Bei seiner Arbeit greift der promovierte Biologe auf eigene Forschungserfahrung zurück, zuletzt sechs Jahre als Arbeitsgruppenleiter eines Forschungslabors der Dresdner Medizinischen Fakultät. Für den Forschungsexperten hat sich nur das Spektrum der Projektinhalte erweitert. Dieses reicht in der MK III von der Stressforschung über Nebennieren-Erkrankungen, Diabetes, Hormon- und andere Stoffwechselstörungen bis hin zur Stammzellforschung. „Ziel unserer Arbeit ist eine schnellere Umsetzung von Grundlagenforschung in neue und verbesserte Therapien“, so Klinikdirektor Bornstein.
Auch bei internationalen Forschungskooperationen ist der Leiter des „Grant Writing Office“ für Klinikchef Bornstein zum ersten Ansprechpartner geworden. Inzwischen hat die MK III ein engmaschiges internationales Netzwerk geknüpft, das sich neben den USA auch in den asiatisch-pazifischen Raum ausdehnt. So gründete die Klinik vor kurzem das Deutsch-Australische Institut für Translationale Medizin, das - mit Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung - die Aufgabe hat, Biomarker zu erforschen, die die Diagnose von Volkskrankheiten wie Diabetes und Depression in einem sehr frühen Stadium möglich und diese Krankheiten dadurch besser therapierbar zu machen. Dr. Gregor Müller: „Solche Forschungsverbünde leisten einen wichtigen Beitrag, damit Dresden auch für internationale Spitzenmediziner ein attraktiver Standort ist.“

Susanne Witzigmann M.A.
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Wenn’s an die Nieren geht


7. Oktober 2011

Tag der offenen Tür und 8. Dresdner Patientenseminar am 14. Oktober im DINZ. Erstmals lädt das Team der nephrologischen Abteilung der Medizinischen Klinik III in die neuen Räume des DINZ ein. Besucher können an diesem Sonntag von 9 Uhr bis 14 Uhr kostenlos ihren Blutdruck messen und ihren Urin testen lassen. Erstmals stehen an diesem Tag auch die neuen Räume des KfH-Dialysebereichs, der Nierenambulanz sowie die auf 22 Betten erweiterte nephrologische Station zur Besichtigung offen.

Die Veranstaltung richtet sich vor allem an interessierte Bürgerinnen und Bürger, Menschen mit bestehenden Nierenkrankheiten oder Personen mit erhöhten Risiko dafür, sowie Ärztinnen und Ärzte. Neben dem Tag der offenen Tür laden die Nephrologen zum 8. Dresdner Patientenseminar ein Unter dem Titel „Schlechte Nierenfunktion – wie weiter?“ Informieren die Ärzte über den Erhalt der Nierenfunktion sowie die verschiedenen Nierenersatzverfahren wie Hämodialyse‚ Bauchfelldialyse und die Nierentransplantation.

Die Nieren erfüllen viele wichtige Aufgaben im menschlichen Körper. Eine der wichtigsten ist ihre Filterfunktion. Denn mit dem Urin scheiden die Nieren Stoffwechselendprodukte und Gifte aus. Für den Körper Wertvolles wie Eiweiß wird dabei abgetrennt und erneut dem Stoffwechsel zugeführt. „Eine dauerhaft erhöhte Eiweißausscheidung kann darum ein wichtiges Signal für eine Nierenschädigung sein“, sagt Prof. Dr. Christian Hugo, Leiter des Bereichs Nephrologie an der Medizinischen Klinik und Poliklinik III. „Auch viele kleine Nierenschädigungen durch zu wenig Trinken oder bestimmte Schmerzmittel führen langfristig zu einer Vernarbung des Nierengewebes und im schlimmsten Fall zu einem fortschreitenden Nierenversagen mit Dialysepflichtigkeit.“

Die Nieren und ihre Krankheiten stehen am Sonntag, dem 14. Oktober, im Mittelpunkt eines Tags der offenen Tür im neu eröffneten Diagnostisch-Internistisch-Neurologischen Zentrum. Von 9 Uhr bis 14 Uhr stellen sich Prof. Hugo sowie sein gesamtes Team aus Ärzten und Schwestern den Fragen der Besucher. Erstmals können die Gäste dabei die neuen Räume des KfH-Dialyse-bereichs, der Nierenambulanz sowie die auf 22 Betten erweiterte nephrologische Station besuchen.

Prof. Dr. Stefan R. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik III, weist daraufhin, dass Menschen, die an einer Vorerkrankung wie Diabetes oder Bluthochdruck leiden, ein deutlich erhöhtes Risiko haben, eine Nierenschädigung zu erleiden. Prof. Hugo: „Bei einem Drittel der Dialyse-Patienten verursachte der Diabetes die Nierenkrankheit. Hinsichtlich des Blutdruckes sind die Nieren gleichzeitig ‚Täter und Opfer‘. Der Blutdruck setzt die Nieren sozusagen ‚unter Druck‘ und schädigt so das Nierengewebe, die geschädigten Nieren wiederum fördern den Bluthochdruck durch vermehrte Bildung von bestimmten Botenstoffen. So entsteht einen Teufelskreis, der die Nieren schnell und fast immer unbemerkt zerstören kann.“

Im Rahmen des Tags der offenen Tür findet das 8. Dresdner Patientenseminar zum Thema „Schlechte Nierenfunktion – wie weiter?“ statt. Hier geht es – auch im Gespräch mit betroffenen Patienten – um die Themen Nierentransplantation und Lebendspende, um Nierenersatztherapien wie die Hämo- und Bauchfelldialyse, aber auch um die Frage, wie die Nierenfunktion besser erhalten bleibt. Prof. Hugo: „Wir möchten einerseits das Wissen vermitteln, was man selbst für einen möglichst langen Erhalt der Nierenfunktion tun kann. Zum anderen möchten wir bei den vielen nierenkranken Patienten die Angst vor der Dialyse mildern und zeigen, dass ein Leben mit akzeptabler Lebensqualität auch unter einer Nierenersatztherapie möglich ist.“ Zum Themenspektrum des Patientenforums zählen Erhalt der Nierenfunktion und die verschiedenen Nierenersatzverfahren wie die Hämodialyse‚ die Bauchfelldialyse und die Nierentransplantation. Zum Patientenseminar wird eine Anmeldung erbeten unter Telefon: 0351/458-4233 oder per Fax unter: 0351/ 458-5333.

Susanne Witzigmann M.A.

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29 Gene beeinflussen die Entstehung von Bluthochdruck

Dresden, 19. September 2011

Forscher des Dresdner Universitätsklinikums sind an weltweiter Meta-Analyse zur Erforschung von Bluthochdruck beteiligt.

Genetische Forschung bewirkt ein besseres biologisches Verständnis für die Entstehung von Bluthochdruck. Dies hat ein internationales Forscherteam, zu dem Wissenschaftler der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des Dresdner Universitätsklinikums Carl Gustav Carus zählen, gerade in einer Meta-Analyse bestätigt. So beeinflussen vor allem genetische Faktoren die Entstehung von Bluthochdruck. Insgesamt gibt es 29 Gen-Varianten, die mit für die Erkrankung verantwortlich sind. 16 dieser Varianten wurden erst durch jüngste Studien entdeckt.
Mehr als eine Milliarde Menschen weltweit leidet an Bluthochdruck - Hypertonie. Allein in Deutschland soll bereits jeder Vierte betroffen sein. Ein krankhaft erhöhter Blutdruck liegt vor, wenn die Werte mindestens 140 zu 90 mmHg betragen. Bluthochdruck vergrößert das Risiko von kardiovaskulären Krankheiten wie koronare Herzerkrankung, Herzversagen und Schlaganfall. Fast die Hälfte aller Todesfälle in der Bundesrepublik geht auf eine solche Herz-Kreislauf-Krankheit zurück.Bluthochdruck hat neben Umwelteinflüssen vor allem genetische Ursachen. Ein internationales Konsortium hat gerade eine Meta-Analyse der aktuellen Studien zu genetischen Ursachen für Blutdruck in der renommierten Fachzeitschrift Nature veröffentlicht.
Zum Konsortium gehören die Dresdner Wissenschaftler Prof. Dr. Stefan R. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Dresden, sowie Prof. Dr. Peter Schwarz, der den europaweit ersten und bislang einzigen Lehrstuhl zur Prävention des Diabetes am Dresdner Uniklinikum innehat.Prof. Schwarz: „In Studien zur europäischen Bevölkerung wurden insgesamt 29 voneinander unabhängige genetische Varianten erforscht, die die Entstehung von Bluthochdruck beeinflussen. 16 dieser Varianten wurden erst durch jüngste Untersuchungen erkannt. Ein Risikoprofil aus allen 29 Varianten korreliert mit den bluthochdruck-bedingten Organschäden und kardiovaskulären Erkrankungen. Allerdings korreliert dieses Profil nicht mit Nierenerkrankungen. So muss man den Schluss ziehen, dass Bluthochdruck eher eine Folge als eine Ursache von Nierenerkrankungen ist.“ Ein weiteres Ergebnis der Meta-Analyse ist, dass auch bei Menschen in Asien und Afrika genetische Varianten die Entstehung von Bluthochdruck beeinflussen.Prof. Bornstein: „Die Meta-Analyse zur Bluthochdruck-Entstehung zeigt deutlich, wie sehr medizinische Forschung das Verständnis der Erkrankung verbessert. Ein besseres Verstehen der biologischen Zusammenhänge ermöglicht neue Therapieansätze und damit letztlich neue Methoden zur Heilung.“

Susanne Witzigmann M.A.

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Feinstaub fördert Herz-Kreislauf-Erkrankungen

11. September 2011

In einem gemeinsamen Forschungsprojekt zwischen dem Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden und der Ohio-State-Universität in Columbus entdeckten Forscher einen Zusammenhang zwischen einer dauerhaften Feinstaubbelastung und lebensbedrohlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Im Mausmodell wiesen sie nach, dass eine erhöhte Feinstaubbelastung zelluläre Prozesse im Körper beeinflusst und schließlich Herz- und Gefäßkrankheiten hervorrufen kann.

Die von Wissenschaftlern der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Dresdner Uniklinikum sowie des Departments für Kardiovaskuläre Medizin der Ohio-State-Universität Columbus entdeckten Mechanismen können zu neuen Therapieansätzen bei Herz- und Gefäßkrankheiten führen. Feinstaub entsteht unter anderem in Privathaushalten durch Holzfeuerung, durch industrielle Prozesse sowie im Straßenverkehr. Er gelangt durch die geringe Größe der Staubpartikel in das Atemsystem. Als Feinstaub bezeichnet man den Anteil feiner Schwebstoffe in der Luft, dessen Partikel so klein sind, dass sie die Schutzbarrieren des menschlichen Körpers passieren, in den Stoffwechsel gelangen und dort langfristig zu Krankheiten führen können.

Wissenschaftler der Medizinischen Klinik und Poliklinik III - unter der Leitung von Professor Dr. Stefan R. Bornstein - am Uniklinikum Carl Gustav Carus Dresden entdeckten nun gemeinsam mit Medizinern der Ohio-State-Universität in Columbus, einer Dresdner Partnerstadt, einen Zusammenhang zwischen einer jahrelangen Belastung durch Feinstaub und lebensbedrohlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Unter dieser Bezeichnung ist eine große Gruppe von Krankheitsbildern zusammengefasst, die das Herz und die Gefäße des Körpers betreffen. Diese Krankheiten sind in den Industrieländern noch immer die häufigste Todesursache. So geht in Deutschland jeder zweite Todesfall auf eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zurück. Bislang zählten zu den Ursachen von Herz-Kreislauf-Krankheiten Stress, Rauchen, mangelnde Bewegung, psychische Belastung sowie eine ungesunde Ernährung.

Prof. Dr. Henning Morawietz: „In Kooperation mit Prof. Sanjay Rajagopalan, der zu den weltweit führenden Herz-Kreislauf-Forschern gehört, konnten wir im Mausmodell nachweisen, dass eine langfristige Belastung des Herz-Kreislauf-Systems durch erhöhte Feinstaubmengen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht und damit die Lebenserwartung vermindert.“ Über einen Zeitraum von vier Jahren erforschte Dr. Thomas Kampfrath, der dem Forscherteam von Prof. Morawietz angehört, im Labor von Prof. Sanjay Rajagopalan in Columbus die präzisen Mechanismen der schädigenden Wirkung von Feinstaub auf Blutgefäße. Kampfrath: „Ergebnis unseres Forschungsprojekts ist, dass die jahrelange Belastung mit Feinstaub zu einer Dysfunktion der Gefäßzellen und damit zu oxidativem Stress und zu Entzündungsprozessen im Blut führt. Vermittelt werden diese Entzündungen durch sogenannte Toll-like-Rezeptoren und NADPH Oxidasen.“ Unter oxidativem Stress versteht man eine Stoffwechselsituation, bei der eine zu große Menge an reaktiven Sauerstoffverbindungen gebildet wird. Die normale Reparatur- und Entgiftungsfunktion gesunder Zellen wird gestört und damit die Fähigkeit, die reaktiven Sauerstoffverbindungen zu neutralisieren.
Aus den erforschten Mechanismen könnten sich für die Zukunft neue Therapieansätze für Herz-Kreislauf-Krankheiten ergeben. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse in der renommierten Fachzeitschrift „Circulation Research“. Genetic variants in novel pathways influence blood pressure and cardiovascular disease risk. Nature. 2011 Sep 11. doi: 10.1038/nature10405. [Epub ahead of print] PMID: 21909115

Susanne Witzigmann M.A.

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DFG-Forschergruppe untersucht die Entstehung von Knochenmetastasen

Dresden, 20. Juli 2011

Das Gesamt-Projekt wird mit rund 3 Millionen Euro gefördert. Hofbauer

Die Erforschung molekularer Mechanismen bei der Entstehung von Knochenmetastasen steht im Zentrum einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft bewilligten DFG-Forschergruppe mit Arbeitsgruppen an den Universitäten Dresden, Kiel und Würzburg sowie am Helmholtz Zentrum München. Leiter der Forschergruppe ist der Knochen- und Hormon-Experte Prof. Dr. Lorenz C. Hofbauer von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden.

Bei 50 bis 90 Prozent der Patienten mit bösartigen Tumoren entwickeln sich im Verlauf der Krankheit Knochenmetastasen. Knochenbrüche und starke Schmerzen sind eine häufige Folge für die Betroffenen. Da die molekularen Ursachen zur Entstehung von Knochenmetastasen bislang nicht hinreichend erforscht sind, gestaltet sich eine wirkungsvolle Therapie oft schwierig. "SKELMET – Mesenchymale und osteogene Signalwege in der Knochenmetastasierung“ ist der Titel einer gerade bewilligten DFG-Forschergruppe, die die molekularen Signalwege zur Entstehung von Knochenmetastasen erforscht. Professor Hofbauer von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III ist Leiter des interdisziplinären Forschungsverbunds, der insgesamt sechs Projekte umfasst. Zwei dieser Projekte sind in Dresden, die weiteren an den Universitäten Kiel und Würzburg sowie am Helmholtz Zentrum München angesiedelt.
Ein Dresdner Projekt hat das Thema „Interactions between the WNT and RANKL/OPG pathways in osteomimicry of breast and prostate cancer” und wird von Prof. Hofbauer und der Naturwissenschaftlerin Dr. Susanne Füssel (Urologie) geleitet. Knochenmetastasen sind eine häufige Folge von Prostatakrebs. Die Entstehung von Knochenmetastasen gilt als komplexer Prozess mit molekularen, endokrinen und immunologischen Aspekten. Die Regulation von Knochenauf- und Knochenabbau ist seit langem ein Forschungsschwerpunkt von Prof. Hofbauer. Für das aktuelle Projekt zur Erforschung molekularer Mechanismen bei der Entstehung von Knochenmetastasen haben Hofbauer und sein Team Zugang zu einer klinisch gut charakterisierten Gewebebank mit Prostatakarzinomgewebe, die in Zusammenarbeit mit der Klinik und Poliklinik für Urologie, dem Institut für Pathologie und dem UniversitätsKrebsCentrum am Dresdner Uniklinikum entstanden ist.
Beim zweiten Dresdner Projekt mit dem Titel „Modulation of the hematopoietic stem cell niche by micrometastases“, geleitet von den Stammzellforschern Prof. Dr. Martin Bornhäuser und Dr. Manja Wobus, geht es um die Erforschung der Biologie erwachsener hämatopoietischer, das bedeutet blutzellenbildender, sowie mesenchymaler Stammzellen. Mesenchymale Stammzellen können im Labor gut vermehrt werden und sind in der Lage, sich in viele verschiedene Gewebe auszudifferenzieren. Der Projektschwerpunkt liegt bei der Erforschung der Interaktionen zwischen den hämatopoietischen Stammzellen und Mikrometastasen und der Frage, ob sich diese Nische artifiziell rekonstruieren lässt.
Die SKELMET-Forschergruppe ist eine von bundesweit acht neuen von der DFG geförderten Forschergruppen. Sie wird mit insgesamt rund 3 Millionen Euro finanziert. Mit derartigen Forschungsverbünden bietet die DFG exzellenten Wissenschaftlern die Möglichkeit, sich aktuellen und drängenden Forschungsfragen zu widmen und diese mittelfristig auf ihre klinische Anwendung hin zu untersuchen. So hat die SKELMET-Forschergruppe das Ziel, durch die systematische Analyse des gesamten Prozesses der Knochenmetastasen-Bildung Wirkmechanismen detailliert aufzuklären und neue Ziel-Moleküle für eine spezifische und frühzeitigere Diagnose zu entdecken und verbesserte Therapien zur Behandlung von Knochenmetastasen zu entwickeln.

Susanne Witzigmann M.A.

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Klinische Forschergruppe geht der Rolle der Nebenniere bei Stress-Erkrankungen auf den Grund

19. Juli 2011

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Projekt des Dresdner Uniklinikums mit rund 3,2 Millionen Euro. Prof. Bornstein 2

Stress bekmmt in der modernen Gesellschaft eine immer größere Bedeutung. Denn der menschliche Körper reagiert auf Stress mit Stoffwechselerkrankungen, Herzkreislaufstörungen, Neuro- und Immunerkrankungen. Eine Klinische Forschergruppe unter Leitung von Prof. Dr. Stefan R. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, geht nun der Bedeutung der Nebenniere als zentralem Stressorgan auf den Grund. Die Nebennieren produzieren die Stoffe, die grundlegend an den Reaktionen von Stoffwechsel, Herzkreislauf-, Nerven- und Immunsystem beteiligt sind.

„Wenn der Mensch unter Stress steht, schüttet der Organismus die von der Nebenniere produzierten Hormone und Nervenbotenstoffe Adrenalin, Noradrenalin sowie Cortisol aus, um beispielsweise Gefahrensituationen oder besondere geistige oder emotionale Situationen zu meistern“, so der Dresdner Endokrinologe und Stressforscher Prof. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Uniklinikum Carl Gustav Carus. Doch dieser situationsbedingte Abwehrmechanismus kann dauerhafte Folgen für den Organismus haben. Denn die stressregulierenden Hormone und Nervenbotenstoffe sind von entscheidender Bedeutung für Kohlenhydrathaushalt, Fettstoffwechsel und Proteinumsatz. Geraten die verschiedenen Stoffe durch Stress aus dem Gleichgewicht, sind oft chronische und Volkskrankheiten die Folge. „Auch ein Nebennierentumor kann Ursache für eine Dysregulation des Stresssystems sein“, so Professor Bornstein.

Welche Bedeutung der Stressforschung zukommt, zeigt die Bewilligung einer Klinischen Forschergruppe mit dem Titel  „Microenvironment of the Adrenal in Health and Disease“, die gerade – unter der Leitung von Prof. Bornstein - in Dresden gestartet ist.

Gefördert wird sie mit rund 3,2 Millionen Euro durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Denn Stresserkrankungen drohen sich heute zu einer neuen Epidemie zu entwickeln: Diabetes, Übergewicht, Herzkreislauferkrankungen, Neuro- und Immunreaktionen können die Antworten des Körpers auf Druck und Anspannung des heutigen Alltags sein.

Die Klinische Forschergruppe von Prof. Bornstein gliedert sich in insgesamt neun Projekte. Ziel des Gesamtprojekts ist, ein grundlegendes Verständnis für die Funktion der Nebenniere zu entwickeln. Dazu gehört die Erforschung bislang noch nicht bekannter molekularer Mechanismen zwischen dem Gewebe der Nebennieren und den umgebenden Zellen. Prof. Bornstein: „Wir erwarten hier neue Erkenntnisse und damit neue Therapieansätze bei der Bekämpfung von Stresserkrankungen.“ Der Begriff Stress wurde übrigens erstmals 1936 vom österreichisch-kanadischen Mediziner Hans Selye (1907–1982) geprägt, um die verschiedenen Reaktionen des Körpers zur Bewältigung von Anforderungen und Belastungen zu benennen.

Mit den Klinischen Forschergruppen fördert die DFG Forschungsverbünde in der krankheits- und patientenorientierten klinischen Forschung sowie die dauerhafte Einrichtung wissenschaftlicher Arbeitsgruppen in klinischen Einrichtungen. Herausragende Wissenschaftler werden hierdurch in ihrer Zusammenarbeit an einer besonderen Forschungsaufgabe unterstützt, wenn zu erwarten ist, dass die Zusammenarbeit zu Ergebnissen führt, die mit Einzelförderungen nicht erreicht werden können. Die Förderung von Klinischen Forschergruppen soll unter anderem auch dazu beitragen, die klinische Forschung durch die Schaffung und Stärkung forschungsorientierter Strukturen in den Universitätskliniken zu verbessern und die leistungsorientierte Verteilung der Ressourcen zu unterstützen.

Mit der Bewilligung dieser Klinischen Forschergruppe sowie einer weiteren an der Medizinischen Klinik und Poliklinik III angesiedelten DFG-Forschergruppe verdoppelt sich die Zahl der von Wissenschaftlern der TU Dresden sowie des Universitätsklinikums koordinierten DFG-Forschergruppen beziehungsweise Klinischen Forschergruppen.

TUD Rektor Prof. Dr. Dr.-Ing habil. Hans Müller-Steinhagen: „Drittmittel sind einerseits eine wichtige Voraussetzung für hochwertige Forschung und zugleich Anerkennung der Forschungskompetenz. Die nun von der DFG bewilligten Mittel für die Universitätsmedizin setzen auch ein Signal vor dem Hintergrund der Exzellenzbewerbung der TU Dresden.“


Susanne Witzigmann M.A.
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Forscher entschlüsseln neue Entzündungsabläufe in Gefäßen

Dresden, 05. Juli 2011

Dresdner Wissenschaftler trägt zur Entdeckung eines Mechanismus’ bei, der eine entscheidende Rolle bei Entzündungen spielt. JAM-C (Junctional Adhesion Molecule-C) ist der Name eines Moleküls, zu dessen Entdeckung der Dresdner Mediziner Prof. Dr. Triantafyllos Chavakis von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Uniklinikum Carl Gustav Carus sowie des Instituts für Physiologie der Medizinischen Fakultät der TU Dresden beigetragen hat. Diesem Molekül kommt jetzt eine Schlüsselrolle bei der Auswanderung von weißen Blutkörperchen aus dem Gefäß ins Gewebe im Rahmen von Entzündungsreaktionen zu, wie ein internationales Forscherteam im Tiermodell nachweisen konnte

Eine Entzündung – Inflammation – ist eine Reaktion des Körpers auf einen äußerlich – beispielsweise infektiöse Mikroben -  oder innerlich ausgelösten und möglicherweise schädigenden Reiz. Die Entzündungsreaktion hat als Ziel, diesen Reiz und seine Folgen abzuwehren. Bislang waren die Mechanismen, die zur Ausbreitung einer lokalen Entzündung führen, molekularbiologisch nicht hinreichend erforscht. Nun ist einem internationalen Wissenschaftlerteam ein neuer Durchbruch gelungen, denn die Forscher gewannen erstmals einen Einblick in die Ausbreitung von Entzündungen in Gefäßen.Eine wichtige Rolle spielt dabei JAM-C (Junctional Adhesion Molecule-C), an dessen Entdeckung im Jahr 2002 der Dresdner Wissenschaftler Prof. Dr. Triantafyllos Chavakis entscheidend beteiligt war. Seit der Entdeckung haben Prof. Chavakis und sein Forscherteam wichtige Funktionen von JAM-C in der Gefäßentzündung charakterisiert.  (1,2) Zum Schutz vor Entzündungen und als Abwehr gegen Gewebeverletzungen oder Infektionen wandern bestimmte weiße Blutkörperchen - neutrophile Leukozyten - aus dem Gefäßinneren, dem Lumen, in das umgebende Gewebe. Dass bei diesem Wanderungsprozess das Molekül JAM-C eine Schlüsselrolle spielt, konnte nun im Mausmodell nachgewiesen werden. Prof. Chavakis: „Unser Labor hat Mäuse generiert, die uns ermöglichen, dieses Molekül spezifisch in einem Zelltyp genetisch auszuschalten. Somit konnten wir JAM-C in Endothelzellen – den Zellen, die die Innenwände der Gefäße auskleiden, ausschalten. Mit Hilfe dieser Tiere und weiteren Methoden untersuchten unsere Kooperationspartner in London die Art und Dynamik der Migration von neutrophilen Leukozyten durch die Gefäßwand im entzündeten Gewebe.“ Die Forscher nutzten dazu eine spezielle Mikroskopiertechnik, die eine dreidimensionale Darstellung der Migrationsprozesse und eine präzise Analyse der Wanderung der neutrophilen Leukozyten durch und neben die Endothelzellen möglich macht. Diese Prozesse wurden dabei erstmals in Echtzeit erforscht.Während des Migrationsprozesses kommt es zu einer Kaskade von Interaktionen zwischen den Endothelzellen mit den neutrophilen Leukozyten. Die Forscher machten dabei eine entscheidende Entdeckung: Bei den gentechnisch veränderten Mäusen wandern die weißen Blutkörperchen nicht nur aus dem Gefäßinneren hindurch, sondern auch in umgekehrter Richtung wieder zurück. Und diese Migration zurück ins Gefäßinnere trägt vermutlich entscheidend zur Ausbreitung einer lokalen Entzündung und Entstehung einer systemischen Entzündung bei. „Wir werden uns weiter auf die Rolle von JAM-C konzentrieren“, so der Dresdner Mediziner. „Hier liegt möglicherweise ein Ansatz für neue Therapien.“ Die Ergebnisse des Projekts wurden gerade in der renommierten Fachzeitschrift Nature Immunology publiziert. 3)
1) Santoso, S., Sachs, U.J., Kroll, H., Linder, M, Preissner, K.T., and Chavakis, T.: The Junctional Adhesion Molecule-3 on human platelets is a counter-receptor for the leukocyte integrin Mac-1. J Exp Med. 196:679-691, 2002.
2) Orlova, V., Economopoulou, M., Lupu, F., Santoso, S. and Chavakis, T. Junctional adhesion molecule-C regulates vascular endothelial permeability by modulating VE-cadherin-mediated cell-cell contacts. J Exp Med. 203:2703-14, 2006.
3) The junctional adhesion molecule JAM-C regulates polarized transendothelial migration of neutrophils in vivo. Woodfin A, Voisin MB, Beyrau M, Colom B, Caille D, Diapouli FM, Nash GB, Chavakis T, Albelda SM, Rainger GE, Meda P, Imhof BA, Nourshargh S. Nat Immunol. 2011 Jun 26. doi: 10.1038/ni.2062.

Susanne Witzigmann M.A.

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Neue Osteoporose-Therapie setzt bei Knochenbiologie an


Dresden, 11. Mai 2011

Wissenschaftler des Uniklinikums Dresden, der Mayo Clinic in Rochester, USA, sowie des Centers for Regenerative Therapies Dresden, CRTD, präsentieren neue und zukunftweisende Therapien bei Osteoporose.

Osteoporose ist charakterisiert durch eine Abnahme der Knochenmasse sowie durch eine Verschlechterung der Mikroarchitektur in der Knochenstruktur. Dies hat eine erhöhte Gefahr für Knochenbrüche zur Folge. Der Dresdner Hormon- und Osteoporose-Experte, Professor Lorenz Hofbauer, gehört weltweit zu den führenden Forschern der Knochenstoffwechsel-Erkrankungen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Erforschung spezieller Antikörper, die eine entscheidende Aufgabe in der Knochenbiologie übernehmen. So setzt die in Dresden erforschte Antikörper-Therapie – bekannt unter dem Namen des Wirkstoffs Denosumab - inzwischen neue Maßstäbe in der Osteoporose-Therapie. Gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Dr. Tilman D. Rachner und Professor Sundeep Khosla von der Mayo Clinic in Rochester, USA, hat der Dresdner Biomediziner jetzt die neuesten Therapiemöglichkeiten in der renommierten Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht.40 Prozent der weiblichen Bevölkerung nach der Menopause leidet an Osteoporose, so die Schätzung. Auch jeder fünfte Mann soll das Risiko für die Erkrankung in sich tragen oder bereits erkrankt sein. Häufig erfahren die Betroffenen erst von ihrer Erkrankung, wenn es bereits zum Knochenbruch gekommen ist. Oft verändert die Diagnose für die Erkrankten das Leben grundlegend. Denn schon kleine Stürze oder alltägliche Bewegungen wie Bücken können zu Knochenbrüchen führen.
Prof. Dr. Lorenz Hofbauer, Knochen-Experte an der Medizinischen Klinik III des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus: „Der Knochenstoffwechsel sorgt für einen ständigen Umbau innerhalb des Knochengewebes. Altes Knochengewebe wird abgebaut - zuständig dafür sind die Osteoklasten - neues durch die Osteoblasten aufgebaut. In einem gesunden Knochenstoffwechsel besteht ein Gleichgewicht zwischen Ab- und Aufbau.“ Bei der Osteoporose ist dieses Gleichgewicht gestört. Es wird mehr Knochensubstanz abgebaut. Bisherige Therapien, zum Beispiel mit Bisphosphonaten, brachten zwar eine Verbesserung, wiesen jedoch auch Nachteile auf.Neue Erkenntnisse über die molekularen Kommunikationswege zwischen knochenaufbauenden und -abbauenden Prozessen haben inzwischen zu einem neuen Therapieansatz geführt. Die Dresdner Ärzte setzen dabei auf spezielle Antikörper, die den Knochenabbau verhindern und die normale Knochenbildung erhalten. Eine solche Antikörpertherapie, bekannt unter dem Namen ihres Wirkstoffs – Denosumab – weist bereits große Erfolge auf. Prof. Hofbauer: „Mit Denosumab haben wir einen monoklonalen Antikörper, der gegen den Stammzellfaktor RANK-Ligand entwickelt wurde und entscheidenden Einfluss auf die Ausreifung der knochenzerstörenden Osteoklasten nimmt. Dieser Antikörper schützt den Knochen gezielt vor dem Abbau von zuviel Substanz.“Die Behandlung mit Denosumab ist deutlich erfolgreicher als bisherige Therapien, das konnten die Dresdner inzwischen an mehr als 100 Behandlungen nachweisen. Und sie ist einfacher. Prof. Hofbauer: „Pro Jahr sind nur zwei subkutane Spritzen notwendig. Eine wöchentliche oder sogar tägliche Einnahme von Osteoporose-Tabletten entfällt.“Noch im Tiermodell - aber ebenfalls Erfolg versprechend - ist eine andere Antikörpertherapie, an dem das Team gerade arbeitet. „Mit der Sklerostin-Antikörpertherapie konnten wir im Rattenmodell bereits einen Knochenzuwachs von mehr als 50 Prozent innerhalb von 12 Wochen nachweisen“, so Lorenz Hofbauer. Diese Arbeiten finden im Center for Regenerative Therapies Dresden, CRTD, statt. Hier koordiniert Prof. Hofbauer das Knochenforschungsprogramm mit dem Ziel, „aus dem vorhandenen Wissen effektive Therapien zum Wohle des Patienten zu entwickeln“.  Gemeinsam mit Prof. Sundeep Khosla von der Mayo Clinic in Rochester, USA, haben Prof. Hofbauer und Dr. Rachner die neuesten Forschungsergebnisse zu Osteoporose-Therapien gerade in der hochrangigen Fachzeitschrift „The Lancet“ (1) publiziert.
1. Rachner TD, Khosla S, Hofbauer LC, Osteoporosis: now and the future. The Lancet. 2011; 377:1276-87.

Susanne Witzigmann M.A.

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Am 10. März ist Weltnierentag:

Lebendspende schenkt Leben - rechtzeitig

Dresden, 8. März 2011

Eine Desensibilisierungs-Therapie am Uniklinikum Dresden macht Lebendspenden von Nieren auch bei unverträglichen Blutgruppen möglich.

2200 Nierentransplantationen finden pro Jahr in Deutschland statt, davon 65 im vergangenen Jahr am Transplantationszentrum des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden. Zehn der in Dresden verpflanzten Nieren waren eine Lebendspende naher Angehöriger. Bei drei Spenderpaaren passten die Blutgruppen nicht zusammen. Trotzdem konnten die Transplantationen erfolgreich stattfinden. Ein spezielles Desensibilisierungs-Verfahren macht Lebendnierenspenden von Mensch zu Mensch mit bislang unverträglichen Blutgruppen möglich, indem es die Bildung von Antikörpern verhindert. Zukünftig soll dieses Verfahren mehr Menschen mit Nierenversagen helfen, rechtzeitig ein Spenderorgan zu erhalten.
Ihren 48. Geburtstag im November 2009 wird Karin Bandt in Erinnerung behalten. An diesem Tag machte ihr Mann das Angebot, ihr eine seiner Nieren zu schenken. Zu diesem Zeitpunkt war Karin Bandt, die in der Nähe von Bautzen lebt, bereits einen Monat Hämodialyse-Patientin. Zysten hatten ihre Nieren so stark geschädigt, dass diese ihre Filterfunktion nicht mehr erfüllen konnten.
Am Transplantationszentrum des Dresdner Uniklinikums ließen Peter und Karin Bandt untersuchen, ob der Ehemann als Organspender überhaupt in Frage kam. Körperlich gesund und fit erfüllte der heute 50-Jährige zwar alle Voraussetzungen dafür, doch seine Blutgruppe (A) war mit der seiner Frau (O) nicht verträglich. Eine Hürde, die noch vor wenigen Jahren diese Lebendspende unmöglich gemacht hätte. Es wäre zu einer sofortigen Abstoßung des fremden Organs gekommen. Dass die Transplantation im Januar 2011 dennoch erfolgreich stattfinden konnte, liegt an einer speziellen Therapie. „Bei Blutgruppenunverträglichkeit – in der Fachsprache AB0-Inkompatibilität – bieten wir am Dresdner Transplantationszentrum dem Organ-Empfänger eine spezielle Desensibilisierungstherapie. Diese verhindert die Bildung von Antikörpern und damit eine Abstoßungsreaktion“, so Professor Dr. Christian Hugo von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des Dresdner Uniklinikums. Als Nephrologe ist Prof. Hugo von internistischer Seite auf Nierenerkrankungen spezialisiert.
Bei einer AB0-inkompatiblen Transplantation erhält der Organ-Empfänger in der Woche vor der Operation eine sogenannte Immunadsorption. In einem Verfahren vergleichbar der Dialyse werden dem Blut die Stoffe entzogen, die eine Abwehrreaktion gegen Zellen des Spenders bewirken. Um die gewünschten Werte zu erhalten, wird die Behandlung an mehreren Tagen fortgeführt. Karin Bandt erhielt ihre letzte Immunadsorption, während ihr Mann schon im OP-Saal lag. Das OP-Team startete erst, als bei ihr die richtigen Werte erreicht waren. Eine halbe Stunde nach der Entnahme bekam Karin Bandt die Niere ihres Mannes eingepflanzt. Noch auf dem OP-Tisch begann das Organ in ihrem Körper zu arbeiten.
Im letzten Jahr wurden in Dresden insgesamt 65 Nieren transplantiert. Zehn von ihnen waren Lebendspenden, drei der Spenderpaare wiesen eine Blutgruppenunverträglichkeit auf. Bundesweit finden jährlich etwa 2200 Nierentransplantationen statt. Die meisten sind postmortale Transplantationen. Das bedeutet, ein Organ wird nach dem Hirntod seines Spenders verpflanzt. 20 Prozent der Nierentransplantationen sind jedoch – wie im Fall von Karin und Peter Bandt – Lebendspenden.
Prof. Hugo möchte vor allem die Zahl der Lebendspenden steigern. Denn: „Den Transplantierten stehen bundesweit viermal so viele Menschen gegenüber, die auf eine neue Niere warten. Gleichzeitig geht das Angebot an Spenderorganen zurück. Die Folge sind immer längere Wartezeiten für Betroffene“, so der Nephrologe, „mindestens fünf Jahre, meistens deutlich mehr.“ Viele Menschen, die auf den Wartelisten stehen, sterben, bevor sie ein Spenderorgan bekommen. Dabei ist vor allem das Krankheitsstadium für den Erfolg einer Transplantation entscheidend. Prof. Hugo: „Je früher die Transplantation stattfindet, desto besser. Mit jedem Jahr an der Dialyse verschlechtert sich der Erfolg für eine Transplantation. Im Idealfall sollte präemptiv transplantiert werden, das bedeutet, bevor der Patient an die Dialyse muss. Dies ist jedoch nur durch die Lebendspende eines nahen Angehörigen möglich.“
Karin Bandt geht es gut nach der Transplantation. Die Medikamente zur Unterdrückung ihres Immunsystems, die jeder Organ-Empfänger nehmen muss, verträgt sie ebenfalls. Und Peter Bandt? „Auch er hat die Operation gut überstanden, er ist zurzeit in der Reha“, so seine Frau. Schon im Frühjahr will er wieder als Lehrer im Aus- und Fortbildungsinstitut der Polizei arbeiten. Karin Bandts Sorge, der gute Gesundheitszustand ihres Mannes könne sich durch die Nierenspende verschlechtern, konnten ihr die Ärzte nehmen. „Nierenspender haben im Normalfall kein erhöhtes Gesundheitsrisiko und können nach der Operation wieder ihr gewohntes Leben führen“, so Prof. Hugo.
Seit dem letzten Jahr bietet der Dresdner Nierenspezialist regelmäßig Patienten-Seminare an, auf denen er das Gespräch mit Betroffenen sucht und über Chancen und Risiken von Lebendspenden informiert. Das nächste Patienten-Seminar findet am 04. Juni statt.

1953 fand erstmals erfolgreich eine Nierentransplantation von Mensch zu Mensch statt. 1990 erhielt der Operateur, Professor Joseph Murray, dafür den Medizin-Nobelpreis. Auch die erste erfolgreiche Nierentransplantation war eine Lebendspende. Empfänger und Spender waren jedoch eineiige Zwillinge mit identischen genetischen Voraussetzungen. Dadurch gab es keine Unverträglichkeiten und keine
Abstoßungsreaktion.

Susanne Witzigmann M.A.

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Millionen-Projekt erforscht Entzündung im Fettgewebe

10. Februar 2011

Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert Dresdner Forschungsvorhaben mit 1,5 Millionen Euro

Fettsucht und Fettsucht-Folgekrankheiten sind Volkskrankheiten, die weltweit stetig zunehmen. Professor Dr. Triantafyllos Chavakis von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus sowie vom Institut für Physiologie der Medizinischen Fakultät der TU Dresden erhielt jetzt den Startschuss für ein Projekt, das die Rolle von Entzündungsprozessen im Fettgewebe als Ursache für Fettsucht-Folgeerkrankungen wie Diabetes mellitus und Herz-Kreislauf-Krankheiten erforscht.

Der Body-Mass-Index, kurz BMI, ist eine Maßzahl zur Bewertung des Körpergewichts eines Menschen in Bezug auf seine Größe.  Liegt diese Zahl über  30 (kg/m2), liegt der Anteil der Körper-Fettzellen so weit über dem Durchschnitt, dass der betroffene Mensch nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO an Adipositas, also Fettleibigkeit, leidet. In Deutschland soll jeder Sechste von dieser extremen Form des Übergewichts betroffen sein. Folgen der Fettsucht sind zumeist weitere Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Herz-Kreislauf-Störungen. Nicht selten enden diese Krankheiten tödlich. Forscher der Medizinischen Klinik und Poliklinik III (MK III) am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus sowie des Instituts für Physiologie der Medizinischen Fakultät der TU Dresden sind jetzt den Ursachen der Fettsucht-Folgekrankheiten auf der Spur. Neue potenzielle und molekulare Mechanismen, die zur Inflammation des adipösen Fettgewebes beitragen heißt das Thema des Forschungsprojekts, das mit 1,5 Millionen Euro von der Deutschen Forschungsge-meinschaft (DFG) über einen Zeitraum von fünf Jahren gefördert wird und in Dresden gerade an den Start gegangen ist.

Leiter des Millionenprojekts ist Prof. Dr. Triantafyllos Chavakis, international bekannter Experte für Entzündungsprozesse in Zellen. Prof. Chavakis: „Neue Studien zeigen, dass vor allem die Entzündungsprozesse im Fettgewebe Ursache für die Folgekrankheiten wie Diabetes sind. Unsere Aufgabe ist, die genauen Mechanismen auf Zell- und molekulargenetischer Ebene zu erforschen.“ Im Mausmodell will der Dresdner Forscher den Einfluss der Entzündung der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und der Gefäßzellen (Endothel) auf das Fettgewebe erforschen. Prof. Chavakis geht dabei von der These aus, dass die Interaktion von weißen Blutkörperchen und Gefäßzellen im Fettgewebe die Insulinresistenz beeinflussen kann, die schließlich zu Diabetes führt. Die Ergebnisse der fünfjährigen Forschungsarbeit sollen zu neuen Therapiemöglichkeiten für Fettleibigkeit-Folgekrankheiten führen.

Die DFG eröffnet mit der Fördermaßnahme „Reinhart Koselleck-Projekte“ Forschern, die sich durch besondere wissenschaftliche Leistung ausgezeichnet haben, die Möglichkeit, in hohem Maß innovative und im positiven Sinn risikobehaftete Projekte durchzuführen. „Im Bereich der Biowissenschaften gehört das Projekt zu den wenigen bewilligten Reinhart Koselleck-Projekten“, so Prof. Dr. Stefan R. Bornstein, Direktor der MK III.

Susanne Witzigmann M.A.
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Hoffnung für Patienten mit Augenerkrankung durch Diabetes

19. Januar 2011

Dresdner Wissenschaftler erforschen erstmals einen Zusammenhang zwischen der drohenden Erblindung als Diabetes-Folgekrankheit und einem körpereigenen Schutzsystem.

Die Augenerkrankung ‚diabetische Retinopathie’ ist eine Folge der Stoffwechselstörung  Diabetes mellitus. Durch eine Minderdurchblutung kommt es dabei zu einer deutlich erhöhten Gefäßneubildung in der Netzhaut. Diese führt zu Sehstörungen,  bis zur Erblindung. Wissenschaftler der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden sowie des Instituts für Physiologie der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der Technischen Universität Dresden haben in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde am Dresdner Universitätsklinikum nun erforscht, dass Komponenten eines körpereigenen Schutzsystems die krankhafte Gefäßneubildung hemmen kann. Daraus sollen für die Zukunft neue Therapieansätze folgen.
In Europa gilt die diabetische Retinopathie als häufigste Ursache für Erblindungen bei Menschen zwischen 20 und 65 Jahren. Der Veränderung der Retina – der menschlichen Netzhaut - geht meist eine lange Diabetes-Erkrankung voraus. Verursacht durch eine Gefäßschädigung und verminderte Durchblutung kommt es zu einer verstärkten Neubildung von Gefäßen in der Netzhaut. Die Folge sind fortschreitende Sehstörungen, die bis zur Erblindung führen. Wissenschaftler der Medizinischen Klinik und Poliklinik III (MK III) am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus sowie des Instituts für Physiologie der Medizinischen Fakultät der TU Dresden haben in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde des Dresdner Uniklinikums jetzt erstmals herausgefunden, dass ein körpereigenes Schutzsystem die Gefäßneubildung in der Retina hemmen kann.
Prof. Dr. Triantafyllos Chavakis von der MK III und dem Institut für Physiologie er-forscht die Wechselwirkung von Blut- und Gefäßzellen im Zusammenhang mit Störun-gen der Retina. Seine Idee war, die Wirkung des menschlichen Komplementsystems auf die Neubildung von Gefäßen in der Retina zu untersuchen. Das Komplement-system ist ein körpereigenes Schutzsystem und besteht aus mehr als 30 Proteinen. Diese sind im Blutplasma gelöst oder zellgebunden. Sie dienen vor allem der Abwehr von Mikroorganismen wie Bakterien, Pilzen und Parasiten, sind jedoch auch an vielen anderen Prozessen autoimmuner und entzündlicher Krankheiten beteiligt.
Im Mausmodell konnte die Forschergruppe von Prof. Chavakis in enger Zusammenar-beit mit der Forschergruppe von Prof. John Lambris an der University of Pennsylvania, Philadelphia, USA, jetzt erstmals nachweisen, dass spezifische Komponenten des Komplementsystems die krankhafte Gefäßneubildung in der Retina hemmen. Prof. Chavakis: „Damit bekommt das Komplementsystem eine Schlüsselfunktion bei der Suche nach neuen Therapieansätzen zur Bekämpfung der Gefäßneubildung in der Retina.“ Welchen wissenschaftlichen Durchbruch dieses Forschungsergebnis bedeutet, zeigt eine Veröffentlichung als „Plenary Paper“ (wichtigste Veröffentlichung) in der Zeitschrift Blood, die zu den bedeutendsten medizinischen Fachzeitschriften zählt. Unter dem Titel „Complement-mediated inhibition of neovascularization reveals a point of convergence between innate immunity and angiogenesis“ erläutern Chavakis und seine Kollegen den Zusammenhang zwischen dem Komplementsystem und der Retina-Erkrankung an genetisch veränderten Mäusen. „Von besonderer Bedeutung ist die Komplementachse mit dem Namen C5a/C5aR“, so der Dresdner Wissenschaftler. Eine weitere Erkenntnis des Experiments ist, dass die Hemmung der Gefäßneubildung durch das Komplementsystem über bestimmte Zellen, die sogenannten Makrophagen, vermit-telt wird. Makrophagen gehören als sogenannte Fresszellen zum Immunsystem.
An diese Erkenntnisse wollen die Dresdner ihre weitere Forschungsarbeit anknüpfen. Ziel ist es, neue medikamentöse Therapieansätze zu entwickeln, um Menschen mit diabetischer Retinopathie vor der Erblindung zu retten.

Susanne Witzigmann M.A.
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Im Team neue Wege im Kampf gegen Diabetes gehen

Dresden, Januar 2011


Prof. Dr. Stefan R. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, startete mit seinem australischen Kollegen Prof. Dr. Julio Licinio einen Wissens- und Forschungsaustausch zur Prävention und Regeneration epidemischer Krankheiten wie Diabetes, Depression, Bluthochdruck oder Demenz.

Unter dem Namen GAITM gründeten Wissenschaftler aus Dresden und Canberra  jetzt ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung – BMBF - gefördertes deutsch-australisches Institut für Translationale Medizin. Ein Forschungsschwerpunkt liegt in der Analyse bestimmter Muster in Biomarkern wie Blutfetten. Diese ermöglichen eine Vorhersage von Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes oder Depression sowie die Diagnose dieser Krankheiten in einem sehr frühen Stadium. 2011 starten bereits erste Studien mit Patienten im europäischen und asiatisch-pazifischen Raum.

Dresden/Canberra. Volkskrankheiten wie Diabetes, Übergewicht, Bluthochdruck, Demenz und Depression nehmen epidemisch zu. In Europa und in vielen anderen Regionen der Erde. Mediziner und Naturwissenschaftler stehen weltweit vor der Aufgabe, dem bedrohlichen Anstieg dieser Krankheiten durch Strategien zur Prävention und durch neue Therapien zu begegnen. Die Medizinische Klinik und Poliklinik III des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus ist ein Kompetenz-Zentrum für Prävention und Regeneration von Krankheiten wie Diabetes. Die Dresdner erforschen neue Behandlungsmethoden mittels translationaler Medizin. Diese gilt als „Brückenschlag vom Labor zum Krankenbett“ und vereint alle Maßnahmen, die helfen, im Labor gewonnenes Wissen schneller als in der traditionellen klinischen Forschung in die ärztliche Praxis zu übertragen und damit auch schneller zu neuen Diagnosemethoden, Medikamenten oder Therapien zu führen.
Klinikdirektor Prof. Dr. Stefan R. Bornstein: „Um der epidemischen Ausbreitung von Diabetes, Demenz oder Depression entgegenzusteuern, ist die internationale Vernetzung translationaler Forschung ein entscheidendes Instrument.“ Gefördert vom BMBF und gemeinsam mit seinem australischen Kollegen Prof. Dr. Julio Licinio von der John Curtin School of Medical Research an der Australian National University hat der Dresdner Wissenschaftler jetzt das Deutsch-Australische Institut für Translationale Forschung, kurz GAITM, gegründet. Ein wichtiges Ziel von GAITM ist die schnellere Umsetzung neuer Strategien zur frühzeitigen Krankheitserkennung im europäischen und asiatisch-pazifischen Raum. Im australischen Forschungszentrum sieht Bornstein dafür einen idealen Kooperationspartner. „Die John Curtin School of Medical Research legt einen Schwerpunkt auf individualisierte pharmakogenomische Medizin – die Untersuchung des Einflusses von Erbanlagen auf die Wirkung von Arzneimitteln - sowie auf prädiktive Medizin, die sich mit der Vorhersage der Krankheitsgeschichte eines Menschen beschäftigt. Damit ergänzen sich die wissenschaftlichen Ausrichtungen in Canberra und Dresden in idealer Weise für eine zukunftsgerichtete Umsetzung von Forschung in der präventiven Diagnostik.“
Ein wichtiger Bereich translationaler Forschung ist die Beschäftigung mit Biomarkern. So lassen sich an manchen Biomarkern Vorbestimmungen (Prädispositionen) späterer Erkrankungen oder ein sehr frühes Stadium bereits ausgebrochener Krankheiten erkennen. Die deutsch-australischen Forschungsprojekte werden sich dabei vor allem auf die Analyse von Blutfetten konzentrieren. Prof. Bornstein: „Wiederkehrende Muster in Blutfetten können auf zukünftige Erkrankungen hinweisen.“ Eine spezielle Analysetechnik, die sogenannte MS-Analyse, macht ein sicheres Auffinden spezieller Muster aus dem Blut möglich. So fanden Dresdner Forscher erst vor kurzem heraus, dass Bluthochdruckpatienten häufig einen Mangel an bestimmten Ether-Lipiden aufweisen. Im deutsch-australischen Institut GAITM werden nun solche und weitere Forschungsergebnisse in einer gemeinsamen Datenbank zusammengetragen. Bereits 2011 sollen dann umfangreiche Studien mit Patienten im europäischen sowie asiatisch-pazifischen Raum starten.

Susanne Witzigmann M.A.

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Mechanismus zur Entstehung von Schuppenflechte erforscht

Dresden, 14. Januar 2011

Ein Forscherteam aus Dresden, München und den USA entdeckt Schlüsselrolle zweier Proteine für die Entstehung der Krankheit. Psoriasis - Schuppenflechte - ist eine oft schwer verlaufende Hauterkrankung. Ein Wissenschaftlerteam aus München, Dresden sowie aus den USA hat nun einen wichtigen Krankheitsmechanismus herausgefunden: Im Tiermodell entdeckten sie zwei Faktoren, die sowohl für die Entstehung der Krankheit als auch für den akuten Krankheitsausbruch verantwortlich sind. Diese Entdeckung eröffnet neue Therapiemöglichkeiten.

Die genetisch veranlagte, entzündliche Hautkrankheit Psoriasis – Schuppenflechte - tritt in Schüben auf. Die Erkrankung ist durch schuppende, stark juckende und spannende Hautstellen gekennzeichnet. Die Krankheit kann auch systemisch verlaufen; außer der Haut sind dann noch andere Bereiche des Körpers betroffen wie Gelenke, Bänder, Augen und das Gefäßsystem. Die Therapiemöglichkeiten bei Psoriasis sind begrenzt. Ein typisches Merkmal der Krankheit  ist, dass Hautläsionen durch mechanische Reizung oder kleine Verletzungen ausgelöst werden können.
Eine Forschergruppe aus München, Dresden und den USA hat nun einen Mechanismus entdeckt, der diese Krankheitsausbrüche erklärt. Prof. Dr. Triantafyllos Chavakis von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden sowie des Instituts für Physiologie der Medizinischen Fakultät der TU Dresden gehört zum internationalen Forscherteam. Prof. Chavakis: „Basierend auf Ergebnissen aus der Grundlagenforschung über molekulare Signalwege der Schuppenflechte konnten wir im Mausmodell zeigen, dass an der Entstehung und an den akuten Entzündungsschüben vor allem zwei miteinander verwandte Faktoren beteiligt sind: die Proteine Psoriasin und das gerade entdeckte Koebnerisin, die beide zu der S100-Familie von Zytokinen gehören.“ Beide Proteine werden in der an Psoriasis erkrankten menschlichen Haut in deutlich erhöhter Konzentration produziert.
Um diese Situation im Mausmodell nachzuahmen, haben die Forscher spezielle Mäuse generiert, die eine erhöhte Konzentration des Maus-Koebnerisins aufwiesen. Bereits bei kleinen Verletzungen zeigte die Haut dieser Mäuse eine überschießende Entzündung. Psoriasin und Koebnerisin binden dabei an ein spezielles Molekül (RAGE) auf der Oberfläche bestimmter Immun- und Hautzellen. Als Reaktion wandern weitere Immunzellen in die Haut, was die Entzündungsreaktion verstärkt. Die Forscher kamen zu der Erkenntnis, dass die Kopplung der beiden Proteine an das Molekül RAGE entscheidende Regulatoren für akute Krankheitsausbrüche der Psoriasis sind. Diese Forschungsergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift „Science Translational Medicine“ veröffentlicht. Prof. Chavakis: „Ein neuer Therapie-Ansatz ist nun, Substanzen zu finden, die die Funktion beider Proteine  blockieren.“

Susanne Witzigmann M.A.

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Dresdner Lipidapherese gehört bundesweit
zu den größten Fettstoff-wechselzentren

Dresden, 21. Dezember 2010

Jetzt feierte die Lipidapherese der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Uniklinikum Carl Gustav Carus ihren 20. Geburtstag. Die Lipidapherese ist ein spezielles Blutreinigungsverfahren, bei der krankmachende Fette aus dem Blut gefiltert werden. 16.000 Apherese-Behandlungen wurden seit 1990 unter der Leitung des Fettstoffwechsel-Experten Prof. Dr. Ulrich Julius an der Medizinischen Klinik und Poliklinik III (MK III) am Uniklinikum Dresden umgesetzt. Zurzeit erhalten 63 Patienten mit hohem Herzinfarkt-Risiko diese Behandlung, die die Gefahr, erneuter Arterien-verschlüsse und Infarkte deutlich reduziert. Damit hat die MK III das größte universitäre Zentrum Deutschlands.

Wolfgang Seifert leidet an einer Fettstoffwechselstörung. Sein Körper produziert zu viel LDL-Cholesterin (Low-Density-Lipoprotein-Cholesterin). Das sogenannte schlech-te Cholesterin führt zu einer Ablagerung von Blutfetten und anderem Gewebe an den Blutgefäß-Wänden. Als mögliche Folgen drohen Arterienverschluss und Herzinfarkt. Ein zu hoher Cholesterinwert lässt sich normalerweise mit Medikamenten, den Stati-nen, senken. Doch leider nicht immer. „Bei der familiären Hypercholesterinämie erreichen weder Medikamente noch eine angepasste Ernährung die gewünschte Wir-kung. Und die Erbkrankheit trifft oft mehrere Familienmitglieder“, so Prof. Dr. Ul-rich Julius von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III. „Ohne Behandlung endet diese Krankheit meist tödlich, denn die Betroffenen sind Hochrisikopatienten, die schon sehr jung Herzinfarkte erleiden.“
Auch Wolfgang Seifert hat diese Krankheit geerbt. Zwei Brüder seines Vaters starben jung an wiederkehrenden Herzinfarkten. Mit 31 Jahren bekam der Diplom-Physiker ebenfalls einen Infarkt. Es folgten Herzkatheter-Untersuchungen - nach Jahren mit Angina-Pectoris-Beschwerden. Die Untersuchungen brachten keine Empfehlung für einen operativen Eingriff. Auch Medikamente und gesunde Lebensweise führten bei Wolfgang Seifert nicht zu einer ausreichenden Senkung des Cholesterin-Spiegels. Dass der heute 57-Jährige in Führungsposition als IT-Manager eines mittelständigen Unternehmens ein erfüllendes und oft stressiges Arbeitsleben führen kann, verdankt er einem speziellen Blutreinigungsverfahren, der Lipidapherese. Prof. Julius: „Bei der Lipidapherese wird das Blut - vergleichbar einer Hämodialyse - außerhalb des Körpers von den krankmachenden Fetten gereinigt. Dabei werden LDL-Cholesterin und andere Stoffe wie das Lipoprotein (a) sowie Triglyzeride in einem zwei- bis dreistündigen Verfahren herausgefiltert. Die Behandlung reduziert deutlich die Gefahr neuer kardiovaskulärer Ereignisse, zu denen Infarkte und Arterienverkaltung gehören.“
Seit 40 Jahren forscht Prof. Julius am Fettstoffwechsel, hat vor genau 20 Jahren die Lipidapherese in Dresden etabliert. Dazu Klinikdirektor Prof. Dr. Stefan R. Bornstein: „Inzwischen ist die Lipidapherese der MK III das größte universitäre Zentrum Deutschlands.“ 63 Patienten erhalten hier zwei- bis viermal pro Monat an insgesamt sechs Stationen eine Lipidapherese-Behandlung. Insgesamt rund 16.000 Behandlungen sind es seit 1990. „Ohne den kompetenten und hohen Einsatz der Pflegekräfte wäre dies nicht möglich gewesen“, so Prof. Julius.
Wolfgang Seifert gehört zu Julius’ ersten Lipidapherese-Patienten. Seit Beginn der Behandlung fühlt sich der 57-Jährige deutlich besser. Inzwischen muss Seifert nur noch zweimal pro Monat ins Uniklinikum. Die regelmäßige Blutreinigung hält seinen LDL-Cholesterin-Spiegel über einen längeren Zeitraum niedrig. Natürlich unterstützt Wolfgang Seifert die Behandlung durch eine gesunde Lebensweise. Dazu gehört Sport: zweimal pro Woche schwimmt er – verteilt auf 25-Meter-Bahnen – einen Kilometer.
Im Gegensatz zu Wolfgang Seifert ist Marita Conrad erst seit acht Wochen Lipidapherese-Patientin. Vor eineinhalb Jahren erlitt sie – mit 47 Jahren - einen schweren Herzinfarkt. Sie bekam mehrere Stents, die ihre Blutgefäße durchlässig halten sollen. Auch Marita Conrads Körper produziert zu viel LDL-Cholesterin, das sich medikamentös nicht senken lässt. Für die Krankenschwester, die gerne gesund isst und sich als „echten Kräuterfreak“ bezeichnet, war dies ein Schock. „Nach dem Herzinfarkt war ich lange Zeit sehr schwach, litt unter starkem Herzrasen“, so die heute 48-Jährige. Dazu kam die Angst vor einem weiteren Infarkt. In ihrem anstrengenden Beruf kann Martita Conrad erst einmal nicht mehr arbeiten. Nach den ersten Lipidapherese-Behandlungen geht es ihr aber schon besser. Das Herzrasen ist weniger geworden, auch die alte Leistungsfähigkeit kehrt langsam zurück. Marita Conrads Wunsch für die Zukunft: „Wieder arbeiten zu können.“

Lipidapherese

Prof. Dr. Ulrich Julius (l.) leitet die Dresdner Lipidapherese. Sie ist die größte universitäre Einrichtung dieser Art in Deutschland. Mitte: Marita Conrad. Rechts: Schwester Kerstin Johne. Foto: UKD/Marc Eisele

Susanne Witzigmann M.A.

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Dresdner Projekt „FINDRISK“ mit Medica-Förderpreis ausgezeichnet

Dresden, Dezember 2010

Mit acht Fragen zu Alter, Gewicht, Taillenumfang, körperlicher Aktivität, Ernährung, Bluthochdruck, Blutzucker und familiärer Vorbelastung spürt FINDRISK das Diabetes-Risiko auf. Auf der Düsseldorfer Medica wurde der Dresdner Diabetes-Präventions-Experte Prof. Dr. Peter Schwarz von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus DResden für seine Erforschung des Fragebogens für Deutschland mit dem Medica-Förderpreis ausgezeichnet. FINDRISK ermittelt ohne labortechnische Tests als einfaches und kostengünstiges Instrument das Risiko, an Typ 2 Diabetes zu erkranken.

Neun Millionen Menschen leiden in Deutschland an Diabetes, 95 Prozent davon am Typ 2. Die Ausbreitung der Stoffwechselstörung sowie ihre Risikofaktoren steigen weiter dramatisch an. Und die Betroffenen werden immer jünger. Dazu Prof. Dr. Peter Schwarz, Experte für Prävention und Versorgung des Diabetes an der Medizinischen Klinik und Poliklinik III: „Aus internationalen Studien wissen wir, dass die Prävention des Diabetes effektiv umgesetzt werden kann. Dazu ist es notwendig, Personen mit einem Diabetesrisiko noch vor Ausbruch der Erkrankung zu identifizieren.“
Hilfe beim Aufspüren dieses Risikos bietet der Fragebogen „FINDRISK“. Nach finnischem Vorbild hat Peter Schwarz federführend in internationalen Studien die Wirksamkeit des Tests als Werkzeug im Kampf gegen eine Massenausbreitung von Diabetes erforscht und auf die Bedürfnisse in Deutschland übertragen. Herausgekommen ist ein Test, der acht Fragen zu Alter, Gewicht, Taillenumfang, körperlicher Aktivität, Ernährung, Bluthochdruck, Blutzucker und familiärer Vorbelastung stellt. Die Auswertung der Antworten gibt eine einfache aber aussagekräftige Einschätzung des eigenen Diabetesrisikos. Prof. Schwarz: „Der Test ist einfach, erfordert keine kostenintensiven Laborwerte und bringt in zwei Minuten auch dem medizinischen Laien ein verständliches Ergebnis. Weitere Vorteile sind, dass die Fragen veränderbare Faktoren wie ballaststoffreiche Ernährung oder Bewegungsverhalten genauso berücksichtigen wie nicht beeinflussbare Risiken, beispielsweise die familiäre Vorbelastung. Der Test verursacht geringe Kosten bei großem Nutzen. Ein Nutzen ist auch, das Bewusstsein für das Risiko zu schaffen. Denn jeder kann entscheidend dazu beitragen, nicht an Diabetes zu erkranken.“
Für FINDRISK wurde der Dresdner Präventions-Experte jetzt auf der Medica in Düsseldorf mit dem Medica-Förderpreis für interdisziplinäre Projekte in der Medizin ausgezeichnet. Die Medica Deutsche Gesellschaft für Interdisziplinäre Medizin verleiht jährlich den Medica-Förderpreis. Er ist mit 5.000 Euro dotiert und wird von der Zeitschrift Klinikarzt gestiftet.
Weitere Informationen zur Diabetes-Prävention unter: www.diabetesnetzwerk-sachsen.de . Dort kann auch der FINDRISK-Fragebogen ausgefüllt werden.

Susanne Witzigmann M.A.

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Ernährung, Fettbildung und Gefäßfunktion

Dresden, 24. November 2010

Wissenschaftlerin der Medizinischen Klinik und Poliklinik III wird für neue Erkenntnisse in der Gefäßforschung ausgezeichnet.

Übergewicht erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine wichtige Rolle bei der Entwicklung dieser Krankheiten spielt ein erhöhter Blutwert des LDL-Cholsterins im Zusammenspiel mit oxidativem Stress. Die Ernährungswissenschaftlerin Anja Leuner hat untersucht, ob eine Aufnahme-Hemmung des oxidierten LDLs durch einen speziellen Rezeptor die schädigende Wirkung verhindert.
Die Zahl der übergewichtigen Menschen nimmt in den Industrieländern noch immer dramatisch zu. Übergewicht gilt als Risikofaktor für verschiedene Krankheiten. Dazu zählen auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die in den Industrieländern als häufigste Todesursache gelten. Eine entscheidende Rolle beim Entstehen von Herz-Kreislauf-Krankheiten spielen die erhöhten Blutwerte für das LDL-Cholesterin (Low-Density-Lipoprotein). LDL-Cholesterin ist einer der Hauptrisikofaktoren für Atherosklerose. Als Atherosklerose bezeichnet man die Ablagerung von Fett, Bindegewebe und Kalzium in den Wänden der Blutgefäße, die eine Verengung der Gefäße bewirkt. Eine mögliche Folge ist der Herzinfarkt. Die schädigende Wirkung des LDL-Cholesterins - des sogenannten schlechten Cholesterins - auf die Blutgefäße kann durch oxidativen Stress (oxidiertes LDL) sogar weiter verstärkt werden. Oxidativer Stress entsteht, wenn im Rahmen von Stoffwechselvorgängen zu viele reaktive Sauerstoffverbindungen - Freie Radikale - gebildet werden, die nicht mehr ausreichend abgefangen werden können.
Anja Leuner, Wissenschaftlerin in der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, hat nun erforscht, ob ein spezieller Rezeptor (LOX-1-Rezeptor) die Aufnahme des oxidierten LDLs vermittelt und die schädigende Wirkung auslöst. Der Körper bildet LOX-1 in Gefäßzellen bei erhöhtem LDL-Wert. LOX-1 kann sowohl minimal oxidiertes, als auch hoch oxidiertes LDL aufnehmen.
Unter der Leitung von Prof. Dr. Henning Morawietz, vom Bereich Gefä-ßendothel/Mikrozirkulation und in Zusammenarbeit mit dem Institut für Pharmakologie und Toxikologie der TU Dresden hat Anja Leuner darum den Einfluss von fettreicher Ernährung auf die Gefäßfunktion und die Fettbildung untersucht. Leuner wies nach, dass eine vermehrte Bildung des Rezeptors LOX-1 die Gefäßfunktion verschlechtert. Ein weiteres Ergebnis ihrer Forschung war, dass LOX-1 auch die Bildung von Fettgewebe und daraus freigesetzten Botenstoffen fördert. Ihre Forschungsergebnisse hat die Er-nährungswissenschaftlerin bereits auf dem ersten „Frontiers in Cardiovascular Biology“-Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie in Berlin vorgestellt und wurde da-für mit einem Preis ausgezeichnet.
Anja Leuner hat in München und Jena Ernährungswissenschaften studiert. Ihre Dissertation wird im Doktorandenprogramm „Stoffwechsel und Endothel“ an der Medizinischen Fakultät der TU Dresden gefördert. Ihre Forschungsergebnisse unterstreichen vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion die Bedeutung einer gesunden Ernährung und bieten einen neuen Ansatz zur Behandlung von Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Susanne Witzigmann M.A.

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Der Diabetische Fuß: “Nein” zur großen Amputation


Dresden, 8. November 2010

Eine spezialisierte Behandlung vergrößert die Überlebens-Chance und hilft, große Amputationen zu verhindern. Dresdner Wissenschaftler haben erforscht, dass große Fuß- und Bein-Amputationen zukünftig reduziert und Überlebens-Chance und Lebensqualität von Betroffenen verbessert werden können, wenn die Patienten sich einer strukturierten Betreuung unterziehen. Diese umfasst nach der stationären Behandlung spezielle Kontrolluntersuchungen. Dabei arbeiten Mediziner, Physiotherapeuten, Podologen und Schuhmacher Hand in Hand.

Ursache der meisten Amputationen ist der sogenannte Diabetische Fuß. Bei Menschen mit Diabetes werden 20 Mal mehr Beine amputiert, als bei nicht von Diabetes betroffenen Patienten. Die Gründe für den Diabetischen Fuß sind unterschiedlich. Ein zu hoher Blutzuckerspiegel führt langfristig zu einer Mangelversorgung und damit zu einer Schädigung der peripheren Nerven. Das Schmerzempfinden des Patienten vermindert sich. Er merkt nicht, wenn ihn - im wahrsten Sinne - der Schuh drückt. Kleinere oder größere Verletzungen werden nicht rechtzeitig wahrgenommen oder nicht beachtet. Ein zu hoher Blutzuckerspiegel schädigt außerdem die Gefäße. Arterielle Durchblutungsstörungen - vor allem in den Füßen - sind die Folge. Es kommt zu einem Absterben von Teilen des Fußes. Häufig reagieren die Betroffenen zu spät auf Veränderungen am Fuß. Oftmals ist auch die medizinische Behandlung nicht optimal. In vielen Fällen bleibt am Schluss nur die Amputation des gesamten Fußes, manchmal sogar bis zum Oberschenkel. Die Todesrate in diesem Krankheitsstadium ist hoch.
Die Medizinische Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus ist auf die Behandlung des  „Diabetischen Fußes“ spezialisiert. Oberarzt Dr. Hannes Rietzsch: „Die Sterblichkeit der Patienten nach Bein-Amputationen liegt im ersten Jahr bei bis zu 30 Prozent. Wegen der schweren Grunderkrankung des Diabetes und seinen Folgen verkraften sie den großen Eingriff oft nicht.“ Der Experte für das Diabetische Fußsyndrom sieht in der Uniklinik täglich Betroffene, deren Krankheit oft weit fortgeschritten ist. Rietzsch: „Häufig haben die Patienten offene Stellen an den Füßen, die nicht mehr heilen. Bei manchen sind kleine und große Gewebeteile bereits abgestorben. Nun kommt es auf die richtige Behandlung an. Zu den Meilensteinen gehören die Bekämpfung der Infektion, die Verbesserung der Durchblutung, die Entlastung des Fußes von jeglichem Druck und – häufig unabwendbar – eine sogenannte Minor-Amputation, bei der nach Möglichkeit die Hälfte des Fußes, auf jeden Fall aber die Ferse erhalten bleibt. Das gelingt nur durch eine verlässliche Zusammenarbeit mit einem Operateur. Am Universitätsklinikum übernimmt Oberärztin Dr. Ines Panzner diese Aufgabe.“
Wie große Amputationen zukünftig reduziert und dadurch Überlebens-Chance sowie Lebensqualität von Betroffenen verbessert werden, wurde jüngst erstmals in einer Studie von Prof. Dr. Sebastian M. Schellong, Chefarzt der II. Medizinischen Klinik am Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt, wissenschaftlich untermauert. Aus Anlass des Welt-Diabetes-Tages stellte er die Studien-Ergebnisse vor. 172 Patienten mit Fußulzerationen aus dem Uniklinikum Dresden wurden 12 Monate nach Krankenhausentlassung nachuntersucht. 75 Prozent der Patienten hatten überlebt, ohne eine Beinamputation zu erleiden. Der Behandlungserfolg war signifikant besser, wenn die Patienten so lange im Krankenhaus geblieben waren, bis die Fußwunden ganz abgeheilt waren. Außerdem war der Erfolg zehnmal besser, wenn die Patienten nach dem Krankenhausaufenthalt in die „Ambulanz Diabetischer Fuß“ eingebunden worden waren.
Prof. Schellong: „Diese Studie zeigt, dass sich der große Aufwand in Krankenhaus und Ambulanz direkt in einen messbaren Behandlungsvorteil für das Überleben der Patienten und für die Vermeidung von Beinamputationen umsetzt.“ Voraussetzung dafür sind spezialisierte Teams aus Ärzten, Schwestern, Physiotherapeuten, Podologen und Schuhmachern. „Doch’, so Prof. Schellong, „der Behandlungserfolg hängt natürlich auch entscheidend vom Patienten und seiner Bereitschaft ab, sich einer solchen intensiven und regelmäßigen Behandlung zu unterziehen.“
Dr. Rietzsch: „Durch eine spezialisierte Nachbetreuung der bereits einmal einer Amputation entronnenen Patienten in einer Diabetes-Fußambulanz kann mit hohem Aufwand die jederzeit drohende Amputation eines Beines auf ein Minimum gesenkt werden.“

Susanne Witzigmann M.A.
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Am 12. Oktober ist Welt-Rheumatag

Rheuma – ein Begriff, viele Krankheiten

Dresden, 11. Oktober 2010

Die Sklerodermie gehört zu den seltenen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Sie verändert Blutgefäße und führt zur Vermehrung des Bindegewebes in Haut und inneren Organen. Mit dem Begriff Rheuma verbinden die meisten Menschen Gelenkschmerzen, meist durch Gelenkabnützung. Der Bereich Rheumatologie an der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des Dresdner Universitätsklinikums beschäftigt sich vor allem mit entzündlichen Rheuma-Erkrankungen, die jede Altersgruppe betreffen können. Dazu gehören die verschiedenen Formen von Arthritis.

Es gibt aber auch ganz andere Formen von schweren, entzündlichen Rheuma-Erkrankungen. Der Dresdner Peter Trinkl (49) leidet an einer dieser Krankheiten, der diffusen Form der Sklerodermie oder Systemischen Sklerose. Die Krankheit verändert die Blutgefäße und führt zur Vermehrung des Bindegewebes. Bei Peter Trinkl wurde die Krankheit erstmals spürbar, als Ende 2008 seine Hände anschwollen. Die Finger verfärbten sich auch bei geringer Kälte blau und weiß und wurden dann bei Wärme rot. Seine Haut fühlte sich anders an. Im Mai 2008, also einige Monate zuvor, hatte Peter Trinkl einen Herzinfarkt erlitten. Während der Zusammenhang mit dem Herzinfarkt nicht erwiesen ist, sind die anderen Symptome typisch für die Rheuma-Erkrankung. Sklerodermie heißt übersetzt „harte Haut“. Zunächst betrifft die Hautveränderung meist Hände und Gesicht. Die Haut wird dicker, es entsteht eine gespannte Hautoberfläche. Dadurch wird die Beweglichkeit immer stärker eingeschränkt. Das Gesicht wird kleiner, der Mund kann nicht mehr ganz geöffnet werden. Doch die Krankheit vermehrt nicht nur in der Haut das kollagene Bindegewebe, sondern auch in inneren Organen. Zusätzlich werden Gefäßwandzellen geschädigt. Die Blutgefäße krampfen bei niedriger Temperatur. So entsteht das sogenannte Raynaud-Phänomen mit der charakteristischen Farbabfolge der Finger.

Bei den meisten Patienten bleibt die Sklerodermie unter Kontrolle. Bei Peter Trinkl nahm sie aber einen sehr schweren Verlauf. Die Haut war am gesamten Körper verdickt, die Erkrankung hatte sich auch auf die Lunge ausgeweitet. Um die Lungenbeteiligung zu stoppen, erhielt Trinkl seit Anfang 2009 Infusionen mit einem Chemotherapie-Medikament. Doch die Sklerodermie schritt fort. Peter Trinkl litt schließlich schon bei geringster Belastung unter Atemnot.

Arbeiten kann der 49-Jährige nicht mehr. Die Baufirma, die sein Großvater 1925 gegründet und die Peter Trinkl in dritter Generation geführt hatte, musste der Unternehmer schweren Herzens vorübergehend als Gewerbe abmelden. „Bis mein Neffe alt genug ist, den Betrieb zu übernehmen“, so Trinkl. Auch das Tennisspielen und der Motorsport, für den Peter Trinkl bis nach Schweden, Holland und in die Schweiz gereist ist, gehören der Vergangenheit an. Sein Bewegungsradius ist heute auf 50 Schritte eingeschränkt. „Das erhält eine gewisse Selbstständigkeit im täglichen Leben zu Hause“, meint der Patient sachlich.

Im Frühjahr 2010 ging es Peter Trinkl sehr schlecht. Die Chemotherapie schien nicht richtig anzusprechen. „Bei meinem Krankheitsbild wird ganz deutlich über den Tod gesprochen. Damit muss man sich beschäftigen“ sagt er heute realistisch. Eigentlich gab es keine etablierte Therapiemöglichkeit mehr. Gemeinsam mit seinem Rheumatologen, Prof. Dr. Martin Aringer, entschloss sich Peter Trinkl daher zu einer ungewöhnlichen Behandlung. Prof. Aringer: „Die Sklerodermie gehört zu den wenigen Rheuma-Erkrankungen, für die die Behandlung noch immer unbefriedigend ist. Auch bei dieser Krankheit werden Antikörper - vergleichbar einer Impfreaktion - gegen körpereigene Gewebe gebildet. Wir glauben, dass solche Antikörper verantwortlich sind für die Erkrankung und versuchen, sie aus dem Körper auszuwaschen.“

Das Auswaschen geschieht durch die Immunadsorption, einem technisch aufwändigen Verfahren. Wie bei einer Dialyse wird dabei die Blutflüssigkeit von Giftstoffen und Antikörpern gereinigt. Zweimal pro Woche muss Peter Trinkl nun für mehrere Stunden zur Behandlung. Die Therapie verträgt er gut. „Nur bei 20 Prozent der Behandlungen macht mein Kreislauf Probleme“, so der Patient. Schon seit Beginn der Therapie fühlt er sich wieder besser. Mit der ihm üblichen Disziplin trägt Peter Trinkl auch selbst viel dazu bei. So verzichtet er - trotz starker Schmerzen - auf Schmerzmittel, die sein krankes Herz zusätzlich schwächen könnten.

Auch die Befunde wurden eindeutig besser. „Die Computer-Tomographie der Lungen zeigt praktisch keine Entzündung mehr“, freut sich Prof. Aringer mit seinem Patienten. „Allerdings haben wir es nicht geschafft, die ausgeprägte Verhärtung der Haut zu beeinflussen.“ Die ermutigenden Erfahrungen bei Peter Trinkl sollen – so die Hoffnung - auch anderen Sklerodermie-Patienten zu Gute kommen. Aringer: „Wir bereiten gerade eine offene klinische Prüfung hier an der Medizinischen Klinik III vor.“ Sollte diese erfolgreich verlaufen, könnte das ein Schritt zu verbesserten Therapiemöglichkeiten für Menschen mit einer schweren Sklerodermie-Erkrankung sein.

Susanne Witzigmann M.A.

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New centre targets epidemic battles

Canberra, 1. November 2010

The John Curtin School of Medical Research will be home to the Australian part of the new centre. The early identification of ‘bio-markers’ to aid in the fight against diabetes, depression and other epidemic diseases will be the focus of a new Australian-German centre launched today at The Australian National University.

The Australian-German Institute for Translational Medicine (GAITM) is a joint project between the John Curtin School of Medical Research (JCSMR) at ANU and the Technische Universität Dresden. It will be run by JCSMR Director Professor Julio Licinio and Professor Stefan R Bornstein of the Department of Medicine at the Dresden University Hospital.
It will work to develop a research and knowledge exchange program between the two countries with the aim of preventing epidemic diseases such as diabetes, depression, high blood pressure and dementia.
“This is a very exciting development in the newly-emerging field of translational medicine,” said Professor Licinio.
“The research the Institute undertakes will work towards new treatment methods using translational medicine. Translational medicine aims to quickly translate new developments in science to the patient by combining research findings from the laboratory and traditional clinical research leading to a quicker development of new diagnostic procedures, drugs or therapies.
“We’re delighted to partner with the Technische Universität Dresden in this important endeavour. Both universities are pioneering the academic roll out of translational medicine, and both bring vast amounts of experience and expertise to the Institute,” he added.
GAITM is financed by the International Office of the German Federal Ministry of Research and Technology and the Institute will have offices at both universities. Its first work will look at diseases which are commonplace in both the Asia-Pacific region and Europe.
“The focus of GAITM will be on the analysis of bio-markers such as blood fats, enabling the prediction of diseases such as hypertension, diabetes or depression, and the diagnosis of these at a very early stage,” said Professor Licinio.
“The first studies will be carried out in 2011 and involve patients in Europe and Asia-Pacific. The Institute will then gather those research results and compile a common database, which will prove invaluable in the fight against many commonplace diseases.”
Filed under: Media Release, ANU College of Medicine Biology and Environment, Education, Health, Science, Staff

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Neue Ursache für Herzschwäche entdeckt


Dresden, 20. Oktober 2010

An der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus stießen Forscher auf ein Hormon, das verantwortlich für Herzerkrankungen sein kann. Dieses Hormon wird von Fettzellen produziert. Menschen mit Übergewicht haben einen erhöhten Anteil des krankmachenden Hormons.

Atemnot beim Gehen und Treppensteigen, Wasser in den Beinen, zunehmender Leistungsabfall und häufige Müdigkeit gehören zu den typischen Symptomen einer Herzschwäche – in der Fachsprache Herzinsuffizienz genannt. Entwickelt sich eine Herzschwäche über Monate und Jahre, sprechen Mediziner von einer chronischen Herzinsuffizienz. Das Herz kann nicht mehr genügend Blut durch den Körper pumpen.  Der Körper versucht dies auszugleichen, ein schnellerer Herzschlag oder eine Verdickung des Herzmuskels gehören zu den Folgesymptomen. Weltweit gehört die Herzschwäche zu den häufigsten  Erkrankungen, die je nach Schweregrad auch zum Tod führt. Zu den Ursachen der Herzschwäche wurden bislang ein unzureichend behandelter Bluthochdruck oder eine Verengung der Herzkranzgefäße – die sogenannte koronare Herzkrankheit - gezählt. Auch Fettleibigkeit und Übergewicht gelten als mögliche Ursache für Herzschwäche. In diesem Fall ist eine Gewichtsabnahme die erste Maßnahme. Leider ist eine ausreichende Gewichtsabnahme oft jedoch nicht möglich oder sie führt nicht immer zum Rückgang der Herzschwäche.
Forscher der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden haben zusammen mit dem renommierten Max-Delbrück-Centrum für molekulare Medizin in Berlin ein spezielles Hormon als neue Ursache für Herzinsuffizienz entdeckt, das von Fettzellen produziert wird. Dazu Dr. Valeria Lamounier-Zepter: „Fettleibige haben ein erhöhtes Risiko für eine Herzschwäche. Darum haben wir untersucht, ob das Fettgewebe die Herzfunktion direkt beeinflusst“. Und die Medizinerin, die zum Team von Klinikdirektor Prof. Dr. Stefan Bornstein gehört, ist fündig geworden. Lamounier-Zepter: „Das Fettgewebe funktioniert wie eine Drüse, es produziert Hormone. Diese werden ins Blut abgegeben und gelangen von dort zum Herzmuskel.“ Die Dresdener Forschergruppe konnte dabei ein Hormon identifizieren, dem vermutlich eine Schlüsselfunktion bei der Schädigung des Herzens zukommt. Es ist das Adipozytäre Fettsäure-bindende Protein (adipocyte fatty acid binding protein) mit Namen FABP4. „FABP4 bindet an die Oberflächenrezeptoren der Herzmuskelzellen und schädigt direkt die Herzmuskelfunktion, indem es den intrazellulären Kalziumspiegel senkt“, so die Medizinerin. Es war bereits bekannt, dass Menschen mit Übergewicht einen deutlich höheren Spiegel an FABP4 im Blut haben, als Menschen mit Normalgewicht. Jetzt konnten die Dresdener die direkte Auswirkung von FABP4 auf das Herz nachweisen.
Die Forscher wollen nun einen Hemmer entwickeln, der FABP4 daran hindert, sich an Herzmuskelzellen zu binden. Damit wäre es möglich, eine neue Therapie zu entwickeln, die die Ursache der Herzschwäche bei Übergewicht direkt bekämpft.

Susanne Witzigmann M.A.

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Dresdner Wissenschaftler wird für Verdienste in Diabetes-Forschung ausgezeichnet


15. Oktober 2010

Prof. Dr. Mathias D. Brendel ist zum Ehrenmitglied auf Lebenszeit im Aufsichtsrat einer Studiengruppe zur Erforschung der Inselzelltransplantation der europäischen Diabetesgesellschaft ernannt worden.

Die Studiengruppe „Artificial Insulin Delivery, Pancreas and Islet Transplantation“ (AIDPIT) wurde 1981 gegründet und gehört zu den traditionsreichsten Arbeitsgruppen der europäischen Diabetesgesellschaft (EASD – European Association for the Study of Diabetes). AIDPIT beschäftigt sich mit der Erforschung der Stoffwechselstörung Diabetes. Forschungsziel ist eine kontinuierliche Verbesserung der Diabetes-Therapie mit den Schwerpunkten Inselzell-/Pankreastransplantation und „künstliche Bauchspeicheldrüse“, damit an der Stoffwechselstörung Erkrankte zukünftig mit einer individuell auf sie zugeschnittenen, optimalen Therapie ein möglichst normales Leben führen können.
Der Dresdner Diabetes-Forscher Prof. Dr. med. Mathias D. Brendel von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III wurde jetzt zum Ehren-Mitglied auf Lebenszeit ernannt. Diese Auszeichnung erhielt Brendel in Anerkennung seiner langjährigen Arbeit im Vorstand der Studiengruppe AIDPIT, beispielsweise als Schatzmeister, Vize-Präsident und Präsident. Prof. Brendel: „Der Austausch von Forschungsergebnissen stehen im Zentrum der Arbeit von AIDPIT. Auf unserem jährlich stattfindenden Workshop treffen sich über mehrere Tage Wissenschaftler aus Europa und Übersee, um miteinander aktuelle Forschungsthemen zu diskutieren. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auch auf der Förderung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.“
Zu den Forschungsthemen von AIDPIT gehört die Transplantation von Insulin-produzierenden Zellen, den sogenannten Inselzellen, für Typ-1-Diabetiker. Dabei werden aus einem Spenderorgan - der Bauchspeicheldrüse - die Inselzellen herausgelöst, im Labor gereinigt, aufbereitet und anschließend dem Patienten in die Leber geschwemmt. Dafür ist nur ein kleiner Schnitt notwendig. Die Inselzellen siedeln sich in der Leber an und nehmen nach kurzer Zeit die Insulin-Produktion auf. Das Dresdner Universitätsklinikum ist in Deutschland das zurzeit einzige aktive Zentrum, das diese Therapie anbietet.

Susanne Witzigmann M.A.
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Der Diabetische Fuß: „Nein“ zur Amputation

13. Oktober 2010


Dresdner Wissenschaftler haben erforscht, wie große Fuß- und Bein-Amputationen zukünftig reduziert und Überlebenschance und Lebensqualität von Betroffenen verbessert werden können. Am Montag, den 08. November, stellen sie die Forschungs-Ergebnisse während einer Pressekonferenz im Uniklinikum Dresden vor.

Dresden. Ursache der meisten Amputationen ist der sogenannte Diabetische Fuß. Dieser ist eine häufige Folgekrankheit der Stoffwechselstörung Diabetes. Die Gründe für den Diabetischen Fuß sind unterschiedlich. Ein zu hoher Blutzuckerspiegel führt langfristig zu einer Mangelversorgung und damit zu einer Schädigung der peripheren Nerven. Das Schmerzempfinden des Patienten vermindert sich. Er merkt nicht, wenn ihn - im wahrsten Sinne - der Schuh drückt. Kleinere oder größere Verletzungen werden nicht rechtzeitig wahrgenommen oder nicht beachtet. Ein zu hoher Blutzuckerspiegel schädigt außerdem die Gefäße. Arterielle Durchblutungsstörungen - vor allem in den Füßen - sind die Folge. Es kommt zu einem Absterben ganzer Gewebebereiche. Häufig reagieren die Betroffenen zu spät auf Veränderungen am Fuß. Oftmals ist auch die medizinische Behandlung nicht optimal. In vielen Fällen bleibt am Schluss nur die Amputation des gesamten Fußes, manchmal sogar bis zum Oberschenkel. Die Todesrate in diesem Krankheitsstadium ist hoch.
Die Medizinische Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus ist auf die Behandlung des  „Diabetischen Fußes“ spezialisiert. Oberarzt Dr. Hannes Rietzsch: „Die Sterblichkeit der Patienten nach Bein-Amputationen liegt im ersten Jahr bei bis zu 30 Prozent. Wegen der schweren Grunderkrankung des Diabetes und seinen Folgen verkraften sie den großen Eingriff oft nicht.“ Der Experte für das Diabetische Fußsyndrom sieht in der Uniklinik täglich Betroffene, deren Krankheit oft weit fortgeschritten ist. Rietzsch: „Häufig haben die Patienten offene Stellen an den Füßen, die nicht mehr heilen. Bei manchen sind kleine und große Gewebeteile bereits abgestorben. Nun kommt es auf die richtige Behandlung an. Zu den Meilensteinen gehören die Bekämpfung der Infektion, die Verbesserung der Durchblutung, die Entlastung des Fußes von jeglichem Druck und – häufig unabwendbar – eine sogenannte Minor-Amputation, bei der nach Möglichkeit die Hälfte des Fußes, auf jeden Fall aber die Ferse erhalten bleibt.“
Wie große Amputationen zukünftig reduziert und dadurch auch die Überlebens-Chance sowie die Lebensqualität von Betroffenen verbessert werden, wurde jetzt erstmals in einer Studie wissenschaftlich untermauert. Prof. Dr. Sebastian M. Schellong, Chefarzt der II. Medizinischen Klinik am Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt, stellt die Studien-Ergebnisse aus Anlass des Welt-Diabetes-Tages während einer Pressekonferenz am Montag, den 08. November, im Uniklinikum Dresden vor.

Susanne Witzigmann M.A.

Einladung zur
Pressekonferenz
Die Medizinische Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden lädt die Damen und Herren von den Medien im Rahmen des Welt-Diabetes-Tages 2010 herzlich zur Pressekonferenz ein mit dem Thema

„Der Diabetische Fuß: ‚Nein’ zur Amputation“

Montag, den 08. November 2010
11:00 Uhr – 12:00 Uhr
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Haus 46, Konferenzraum im 2. OG (direkt gegenüber dem Aufzug)
Fetscherstraße 74
01307 Dresden

Auf der Tagesordnung stehen folgende Themen:
- Der „Diabetische Fuß“ – Ursachen, Prophylaxe, multidisziplinäre Behandlungststrategie
- Präsentation der Dresdner Studie zur Behandlung des „Diabetischen Fußes“
- Vorstellen einer Patientin mit der Möglichkeit, Fragen zu stellen


Ihre Gesprächspartner sind (in alphabetischer Reihenfolge):

Oberarzt Dr. Hannes Rietzsch
Medizinische Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus

Prof. Dr. Sebastian M. Schellong
Chefarzt der II. Medizinischen Klinik am Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt
Akademisches Lehrkrankenhaus der TU Dresden

Frau Carola Schulz
Patientin

Prof. Dr. Norbert Weiss
Direktor des UniversitätsGefäßCentrums
der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus

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Dresdner Gefäßforscher erhält Auszeichnung

12. Oktober 2010

Dr. Roman Rodionov vom Universitäts GefäßCentrum (UGC) und dem Bereich Angiologie der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, wurde mit dem Schwarz-Monheim-Preis 2010 ausgezeichnet. Sein Forschungsprojekt untersucht molekulare und zelluläre Mechanismen der Entstehung von Gefäßerkrankungen.

Einmal pro Jahr vergibt die Deutsche Gesellschaft für Angiologie den Schwarz-Monheim-Preis für Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der klinischen und experimentellen Erforschnung von Gefäßerkrankheiten. In diesem Jahr überzeugte der Wissenschaftler Dr. Roman Rodionov der Dresdner Uniklinik die Jury mit seiner Arbeit über die Rolle von asymmetrischen Dimethylarginin  (ADMA) bei Gefäßerkrankungen. ADMA ist ein Abbauprodukt von Eiweißen und hemmt in der Gefäßwand die Bildung von Stickstoffmonooxid, wodurch dieser Gefäß-schützende Botenstoff vermindert verfügbar ist. Höhere Konzentrationen von ADMA stehen im Zusammenhang mit Gefäßerkrankungen. In Versuchen mit genetisch veränderten Mäusen belegte Rodionov, der seit 2009 am Dresdner UGC forscht, dass das ADMA-abbauende Enzym Dimethylarginin-Dimethylaminohydrolase (DDAH) Gefäßmuskelzellen in der Gefäßwand vor dem schädlichen Einfluss von Homocystein schützt. Homocystein ist eine natürlich vorkommende Aminosäure, die bei erhöhten Werten eine Schädigung der Blutgefäße zur Folge hat. Eine Steigerung der Aktivität des Enzyms DDAH könnte daher zukünftig ein therapeutischer Ansatz bei kardiovaskulären Erkrankungen - Herzkrankheiten, Schlaganfall und anderen Gefäßerkrankungen - sein. Der Titel von Dr. Rodionovs Arbeit lautet: „Overexpression of Dimethylagine Dimethylaminohydrolase Protects Against Cerebral Vascular Effects of Hyperhomocysteinemia“. Der Schwarz-Monheim-Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.

Susanne Witzigmann M.A.
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Uniklinik Dresden gründet Forschungsinstitut in Australien

Dresden, 20. September 2010

Prof. Dr. Stefan R. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III, startet mit seinem australischen Kollegen Prof. Dr. Julio Licinio einen Wissens- und Forschungsaustausch zur Prävention und Regeneration epidemischer Krankheiten wie Diabetes, Depression, Bluthochdruck oder Demenz.

Unter dem Namen GAITM gründeten Wissenschaftler aus Dresden und Canberra  jetzt ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung – BMBF - gefördertes deutsch-australisches Institut für Translationale Medizin. Ein Forschungsschwerpunkt liegt in der Analyse bestimmter Muster in Biomarkern wie Blutfetten. Diese ermöglichen eine Vorhersage von Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes oder Depression sowie die Diagnose dieser Krankheiten in einem sehr frühen Stadium. 2011 starten bereits erste Studien mit Patienten im europäischen und asiatisch-pazifischen Raum.
Dresden/Canberra. Volkskrankheiten wie Diabetes, Übergewicht, Bluthochdruck, Demenz und Depression nehmen epidemisch zu. In Europa und in vielen anderen Regionen der Erde. Mediziner und Naturwissenschaftler stehen weltweit vor der Aufgabe, dem bedrohlichen Anstieg dieser Krankheiten durch Strategien zur Prävention und durch neue Therapien zu begegnen. Die Medizinische Klinik und Poliklinik III des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus ist ein Kompetenz-Zentrum für Prävention und Regeneration von Krankheiten wie Diabetes. Die Dresdner erforschen neue Behandlungsmethoden mittels translationaler Medizin. Diese gilt als „Brückenschlag vom Labor zum Krankenbett“ und vereint alle Maßnahmen, die helfen, im Labor gewonnenes Wissen schneller als in der traditionellen klinischen Forschung in die ärztliche Praxis zu übertragen und damit auch schneller zu neuen Diagnosemethoden, Medikamenten oder Therapien zu führen.
Klinikdirektor Prof. Dr. Stefan R. Bornstein: „Um der epidemischen Ausbreitung von Diabetes, Demenz oder Depression entgegenzusteuern, ist die internationale Vernetzung translationaler Forschung ein entscheidendes Instrument.“ Gefördert vom BMBF und gemeinsam mit seinem australischen Kollegen Prof. Dr. Julio Licinio von der John Curtin School of Medical Research an der Australian National University hat der Dresdner Wissenschaftler jetzt das Deutsch-Australische Institut für Translationale Forschung, kurz GAITM, gegründet. Ein wichtiges Ziel von GAITM ist die schnellere Umsetzung neuer Strategien zur frühzeitigen Krankheitserkennung im europäischen und asiatisch-pazifischen Raum. Im australischen Forschungszentrum sieht Bornstein dafür einen idealen Kooperationspartner. „Die John Curtin School of Medical Research legt einen Schwerpunkt auf individualisierte pharmakogenomische Medizin – die Untersuchung des Einflusses von Erbanlagen auf die Wirkung von Arzneimitteln - sowie auf prädiktive Medizin, die sich mit der Vorhersage der Krankheitsgeschichte eines Menschen beschäftigt. Damit ergänzen sich die wissenschaftlichen Ausrichtungen in Canberra und Dresden in idealer Weise für eine zukunftsgerichtete Umsetzung von Forschung in der präventiven Diagnostik.“
Ein wichtiger Bereich translationaler Forschung ist die Beschäftigung mit Biomarkern. So lassen sich an manchen Biomarkern Vorbestimmungen (Prädispositionen) späterer Erkrankungen oder ein sehr frühes Stadium bereits ausgebrochener Krankheiten erkennen. Die deutsch-australischen Forschungsprojekte werden sich dabei vor allem auf die Analyse von Blutfetten konzentrieren. Prof. Bornstein: „Wiederkehrende Muster in Blutfetten können auf zukünftige Erkrankungen hinweisen.“ Eine spezielle Analysetechnik, die sogenannte MS-Analyse, macht ein sicheres Auffinden spezieller Muster aus dem Blut möglich. So fanden Dresdner Forscher erst vor kurzem heraus, dass Bluthochdruckpatienten häufig einen Mangel an bestimmten Ether-Lipiden aufweisen. Im deutsch-australischen Institut GAITM werden nun solche und weitere Forschungsergebnisse in einer gemeinsamen Datenbank zusammengetragen. Bereits 2011 sollen dann umfangreiche Studien mit Patienten im europäischen sowie asiatisch-pazifischen Raum starten.

Susanne Witzigmann M.A.
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Schlechte Nierenfunktion - wie weiter?

Dresden, 20. September 2010

Am Sonntag, dem 14. Oktober, steht im Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Haus 19, von 9 Uhr bis 14 Uhr das Entgiftungsorgan Niere im Focus eines Tags der offenen Tür sowie des 8. Dresdner Patientenseminars „Schlechte Nierenfunktion – wie weiter?“.

Erstmals lädt das Team der nephrologischen Abteilung der Medizinischen Klinik und Poliklinik III in die neuen Klinikräume im Haus 19 ein. Besucher können dabei kostenlos ihren Blutdruck messen und ihren Urin testen lassen. Eingeladen sind Ärztinnen und Ärzte, interessierte Bürgerinnen und Bürger  sowie Menschen mit bestehenden Nierenkrankheiten oder einem erhöhten Risiko dafür. Zum Themenspektrum des Patientenforums zählen Erhalt der Nierenfunktion und die verschiedenen Nierenersatzverfahren wie die Hämodialyse‚ die Bauchfelldialyse und die Nierentransplantation. Zum Patientenseminar wird eine Anmeldung erbeten unter Telefon: 0351/458-4233 oder per Fax unter: 0351/ 458-5333.
Die Nieren erfüllen viele wichtige Aufgaben im menschlichen Körper. Eine der wichtigsten ist ihre Filterfunktion. Denn mit dem Urin scheiden die Nieren Stoffwechselendprodukte und Gifte aus. Für den Körper Wertvolles wie Eiweiß wird dabei abgetrennt und erneut dem Stoffwechsel zugeführt. „Eine dauerhaft erhöhte Eiweißausscheidung kann darum ein wichtiges Signal für eine Nierenschädigung sein“, so  Prof. Dr. Christian Hugo, Leiter des Bereichs Nephrologie an der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des Uniklinikums Dresden. „Auch viele kleine Nierenschädigungen durch zu wenig Trinken oder bestimmte Schmerzmittel führen langfristig zu einer Vernarbung des Nierengewebes und im schlimmsten Fall zu einem fortschreitenden Nierenversagen mit Dialysepflichtigkeit.“
Die Nieren und ihre Krankheiten stehen am Sonntag, dem 14. Oktober, im Focus eines Tags der offenen Tür am Uniklinikum Dresden. Von 9 Uhr bis 14 Uhr stellen sich Prof. Hugo sowie sein gesamtes Team aus Ärzten und Schwestern den Fragen der Besucher. Erstmals können die Gäste dabei die neuen Räume des KfH-Dialysebereichs, der Nierenambulanz sowie die auf 22 Betten erweiterte nephrologische Station besuchen. Zu der Veranstaltung eingeladen sind alle interessierten Ärztinnen und Ärzte, aber auch Bürgerinnen und Bürger. Wer möchte, kann seinen Blutdruck messen und seinen Urin testen lassen.
Prof. Dr. Stefan R. Bornstein, Direktor der Medizinischen und Poliklinik III, weist daraufhin, dass Menschen, die an einer Vorerkrankung wie Diabetes oder Bluthochdruck leiden, ein deutlich erhöhtes Risiko haben, eine Nierenschädigung zu erleiden. Prof. Hugo: „Bei einem Drittel der Dialyse-Patienten verursachte der Diabetes die Nierenkrankheit. Hinsichtlich des Blutdruckes sind die Nieren gleichzeitig ‚Täter und Opfer‘. Der Blutdruck setzt die Nieren sozusagen ‚unter Druck‘ und schädigt so das Nierengewebe, die geschädigten Nieren wiederum fördern den Bluthochdruck durch vermehrte Bildung von bestimmten Botenstoffen. So entsteht einen Teufelskreis, der die Nieren schnell und fast immer unbemerkt zerstören kann.“
Der Tag der offenen Tür ist verknüpft mit dem 8. Dresdner Patientenseminar zum Thema ‚Schlechte Nierenfunktion – wie weiter?‘. Hier geht es – auch im Gespräch mit betroffenen Patienten - um die Themen Nierentransplantation und Lebendspende, um Nierenersatztherapien wie die Hämo- und Bauchfelldialyse, aber auch um die Frage, wie die Nierenfunktion besser erhalten bleibt. Prof. Hugo: „Wir möchten einerseits das Wissen vermitteln, was man selbst für einen möglichst langen Erhalt der Nierenfunktion tun kann. Zum anderen möchten wir bei den vielen nierenkranken Patienten die Angst vor der Dialyse mildern und zeigen, dass ein Leben mit akzeptabler Lebensqualität auch unter einer Nierenersatztherapie möglich ist.“

Susanne Witzigmann M.A.

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Regenerative Medizin als Chance zur Heilung

19. September 2010

Um „Therapeutische Strategien in der Regenerativen Medizin“ ging es beim Paul-Martini-Workshop in Berlin. Die wissenschaftliche Leitung hatten Prof. Dr. Stefan R. Bornstein, Direktor der medizinischen KLnik und Poliklinik III, sowie Prof. Dr. Peter C. Scriba, Aufsichtsratsvorsitzender des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus.

Dresden/Berlin. Rund 70 Mediziner und Naturwissenschaftler aus Deutschland, Italien und den USA trafen sich im September in der Berliner Akademie der Wissenschaften, um Forschungsprojekte und neue Therapien der Regenerativen Medizin zu präsentieren und interdisziplinär zu diskutieren. Veranstaltet hatte den Experten-Dialog die Paul-Martini-Stiftung. Mit dem Workshop bot diese das Forum für einen wissenschaftlichen Dialog zwischen medizinischen Wissenschaftlern und der forschenden Pharma-Industrie. Prof. Dr. Stefan R. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III (MK III), war gemeinsam mit Prof. Dr. Peter C. Scriba, Aufsichtsratsvorsitzender des Dresdner Uniklinikums, für das wissenschaftliche Programm verantwortlich. Prof. Dr. Michael Brand, Direktor des Zentrums für Regenerative Therapien Dresden (CRTD) sowie des Biotechnologischen Zentrums (BIOTEC) startete die Diskussion mit einem Vortrag über die wissenschaftlichen Grundlagen zu Chancen und Risiken der Regenerativen Medizin.
Die Regenerative Medizin erforscht einerseits, wie körpereigene Reparaturprozesse - auf zellulärer oder molekularer Ebene - angeregt werden können. Andererseits beschäftigt sie sich mit der Züchtung neuen Gewebes - dem sogenannten Tissue Engineering -, das die Funktion geschädigter Organe ersetzen soll. Beim Tissue Engineering steht die Erforschung von Stammzellen im Fordergrund. Eine wichtige Aufgabe der Stammzellen ist, alte und kranke Zellen zu erneuern, im gesamten Organismus. Dies geschieht, indem die Stammzellen selbst - darum auch Vorgängerzellen genannt - die jeweilige Funktion der ausgefallenen Zellen übernehmen. Man unterscheidet embryonale und erwachsene - adulte - Stammzellen. Embryonale Stammzellen entstehen nach der Befruchtung einer Eizelle und können nur aus Embryonen gewonnen werden. Das ist in Europa gesetzlich verboten. Adulte Stammzellen hingegen befinden sich lebenslang im Körper des Menschen und werden bisher aus Knochenmark, Eigenblut und Nabelschnur gewonnen. In der regenerativen Medizin werden isolierte Zellen je nach ihrer zukünftigen Aufgabe biologisch programmiert und in den Körper des Erkrankten gegeben. Was einfach klingt, ist jedoch ein komplizierter Prozess, bei dem es noch viele Hürden zu überwinden gilt, damit die Methode bei möglichst vielen Krankheiten helfen kann.
In seinem Vortrag präsentierte Prof. Bornstein Dresdner Forschungsprojekte zur Gewinnung von Stammzellen aus Fettgewebe. Außerdem stellte er die Forschungsarbeit zur Qualitätssicherung und -verbesserung von Insulin-produzierenden Zellen bei Inselzelltransplantationen vor. Diese werden seit 2008 an der Dresdner MK III erfolgreich durchgeführt.
Neue Therapieansätze könnte auch das Ergebnis eines weiteren Forschungsprojekts der MK III bieten: So gelang es bereits 2009 der Nebennierenexpertin Dr. Monika Erhart-Bornstein und ihrem Team erstmals im Tiermodell Stammzellen aus dem Nebennierenmark zu isolieren. Ein Erfolg, der viel Potenzial birgt. Denn die Stammzellen aus dem Nebennierenmark könnten sich wegen ihrer biologischen Eigenschaften zur Behandlung von Nervenerkrankungen eignen.
Die Diskussion zeigte, dass Stammzellforschung für viele Erkrankungen neue Therapiewege öffnen kann. Professorin Dr. Stefanie Dimmeler von der Uniklinik Frankfurt präsentierte „Zelluläre und medikamentöse Strategien zur Gewebeprotektion bei Herzerkrankungen“, Prof. Dr. Guido Nikkah von der Universität Freiburg stellte den „Zellersatz bei Morbus Parkinson und Chorea Huntington“ vor und Prof. Dr. Martin Bornhäuser vom Uniklinikum Dresden hielt eine Vortrag zu „Mesenchymale Stammzellen als immunmodulatorisches Therapeutikum“. Aus Sicht der Industrie informierte Prof. Dr. Winand Lange von Amgen über „Regenerative Therapien bei Knochenerkrankungen...“.

Susanne Witzigmann M.A.

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Bench and Bedside Nephrology

9. September 2010

Die Abteilung für Nephrologie der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus lädt vom 30. September bis zum 2. Oktober zu einem tschechisch-deutsch-polnischen Nephrologie-Symposium ein.

Vom 30. September bis zum 02. Oktober findet am Dresdner Universitätsklinikum das diesjährige trilaterale deutsch-tschechisch-polnische Symposium für Nephrologie  statt. Wissenschaftler aus Deutschland, Tschechien und Polen diskutieren dann über neueste Forschungsergebnisse im Bereich der Nierenerkrankungen. Die Nephrologie ist ein Zweig der Inneren Medizin, der sich mit Störungen der Nierenfunktion beschäftigt. Zu den Aufgaben der Nephrologie gehören beispielsweise die Prävention, Diagnosestellung und Therapie von Nierenerkrankungen sowie die Behandlung der ausgefallenen Nierenfunktion (Nierenversagen) durch Dialyse und Nierentransplantation.
Während des Nephrologie-Symposiums wird auch Prof. Dr. Triantafyllos Chavakis, Medizinische Klinik und Poliklinik III, einen Vortrag zur Regulation von Entzündungsprozessen am Endothel (Zellen der innersten Wandschicht in Lymph- und Blutgefäßen) halten. Beim „Young Investigator Forum“ am 01. Oktober stellen junge Teilnehmer aktuelle Projekte ihrer Forschungsarbeit vor. Zur Eröffnung dieses Forums spricht Prof. Dr. Elly Tanaka vom Dresdner Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik über Möglichkeiten zur Regeneration von Organen.
Der Schwerpunkt des Symposiums liegt auf der Verknüpfung experimenteller Erkenntnisse mit der Therapie im Bereich glomerulärer Erkrankungen (spezielle Entzündungserkrankungen in der Niere), der Nierenersatztherapie, der Transplantation, der Hypertensiologie (hier: Nierenerkrankungen im Zusammenhang mit Bluthochdruck) sowie entzündlicher Systemerkrankungen. Für die wissenschaftliche Leitung sowie die Organisation des Symposiums „Bench and Beside Nephrology“ zeichnet die Abteilung für Nephrologie der Medizinischen Klinik und Poliklinik III unter Leitung von Prof. Dr. Christian Hugo verantwortlich. Die Veranstaltung findet im Medizinisch-Theoretischen Zentrum, MTZ, Hörsaal 1, statt. Gäste sind herzlich willkommen.

Susanne Witzigmann M.A.

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International bekannter Wissenschaftler aus den USA verstärkt das Forscherteam der Uniklinik

Mit Prof. Dr. Triantafyllos Chavakis hat die Medizinische Klinik und Poliklinik III den dritten Stiftungsprofessor.‚Regulation der Leukozyten-Endothel-Interaktionen bei der Entzündung’ heißt der Forschungsschwerpunkt des mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Wissenschaftlers Prof. Dr. Triantafyllos Chavakis. Der 36-Jährige, der zuvor am National Institute of Health in den USA gearbeitet hat, erforscht nun in der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des Dresdner Uniklinikums die Wechselwirkung von Blut- und Gefäßzellen im Zusammenhang mit metabolischen Störungen sowie der Retina, der Netzhaut im menschlichen Auge. Gerade wird sein Labor eingerichtet. Zum Start der Laborprojekte im Juli ist auch das Forscherteam von Prof. Chavakis komplett.

Endothel heißen die Zellen der innersten Wandschicht in Lymph- und Blutgefäßen. Mehr als 10.000 Milliarden Endothelzellen gibt es im menschlichen Körper. Das Endothel ist an zahlreichen physiologischen und pathologischen Prozessen beteiligt. Als Barriere reguliert es den Stoffaustausch zwischen Gewebe und Blut, es trägt zur Regulierung des Blutdrucks bei und beeinflusst die Fließfähigkeit des Blutes, indem es Gerinnungsprozesse hemmt oder aktiviert. Eine wichtige Rolle spielt das Endothel vor allem bei Entzündungsvorgängen. Auf diesen Bereich ist die Forschungsarbeit von Prof. Dr. Triantafyllos Chavakis konzentriert. Der 36jährige, international bekannte Wissenschaftler hat bis vor Kurzem am National Institute of Health (NIH) in Bethesda - einem der führenden amerikanischen Forschungsinstitute – gearbeitet. Nun nahm er einen Ruf an die Medizinische Klinik und Poliklinik III (MK III) unter Leitung von Prof. Dr. Stefan R. Bornstein an. Für den Klinikdirektor bedeutet die Verstärkung seines Teams durch den „hochkarätigen Wissenschaftler“ eine wichtige Erweiterung des Forschungsspektrums der MK III. „Außerdem leistet Prof. Chavakis  durch seine internationalen Kontakte einen großen Beitrag zur Verstärkung des Forschungsnetzwerks der Dresdner Uniklinik“, so Prof. Bornstein.
Im Zentrum der Forschung von Triantafyllos Chavakis steht die Wechselwirkung zwischen den weißen Blutkörperchen, den sogenannten Leukozyten, und dem Endothel im Rahmen von metabolischen Störungen. Der mit zahlreichen Forscherpreisen – wie der Otto-Hahn-Medaille der Max-Planck-Gesellschaft -  ausgezeichnete Wissenschaftler ist dabei der Bedeutung von Entzündungsprozessen im Gefäßsystem für Adipositas (Fettleibigkeit), Diabetes und Niere auf der Spur. Die Voraussetzungen für den Forschungsstart sind bereits geschaffen, Prof. Chavakis: „Seit Anfang Mai arbeiten zwei Mitarbeiter in einem Teil des Labors.“ Ab Juli wird dieses dann voll funktionsfähig und das Forscherteam um drei weitere Wissenschaftler ergänzt sein.
Neben dem Angebot des Uniklinikums Dresden hatte der Wissenschaftler einen Ruf an eine weitere deutsche Universität. Dass sich Chavakis für Dresden entschieden hat, liegt am besonders kooperativen Forschungsklima, das in Dresden herrscht. Prof. Chavakis: „Durch Klinikdirektor Bornstein wird hier zukunftsorientierte Forschung in außergewöhnlicher Weise vorangetrieben.“ An Dresden überzeugte den gebürtigen Griechen zudem das internationale Forscher-Netzwerk und die Kooperationsbereitschaft innerhalb der Medizinischen Fakultät, dem „Center for Regenerative Therapies Dresden“ (CRTD) sowie dem Max-Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik. Chavakis: „Durch das Interesse, gemeinsam etwas aufzubauen, ergeben sich in Dresden ideale Forschungsbedingungen.“ So plant der Wissenschaftler neben seinem Forschungsschwerpunkt zu Endothel und Entzündung in Zusammenspiel mit dem metabolischen Syndrom auch die Rolle des Endothels bei Gefäßerkrankungen der Retina (Netzhaut des menschlichen Auges) intensiv zu beleuchten.
Geboren und aufgewachsen ist Triantafyllos Chavakis in Athen. An der Uniklinik Gießen absolvierte er ein Medizinstudium, das er im Jahr 2000 abschloss. 2001 wurde er dort ‚summa cum laude’ zum Doktor der Medizin promoviert. Es folgten Forschungsjahre an den Unikliniken Gießen und Heidelberg. 2005 wurde Chavakis Leiter der „Inflammation Biology Section“ am National Cancer Institute, NIH in Bethesda, bis er nun zum Professor an die Dresdner Uniklinik berufen wurde. Seine Professur ist vom „European Nephrology and Dialysis Institute“ gestiftet. Dies ist bereits die dritte Stiftungsprofessur der MK III.
Privat haben sich Prof. Chavakis und seine Familie bereits gut in Dresden eingelebt. Triantafyllos Chavakis: „Neben der Dresdner Architektur und Kultur genießen wir den hohen Freizeitwert, den auch die Umgebung bietet.“ Seine Frau verstärkt das Ärzteteam der Augenklinik am Dresdner Uniklinikum.

Susanne Witzigmann M.A.

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Neue Substanz zur Verbesserung der Inselzelltransplantation erforscht

Dresden, 27. Juli 2010

Die Medizinische Klinik und Poliklinik III des Dresdner Universitätsklinikums hat bundesweit das zurzeit einzig aktive Inselzelltransplantations-Programm. Jetzt wurde hier eine neuartige Methode erforscht, mit der sich Funktion und Lebensdauer Insulinproduzierender Zellen nachhaltig verbessern lassen.Anzahl und Qualität von Inselzellen stehen in engem Zusammenhang mit Wachstumshormonen. Regt man deren Produktion mit Hilfe einer speziellen Substanz an, verbessern sich Wachstum und Lebensdauer der Insulin-poduzierenden Zellen. Unter der Leitung von Prof. Dr. Stefan R. Bornstein und mit Unterstützung des amerikanischen Medizin-Nobelpreisträgers Prof. Andrew V. Schally hat die Dresdner Wissenschaftlerin Dr. Barbara Ludwig dies jetzt erstmals im Tiermodell nachgewiesen. Inselzellen von Ratten erhielten vor der Transplantation die speziell entwickelte Substanz, mit der die Ausschüttung des Hormons angeregt wurde. Die anschließend in Mäuse transplantierten Inselzellen zeigten im Organismus eine deutlich verbesserte Leistungsfähigkeit. Dieser Ansatz könnte in Zukunft den Erfolg von Inselzelltransplantationen nachhaltig verbessern.

Die Transplantation von Insulin-produzierenden Zellen aus einem Spenderorgan stellt für Menschen, die an Typ 1 Diabetes erkrankt sind und trotz medikamentöser Behandlung an starken Schwankungen ihres Zuckerhaushalts leiden, eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität dar. Leider weisen die transplantierten Inselzellen nicht immer die erhoffte Lebensdauer und Leistungsfähigkeit auf. Mitverantwortlich für deren Lebensdauer und Fähigkeit zur Vermehrung ist ein körpereigenes Wachs-tumshormon-ausschüttendes Hormon. An diesem setzt nun ein aktuelles Forschungsprojekt des Uniklinikums Dresden an, das unter der Leitung von Prof. Dr. Stefan R. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III und Kodirektor des Paul-Langerhans-Instituts Dresden, und mit Unterstützung des amerikanischen Nobelpreisträgers Prof. Andrew V. Schally Ergebnisse präsentiert, die Hoffnung für die zukünftige Behandlung von Diabetes bringen: Im Tiermodell konnten die Wissenschaftlerin Dr. Barbara Ludwig und Mitarbeiter nachweisen, dass Inselzellen, die vor der Transplantation mit einer speziell entwickelten - und inzwischen patentierten - Substanz zur vermehrten Produktion des Wachs-tumshormons behandelt wurden, eine deutlich verbesserte Leistungsfähigkeit, Lebensdauer sowie Fähigkeit zur Vermehrung aufweisen. Der Zuckerstoffwechsel der an Diabetes leidenden Mäuse verbesserte sich nach der Transplantation der behandelten Inselzellen deutlich besser als bei den Tieren, deren Transplantat nicht mit der Substanz behandelt worden war. So zeigten in der behandelten Gruppe fast alle Mäuse einen stark verbesserten bis gesunden Zuckerstoffwechsel, während nur 50 Prozent der anderen Gruppe eine Verbesserung aufwiesen.
Die biologische Substanz wurde speziell als Impulsgeber für die Produktion des Wachstumshormons entwickelt. Sie setzt sich aus 29 körpereigenen Aminosäuren zusammen, wird künstlich erzeugt und ist potenter und länger wirksam als das ursprüngliche Wachstumshormon.
Bis die neue Therapie beim Menschen angewendet werden kann, bedarf es noch weiterer Forschung. Gelingt es den Dresdner Wissenschaftlern, die Methode auf die Behandlung menschlicher Inselzellen zu übertragen, würde dies einen nachhaltigeren Erfolg für die Inselzelltransplantation bringen. Die Forschungsergebnisse wurden im Juli in der hochrangig eingestuften Fachzeitschrift PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences) publiziert. Die Dresdner Medizinische Klinik und Poliklinik III hat das zurzeit einzig aktive Inselzelltransplantations-Programm in Deutschland.

Susanne Witzigmann M.A.

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Ein gelungener Transfer zwischen Wissenschaft und eigener Praxis


15. Juli 2010

Prof. Dr. Stefan R. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des Dresdner Universitätsklinikums Carl Gustav Carus, bietet Medizinern aus seinem Team, die eine Praxis eröffnen wollen, die Chance, weiterhin als Wissenschaftler an der Uniklinik zu forschen. Von der direkten Verbindung zwischen Wissenschaft und Praxis profitieren Patienten und Ärzte: Privatdozent Dr. Frank Pistrosch betreibt als Nephrologe gemeinsam mit einem Kollegen eine Spezial-Praxis für Nierenkrankheiten in Hoyerswerda. Einen Tag pro Woche forscht er als Wissenschaftler an der Uniklinik.

Dresden. Das Forschungsgebiet von Privatdozent Dr. Frank Pistrosch (36) heißt diabetische Nephropathie. Dabei handelt es sich um eine Nierenerkrankung als Folge der Zuckerstoffwechselstörung Diabetes. Forschungsort von Frank Pistrosch ist die Medizinische Klinik und Poliklinik III (MK III) am Dresdner Universitätsklinikum Carl Gustav Carus. Hier arbeitet der Experte für Nierenkrankheiten - Nephrologe - einen Tag pro Woche an aktuellen Forschungsprojekten. Während der anderen Arbeitstage betreibt der Mediziner gemeinsam mit einem Kollegen in Hoyerswerda eine Spezial-Praxis für Menschen mit Nierenerkrankungen.
Prof. Dr. Stefan R. Bornstein, Direktor der MK III, unterstützt Forscher wie Frank Pistrosch, die eine Praxis eröffnen und weiterhin wissenschaftlich arbeiten wollen. Prof. Bornstein: „So können hochspezialisierte Mediziner trotz eigener Praxis ihre Forschungsarbeiten fortsetzen.“ Und das bringt Vorteile für alle Beteiligten: Die Patienten werden nach neuesten Methoden behandelt und haben im Bedarfsfall - wenn spezielle Therapien notwendig sind - eine direkte Verbindung zur Uniklinik. Für den niedergelassenen Arzt bedeutet die Arbeitsteilung in Forschung und Praxis, dass er weiter Wissenschaftler und direkt mit der Uniklinik in Kontakt bleibt – auch zum Austausch mit Kollegen, wenn Fragen auftreten.
An der Praxis-Arbeit schätzt Frank Pistrosch, dass er seine Patienten über Jahre medizinisch begleiten und deren Krankheitsverläufe verfolgen kann. „So sehe ich die Entwicklung einer Krankheit über einen langen Zeitraum und kann meinen Patienten langfristig eine optimale individuelle Therapie anbieten.“ Viele Patienten erhalten in seiner Praxis mehrmals pro Woche eine Blutwäsche – die sogenannte Hämodialyse. Frank Pistrosch: „Bei einem Drittel der Dialyse-Patienten führte die Zuckererkrankung zur Nierenschädigung.“ Auch Menschen, deren Stoffwechsel oder Blutdruck Störungen aufweisen, die auf eine Schädigung der Nieren deuten, gehören zu den Patienten des Nephrologen.
„Ein wichtiges Signal für eine mögliche Nierenerkrankung ist eine dauerhaft erhöhte Eiweißausscheidung“, so der Mediziner. „Die Filterfunktion der Niere, die für den Körper Wertvolles wie das Eiweiß vor der Ausscheidung der Gifte trennt und dem Stoffwechsel erneut zuführt, ist dann beeinträchtigt. Die Nierenschädigung führt zu einer sogenannten Vernarbung des Nierengewebes. Dadurch verkleinert sich die ‚Filter-Fläche’ der Niere und sie kann die Stoffe nicht mehr optimal voneinander trennen. Erfolgt eine Behandlung frühzeitig, kann oftmals eine Verschlechterung verhindert – in manchen Fällen sogar eine Verbesserung der Nierenfunktion erreicht werden.“
Für Dr. Frank Pistrosch stand die Erforschung des menschlichen Stoffwechsels bereits während des Medizinstudiums an der Freien Universität Berlin im Zentrum des Interesses. Mit seiner Doktorarbeit stellte er die Weichen und wechselte über verschiedene Stationen schließlich an die MK III. „Das Forschungsklima und die medizinischen Möglichkeiten an dieser Klinik überzeugten mich von Anfang an“, so Pistrosch. Bis heute. Inzwischen hat der 36-Jährige bereits seine Habilitation abgeschlossen.
Da Frank Pistrosch auch die Ausbildungserlaubnis für angehende Mediziner hat, hospitieren in seiner Praxis  regelmäßig junge Ärzte aus verschiedenen Krankenhäusern. Manche von ihnen vermittelt er anschließend in die Transplantationsambulanz der Dresdener Uniklinik. Pistrosch: „Hier sehen die jungen Kollegen nierentransplantierte Patienten und andere seltene Krankheitsbilder. Das ist eine besondere Chance für ihre medizinische Ausbildung.“ Anfang des kommenden Jahres wird ein weiterer Wissenschaftler aus dem Ärzteteam von Prof. Bornstein eine eigene Praxis eröffnen. In der Nähe von Görlitz. Auch er wird der Uniklinik als Forscher erhalten bleiben.

Susanne Witzigmann M.A.

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Erfolgreich forschen durch professionelles Management

Dresden, 6. Juli 2010

Ein „Grant Writing Office“ bietet Wissenschaftlern umfassende Unterstützung bei ihren Forschungsanträgen, vom Prüfen formaler Kriterien bis zum Bearbeiten von Forschungsinhalten. Die Gesellschaft für Technologie- und Wissenstransfer  - GWT - hat dazu ein Konzept entwickelt. In der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus wird dieses Konzept bereits erfolgreich umgesetzt. Leiter des „Grant Writing Office“ ist der Naturwissenschaftler Dr. Gregor Müller.

Dresden. Drittmittel sind eine wichtige Voraussetzung für hochwertige Forschung. Vor allem und gerade in Zeiten, in denen der Forschung immer stärkere Kürzungen öffentlicher Gelder drohen, gewinnt Drittmittelförderung zunehmend an Bedeutung. Ein Ziel jeder Forschungseinrichtung ist daher die Steigerung ihres Drittmittelvolumens. Prof. Dr. Stefan Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, hatte die Idee zu einem „Grant Writing Office“, einem Büro, in dem alle Forschungsanträge (Grants) vor der Einreichung auf Form und Inhalt geprüft und bei Bedarf überarbeitet werden. Das soll die Förderchancen erhöhen. Die GWT - ein Dienstleistungsunternehmen für Wissens- und Technologietransfer an der Schnittstelle zwischen öffentlichen Forschungseinrichtungen und Industrie - hat die Idee des Klinikdirektors in ein Konzept gebracht.

Im September 2009 fiel der Startschuss für das erste „Grant Writing Office“ am Dresdener Uniklinikum. Office-Leiter ist der Naturwissenschaftler Dr. Gregor Müller. Bei ihm laufen seitdem die gesamten Forschungsaktivitäten der Medizinischen Klinik und Poliklinik III zusammen. Dr. Müllers Aufgabenspektrum reicht von der Kontrolle formaler Kriterien wie dem Einhalten der Richtlinien über die Abschätzung der Finanzierung und Einschätzung der Förderchancen bis zur Beratung zu Forschungsinhalten. „Das betrifft alle Arten von Forschunganträgen wie Einzel- und Gruppenanträge an die Deutsche Forschungsgesellschaft (DFG), Förderprojekte des Bundes sowie EU-Projekte“, so der Office-Leiter. Zum Servicepaket des „Grant Writing Office“ gehören außerdem die Begleitung von Patententierungen, die Unterstützung beim Erstellen von Gutachten, das Überarbeiten von Kongressbeiträgen und Manuskripten für wissenschaftliche Veröffentlichungen sowie das Vortrags-Coaching für junge Wissenschaftler.

Für Klinikdirektor Bornstein ist der Office-Leiter zum ersten Ansprechpartner geworden, wenn es um Forschungsprojekte seiner Klinik geht. Prof. Bornstein: „Seit Bestehen des ‚Grant Writing Office’ hat sich der Durchlauf der Anträge für Forschungsprojekte deutlich beschleunigt und die Zahl der Förderungen erhöht.“ Die Bilanz kann sich sehen lassen: 18 DFG-Einzelanträge gingen in den vergangenen acht Monaten über Dr. Gregor Müllers Schreibtisch und wurden eingereicht. 10 davon sind bereits bewilligt mit Einzel-Förderungssummen von bis zu 300.000 Euro. Hinzu kommen bewilligte Stipendien für Forscher der Medizinischen Klinik und Poliklinik III.
Der Erfolg des 40-jährigen Office-Leiters gründet auf dessen eigener Forschungserfahrung. Stationen von Dr. Gregor Müllers Karriere waren beispielsweise die Naturwissenschaftlich-Mathematische sowie die Medizinische Fakultät der Universitäten Köln und Düsseldorf sowie mehrere forschende Biotech-Unternehmen. Zuletzt leitete Dr. Gregor Müller sechs Jahre die internationale Arbeitsgruppe eines Forschungslabors der Dresdner Medizinischen Fakultät. Die Entscheidung, von der Laborforschung ins Wissenschaftsmanagement zu wechseln, hat der Biologe ganz bewusst getroffen. „Mit der Leitung des ‚Grant Writing Office’ biete ich den Service, aktuelle Forschungsthemen zu bearbeiten und die Forschungsentwicklung einer Klinik oder eines Instituts voranzutreiben“, so Dr. Müller.

Das Konzept „Grant Writing Office“ will die GWT auch anderen Fachgebieten anbieten. André Klopsch, Bereichsleiter Medizin und Medizinische Dienstleistungen der GWT: „Unser Servicepaket lässt sich auf alle Forschungsbereiche übertragen. So würde ein ‚Grant Writing Office’ die Drittmitteleinwerbung auch bei Naturwissenschaftlern, Ingenieuren oder Geisteswissenschaftlern optimieren.“

Susanne Witzigmann M.A.

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Neue Entwicklungen in der Doping-Analytik


27. Mai 2010

Der Wissenschaftler PD Dr. Andreas Barthel vom Endokrinologikum, einem bundesweiten Hormon- und Stoffwechselzentrum, hat in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Dresden ein neuartiges indirektes Testverfahren zum Nachweis von Doping mit Testosteron und anderen männlichen Geschlechtshormonen entwickelt. Grundlage des neuen Tests ist die messbare Wirkung von Testosteron auf das Hormon Inhibin B. In solch indirekten Testverfahren sieht Barthel Vorteile gegenüber bisherigen Dopingtests.

Die Dopingvorwürfe gegen die deutsche Eiskunstläuferin Claudia Pechstein haben den Blick der Öffentlichkeit auf Möglichkeiten und Grenzen aktueller Doping-Nachweisverfahren gerichtet. Bei Pechstein wurden wiederholt auffällig hohe Retikulozytenzahlen – Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen – festgestellt. Solche Veränderungen zeigen sich auch im Zusammenhang mit bestimmten Doping-Praktiken. Claudia Pechstein wurde darum von der internationalen Eislauf-Union gesperrt. Die Diskussion fachte erneut an, nachdem sich bei ihr eine angeborene Anomalie der roten Blutkörperchen – eine sogenannte Kugelzellanämie oder Sphärozytose – herausstellte. Und diese Anomalie kann ebenfalls mit einer erhöhten Retikulozytenzahl einhergehen. Dieses Beispiel zeigt das Dilemma des gegenwärtigen Doping-Kontroll- und Doping-Nachweissystems.
Der direkte chemische Nachweis von Dopingsubstanzen oder deren Metaboliten (Zwischenprodukte aus Stoffwechselprozessen) ist aufwändig, teuer und nur dann möglich, wenn die entsprechende Dopingsubstanz oder deren Metaboliten bekannt sind. Ein Ausweg daraus könnten indirekte Nachweisverfahren sein. Diese sind meist einfach und kostengünstig durchzuführen und können zudem auch den Einfluss noch unbekannter Dopingsubstanzen oder –praktiken anzeigen. Da den indirekten Nachweisverfahren aber oft eine ausreichende Spezifität fehlt, ist der Bestand eines einzelnen Indizes gerichtlich anfechtbar – wie auch der Fall Pechstein gezeigt hat. Darum erscheint es sinnvoll, bei indirekten Testverfahren nicht nur einen, sondern mehrere biologische Parameter zu beobachten. So lassen sich Veränderungen des Gesamtmusters besser aufspüren, die auf Doping hinweisen können. Der Weltradsportverband (Union Cycliste Internationale, UCI) hat deshalb seit 2008 den biologischen Pass eingeführt, der das individuelle Verlaufsprofil mehrerer geeigneter Blut- und Hormonparameter zugleich protokolliert.
Um eine möglichst hohe Sensitivität, aber auch Spezifität der erhobenen Daten als Doping-Indizes zu gewährleisten, ist eine ständige Erweiterung der diagnostischen Palette auf der Basis neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse sinnvoll. Dies lässt sich beispielhaft anhand des Missbrauchs anaboler androgener Steroide einschließlich des Testosterons darstellen. Hier gab es im Profisport in der Vergangenheit immer wieder prominente Fälle – vor allem beim Radsport, aber auch in der Leichtathletik. Beispiele aus dem Radsport sind Floyd Landis, dem 2006 aufgrund von Testosteron-Doping der Sieg der ‚Tour de France’ aberkannt wurde, oder der deutsche T-Mobile-Fahrer Patrick Sinkewitz. In der Leichtathletik sind Ben Johnson und Marion Jones des Dopings mit anabolen androgenen Steroiden überführt worden. Beim üblichen Screeningtest zum Nachweis von Testosteron-Doping wird das Verhältnis der Testosteron-  zu den Epitestosteron-Metaboliten im Urin bestimmt. Epitestosteron ist nicht anabol - muskelaufbauend -  wirksam. Der Test beruht darauf, dass Testosteron (T) und Epitestosteron (E) im Körper von gesunden jungen Männern etwa im Verhältnis 1:1 vorliegt. Nach der derzeitigen Festlegung der WADA (World Anti Doping Agency) gilt ein T/E-Verhältnis im Urin von mehr als 4:1 als Indiz für Testosterondoping. Dieses Screeningverfahren weist aber aus mehreren Gründen große diagnostische Lücken auf:
1. Testosteron hat nur eine kurze Halbwertszeit und der T/E-Quotient steigt nach Anwendung eines reinen Testosteronpräparates nur vorübergehend (wenige Tage) an. Dadurch ist der Dopingnachweis auf ein sehr enges diagnostisches Zeitfenster eingegrenzt.
2. Der T/E-Quotient hängt von der individuellen Testosteronverstoffwechselung ab und wird durch genetische Einflüsse bestimmt.
3. Der T/E-Quotient steigt nur nach Anwendung von Testosteron an, nicht jedoch nach Anwendung anderer anaboler androgener Steroide (zum Beispiel Stanozolol bei Ben Johnson).
4. Der T/E-Quotient kann durch zusätzliche Einnahme von Epitestosteron auch nach Anwendung von Testosteron unauffällig sein. Auf diese Weise kann Testosterondoping für die Dopinganalytik verschleiert werden.
Aus den genannten Gründen ist es sinnvoll, zum Screening nach anabol wirksamen androgenen Steroiden weitere Verfahren im Rahmen eines biologischen Passes einzusetzen, um den Einfluss von Dopingsubstanzen auf physiologische Abläufe im Organismus zu erfassen. Hier bietet es sich an, Hormone des Regelkreises zu untersuchen, die an der Produktion der männlichen Geschlechtshormone beteiligt sind. Ein besonderes Hormon aus diesem Bereich ist das Inhibin B, das im Hoden produziert wird. Dieses Hormon ist ein Indikator der Spermienproduktion. Niedrige Inhibin-B-Serumkonzentrationen deuten deshalb auf eine Störung in diesem Bereich hin. Aus Studien zur hormonellen Kontrazeption beim Mann war bekannt, dass Inhibin B empfindlich und - vor allem - langanhaltend auf die Zufuhr von exogenem Testosteron reagiert. Dieses Phänomen lässt sich zum Dopingscreening auf anabol wirksame androgene Steroide ausnutzen. In einer kürzlich durchgeführten Studie an Bodybuildern, die mit Testosteron gedopt hatten, wurde gezeigt, dass bei den gedopten Athleten im Vergleich zu entsprechenden Kontrollpersonen die Inhibin-B-Serumkonzentrationen deutlich vermindert waren (Barthel et al., Pilot study of serum inhibin B as a potential marker of testosterone doping in weight lifting men. Clin J Sport Med. 2010;20:117-9.). Das Besondere an diesem Test ist, dass mit dem Inhibin B eine Art Langzeitgedächtnis für Testosteron-Doping erfasst wird. Denn es dauert mehrere Monate, bis die Inhibin-Konzentration im Serum nach der Testosteron-Behandlung wieder ansteigt. Darüber hinaus ist aufgrund der bekannten physiologischen Zusammenhänge zu erwarten, dass Inhibin B auf die Anwendung aller androgenen anabolen Steroide ähnlich wie auf Testosteron-Doping reagiert. Damit besteht die Möglichkeit, auch den Effekt von bisher strukturell nicht bekannten anabolen Designer-Steroiden, die zu Dopingzwecken entwickelt wurden, über Veränderungen im Inhibin-B-Serumprofil zu erfassen. Ein Beispiel für ein solches anaboles Designersteroid ist das Tetrahydrogestrinon (THG, „the clear“), welches von mehreren prominenten Athleten (u. a. auch Marion Jones) zu Dopingzwecken appliziert wurde, dessen Struktur zum Zeitpunkt des Dopings aber nicht bekannt war und von der Doping-Analytik erst mit mehrjähriger Verzögerung aufgeklärt werden konnte.
Aufgrund der genannten Vorteile stellt das beschriebene Verfahren (Inhibin-B-Profil) eine wertvolle Ergänzung der bisherigen Dopingscreeningverfahren (T/E-Quotient) dar. Dieses Beispiel zeigt darüber hinaus, dass ein rationales und erfolgversprechendes Konzept zur Optimierung der bisherigen Testverfahren auf der logischen Verknüpfung von aktuellem klinisch-endokrinologischem mit pharmakologischem Know-how und dessen translationaler Anwendung im dopinganalytischen Bereich beruht.
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Das „Haus der Gesundheit“ fügt sich als vertikaler Park
ins Stadtbild ein

10. April 2010

Der Dresdener Weltkongress zur Prävention des Diabetes (WCPD, 08.-11. April) präsentierte eine Architektur-Ausstellung für ein „Haus der Gesundheit“. Am Samstag wurde der beste Entwurf ausgezeichnet: Der Mediziner Prof. Dr. Stefan R. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Dresden hatte die Idee zu einem „Haus der Gesundheit“. Architekten der TU Dresden unter der Leitung von Prof. Dr. Ralf Weber gaben dieser Idee nun einen Raum.

Dresden. Am Anfang stand die Idee zu einem „Haus der Gesundheit“. Ideen-Finder war der Mediziner Prof. Dr. Stefan R. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus. Mit dem Haus der Gesundheit will Bornstein für Bürgerinnnen und Bürger einen Anlaufpunkt rund um die Gesunderhaltung schaffen mit konkreten Gesundheits-Angeboten zu Prävention, Diagnostik und Therapie sowie einem speziellen gastronomischen Angebot und Fitness-Einrichtungen. Das Haus der Gesundheit soll außerdem Informationsstelle für neue wissenschaftliche Erkenntnisse in der Medizin sein. Prof. Bornstein: „Angesichts der sich wandelnden Gesundheitsstruktur und einem steigenden Interesse in der Bevölkerung an einem gesünderen Leben sehe ich die Notwendigkeit für ein Haus, das alle Partner im gesundheitsfördernden, präventiven und medizinischen bis hin zum rehabilitativen Bereich vereint.“
Aus der Idee des Mediziners entwickelte sich eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit dem Dresdener Architekturprofessor Dr. Ralf Weber der TU Dresden. Unter dessen Leitung entwickelten Architektur-Studierende des Hauptstudiums schließlich fünf Entwürfe, die dem „Haus der Gesundheit“ eine konkrete räumliche Gestalt gaben. Während des viertägigen Weltkongresses zur Prävention des Diabetes (8.-11. April) wurden die Modelle erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Am Samstag, den 10. April, folgte die Auszeichnung des besten Entwurfs mit dem „DIU Architectural Award“. Preisträgerin ist Kristin Windisch. Ihr Entwurf heißt „Vertical Park“. Grundidee des Entwurfs ist, Qualitäten eines öffentlichen Parks und eines klassisch gestalteten mehrgeschossigen Gebäudes miteinander zu vereinen. Windisch erreicht das, indem sie ein Kerngebäude allseitig mit einem Grünraum ummantelt. Das Kerngebäude enthält neben medizinischer Versorgung und Information auch Serviceangebote zu Ernährung, Sport und Stressbewältigung. Die grüne Hülle hingegen bietet einen öffentlichen Raum für Bewegung und Kommunikation mit Natur- und Kräuter-Lehrpfaden, Kletterwänden, einer Halfpipe und sogar einem vertikalen Marktplatz. Der Raumcharakter der Hülle wird durch weitmaschige, planzenberankte Netze geprägt. Sie bilden einen atmosphärischen Filter und machen den Wandel des Lichts im Verlauf eines Tages und den Wechsel der Jahreszeiten zu prägenden Elementen des Innenraumes.
Wann der Entwurf in die Realität umgesetzt und damit ins Dresdner Stadtbild eingefügt wird, ist noch offen. Prof. Bornstein: „Aufbauend auf der Tradition der Stadt im Bereich Gesundheit und Körperkultur könnte ein solches Haus ein Leuchtturm für Dresden werden, der weit über die Stadtgrenzen hinausstrahlt.“ Am Samstag, den 10. April, folgte die Auszeichnung des besten Entwurfs mit dem „DIU Architectural Award“. Der Name des Architektur-Preises leitet sich übrigens vom Preisstifter her: der Dresden International University (DIU). Die DIU, die auch Träger und Veranstalter des Dresdener Weltkongress zur Prävention des Diabetes ist, bietet seit 2007 den weltweit einzigen Masterstudiengang für Präventionsmedizin an.

Haus der Gesundheit

Für ihren Entwurf „Vertical Park“ erhielt Kristin Windisch (TU Dresden) den „DIU Architectural Award“, der während des 6. Weltkongresses zur Prävention des Diabetes verliehen wurde.

Susanne Witzigmann M.A.

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Forscher entwickeln neuen Dopingtest


Dresden, 22. März 2010

Testosteron und andere männliche Geschlechtshormone sind mit neuem Dopingtest erstmals längerfristig im Körper nachweisbar. Wissenschaftler der Medizinischen Klinik und Poliklinik III und des Endokrinologikums, einem bundesweiten Hormon- und Stoffwechselzentrum, haben ein neuartiges indirektes Testverfahren zum Nachweis von Doping mit Testosteron und anderen männlichen Geschlechtshormonen entwickelt. Grundlage des neuen Tests ist die messbare Wirkung von Testosteron auf das Hormon Inhibin B.

Das männliche Geschlechtshormon Testosteron wirkt muskelaufbauend, in der Fach-sprache anabol genannt. Doping mit Testosteron und anderen anabol wirksamen männlichen Geschlechtshormonen ist in der Vergangenheit vor allem durch Fälle im professionellen Radsport und in der Leichtathletik ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. „Dabei spielt der Missbrauch von Testosteron vor allem im Breitensport eine bisher stark unterschätzte Rolle, besonders im Fitness- und Bodybuildingbereich“, so Privatdozent Dr. Andreas Barthel vom Endokrinologikum Ruhr sowie der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Dresdener Uniklinikum. Gemeinsam mit Prof. Dr. Stefan R. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III, hat Dr. Andreas Barthel seine Forschungsergebnisse im März 2010 im renommierten Clinical Journal of Sport Medicine publiziert. Die Wissenschaftler haben die Auswirkungen von Testosterondoping auf den Hormonhaushalt bei jungen Bodybuildern untersucht. Dabei konnten sie nachweisen, dass ein spezielles Hormon – Inhibin B – auf Doping mit Testosteron reagiert. Dr. Andreas Barthel: „Inhibin B wird im Hoden produziert und reagiert sehr sensibel auf die Einnahme von Testosteron. Von außen zugeführtes Testosteron bewirkt einen deutlichen Abfall des Hormons Inhibin B, und zwar über einen längeren Zeitraum. Es wird also damit eine Art Langzeit-Dopinggedächtnis erfasst, während bisherige Methoden zum Nachweis von Testosterondoping nur kurzfristige hormonelle Veränderungen messen.“
Für die Wissenschaftler steht das gesundheitliche Risiko, das durch die Einnahme von Testosteron entsteht, im Vordergrund. Dr. Andreas Barthel: „Die Dopinganwender nehmen schwere gesundheitliche Risiken in Kauf, weil die Präparate oft aus illegalen Labors stammen und über den Schwarzmarkt importiert werden. Neben möglichen Infektionen durch unsaubere Präparate stellen vor allem die oft viel zu hohen Dosen eine Gefahr dar, die sogar schon zum Tod geführt haben.“ Aber auch der Mangel an Inhibin B bringt Probleme mit sich. „Der Spiegel dieses Hormons hängt direkt mit der Produktion von Spermien und damit der Zeugungsfähigkeit zusammen. Die lang anhaltenden hormonellen Veränderungen zeigen also auch eine entsprechend lange andauernde Funktionsstörung der Hoden nach Doping mit Testosteron an“, so Barthel.

Susanne Witzigmann M.A.

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Dresdener Weltkongress präsentiert neue Wege
zur Prävention von Diabetes

3. März 2010

Auf dem 6th World Congress on Prevention of Diabetes and its Complications vom 08. bis 11. April 2010 diskutieren in Dresden international bekannte Mediziner, Psychologen, Soziologen, Architekten und Städteplaner neue Strategien zur Vermeidung eines Massenanstiegs der lebensbedrohlichen Zuckerkrankheit: Ein internationales Forscherteam legt zum Kongress-Start einen Leitfaden vor, der Menschen mit Diabetesrisiko Schritt für Schritt zu einer Lebensstiländerung führen soll. Ein Architektur-Wettbewerb präsentiert Konzepte für ein „Haus der Gesundheit“.

Dresden. Auf dem „6th World Congress on Prevention of Diabetes and its Complications“ diskutieren vom 08. bis zum 11. April in Dresden international bekannte Experten verschiedener Fachrichtungen über neue Strategien, um der steigenden Tendenz an Neuerkrankungen von Diabetes entgegen zu wirken. Denn weltweit leiden inzwischen rund 300 Millionen Menschen an der Stoffwechselstörung. Vier Millionen sterben jedes Jahr an den Folgekrankheiten, zu denen Nierenversagen, Herzinfarkte, Schlaganfälle und Amputationen gehören. „Dass der Weltkongress in Dresden stattfindet, ist Ausdruck der internationalen Bedeutung dieses Universitätsklinikums in Prävention, Behandlung und Erforschung von Diabetes. Im April werden wir hier erstmals aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln Konzepte zur Vermeidung von Diabetes beleuchten und miteinander in Beziehung setzen“, so Prof. Dr. Stefan R. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Dresdener Universitätsklinikum.
Ein Meilenstein auf dem Weg dorthin ist ein Leitfaden zur Prävention von Diabetes, der pünktlich zum Kongress-Start erscheint und in Dresden vorgestellt wird. Der Leitfaden mit dem Titel „IMAGE Toolkit for diabetes prevention“ soll als Werkzeug im Kampf gegen die Massenausbreitung von Diabetes genutzt werden. Schritt für Schritt, alle Lebensbereiche umfassend und kulturübergreifend bietet er Medizinern und anderen an Prävention Interessierten Hilfestellung zu Planung und Entwicklung von Diabetes-Präventions-Programmen. Entwickelt wurde der Leitfaden von einem internationalen Forscherteam aus Diabetes-Experten. Prof. Dr. Peter Schwarz, Präsident des Weltkongresses und Experte für Prävention des Diabetes am Dresdener Uniklinikum, ist einer von ihnen. Schwarz: „Der Schlüssel zur Vermeidung oder Verzögerung dieser Krankheit liegt in einer Lebensstiländerung wie Gewichtsreduktion, intensivierter körperlicher Bewegung sowie einer gesunden Ernährung.“ Und genau dorthin soll der neue Leitfaden führen: zu einer langfristigen Lebensstiländerung bei Menschen mit hohem Diabetesrisiko. „Denn jeder kann selbst entscheidend dazu beitragen, nicht an Diabetes zu erkranken“, so Prof. Peter Schwarz. Wie Prävention erfolgreich umgesetzt werden kann, zeigt auch das Buch ‚Prevention in Practice’, das ebenfalls mit Kongressbeginn erscheint und Beispiele für unterschiedliche Präventionsprogramme aus der ganzen Welt vorstellt.
Dass auch gesundes Wohnen bei der Prävention von Krankheiten wie Diabetes eine wichtige Rolle spielt, zeigt eine Architektur-Ausstellung, die während des Kongresses stattfindet: Architekten der TU Dresden haben im Rahmen eines Wettbewerbs verschiedene Modelle für ein „Haus der Gesundheit“ entworfen. Die drei besten erhalten während des Kongresses einen Geld-Preis. Preisstifter ist die Dresden International University (DIU). Die DIU ist auch der Organisator des Weltkongresses. Weitere Informationen unter www.wcpd2010.com

Susanne Witzigmann M.A.

Einladung zur
Pressekonferenz

3. März 2010

Die Medizinische Klinik und Poliklinik III, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, sowie die Dresden International University (DIU) laden die Damen und Herren von den Medien herzlich zu einer Pressekonferenz im Rahmen des 6. Weltkongresses zur Prävention von Diabetes ein.


Mittwoch, den 31. März 2010
10:30 Uhr – 11:30 Uhr
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Haus 50 (Seelsorgezentrum)
Kleiner Saal
Fetscherstraße 74
01307 Dresden

Auf der Tagesordnung stehen folgende Themen:

- Neue Konzepte und Therapien zur Vermeidung von Diabetes: 6th World Congress on Prevention of Diabetes and its Complications (WCPD 2010)
- Neue Strategien zur Diabetesprävention für Deutschland: Das Positionspapier von diabetes.DE an Bundesgesundheitsminister Rösler:
- „IMAGE Toolkit for diabetes prevention“ – ein Leitfaden unterstützt Schritt für Schritt die Lebensstil-Änderung
- Architektur-Wettbewerb zum „Haus der Gesundheit“

Ihre Gesprächspartner sind:
Prof. Dr. Stefan Bornstein
Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III sowie des Zentrums für Innere Medizin am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Vize-Präsident des WCPD 2010

Prof. Dr. Peter Schwarz
Präsident des WCPD 2010
Medizinische Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus

Dr. Hans-Martin Reuter
Leiter des Ressorts Prävention und Versorgung von diabetesDE

Dr. Dietmar Kretzschmar
Geschäftsführer der Dresden International University (DIU)

Dr. Kornelia Möser
Leiterin Kompetenzzentrum für Gesundheitswesen und Medizin der Dresden International University (DIU)

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Osteoimmunologie – wenn das Immunsystem den Knochen angreift

17. Februar 2010

Forscher der Medizinischen Klinik und Poliklinik III sind den Veränderungen des Knochenstoffwechsels bei Morbus Bechterew auf der Spur. Rund ein Prozent der Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland leiden an Morbus Bechterew, einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung, die im Endstadium die Wirbelsäule versteift.

Stoffwechselprozesse im Knochen sind ein Forschungsschwerpunkt von Dr. Martina Rauner und Prof. Dr. Lorenz Hofbauer von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III. Die beiden Wissenschaftler erhielten die Zusage für ein Forschungsprojekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Ziel dieses Projekts ist, die Veränderungen im Knochenstoffwechsel bei Morbus Bechterew zu erforschen. „Morbus Bechterew ist die wesentliche Entzündungsrheuma-Erkrankung der Wirbelsäule“, so Rheumatologie-Experte Prof. Dr. Martin Aringer von der Medizinischen Klinik III. „Anfangs stehen nächtliche Rückenschmerzen bei den jungen Patientinnen und Patienten im Vordergrund. Im weiteren Verlauf der Krankheit kann es zur Verknöcherung ganzer Wirbelsäulenabschnitte kommen, die dann ihre Beweglichkeit verlieren.“ Die Erkrankung beeinträchtigt häufig stark die Lebensqualität der Patienten.
„Mit der Bildung der sogenannten Knochenspangen, die die Wirbelsäulengelenke überbrücken und zur Versteifung der Wirbelsäule führen, entwickeln viele Morbus-Bechterew-Patienten auch eine Osteoporose, weil mehr Knochensubstanz ab- als aufgebaut wird. Die Mechanismen für dieses scheinbare Paradoxon sind weitgehend unerforscht“, so Martina Rauner. Die Frage, wie weit die Entzündungsreaktion zum Knochenverlust beiträgt, steht bei dem Forschungsprojekt im Vordergrund. Erforscht wird diese zunächst in einem Tiermodell des Morbus Bechterew, an HLA-B27 transgenen Ratten. Martina Rauner: „HLA-Moleküle spielen eine wesentliche Rolle in der Erkennung von Fremdeiweiß durch Abwehrzellen. HLA-B27 ist ein entscheidender Risikofaktor für den Morbus Bechterew. Ratten, die menschliches HLA-B27 auf ihren Zellen tragen, bekommen eine dem Morbus Bechterew vergleichbare chronische Entzündung der Wirbelsäule. Durch die Entzündung  werden unter anderem vermehrt T-Zellen aktiviert - eine Gruppe der weißen Blutzellen, die für die Immunabwehr zuständig sind.“ „Wir wissen bereits, dass diese Abwehrzellen den Knochenabbau fördern“, erläutert Prof. Dr. Lorenz Hofbauer. „Sie aktivieren Knochen-zerstörende Osteoklasten, die dann mehr Knochen zerstören, als die Knochen-bildenden Osteoblasten hinzufügen können. Bis jetzt ist es jedoch unklar, ob T-Zellen auch direkt die Knochenformation steigern können.“ Genau das will Dr. Martina Rauner untersuchen: „Wir wollen überprüfen, ob eine erhöhte Anzahl an T-Zellen zur paradoxen Knochenpathologie bei Morbus Bechterew beiträgt.“ Zwei Jahre wird das Forschungsprojekt vermutlich dauern. „Dann sollten wir die Knochenveränderungen bei Morbus Bechterew besser verstehen“, so Prof. Hofbauer, „das hat unmittelbare Auswirkungen auf die Behandlung. Ein gezielter immunologischer Therapieansatz könnte der Schlüssel zu einer verbesserten Therapie sein.“

Susanne Witzigmann M.A.
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Neue Gene als Ursache für Diabetes in weltweit größter Studie erforscht

9. Februar 2010

Prof. Dr. Stefan Bornstein von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus und sein Team gehören zum  Forscher-Konsortium aus Forschungseinrichtungen aller fünf Kontinente. 6000 Patienten der Dresdener Uniklinik waren in die bislang größte Diabetes-Studie eingeschlossen. Als Ergebnis wurden neue Gene identifiziert, die für die Entstehung von Typ 2 Diabetes verantwortlich sind.

Diabetes geht jeden an: Weil er bereits daran erkrankt ist, weil er das Risiko einer späteren Erkrankung an der Stoffwechselstörung in sich trägt oder weil er die Kosten dieser Epidemie mitträgt. Weltweit sind inzwischen bereits rund 300 Millionen Menschen zuckerkrank. Vier Millionen sterben jedes Jahr an den Folgen von Diabetes, zu denen Nierenversagen, Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Amputationen gehören. 95 Prozent der Diabetes-Kranken leiden am sogenannten Typ 2, hauptsächlich verursacht durch die immer weiter steigende Zahl an Übergewichtigen. Mehr als die Hälfte der Betroffenen ist zwischen 20 und 60 Jahre alt. Das sind Zahlen, die schockieren.
Unter der Leitung des „National Institute of Health“, dem führenden Gesundheitsinstitut in den USA, entdeckte jetzt ein internationales Forscher-Konsortium aus weltweit 300 Forschungseinrichtungen insgesamt 13 neue Genvarianten, die an der Regulierung des Blutzuckers beteiligt sind. Fünf dieser veränderten Gene wurden als Ursache für die Entstehung von Diabetes Typ 2 identifiziert. „Das Ergebnis der Studie markiert einen Meilenstein in der Erforschung des Einflusses von Genen auf die Blutzuckerregulation“, so Prof. Dr. Stefan Bornstein. Der Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus in Dresden sowie Prof. Dr. Peter Schwarz, Experte für Prävention und Versorgung des Diabetes an derselben Klinik, gehören zum internationalen Forscherteam. Fast 6000 Patientinnen und Patienten der Dresdener Uniklinik waren in die weltweit bislang größte Studie zur Erforschung der genetischen Ursache der Blutzuckerkrankheit eingeschlossen. Damit gehört die Dresdener Medizinische Klinik und Poliklinik III zu den führenden Diabetes-Zentren.
Prof. Schwarz: „Ein weiteres Studien-Ergebnis ist, dass eine Veränderung am Gen mit dem Namen GIPR, das für die Sekretion von Darm-Hormonen verantwortlich ist, zu einer Verschlechterung der Blutzuckerregulation führt.“ Die Dresdener Forscher glauben, dass mit der Entdeckung der neuen Gene erst etwa zehn Prozent aller genetischen Ursachen der Blutzuckerkrankheit nachgewiesen wurden. „Durch die Entdeckung der Gene eröffnen sich neue Möglichkeiten zur Prävention von Diabetes, eine der größten medizinischen und ökonomischen Herausforderungen für Gegenwart und Zukunft“, so Prof. Bornstein. Die Forschungsergebnisse der weltweiten Studie wurden im Januar 2010 in „Nature Genetics“ veröffentlicht, einer renommierten medizinischen Fachzeitschrift.

Susanne Witzigmann M.A.

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Neues Modell zur Entstehung von Tumoren in der Nebennierenrinde

9. Dezember 2009

Forscher der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden haben ein Tiermodell entwickelt, mit dem man erstmals die Entstehung von Krebs in der Nebennierenrinde nachahmen kann. Projektziel ist eine neue Therapie und damit verbesserte Heilungschancen für Patienten. Das Dresdener Forschungsprojekt wird von der Wilhelm-Sander-Stiftung gefördert.

Dresden. Jeder Mensch hat zwei Nebennieren. Sie produzieren Hormone wie Adrenalin und liegen rechts und links über den Nieren, sind etwa vier Zentimeter lang und wiegen bis zu 15 Gramm. Die Nebennieren bestehen aus Rinde und Mark. Entstehen in der Rinde gutartige Geschwülste wie Knoten oder Adenome werden diese häufig nur zufällig entdeckt, denn sie verursachen keine Beschwerden.
Bösartige Tumoren in der Nebennierenrinde sind mit ein bis zwei Fällen pro Jahr bezogen auf eine Million Menschen eher selten. Wie solche Tumoren entstehen, ist aber bislang nicht geklärt und für die Wissenschaft von großem Interesse. Denn neue Erkenntnisse könnten Diagnose und Therapie entscheidend verbessern. Theorien zur Tumor-Entstehung gibt es bereits. So könnten fehlregulierte Gene oder Stammzell-ähnliche Zellen mit der Fähigkeit zur Selbsterneuerung eine Rolle spielen.
Um die Krebsbildung nachahmen zu können, fehlte bislang ein geeignetes Tiermodell. Die Arbeitsgruppe um Professor Dr. Stefan R. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des Universitätsklinikums Dresden, entwickelte jetzt zum ersten Mal an Mäusen ein spezielles Zelltransplantationsmodell für Nebennierentumoren. Genetisch veränderte Nebennierenzellen werden dabei in die Nebennierenrinde von immundefizienten Mäusen gegeben. Das sind Mäuse, deren Immunsystem ausgeschaltet wurde. So kann das Dresdener Modell erstmals die Entstehung von Nebennierentumoren beim Menschen nachahmen.
Die Wissenschaftler richten ihr Interesse nun auf die genetischen Veränderungen, die zum Entstehen von Tumoren beitragen. Außerdem wollen sie den Einfluss von Nebennieren-Stammzellen auf die Krebsentwicklung testen. Die Forschungs-Ergebnisse sollen zu neuen diagnostischen und therapeutischen Strategien bei Nebennierenkrebs sowie anderen Drüsentumoren beim Menschen beitragen und damit die bisher eher schlechten Heilungschancen von Patienten mit diesen Tumoren verbessern. Gefördert wird das Projekt von der Wilhelm-Sander-Stiftung.

Susanne Witzigmann M.A.

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Neuer Ansatz stoppt Entzündung bei Autoimmunerkrankung

8. Dezember 2009

Ein internationales Forscherteam um Prof. Dr. Martin Aringer, Bereichsleiter der Rheumatologie in der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden, berichtet über Erfolge eines neuen Therapieansatzes bei der Autoimmunerkrankung Lupus erythematodes.

40.000 Menschen in Deutschland leiden an systemischem Lupus erythematodes, abgekürzt SLE. Lupus ist eine Autoimmunerkrankung, die den gesamten Körper betreffen kann. Am häufigsten erkranken junge Frauen. Häufig fallen zunächst Fieber, Erschöpfung und Empfindlichkeit gegen Sonnenlicht auf. Befallen werden kann jedes Organ. Eine schwere Entzündung kann zum Beispiel in der Haut, in den Gelenken, in den Nieren oder in den Blutgefäßen des Gehirns auftreten. Meist wird die Erkrankung durch moderne Medikamente gut kontrolliert. Doch manchmal reicht die Standardtherapie nicht aus.
Prof. Dr. Martin Aringer von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Dresdener Universitätsklinikum sucht deshalb nach neuen Behandlungsansätzen im Kampf gegen Lupus erythematodes. „Wir haben vor einigen Jahren herausgefunden, dass TNF, ein stark entzündungsfördernder Botenstoff des Immunsystems, bei einer Lupus-Entzündung massiv erhöht ist. Das lässt vermuten, dass TNF wesentlich an der Entzündungsprozessen beteiligt ist.“
Darum wird dieser Botenstoff auch seit Jahren bei anderen Rheumaerkrankungen gezielt blockiert. „Dass die TNF-Blockade beim Lupus bisher vermieden wurde, liegt an Erfahrungen mit einem Mausmodell. Unter bestimmten Bedingungen kann ein Mangel von TNF Autoimmunreaktionen auslösen, die auch beim Lupus beobachtet werden“, erläutert Prof. Aringer. „Bei der Lupus-Entzündung unserer Patienten wirkt TNF aber als Entzündungsverstärker und kann die Autoimmunerkrankung nicht bremsen.“
Bei  insgesamt dreizehn schwer kranken Patientinnen und Patienten setzten die Wissenschafter an Unikliniken in Deutschland, Österreich, Belgien und Großbritannien den TNF-Blocker Infliximab ein. Der Bericht ist im November 2009 in der Zeitschrift Rheumatology erschienen. Prof. Aringer: „Meist reichten vier Infusionen Infliximab, um die Entzündung weitgehend zu stoppen.“  Und im Fall der Nierenentzündung hielt die Wirkung oft fünf Jahre und länger an. „Eine Voraussetzung für den Erfolg ist, dass die Infliximab-Behandlung mit Immunsuppressiva kombiniert wird, also Medikamenten, die das Immunsystem beruhigen“, so Aringer. Für den Erfolg war außerdem entscheidend, dass die Patienten direkt zu Beginn der Behandlung positiv auf den Wirkstoff Infliximab reagierten. Denn, so der Medizinprofessor: „Längere Behandlungszeiträume brachten keine Vorteile, erhöhten aber das Risiko schwerer Infektionen.“
Auf der Basis der Forschungsergebnisse sollen nun weitere Untersuchungen folgen. Wenn sich die Ergebnisse bestätigen lassen, könnte die TNF-Blockade auch für manche schwer kranke Lupus-Patienten einmal zur Standardtherapie werden.

Susanne Witzigmann M.A.

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Wirkstoff hilft bei Autoimmunerkrankung


3. November 2009

An der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden hat ein Forscherteam um Prof. Dr. Martin Aringer einen Wirkstoff untersucht, der Besserung bei der Autoimmunerkrankung Lupus erythematodes verspricht.

40.000 Menschen in Deutschland leiden an systhemischem Lupus erythematodes, abgekürzt SLE genannt. Dies ist eine Autoimmunerkrankung, die den gesamten Körper betrifft und meist mit Fieber, Erschöpfung und Empfindlichkeit gegen Sonnenlicht beginnt. Befallen werden kann jedes Organ. Entzündungen der Muskeln, Gelenke, Nieren, von Herz bis zum Gehirn können sich entwickeln und in Schüben auftreten. In letzter Konsequenz kann es dabei zum Multi-Organversagen kommen. Am häufigsten erkranken junge Frauen an der Autoimmunerkrankung. Äußerlich sichtbar ist diese vor allem durch starke Hautrötungen. Ohne moderne Behandlungsmethoden entwickelten sich die Hautveränderungen in früheren Zeiten so stark, dass sie an Wolfsbisse erinnerten. Daher stammt auch der Name Lupus, das lateinische Wort für Wolf.
Prof. Dr. Martin Aringer von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Dresdener Universitätsklinikum erforscht neue Behandlungsmethoden im Kampf gegen Lupus erythematodes. „Frühere Forschungsergebnisse zeigen, dass ein Stoff namens TNF-alpha den Entzündungsprozess bei Lupus erythematodes steigert“, so Aringer. TNF-alpha ist ein Signalstoff des Immunsystems, der Entzündungen im Körper verstärkt, egal ob diese lokal begrenzt sind oder im gesamten Körper auftreten.“
Auf diesen Signalstoff konzentrierten sich Prof. Aringer und sein Forschungsteam bei ihrem aktuellen Forschungsprojekt. Aringer: „Unser Ziel war, die Wirkung von TNF-alpha zu blockieren. Als Blocker nutzten wir den Wirkstoff Infliximab, der als Antikörper TNF-alpha außer Kraft setzt.“
Über mehrere Jahre testeten dreizehn Patientinnen und Patienten von Prof. Aringer den Wirkstoff Infliximab. Mit gutem Ergebnis.  Prof. Aringer: „Bereits vier Infusionen Infliximab konnten den Gesundheitszustand der Patienten deutlich verbessern.“ Und diese Wirkung hielt bis zu fünf Jahren an. Aringer: „Eine Voraussetzung für den Erfolg ist, dass die Infliximab-Behandlung mit sogenannten Immunsuppressiva kombiniert wird, das heißt mit Medikamenten, die die Wirkung des Immunsystems vermindern. Für den Erfolg ist außerdem entscheidend, dass die Patienten direkt zu Beginn der Behandlung positiv auf den Wirkstoff Infliximab reagieren. Ist dies nicht der Fall, zeigt sich auch nach längerem Behandlungszeitraum keine Verbesserung.“
Aringer und sein Team wiesen außerdem nach, dass eine längere Behandlung mit Infliximab zu Nebenwirkungen - wie beispielsweise Infektionen - führen kann. Auf der Basis des Dresdener Forschungsergebnisses können nun weitere Forschungsprojekte folgen.

Susanne Witzigmann M.A.
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Das Uniklinikum Dresden bekommt ein
osteologisches Schwerpunktzentrum

7. Oktober 2009

Prof. Dr. Lorenz Hofbauer leitet das neue Zentrum zur Behandlung von Knochenkrankheiten.

Die Osteologie beschäftigt sich mit Erkrankungen des Skelettsystems. Dabei geht es um Störungen im Knochenaufbau sowie im Knochenstoffwechsel. Ein wichtiger Bereich ist die Erforschung und Behandlung von Osteoporose. Aber auch seltenere Erkrankungen wie die Paget-Krankheit, die zu einer starken Verdickung der Knochen führt, Osteogenensis imperfecta, umgangssprachlich als Glasknochenkrankheit bezeichnet, oder entzündliche Knochenerkrankungen gehören in den Bereich der Osteologie.
Erkrankungen des Knochensystems sind vielfältig und erfordern umfangreiches Expertenwissen, damit sie erfolgreich behandelt werden können. Dass dieses am Uniklinikum Dresden zu finden ist, wissen betroffene Patienten schon lange. Und sie nutzen es. Offiziell bestätigt hat das nun auch der wissenschaftliche Dachverband Osteologie: mit dem Zertifikat für ein „Klinisches osteologisches Schwerpunktzentrum“. Knochenexperte Prof. Dr. Lorenz Hofbauer von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III ist der Leiter dieses Zentrums.
Lorenz Hofbauer: „Zu den osteologischen Erkrankungen gehören etwa 100 verschiedene Störungen des Knochenaufbaus sowie des Knochenstoffwechsels. Die Osteoporose ist vielleicht die bekannteste Knochenstoffwechselerkrankung. Diese betrifft nicht nur Frauen, sondern auch Männer. Aber auch Knochenerkrankungen aufgrund einer hochdosierten Kortison- oder Krebstherapie gehören ebenso dazu wie die seltene Paget-Erkrankung, bei der sich – meist bei älteren Patienten – die Knochen unkontrolliert verdicken, oder die Osteogenensis imperfecta, eine Erbkrankheit, die zu einer extrem hohen Knochenbrüchigkeit führt, und umgangssprachlich als Glasknochenkrankheit bezeichnet wird.
Voraussetzung für das Zertifikat zum „Klinischen osteologischen Schwerpunktzentrum“ waren neben dem Expertenwissen und –können auch die Ausstattung des Uniklinikums: So mussten Hofbauer und sein Team nachweisen, dass alle Voraussetzungen zu neurologischen klinischen und osteologischen Untersuchungen, einschließlich eine Knochendichtemessung, sowie zu möglichen weiterführenden Untersuchungen wie Kernspintomographie, Computertomographie oder Szintigraphie vorhanden sind. „Wir mussten auch zeigen, dass wir eine gute physiotherapeutische Abteilung haben und mit anderen Abteilungen wie Orthopädie, Unfallchirurgie, Radiologie sowie Pathologie gut zusammenarbeiten“, so der Experte für Knochenerkrankungen.
Auch ohne die offizielle Ernennung zum „Klinischen osteologischen Schwerpunktzentrum“ sind Prof. Hofbauer und sein Team schon lange über die Grenzen Dresdens hinaus bekannt. „Die meisten leiden an Osteoporose“, so der Medizinprofessor, „aber auch jüngere Patienten wie Sportler, Patientinnen mit Essstörungen oder junge Mütter suchen nach Knochenbrüchen unseren Rat.“  Neben seiner Arbeit als Arzt und Forscher steht Lorenz Hofbauer seinen niedergelassenen Kollegen auch als „osteologischer“ Ratgeber zur Seite, wenn dies gewünscht wird.

Susanne Witzigmann M.A.

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Neue Ursache von Bluthochdruck erforscht


Dresden, 30. September 2009

Forscher der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden und des Max Planck-Instituts für Molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden haben herausgefunden, dass Bluthochdruck-Patienten einen Mangel an speziellen Blutfetten haben. Eine gezielte Ernährung, die den Speiseplan um Sojabohnen und Fischrogen erweitern, soll in Zukunft dazu beitragen, den Fetthaushalt auszugleichen und damit dem Bluthochdruck entgegen zu wirken.

Zehn bis 50 Prozent der Gesamtbevölkerung in den Industrieländern leiden an Bluthochdruck - in der Fachsprache heißt das arterielle Hypertonie. Daran erkrankt ist, wer dauerhaft einen Blutdruck von über 140 (mmHg) zu über 90 (mmHg) hat. Die Langzeitschäden von Bluthochdruck sind vielfältig und reichen von der koronaren Herzkrankheit über Herzinfarkte und Nierenversagen bis zum Schlaganfall. Die meisten Todesfälle in den Industrieländern sind durch diese Folgeschäden des Bluthochdrucks bedingt. Als Auslöser für Bluthochdruck gibt es verschiedene Ursachen wie Störungen des Hormon- oder des Herz-Kreislaufsystems sowie vorangegangene Nierenschäden.
Eine Forschergruppe der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des Universitätsklinikums Dresden hat jetzt unter der Leitung von Klinikdirektor Prof. Dr. Stefan R. Bornstein und Prof. Dr. Jürgen Gräßler gemeinsam mit einem Wissenschaftlerteam des Dresdener Max-Planck-Instituts für Molekulare Zellbiologie und Genetik unter der Leitung von Dr. Andrej Shevchenko eine weitere - und vielleicht entscheidende - Ursache der Hypertonie entdeckt. Die Dresdener Forscher analysierten die Blutfette von Patienten, die an starkem Übergewicht, erhöhtem Blutzucker, gestörtem Stoffwechsel und/oder an Bluthochdruck litten.  Für die Analyse der Fettprofile nutzten die Dresdener Forscher die Massenspektrometrie, ein Verfahren, mit dem sich Struktur und Zusammensetzung von Substanzen – in diesem Fall die Blutfette – erkennen lassen. Außerdem ermöglicht die Methode eine schnelle Blutanalyse vieler Patienten.
Das Ergebnis der Untersuchung ist eindeutig: Alle Bluthochdruck-Patienten zeigten einen Mangel an einer speziellen Gruppe von Fetten, den sogenannten Etherphospholipiden. Damit könnte das Dresdener Forschungsergebnis zukünftig Hoffnung für Bluthochdruckpatienten bringen. Denn, so Prof. Gräßler, „eine spezielle Ernährung mit Produkten aus Sojabohnen, Saflor (wilder Safran), Eiern und Fischrogen, die den Mangel an Etherphospholipiden im Körper ausgleicht oder deren Synthese anregt, könnte der Bluthochdruck-Erkrankung aktiv entgegenwirken.“

Susanne Witzigmann M.A.

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Neue Knochentherapie schützt Gefäße vor Verkalkung

29. September 2009

Wissenschaftler der Medizinischen Klinik und Poliklinik III haben zusammen mit einem Industriepartner einen neuen Wirkstoff zum Schutz der Knochen vor Abbau von Knochensubstanz erforscht. Osteoporose wird durch eine Störung im Knochenstoffwechsel verursacht und führt zu einem Abbau von Knochenmasse. Häufige Folgen sind Knochenbrüche - selbst bei kleinen Unfällen – und chronische Schmerzen. Ein neu entwickelter Wirkstoff muss nur zweimal pro Jahr gespritzt werden.

Weltweit tragen jede dritte Frau und jeder fünfte Mann das Risiko in sich, an Knochenschwund, der sogenannten Osteoporose, zu erkranken oder sie leiden bereits daran. „Diese Krankheit führt häufig zu einer eingeschränkten Lebensweise, weil schon kleinste Stürze oder Bewegungen wie Bücken zu Knochenbrüchen führen können“, so Prof. Dr. Lorenz Hofbauer, Hormon- und Osteoporose-Experte an der Medizinischen Klinik und Poliklinik 3 des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus.
Doch warum erkranken so viele Menschen an Osteoporose? Der Knochenstoffwechsel sorgt für einen ständigen Umbau innerhalb des Knochengewebes. Nur so können Kno-chen den täglichen Belastungen Stand halten. Altes Knochengewebe wird abgebaut und neues gebildet. Zellen, die zum Knochenaufbau beitragen, heißen Osteoblasten, Osteoklasten erledigen den Abbau. Normalerweise besteht ein Gleichgewicht zwischen beiden, damit gleich viel Knochensubstanz auf- wie abgebaut wird. Bei der Osteoporose ist dieses Gleichgewicht jedoch gestört, sodass mehr Knochensubstanz abgebaut wird als zugleich wieder aufgebaut werden kann.
Behandlungsmöglichkeiten gibt es zwar, doch diese weisen auch Nachteile auf, wie Prof. Hofbauer erläutert: „Die in Deutschland häufig verabreichten Osteoporosemedikamente aus der Klasse der Bisphosphonate bieten zwar einen guten Schutz, jedoch nehmen nur noch 20 bis 40 Prozent aller Patienten die Medi-kamente auch nach einem Jahr noch konsequent ein.“
In einem internationalen Wissenschaftlerteam und gemeinsam mit einem Industrie-partner haben Prof. Hofbauer und seine Mitarbeiter nun eine neue Behandlungsmethode erforscht, die für die Zukunft Abhilfe verspricht. Lorenz Hofbauer: „Die Methode setzt direkt bei der Knochenbiologie an und verfolgt damit einen vollkommen neuen Therapieansatz.“ Dabei geht es um einen neuen Wirkstoff mit dem Namen Denosumab. Prof. Hofbauer: „Mit Denosumab wurde ein monoklonaler Antikörper gegen den Stammzellfaktor RANK-Ligand entwickelt, der für die Ausreifung der knochenzerstörenden Osteoklasten entscheidend ist.“ Das bedeutet, dass Denosumab den Knochen gezielt vor dem Abbau von zuviel Substanz schützt. Und die Behandlung ist denkbar einfach. „Zwei subkutane Injektionen pro Jahr versorgen den Körper ausreichend mit diesem Wirkstoff, sodass von nun an die tägliche oder wöchentliche, lästige Einnahme von Osteoporosetabletten entfällt“, so Prof. Hofbauer.
Gemeinsam mit Wissenschaftlern des Biotechnologiekonzerns Amgen forscht die Ar-beitsgruppe um Prof. Hofbauer bereits seit 12 Jahren an den Grundlagen dieses Wirkstoffs. Erste Ergebnisse einer klinischen Studie zeigten, dass der Einsatz von Denosumab in der Wirkung einer traditionellen Therapie mit einem Bisphosphonat deutlich überlegen ist.
Und die Wissenschaftler forschen weiter am Knochen. So konnten die Naturwissen-schaftler Susann Helas und Dr. Claudia Göttsch, beide gehören ebenfalls zu Hofbauers Team, in Kooperation mit Wissenschaftlern aus Marburg, Wien und Thousand Oaks (USA) an einer ganz anderen Stelle eine positive Wirkung von Denosumab nach-weisen: Der längere Einsatz von Cortison führt zum Verlust von Knochenmasse und Knochenstärke, während im Gegenzug die Verabreichung von Denosumab den Knochen komplett davor schützt. Gleichzeitig verhindert das Präparat dabei auch die Verkalkung der Gefäße. Dies konnten die Dresdener Forscher in einem vorklinischen Modell nachweisen. Dazu Susann Helas: „Cortison mobilisiert offenbar Kalzium aus dem Knochen. Dieses Kalzium findet sich dann in den Gefäßen wieder. Schützt man jedoch den Knochen, bleiben auch die Gefäße intakt.“
Diese Forschungsergebnisse wurden im September auf dem amerikanischen Knochen-kongress ASBMR einem Fachpublikum vorgestellt und mit dem „Young Investigator Award“ ausgezeichnet. Gefördert werden die Projekte durch das DFG-Forschungszentrum für Regenerative Therapien (CRTD) der Technischen Universität Dresden.

Susanne Witzigmann M.A.

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Neue Therapie gegen Nebennierenkrebs

Dresden, 22. September 2009

Am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden wird eine neue Behandlungsmethode zur Bekämpfung bösartiger Nebennierentumoren erforscht.

Erstmals hat ein Forscherteam um Prof. Dr. Stefan R. Bornstein Hormonrezeptoren in bösartigen Nebennierentumoren nachgewiesen. Weitere Laborversuche zeigten, dass spezielle Substanzen an diesen Rezeptoren andocken und die Krebszellen vernichten. Die neue Therapie könnte zukünftig die Heilungschancen von Patienten mit Nebennierenkrebs erhöhen.Jeder Mensch hat zwei Nebennieren. Sie sind für die Produktion von Hormonen wie Adrenalin verantwortlich und liegen rechts und links über den Nieren, sind etwa vier Zentimeter lang und wiegen bis zu 15 Gramm. Die Nebennieren bestehen aus Rinde und Mark. In beiden können Tumoren entstehen, jedoch sind die Tumoren der Nebennierenrinde nur selten bösartig. Tumoren im Mark hingegen erweisen sich öfter als Krebs. Der hier am häufigsten vorkommende bösartige Tumor heißt in der Fachsprache Phäochromozytom und wird bislang mit Operation, Chemo- und Strahlentherapie bekämpft.
Die moderne Tumorforschung beschreitet indessen einen neuen Weg: Sie setzt auf Substanzen, die gezielt die Krebszellen angreifen und dadurch das gesunde Gewebe weniger schädigen als bisherige Methoden. Ein Ansatz, der in Zukunft auch das Behandlungsspektrum von Nebennierenkrebs erweitern könnte. Die Forschergruppe von Prof. Dr. Stefan Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik 3 des Universitätsklinikums Dresden, konnte jetzt erstmals in einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit  dem amerikanischen Medizin-Nobelpreisträger (1977) Prof. Dr. Andrew Schally nachweisen, dass in Phäochromozytomen vermehrt  sogenannte Hormon-Rezeptoren gebildet werden. Und diese Rezeptoren eignen sich als Angriffspunkte für eine zielgerichtete, ausschließlich auf das Tumorgewebe bezogene Behandlung.
„Insgesamt haben wir drei Hormon-Rezeptoren nachgewiesen wie zum Beispiel den Somatostatin-Typ2-Rezeptor“, so Prof. Bornstein. „In einem nächsten Schritt konnten wir in unseren Laborexperimenten zeigen, dass sogenannte Hormonblocker wie das Somatostatin am entsprechenden Rezeptor andocken und die Tumorzellen gezielt vernichten.“
Als zukünftige Therapie von bösartigen Nebennierentumoren sehen die Dresdener Forscher eine Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie zusammen mit Hormonblockern. Diese kombinierte Therapie soll die Heilungschancen von Menschen mit Phäochromozytomen deutlich erhöhen. Prof. Bornstein: „Mit dem Nachweis der Rezeptoren als Angriffspunkte für spezielle Substanzen, die Krebsgewebe vernichten, haben wir in Zukunft zusätzlich zu den bisherigen Therapien die Möglichkeit zu einer gezielten, nur auf den Tumor gerichteten und das gesunde Gewebe schonenden Behandlung.“ Bis die Therapie erfolgreich an Patienten angewendet werden kann, bedarf es aber noch weiterer Forschungsarbeiten.

Susanne Witzigmann M.A.

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Nervenähnliche Stammzellen aus der Nebenniere isoliert

Dresden, 7. September 2009

An der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des Dresdener Universitätsklinikums Carl Gustav Carus wurden erstmals im Tiermodell Stammzellen aus dem Nebennierenmark isoliert. Schon heute werden Stammzellen zur Behandlung vieler Krankheiten eingesetzt. Große Hoffnungen setzt die Medizin dabei auf die Behandlung von Nervenerkrankungen wie Morbus Alzheimer und Morbus Parkinson. Stammzellen aus dem Nebennierenmark haben eine enge biologische Beziehung zu Nervenzellen und könnten in Zukunft die erkrankten Nervenzellen ersetzen.

Aus Stammzellen bilden sich Gewebe wie Muskeln, Knochen, Haut, das Blut bildende System sowie Nervenzellen. Eine weitere wichtige Aufgabe der Stammzellen ist, alte und kranke Zellen zu erneuern – und zwar im gesamten Organismus. Das heißt, dass sie selbst die jeweilige Funktion der ausgefallenen Zellen übernehmen. Wegen dieser Fähigkeit werden Stammzellen - auch Vorgängerzellen genannt - immer häufiger zur Behandlung von verschiedenen Krankheiten und in der Regenerativen Medizin eingesetzt.Man unterscheidet embryonale und adulte – also erwachsene - Stammzellen. Embryonale Stammzellen entstehen nach der Befruchtung einer Eizelle und können nur aus Embryonen gewonnen werden, was in Europa gesetzlich verboten ist. Adulte Stammzellen hingegen befinden sich lebenslang im Körper des Menschen und werden bisher aus Knochenmark, Eigenblut und Nabelschnur gewonnen. Die isolierten Zellen werden je nach ihrer zukünftigen Aufgabe biologisch programmiert und in den Körper des Erkrankten gegeben. Das klingt einfach, ist aber ein komplizierter Prozess, bei dem noch viele Hürden genommen werden müssen, damit die Methode bei möglichst vielen Krankheiten helfen kann.
Das gilt auch für Nervenerkrankungen wie Morbus Alzheimer und Morbus Parkinson, bei deren Behandlung Mediziner große Hoffnungen auf die Stammzellmethode setzen. Einen neuen Ansatz könnte hier ein Forscherteam der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des Dresdener Universitätsklinikums Carl Gustav Carus bieten: So gelang es erstmals der Nebennierenexpertin Dr. Monika Erhart-Bornstein und ihrem Team im Tiermodell Stammzellen aus dem Nebennierenmark zu isolieren. Ein Erfolg, der viel Potenzial birgt. Dr. Monika Ehrhart-Bornstein: „Unsere bisherigen Untersuchungen haben gezeigt, dass sich Stammzellen aus dem Nebennierenmark wegen ihrer biologischen Eigenschaften zur Behandlung von Nervenerkrankungen eignen könnten. Durch ihre enge Beziehung zu Nervenzellen, ihre Plastizität sowie die Ausschüttung von Wachstumshormonen, die speziell die Entwicklung von Nervenzellen fördern, scheinen sie sich gut für die gewünschte Funktion programmieren zu lassen. Außerdem sind sie in der Lage, sich selbst zu erneuern.“
Langfristiges Ziel ist, Stammzellen aus dem Nebennierenmark von Patienten zu isolieren und nach einer entsprechenden Programmierung dem Patienten zurück zu transplantieren. Bis dieses Verfahren in der Praxis angewendet werden kann, müssen jedoch noch einige Hürden und Risiken genommen werden.

Susanne Witzigmann M.A.

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Vitamin D – ein Vieleskönnerfür die Gesundheit

Dresden, 27. Juli 2009

Osteoporose, Muskelschwäche, Neigung zu Stürzen – hinter diesen und weiteren Symptomen verbirgt sich häufig ein Mangel an Vitamin D. Prof. Dr. Lorenz Hofbauer, Hormon- und Knochenexperte an der Medizinischen Klinik III des Dresdener Universitätsklinikums erläutert die vielfältigen Stoffwechselprozesse rund um das Vitamin und warum eine ausreichende Versorgung damit unverzichtbar ist. Im MDR wird Lorenz Hofbauer am 30. Juli 2009 im Gesundheitsmagazin „Hauptsache Gesund“ über die Wirkung von Vitamin D informieren und erläutern, wie man einen Mangel verhindern kann. Gemeinsam mit zwei Kollegen setzt sich der Dresdener Medizinprofessor außerdem mit dem Projekt „OsteoNet“ für eine bessere Behandlung von Osteoporose ein.

Fast jeder kennt Johanna Spyris Geschichte vom Schweizer Mädchen Heidi und ihrer kranken Freundin Klara. Letztere lebte fern von Sonne und Natur in einer Großstadtwohnung und wurde bei einem Besuch in den Bergen wieder gesund. „Klaras Schwäche könnte ein klassischer Fall für einen schweren Mangel an Vitamin D gewesen sein“, so die Vermutung von Prof. Dr. Lorenz Hofbauer von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Dresdener Universitätsklinikum Carl Gustav Carus. „Der menschliche Körper braucht nämlich UV-Licht, um das Vitamin aus Cholesterin herstellen zu können“, erläutert der Experte für Hormon- und Knochenerkrankungen weiter. Bekommt der Körper ausreichend Sonneneinstrahlung, wird Vitamin D produziert und sorgt anschließend im Körper für eine Kette von Stoffwechselprozessen: Zunächst bindet es sich im Blut an Eiweiß und gelangt so zur Leber. Dort wandelt es sich in Calcidiol um - der Fachmann spricht von 25-Hydroxy-Vitamin D. Mit Hilfe eines Hormons aus der Nebenschilddrüse und eines speziellen Enzyms wird das Calcidiol in der Niere zu Calcitriol - Vitamin D 3 - umgewandelt. Dies geschieht, wenn der Kalzium-Spiegel im Blut sinkt und wieder ausgeglichen werden muss. Calcitriol ist nämlich aktiver als Calcidiol und bewirkt, dass Kalzium aus den Knochen freigesetzt und verstärkt im Darm aufgenommen wird und von dort schließlich wieder in den Blutkreislauf gerät.
Weil Vitamin D an vielen Stoffwechselprozessen im ganzen Körper beteiligt ist, „können an all diesen Stellen auch Probleme auftreten, die die ausreichende Versorgung mit Vitamin D stören. Beispielsweise bei bestimmten Leber- und Nierenerkrankungen, so der Dresdener Medizinprofessor. Doch unabhängig ob zu wenig Sonnenlicht oder gestörte Stoffwechselprozesse im Körper - ein Defizit an Vitamin D hat für die Betroffenen oft weitreichende Konsequenzen. Zu diesen gehören Muskelschwäche, allgemeine Schwäche, Fallneigung, Schlafstörungen und sogar Depressionen. Auch das Immunsystem braucht ausreichend Vitamin D für eine gute Abwehr. Lorenz Hofbauer: „Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen mit Vitamin-D-Mangel häufiger an Tuberkulose leiden als Menschen mit einer ausreichenden Versorgung.“ Selbst die Bauchspeicheldrüse braucht genügend Vitamin D, um optimal Insulin produzieren zu können. Möglicherweise trägt ein Mangel an diesem Vitamin sogar zur Entstehung verschiedener Krebsarten wie Prostata- oder Brustkrebs bei.
Weil Vitamin D auch den Kalziumhaushalt entscheidend mitbestimmt und Kalzium ein wichtiger Baustein für den Knochenaufbau ist, erhöht sich bei zu wenig Vitamin D das Risiko, an Osteoporose zu erkranken. Bei Kindern führt Vitamin-D-Mangel häufig zu Rachitis. Fatale Folgen hat es mitunter für Betroffene, die zugleich an Osteoporose und Fallsucht leiden, weil die vermehrten Stürze auch zu mehr Brüchen der ohnehin schon geschwächten Knochen führen. Doch Abhilfe ist möglich, Prof. Hofbauer: „Es wurde nachgewiesen, dass sich die Stürze bei Betroffenen um die Hälfte reduzieren, wenn sie den Mangel durch die Einnahme eines Vitamin-D-Präparats ausgleichen.“ Gemeinsam mit den Dresdener Experten für Knochenerkrankungen Dr. Leonore Unger, Chefärztin der 1. Medizinischen Klinik des Krankenhauses Dresden Friedrichstadt, sowie dem niedergelassenen Allgemeinmediziner Alexander Defèr setzt sich Prof. Hofbauer mit seinem Projekt ‚OsteoNet’ beim Carus Cosilium Sachsen für eine bessere Behandlung von Osteoporose ein.
Doch wie bekommt der Körper eine genügende Menge Vitamin D? Hofbauer: „Etwa 15 Minuten Sonne bei einem Spaziergang, der Gartenarbeit oder dem täglichen Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad oder zu Fuß sind empfehlenswert. Ein hautschädigender Sonnenbrand darf dabei nicht entstehen.“ Neben der „Eigenproduktion“ mittels UV-Licht kann dem Körper das Vitamin auch durch die Nahrung zugeführt werden - vor allem in der sonnenarmen Jahreszeit. Zu den Vitamin-D-Lieferanten gehören Fettfische, Milch, Butter und Eier. Auch Vitamin-D-Präparate sorgen bei Stoffwechselstörungen für eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung. Täglich sollten etwa 1000 Einheiten eingenommen werden. Mehr Informationen von Prof. Lorenz Hofbauer zum Thema gibt es am Donnerstag, den 30. Juli in der MDR-Sendung „Hauptsache Gesund“ um 21:00 Uhr.

Susanne Witzigmann M.A.

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Nebennierenversagen – eine unterschätzte und oft lebensbedrohliche Erkrankung

28. Mai 2009

Der international bekannte Nebennieren-Experte Prof. Dr. Stefan R. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Dresdener Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, präsentiert ein neues Forschungsergebnis zur Erkrankung der Nebenniere: Produziert der Körper unerkannt zu wenig Cortison, kann es in besonderen Belastungssituationen zu einem Versagen der Nebennieren führen – mit oft tödlichen Folgen. Ein neues Forschungsergebnis zeigt diesen Zusammenhang auf und erläutert, wie ein einfacher Test vor der Erkrankung schützen kann.

Dresden. Fünf von 10.000 Menschen in Westeuropa leiden an Nebennierenversagen. Wahrscheinlich ist die Dunkelziffer noch höher, denn schwache Verlaufsformen der Erkrankung werden meistens gar nicht erkannt. Eine Tatsache, die lebensbedrohliche Folgen für die Betroffenen haben kann, wie Prof. Dr. Stefan R. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Dresdener Universitätsklinikum, erforscht hat. Bornstein: „Die Nebennieren sitzen auf den oberen Polen der Nieren und produzieren beispielsweise die wichtigen Hormone und Nervenbotenstoffe Adrenalin und Noradrenalin. Und sie produzieren das Hormon Cortison. Dieses hat eine entscheidende Bedeutung für den Kohlenhydrathaushalt, den Fettstoffwechsel sowie den Proteinumsatz. Durch eine Unterfunktion der Nebennieren vermindert sich die Cortison-Produktion und das normale Gleichgewicht im Stoffwechsel ist gestört.“ Die Betroffenen spüren dies zunächst nicht. Tritt jedoch eine besondere Belastungssituation auf, beispielsweise durch schwere Infektionen wie HIV, durch Operationen oder Unfälle, kann es zum plötzlichen Versagen der Nebennierenfunktion - der sogenannten Nebenniereninsuffizienz - kommen.
„Dieser Zustand ist lebensbedrohlich“, erläutert Prof. Stefan Bornstein. „Er ist häufig durch Bewusstseinseintrübung, Blutdruckabfall, Austrocknung des gesamten Organismus oder Unterzuckerung gekennzeichnet.“ Erkennt der Arzt nicht die Ursache dieser Symptome, besteht häufig Lebensgefahr für den Patienten. Dabei könnte eine einfache Cortisongabe helfen.
Wie wichtig es ist, dass Ärzte diese Zusammenhänge in Zukunft besser erkennen, zeigt eine Veröffentlichung der Dresdener Forschungsergebnisse in der aktuellen Ausgabe des New England Journal of Medicine, eine der bedeutendsten medizinischen Fachzeitschriften. Unter dem Titel „Predisposing Factors for Adrenal Insufficiency“ erläutert Bornstein, wie ein Versagen der Nebennierenfunktion in vielen Fällen durch einen einfachen Test im Vorfeld erkannt und damit verhindert werden könnte. Prof. Bornstein: „Es gibt Gruppen von Kranken, die ein erhöhtes Risiko für ein Nebennierenversagen haben. Dazu zählen beispielsweise die Millionen von Menschen, die ein Cortison-Präparat einnehmen müssen, weil sich dadurch die körpereigene Cortison-Produktion vermindert. Würde bei diesen Patientinnen und Patienten routinemäßig ein einfacher Test - der sogenannte Corticotropin-Test - durchgeführt, bei dem die körpereigene Cortison-Produktion gemessen wird, ließe sich schnell ermitteln, wer an einer verminderten Cortison-Produktion leidet und damit das Risiko in sich trägt, an Nebennierenversagen zu erkranken.“

Susanne Witzigmann M.A.

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