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Fetale Kardiologie - Interdisziplinäre Spezialsprechstunde

Der Aufgabenbereich der pränatalen Kardiologie umfasst die Diagnostik und Therapie von angeborenen Herzfehlern, Arrhythmien und Herzinsuffizienz beim Feten.

Diefetale Echokardiografiebefasst sich mit der Ultraschall-Untersuchung des fetalen Herzens in der Schwangerschaft. Die Fetalechokardiographie an der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe des Universitätsklinikums Dresden kann bereits ab Ersttrimesterscreening erfolgen.

Es besteht innerhalb des Zentrums für Perinatalmedizin eine enge Zusammenarbeit mit der klinischen Abteilung für Kinderkardiologie der Universitätskinderklinik, den überregionalen Kliniken für Kinderkardiologie, sowie außerhalb mit den niedergelassenen Gynäkologen.

Ziel der pränatalen Kardiologie ist nicht nur vorgeburtliche Diagnostik angeborener Herzfehler, sondern das Monitoring der Herzfunktion im Sinne einer funktionellen Diagnostik sowie Behandlung des Feten transplazentar über die Mutter.

Die Betreuung von Mutter und Kind erfolgt interdisziplinär in Kooperation zwischen Kinderkardiologie, Neonatologie, Geburtshilfe aber auch Radiologie (fetale Magnetresonanztomographieuntersuchungen), Humangenetik, Kinderherzchirurgie und Kinderchirurgie.

Die Entscheidungsfindung für jedes einzelne Kind und die Festlegung des Behandlungsplans erfolgt durch den Kinderkardiologen, der genaue Ablauf des prä- und perinatalen Managements erfolgt im Rahmen der regelmäßig stattfindenden interdisziplinären Besprechungen mit Gynäkologen und Neonatologen.

Um auch den sehr wesentlichen psychosozialen Aspekten gerecht zu werden, wird parallel zur medizinischen Betreuung auch eine psychologische Betreuung angeboten.


Wann sollten Sie eine solche Untersuchung in Anspruch nehmen?

    • Wenn in Ihrer Familie ein angeborener Herzfehler bekannt ist
    • Wenn Sie oder einer Ihrer Familienangehörigen unter einer rheumatischen Erkrankung leiden
    • Wenn Sie oder einer Ihrer Familienangehörigen einen sog. AV-Block unklarer Ursache aufweisen
    • Wenn Ihr Kind eine andere Fehlbildung oder eine Chromosomenanomalie aufweist
    • Wenn Ihr Kind unklare Wasseransammlungen im Körper aufweist
    • Wenn Sie über 35 Jahre alt sind
    • Wenn Sie bestimmte Medikamente einnehmen (z.B. Lithium, Cortison) oder unter Diabetes (auch Schwangerschaftsdiabetes) leiden
    • Wenn es sich um eine Mehrlingsschwangerschaft handelt
    • Wenn die Schwangerschaft durch künstliche Befruchtung zustande kam

Ärzte


PD Dr. med. Cahit Birdir

PD Dr. med. Cahit Birdir

  • Leitender Oberarzt für Geburtshilfe und Pränataldiagnostik


MUDr. Matej Komár

Dr. med. Matej Komár

  • Oberarzt für Geburtshilfe, Pränataldiagnostik, Fetale Therapie und Fetalchirurgie


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Dr. med. Antje Heilmann

  • Oberärztin für Kinderkardiologie, fetale Echokardiographie

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Dr. med. Bert Henning

  • Leitender Oberarzt für Pädiatrische Kardiologie

Ambulanzzeiten

Ambulanzzeiten

Donnerstag von 8.00 Uhr bis 12.30 Uhr, oder nach Vereinbarung

Terminvereinbarung: Allgemeine Ambulanz der Universitätsfrauenklinik: Tel. 0351 458-2183

Fetale Herzfehler

Herzfehler gehören zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen. Etwa jedes hundertste Kind kommt mit einer solchen Anomalie zur Welt. Viele dieser Herzfehlbildungen sind harmlos oder lassen sich operativ beheben.

Selbst komplexe Herzfehler stellen jedoch aufgrund der Besonderheit des fetalen Kreislaufs für den Feten intrauterin im allgemeinen kein Problem dar – das Kind ist ausreichend über die Plazenta versorgt – das Ereignis des intrauterinen Fruchttods ist selten.

Ein erster Hinweis ist bereits in der Frühschwangerschaft (ca 12. Schwangerschaftswoche) durch Nachweis einer erweiterten Nackenfalte beim Ungeborenen gegeben. Durch transvaginale Ultraschalluntersuchung (Schallsonde über die Scheide der Mutter eingeführt) kann auch eine erste Beurteilung des fetalen Herzens erfolgen.

Zu einem späteren Zeitpunkt erfolgt die Ultraschalluntersuchung über den Bauch der Schwangeren. Bereits ab der 16.- 17. SSW können Diagnosen angeborener Herzfehler mit hoher Sicherheit gestellt bzw. ausgeschlossen werden. Oft sind Verlaufskontrollen empfehlenswert, da sich bestimmte Anomalien wie z.B. Klappenverengungen auch noch im weiteren Schwangerschaftsverlauf entwickeln können.

Ein Herzfehler stellt prinzipiell keine Kontraindikation zu einer normalen Geburt dar.

Bei kritischen Herzfehlern mit ductusabhängiger Durchblutung des Lungen- oder Körperkreislaufs ist in den ersten Lebensstunden die Gabe von Prostaglandin erforderlich, um den Ductus arteriosus Botalli offen zu halten. Es gibt jedoch auch Herzfehler, die nach der Entbindung ein sehr zügiges Intensivmanagement bzw. eine Rashkindprozedur benötigen können (z.B. Transposition der großen Arterien). Für diese Kinder streben wir die Entbindung der Schwangeren nahe einen Kinderherzzentrum an. Unsere Kooperationspartner sind insbesondere die Klinik für Kinderkardiologie des Herzzentrums Leipzig und das Deutsche Herzzentrum Berlin.

Nach erfolgter Untersuchung erfolgt ein ausführliches Informationsgespräch mit dem Ziel für die Eltern „die Zukunft überschaubar zu machen“.

Wesentlich für die Prognose sind Art und Schweregrad des Herzfehlers, eventuell vorhandene zusätzliche Fehlbildungen anderer Organsysteme sowie auch genetische Störungen.

Mit der Schwangeren und deren Familie werden die operativen Möglichkeiten (biventrikuläre Korrektur bzw. bei singulärem Ventrikel stufenweise Palliation ( z.B. aortopulmonale Shunts, Glenn Operation, Fontan Operation) und Herzkatheterinterventionen ( Klappendilatationen; Ductusstents, etc.) bzw. Hybrideingriffe ( z.B. Hypoplastisches Linksherz) besprochen.

Wir beantworten Fragen nach dem zu erwartenden intrauterinen Verlauf, der Art der Entbindung und nach den Auswirkungen einer eventuellen Frühgeburt.

Es werden Fragen nach möglichen Auswirkungen des Herzfehlers auf den Alltag des Kindes und der Familie (Krankenhausaufenthalte, Medikamente, Schule, Sport, Schwangerschaft, Wiederholungsrisiko) beantwortet.

In den regelmäßig stattfindenden interdisziplinären perinatologischen Besprechungen legen wir unter Berücksichtigung der zu erwartenden postpartalen kardialen Dynamik und Symptomatik den Behandlungsplan inklusive Geburtsmodus für jedes einzelne Kind genau fest und sprechen ihn selbstverständlich mit den Eltern ab.

Fetale Arrhythmien (Herzrythmusstörungen)

80 – 90% der Feten mit beobachteten Arrhythmien haben einen Sinusrhythmus mit supraventrikulären Extrasystolen die teilweise auch blockiert sein können, 10-15% haben eine tachykarde Herzaktion (schneller Herzschlag) und nur 5% haben fetale Bradykardien (langsamer Herzschlag).

Bei den beiden letztgenannten Rhythmusstörungen besteht die Möglichkeit des Auftretens eines Hydrops fetalis.

Die Diagnostik fetaler Herzrhythmusstörungen erfolgt mit M-mode bzw. dopplerechokardiographischen Methoden, die es ermöglichen, ein „fetales EKG“ zu schreiben.

Nach der genauen Diagnostik der Herzrhythmusstörung (z.B. Tachykardie des Feten) kann die Einleitung einer medikamentösen antiarrhythmischen Therapie an die Mutter erforderlich sein. Die Einstellung wird in Kooperation mit Kardiologen durchgeführt.

Der Zeitpunkt der Geburt insbesondere ein möglicher Kaiserschnitt werden im Team abgesprochen, ebenso das unmittelbar postpartale Management der oft kritisch kranken Kinder, inklusive Kardioversion und Steuerung der medikamentösen Therapie. In seltenen Fällen muss die Geburt herzzentrumsnah erfolgen, wenn nach der Geburt des Kindes eine dringende Versorgung mit einem Herzschrittmacher erforderlich ist.

Fetale Herzinsuffizienz

Eine fetale Herzinsuffizienz kann z.B. im Rahmen fetaler Anämie, bei mütterlicher Hyperthyreose oder auch im Rahmen eines fetofetalen Transfusionssyndroms auftreten.

Die Beurteilung des Ausmaßes der fetalen Herzinsuffizienz kann mit dem cardiovascular Profile Score erfolgen. Auch hier besteht unter Umständen die Möglichkeit einer transplanzentaren Therapie durch die Mutter.