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Geschichte

Die Entwicklung der Apotheke im Stadtkrankenhaus Dresden-Johannstadt von 1901 bis 1945

Mit der Übergabe des Johannstädter Krankenhauses am 2. Dezember 1901 erfolgte auch die Gründung der Anstalts-Apotheke. Sie befand sich im Verwaltungsgebäude südlich der Eingangshalle und umfasste: Rezeptur, Apothekenlaboratorium, Ausgabezimmer, zwei Vorratsräume, ein Zimmer für den Apothekenarbeiter, Arbeitsräume im Kellergeschoss, Apothekengehilfenwohnung sowie ein Gebäude für brennbare Flüssigkeiten. Im zweiten Obergeschoss war die Wohnung des Apothekenverwalters. An Mitarbeitern standen ein Apotheker, ein Hilfsapotheker, ein Apothekenarbeiter und zeitweise eine Hilfskraft zur Verfügung.

Alte Apotheke

Die Anstalts-Apotheke galt bis 1903 als Ausgabestelle der Krankenhausapotheke Dresden- Friedrichstadt und wurde von 1901 bis 1905 vom Oberapotheker Bernhard Seyffert geleitet. 1903 wurde die Apotheke selbstständig. Da Seyffert 1905 zur Leitung der Apotheke Dresden- Friedrichstadt berufen wurde, übernahm an seiner Stelle Dr. Paul Bohrisch die Leitung der Anstalts-Apotheke Johannstadt. Bohrisch war Apotheker und Lebensmittelchemiker.

Unter der Leitung von Prof. Dr. Bohrisch ist wahrscheinlich auch das "Arzneibuch für das Stadtkrankenhaus Johannstadt in Dresden" herausgegeben worden. Das Arzneibuch trug den Charakter einer Hauspharmakopoe und enthielt neben "Vorschriften über den Verkehr mit der Apotheke" pharmazeutische Grundstoffe, Reagenzien, Rezepturen und Arzneifertigwaren in alphabetischer Reihenfolge, geordnet nach Heilgebieten sowie die dazugehörenden Anwendungshinweise.

Rezeptur alte ApothekeArzneibuch

Die allgemeinen "Vorschriften über den Verkehr mit der Apotheke" enthielten  Festlegungen, ähnlich einer hauseigenen "Arzneimittelordnung".
Zur Versorgung der Stationen war die Apotheke von " 8 Uhr morgens bis 1 Uhr und von 3½ Uhr nachmittags bis 7½ Uhr abends" geöffnet, außerdem jeden 2. Tag von "7½ Uhr abends bis 8 Uhr morgens" sowie an einem Mittag von "1 Uhr bis 3½ Uhr ", also durchgehend. An Sonn- und Feiertagen sowie zur Urlaubszeit war nur bis "1 Uhr nachmittags" geöffnet.
Das Stadtkrankenhaus Dresden-Johannstadt wurde wegen sinkender Steuereinnahmen am 1. April 1932 geschlossen und in das Carolahaus verlegt. Die Apotheke wurde ebenfalls geschlossen und Prof. Dr. Bohrisch in den Ruhestand versetzt.

Nach der Machtergreifung des Faschismus wurde das Johannstädter Stadtkrankenhaus im Juni 1933 wiedereröffnet. Im Mai 1934 erfolgte die Umbenennung in "Rudolf-Hess-Krankenhaus". Die Leitung der Apotheke übernahm von 1934 an der Stadtamtsoberapotheker Kürschner . Er verstarb 1942 und an seiner Stelle bekam Anfang März 1942 Hans Irmscher die Leitung der Apotheke als Chefapotheker übertragen. Diese Funktion hatte er bis 1982 inne.

Er erlebte die schweren Kriegs- und Nachkriegsjahre und schrieb in seinen Erinnerungen:
"Die Apotheke war, von kleinen Schäden abgesehen, unzerstört geblieben. Das wenige Personal, das noch da war, arbeitete bis zur Erschöpfung, Tag und Nacht. Wenigstens eine Notversorgung wollten wir aufrecht erhalten. Wir konnten uns ohnehin nur dringendster Fälle annehmen, denn es waren ja nur noch wenige Kellerräume betriebsfähig geblieben bzw. in mühsamer Arbeit wieder verwendungsfähig gemacht worden. Die geringen Arzneimittelbestände waren rasch aufgebraucht."

Mit Schaffung der so genannten antifaschistisch-demokratischen Ordnung in der sowjetischen Besatzungszone wurden durch Reformen die Voraussetzungen auf dem Gebiet des Gesundheitswesens geschaffen, die dazu führten, dass die Zusammenarbeit zwischen Krankenhaus und Krankenhausapotheke sich voll entfalten konnte.

Die Entwicklung der Apotheke ab 1945

Mit der Gründung der Medizinischen Akademie 1954 als neue ärztliche Bildungsstätte sollte eine der notwendigen Voraussetzungen für eine zukünftige, der sozialistischen Gesellschaft gemäße Gesundheits- und Sozialpolitik geschaffen werden. Verbunden mit der Profilierung des ehemaligen Stadtkrankenhauses Johannstadt zu einer medizinischen Hochschuleinrichtung mit hoch spezialisierter medizinischer Betreuung sowie Aufgaben in Lehre, Erziehung und Forschung wurde auch die Apotheke vor neue pharmazeutische Versorgungsaufgaben gestellt. Um diesen Anforderungen gerecht werden zu können, wurde in den Jahren 1968/69 die Sterilabteilung rekonstruiert. Das chemisch-physikalische Labor wurde mit modernen Messgeräten ausgestattet.

Die Rekonstruktion der Akademie-Apotheke 1984 bis 1985 und die Versorgungsaufgabe und Organisationsstruktur bis 1990

Mit der Übernahme der Leitung der Akademie-Apotheke durch PhR Jobst Bergner 1983 stand vordringlich die Aufgabe einer Rekonstruktion bei laufender Versorgung der Kliniken und Institute. Der Umbau wurde im November 1984 begonnen und am 11. Dezember 1985 beendet. Die Hochschulapotheke hatte bis 1990 eine Bruttofläche von 1400m² und versorgte 1900 Betten in 15 Kliniken, 8 Instituten sowie vier selbstständige Abteilungen mit Arzneimitteln, Verbandstoffen, Desinfektionsmitteln, Labordiagnostika, chirurgischem Naht- und Unterbindungsmaterial, mit einem Teilsortiment medizintechnischen Verbrauchsmaterials und medizinischen Gasen.

Sie sicherte die Herstellung und Qualität industriell nicht produzierbarer Arzneimittel auf wissenschaftlicher und ökonomischer Grundlage unter Beachtung eines hohen Standardisierungsgrades. Die Eigenherstellung umfasste dabei durchschnittlich 1 Mio. Mark.

Zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Dialyse und im Rahmen der Arzneimittelsicherheit erfolgte der Bau eines Dialyse-Tanklagers für insgesamt 7000 l.

Die Krankenhausapotheker der DDR hatten bis 1990 keine eigene Interessenvertretung und waren in die Pharmazeutischen Zentren integriert. Veranstaltungen konnten deshalb nur unter dem Dach der Pharmazeutischen Gesellschaft organisiert werden.

Der pharmazeutische Alltag in der DDR war von "Mangelverwaltung" geprägt, da von etwa 1900 zugelassenen Arzneimitteln meist ein Drittel nicht oder nur zeitweise verfügbar waren. Das Sortiment war in Nomenklaturen unterteilt und bestimmte Präparate, zumeist Importe, konnten nur über Sonderanträge bereitgestellt werden.
So wurden im Rahmen der so genannten "Ersatzproduktion" z.B. Fieberzäpfchen, Elektrolytlösungen, Tabletten und Salben in halbindustriellem Maßstab hergestellt und auch an andere staatliche Apotheken geliefert.

Die Entwicklung nach 1990

Die Zeit des Neubeginns stellte an alle Mitarbeiter besondere Anforderungen. Nach der fachlichen und politischen Evaluation und Zeiten der Ungewissheit erfolgte am 1. Oktober 1993 die Gründung einer Medizinischen Fakultät an der Technischen Universität Dresden.

1990 konstituierte sich die Arzneimittelkommission der Medizinischen Akademie Dresden und 1991 erschien die erste hauseigene Arzneimittelliste.

In der Anfangszeit nach Fakultätsgründung war eine bemerkenswerte materielle und bauliche Erneuerung im Gange, die an alle beteiligten Mitarbeiter und auch an die Patienten erhebliche Ansprüche stellte. Einen großen Fortschritt stellte der Umbau des alten Desinfektorgebäudes in ein modernes Infusionslager dar, das eine übersichtliche Palettenlagerung ermöglichte. Eine wichtige Voraussetzung für den Neubeginn war die Installation einer modernen EDV-Anlage.

1995 wurden ein, an GMP angelehnter, Steriltrakt errichtet und die Abteilung pharmazeutische Technologie neu ausgestattet. Auch der Arbeitsbereich Qualitätssicherung wurde modernisiert.

Nach Verlagerung der Infusionslösungen aus dem ehemaligen Haupteingang in neue Räume konnte dieser Eingang, der heute nur für Fußgänger zugänglich ist, wieder geöffnet werden. Er wurde nach alten Vorlagen rekonstruiert. Seitdem kommen die Jugendstilelemente wieder voll zur Geltung. Heute ist dieser repräsentative Eingang der schönste Teil des Verwaltungsgebäudes.

Unmittelbar nach der Einheit haben sich die Arbeitsschwerpunkte verlagert. Die Eigenherstellung wurde stark reduziert und erfolgte  patientenorientiert. Aufgebaut wurden Serviceleistungen wie die Zentrale Zytostatika- und Mischbeutelherstellung sowie die Arzneimittelinformation.

(gekürzter Text aus der Festschrift zum 100jährigen Bestehen der Klinik-Apotheke: OPhR J. Bergner)

Gegenwart und Perspektive

Mit Wirkung vom 1. Juli 1999 wurden die Medizinische Fakultät und das Universitätsklinikum juristisch getrennt. Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der Technischen Universität wurde Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR).

Die Apotheke mit der neuen Bezeichnung Klinik-Apotheke wurde als Geschäftsbereich in ökonomischen Fragen dem Kaufmännischen Vorstandsmitglied und in medizinisch- pharmazeutischen Fragen dem Medizinischen Vorstandsmitglied unterstellt.

Am 1. Januar 2004 wurde die Leitung Herrn Dr. rer. nat. Holger Knoth übertragen.

Die räumliche Situation der Klinik-Apotheke war immer noch unbefriedigend. Eine starke Zersplitterung der Lager und Herstellungsbereiche behinderte rationelle Arbeitsabläufe.

Gebäude

2008 wurde daher der Neubau eines Versorgungszentrums mit den Bereichen Logistik und Klinik-Apotheke  begonnen. Er konnte im November 2010 abgeschlossen werden. Der Freistaat Sachsen und der Bund investierten rund 17 Mio. Euro. Auf einer Grundfläche von 4000 m 2 bestehen nun effektive Strukturen und verbesserte Arbeitsbedingungen für beide Geschäftsbereiche.

Für optimale Bedingungen sorgen großzügige Lagerflächen, Labore mit moderner apparativer Ausstattung und Reinräume auf 500 m 2 Fläche, die eine Arzneimittelherstellung auf industriellem Niveau gewährleisten.

Leiter der Klinik-Apotheke

1901-1905   Oberapotheker Bernhard Seyffert

1905-1932   Dr. Paul Bohrisch (ab 1923 außerordentlicher Professor)

1934-1942   Stadtamtsoberapotheker Friedrich Kürschner

1942-1982   Oberpharmazierat Hans Irmscher

1982-1983   Pharmazierat Johanna Dühning (kommissarische Leitung)

1983-2004   Oberpharmazierat Jobst Bergner

seit 2004      Dr. rer. nat. Holger Knoth