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Historie der Station

 

Die Entwicklung der Klinik und Poliklinik für Kiefer- Gesichtschirurgie und Chirurgische Stomatologie der Medizinischen Akademie „Carl Gustav Carus“ Dresden von 1963 bis 1993 von Prof. Dr. Dr. Uwe Eckelt (download)

Die Entwicklung vom Stadtkrankenhaus Dresden-Johannstadt zur Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der Technischen Universität Dresden
von Dr. Katrin Langowsky (download) 

Die Entwicklung der Zahn- und Kieferklinik am Stadtkrankenhaus Dresden-Johannstadt unter Leitung des Zahnarztes Johann Alexander Vogelsang von 1921 bis 1963 von Dr. Katrin Langowsky (download)



Die Entwicklung der Klinik und Poliklinik für Kiefer- Gesichtschirurgie und Chirurgische Stomatologie der Medizinischen Akademie „Carl Gustav Carus“ Dresden von 1963 bis 1993

Die Abteilung (später Klinik und Poliklinik) für Chirurgische Stomatologie und Kiefer- Gesichtschirurgie wurde  von 1964  an  oberärztlich  durch   Dr. Dr. med.  Wolfgang  Seela  geleitet.   Noch  1964  wurde Doz. MUDr. V. Borovansky aus Prag für 2 Jahre als Gastprofessor berufen. Unter der Leitung von Seela, der sich 1969 mit einem Thema zu Mittelgesichtsschädelfrakturen habilitierte, entwickelte sich die Einrichtung in den nächsten Jahren stürmisch. Zum wesentlichen Spektrum der Klinik gehörten die Behandlung bösartiger Tumoren im Kopf- Hals- Bereich und die Traumatologie. 1976 wurde Wolfgang Seela zum Professor für Chirurgische Stomatologie und Kiefer- Gesichtschirurgie berufen. Im Jahre 1983 erfolgte dann im Rahmen der Gründung der Sektion Stomatologie (Geschäftsführender Direktor: Prof. Dr. G. Staegemann) an der Medizinischen Akademie die Bildung einer eigenständigen Klinik und Poliklinik    für    Kiefer-  Gesichtschirurgie    und    Chirurgische   Stomatologie,    zu    deren   Direktor  Prof. Dr. Dr. med. W. Seela ernannt wurde.

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 Prof. Dr. Dr. Wolfgang Seela

In den 80er Jahren entwickelten sich das Gebiet der operativen Behandlung von Dysgnathien und die Implantologie zu weiteren bedeutenden Teilgebieten der Klinik. 1980 wurde die Klinik für 1 Jahr in das Haus C der Frauenklinik ausgelagert, um den stationären Teil im Haus 8 zu modernisieren. Es wurden neue Türen eingebaut, durch die auch die Betten zu schieben waren, sowie die Elektrik und die Wasser- und Abwasserleitung erneuert. In dieser Zeit konnten nur 20 Betten betrieben werden, währen die Operationen im Haus 8 erfolgten.

Eine zweite Auslagerung der Station und des Operationstraktes gab es von Herbst 1981 bis Herbst 1987. Ursprünglich sollte die Auslagerung nur 1 Jahr dauern. In dieser Zeit wurde der Operationstrakt völlig neu gestaltet und zum Beispiel Hygieneschleusen eingebaut. Aber auch die komplette Urologische Klinik wurde in diesem Zeitraum saniert. Zwischenzeitlich hatte die Kieferchirurgische Klinik nur 15 Betten auf der Station 3 b in der HNO- Klinik und operierte friedlich mit der HNO zusammen in einem Operationssaal mit zwei Tischen im Haus 5.

Nachdem am 03. Oktober 1990 die Wiedervereinigung Deutschlands nach über 40 Jahren der Trennung endlich Wahrheit wurde, entstand für die Medizinische Akademie „Carl Gustav Carus“ eine schwierige Situation, weil nicht sicher war, ob die Einrichtung zu einer Medizinischen Fakultät umgewandelt werden kann oder zu einem Krankenhaus der Maximalversorgung umfunktioniert wird. Nach Jahren der Unsicherheit erfolgte dann endlich im September 1993 die Gründung der Medizinischen Fakultät „Carl Gustav Carus“ Dresden, allerdings zunächst ohne die Ausbildungsrichtung Zahnmedizin. Durch Studentenproteste und Demonstrationen des Personals gelang es nach 4 Wochen, das Ministerium für Wissenschaft und Kunst und das Finanzministerium des Freistaates Sachsen so umzustimmen, dass auch die Ausbildung in der Fachrichtung Zahnmedizin an der Medizinischen Fakultät ermöglicht wurde.

Nach  der  Emeritierung  von   Wolfgang  Seela   übernahm   vom   01.10.1994   bis  zum   31.03.1995 Prof. Dr. Dr. med. Rolf Pinkert die kommissarische Leitung der Klinik.

 

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Prof. Dr. Dr. Rolf Pinkert

 

Mit dem 01.04.1995 wurde Prof. Dr. Dr. med. Uwe Eckelt zum Direktor der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am Universitätsklinikum „Carl Gustav Carus“ Dresden berufen.

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Prof. Dr. Dr. Uwe Eckelt

 

Die Entwicklung vom Stadtkrankenhaus Dresden-Johannstadt zur Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der Technischen Universität Dresden

Am 2. Dezember 1901 wurde das Stadtkrankenhaus Dresden-Johannstadt nach 3jähriger Bauzeit als zweites großes Stadtkrankenhaus neben dem Friedrichstädter Krankenhaus eröffnet.


Das Klinikum bestand nach der ersten Bauperiode aus Chirurgischer Klinik, Medizinischer Klinik, Augenklinik, zentraler Bädereinrichtung, je einem Haus für unruhige und ansteckende Kranke, der Pathologischen Anatomie sowie einem Haus für Privatkranke. Außerdem gehörten Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäude sowie die Krankenhauskirche dazu.

In der Zeit von 1913 bis 1915 konnten zwei weitere Krankengebäude fertiggestellt werden, Haus 8 für die HNO-Abteilung und Haus 10 für eine Röntgenstation.

Anläßlich des 25jährigen Jubiläums des Stadtkrankenhauses Dresden-Johannstadt im Dezember 1926 folgte eine zweite Bauperiode mit Erweiterung über die Grenzen des bisherigen Geländes hinaus. Geplant wurde der Neubau einer Kinderklinik mit Mütter- und Säuglingsheim, einer Schwesternschule, einer Augenklinik, einer Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten und einer Psychiatrische Klinik. Von diesen umfangreichen Plänen wurden im Zeitraum 1927 bis 1930 nur der Bau des Zentralgebäudes der Kinderklinik sowie der Schwesternschule vollendet.

In der Zeit der Weltwirtschaftskrise wurde das Klinikum aus Ersparnisgründen von April 1932 bis Mai 1934 geschlossen. Die nationalsozialistische Ära brachte 1934 mit der Wiedereröffnung zugleich die Umbenennung in “Rudolf-Hess-Krankenhaus" (Ratsbeschluß vom 14. November 1934). Aufgrund der Ereignisse im Jahre 1941 - Hess flog nach England und wurde von der Deutschen Reichsregierung für “geisteskrank” erklärt - ist sein Name gelöscht worden. Die Einrichtung nannte man kurzzeitig “Krankenhaus Fürstenstraße" bevor sie zum Gedenken an den verstorbenen Reichsärzteführer in “Gerhard-Wagner-Krankenhaus" umgenannt wurde.

Ein Plan zur Gründung einer selbständigen medizinischen Hochschule unter dem Namen “Rudolf-Hess-Akademie" lag bereits 1938 vor. Die Akademie sollte vorerst am Stadtkrankenhaus Dresden-Johannstadt und am Friedrichstädter Stadtkrankenhaus eingerichtet werden, bis ein eigenständiges Krankenhaus auf dem Weißen Hirsch fertiggestellt sein würde. Dieses Vorhaben wurde durch Finanzierungsschwierigkeiten verzögert und durch die Kriegsereignisse im Oktober 1944 “zurückgestellt".

Am 13. Februar 1945, beim Bombenangriff auf Dresden, trug auch das Stadtkrankenhaus Dresden-Johannstadt schwere Schäden davon. Nach vorübergehender Räumung konnte innerhalb kurzer Zeit Ende April/ Anfang Mai 1945 teilweise und notdürftig die medizinische Betreuung von Patienten wieder aufgenommen werden. Obwohl in der anschließenden dritten Bauperiode die Reparaturen und die Erhaltung der vorhandenen Bausubstanz im Vordergrund standen, wurde die Einrichtung einer Stomatologischen Klinik und einer Poliklinik sowie der Ausbau einer neuen Chirurgischen Klinik vollführt.

In den ersten Nachkriegsjahren wurde auf Grund der Kriegsauswirkungen und der Abwanderung in die westlichen Besatzungszonen Deutschlands der Mangel an ärztlichem Personal in Dresden deutlich. Dadurch entstand ein großer medizinischer Behandlungsbedarf. Der Ausbau des Gesundheitswesens der DDR musste daher im Juli 1950 als dringende Aufgabe formuliert werden. Da es auch an medizinischer Ausbildungskapazität mangelte, beschloss der Ministerrat der DDR am 6. August 1953 die Neugründungen von vier medizinischen Akademien mit den eventuellen Standorten in Erfurt, Magdeburg, Frankfurt/Oder und Berlin/Buch.

Der Initiative der Dresdner Ärzteschaft, des Johannstädter Internisten Wilhelm Crecelius (1898-1979), des Friedrichstädter Chirurgen Albert Fromme (1881-1966) und des Kreisarztes Eduard Grube (1896-1967) sowie des Ärztlichen Direktors des Stadtkrankenhauses Dresden-Johannstadt, Karl Thomas (geb. 1919), ist es zu verdanken, dass darüber hinaus auch in Dresden die Gründung einer Medizinischen Hochschuleinrichtung in Erwägung gezogen wurde.

Mit der “Anordnung über die Errichtung von Medizinischen Akademien" vom 20. Juli 1954 beschloss der Ministerrat der DDR die Gründung von Medizinischen Akademien in Dresden, Erfurt und Magdeburg. Als einzige der drei neugegründeten Medizinischen Akademien erhielt Dresden sofort eine Ausbildungsstätte für Zahnmediziner. Günstige Voraussetzungen dafür bot das “Institut für zahnärztlichen Nachwuchs”, welches als dentistisches Fortbildungsinstitut 1923 gegründet und 1949 in “Institut für zahnärztlichen Nachwuchs” umbenannt wurde. Das dentistische Fortbildungsinstitut war zuerst in der Johann-Georgen- Allee untergebracht, ab 1928 in der Striesener Straße, 1949 in Radebeul und später in Dresden-Trachau. Im Mai 1950 zog das “Institut für zahnärztlichen Nachwuchs” in das dem Krankenhaus benachbarte König-Georg Gymnasium auf der Fiedlerstraße. Seine Aufgabe bestand nach der Durchführungsbestimmung zur Approbationsordnung für Zahnärzte vom 1. August 1949 darin, die noch verbliebenen Dentisten auf den Zahnarztberuf und den dentistischen Nachwuchs, der die Ausbildung erst begonnen hatte, auf ein verkürztes Universitätsstudium vorzubereiten. Ende August 1954, mit Beendigung und Erfüllung dieser Aufgabe, standen die räumlichen und technischen Kapazitäten für die Ausbildung von Zahnmedizinstudenten zur Verfügung.

Am 7. September 1954 fand die feierliche Eröffnung der Medizinischen Akademie Carl Gustav Carus Dresden im Großen Haus des Staatstheaters statt.

Im Herbstsemester des Studienjahres 1954/55, begann der Lehrbetrieb für Medizin- und Zahnmedizinstudenten im ersten klinischen Semester. Bis 1990 wurden sowohl Medizin- als auch Zahnmedizinstudenten der klinischen Semester ausgebildet. Die geplante Vorklinik konnte bis zu diesem Zeitpunkt nicht realisiert werden. Die hier immatrikulierten Studenten absolvierten diese für die Medizin nur in Berlin und für die Zahnmedizin in Berlin, Rostock, Jena, Halle und teilweise auch in Leipzig.

Erst im Jahre 1990 konnte eine Vorklinik für Medizin und Zahnmedizin geschaffen werden.

Am 1. Oktober 1993 wurde die Medizinische Akademie Carl Gustav Carus der Technischen Universität Dresden als Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus integriert. Die feierliche Eröffnung fand am 25. Oktober 1993 mit einem Gründungsfestakt statt.

 

Die Entwicklung der Zahn- und Kieferklinik am Stadtkrankenhaus Dresden-Johannstadt unter Leitung des Zahnarztes Johann Alexander Vogelsang von 1921 bis 1963

Die Entwicklung der Zahn- und Kieferstation im Zeitraum von 1921 bis 1945

Das 1901 gegründete Stadtkrankenhaus Dresden-Johannstadt besaß zur Eröffnung und in den ersten Jahren seines Bestehens keine Zahnstation oder Kieferchirurgische Klinik. Dem Dresdner Internisten Prof. Dr. Hans Päßler (1868-1938), Begründer der Lehre von der “Herdinfektion" und der darin angenommenen zentralen Bedeutung der sog. Zahnherde im Krankheitsgeschehen generell, ist es zu danken, dass in diesem Stadtkrankenhaus 1921 eine Zahnstation eröffnet wurde. 

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Prof. Dr. Johann Alexander Vogelsang

 

Von Beginn an stand sie unter Leitung des Zahnarztes Dr. Johann Alexander Vogelsang (1890-1963). Am 1. Juli 1921 nahm er seine Tätigkeit mit einer Krankenschwester in den Räumen über dem Zentralbad auf. Die gesamte Station bestand zu dieser Zeit aus nur einem Behandlungszimmer. Anfänglich wurden nur montags, mittwochs und freitags/Vormittag Sprechstunden abgehalten. Vogelsang behandelte in der Zahnstation ambulant und versorgte die stationär zu behandelnden Patienten seines Fachgebietes auf den anderen Stationen des Krankenhauses.

Die geplante Erweiterung des Stadtkrankenhauses im Oktober 1926 nahm Vogelsang als Anlaß zur Forderung nach Verbesserung der Bedingungen auf der Zahnstation. Zum ersten sollte die Station in zentraler Lage untergebracht werden und des weiteren, in Erwartung einer steigenden Patientenzahl, zwei Behandlungszimmer aufweisen: ein großes Behandlungszimmer mit Aufstellmöglichkeit für zwei Behandlungsstühle und ein zweites für Patienten, die liegend behandelt werden müssen. Darüber hinaus sollten ein Warteraum, ein Zimmer für den Zahnarzt und außerdem Erweiterungsmöglichkeiten für ein zusätzliches Behandlungszimmer gegeben sein. Weiterhin schlug Vogelsang vor, eine kleine Bettenstation für Kranke einzurichten, die vordringlich der zahnärztlichen Behandlung bedürfen. Seinen Forderungen stimmte man grundsätzlich zu, jedoch die Errichtung einer eigenständigen Station für Kieferverletzte lehnte man wegen einer zu geringen Anzahl zu behandelnder Patienten ab.

In der Zeit der Weltwirtschaftskrise wurde das Stadtkrankenhaus Dresden- Johannstadt samt seiner Zahnstation von April 1932 bis Mai 1934 geschlossen. Erst danach konnten die Forderungen Vogelsangs verwirklicht werden, indem man Räume für die Zahn- und Kieferklinik im 3. Stock des Hauses 8 einrichtete. Sie bestanden aus einem größeren Behandlungszimmer mit zwei Behandlungsstühlen und einem Umkleideraum. Eine Bettenstation wurde vorerst nicht eingerichtet.

 

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Die Kieferklinik im Haus 8 zu Zeiten von Professor Vogelsang, Dienstzimmer und Behandlungszimmer des Chefs

 

Von 1921 bis 1939 leitete Johann Alexander Vogelsang die Zahnklinik. Dann wurde seine Tätigkeit 1939 durch Einberufung zum Militärdienst unterbrochen. Während einer Freistellung vom Militärdienst in den Jahren 1940 bis 1942 arbeitete er wieder in seiner Zahn- und Kieferstation. Nach einer erneuten Einberufung von 1942 bis 1945 wurde Vogelsang beauftragt, im Lazarett Arnsdorf eine kieferchirurgische Abteilung einzurichten und zu leiten. Im September 1945 an das Stadtkrankenhaus zurückgekehrt, beantragte er den Um- und Ausbau der Zahnklinik, da beim Bombenangriff auf Dresden am 13. Februar 1945 mehrere Gebäude des Stadtkrankenhauses Dresden-Johannstadt zerstört bzw. beschädigt wurden, darunter auch Haus 8. Behelfsmäßig wurde die Zahn- und Kieferklinik in einem kleinen Raum der Station 6a in der Klinik für Innere Medizin untergebracht. Im Dezember 1945 konnte die Zahn- und Kieferklinik wieder ihr ehemaliges Gebäude Haus 8 im 3. Stock beziehen. Durch Erweiterung standen der Klinik nun drei Behandlungsstühle, sowie ein Operationssaal für größere Kieferoperationen zur Verfügung. Um den steigenden Arbeitsumfang zu bewältigen, arbeitete Vogelsang bereits seit Oktober 1945 wöchentlich 6 Tage in der Klinik. Sein erneut geäußertes Anliegen, die Zahnstation um eine Bettenstation zu erweitern, konnte wieder aus Kostengründen nicht realisiert werden.

Die stationär zu behandelnden Patienten mit Kiefererkrankungen wurden auf verschiedenen Stationen des Klinikums untergebracht und dort durch Vogelsang betreut.

Die Kieferchirurgische Klinik im Zeitraum von 1946 bis 1963

Zu Beginn des Jahres 1946 übernahm Hans Bernhard Sprung (1906-1963) die Ärztliche Leitung des Stadtkrankenhauses Dresden-Johannstadt. Der Chirurg Sprung erkannte die Notwendigkeit, die Zahnabteilung um eine Bettenstation zu erweitern. Noch im gleichen Jahr konnten Räume im Haus 8 zu einer Bettenstation der Zahn- und Kieferklinik mit 13 Betten ausgebaut werden. Die materielle Ausstattung der Klinik stammte aus Wehrmachtsbeständen des Lazaretts Arnsdorf.

Zunächst wurde die Station ausschließlich für die Behandlung von Kriegsverletzten genutzt. Weitere Aufgaben bestanden in der zahnärztlich-konservierenden und -prothetischen Behandlung der Patienten des Stadtkrankenhauses Dresden-Johannstadt, sowie des Personals des Krankenhauses. Hinzu kam sehr bald die ambulante kieferchirurgische Behandlung der Patienten Dresdens und der näheren Umgebung sowie die kieferorthopädische Behandlung und die Tumoroperationen des Fachgebietes für Patienten der Bezirke Dresden, Cottbus und Chemnitz.

Neben der räumlichen Verbesserung wurde das Personal vergrößert. Vogelsangs erster Assistent war Zahnarzt Frässdorf, der aber Dresden bald wieder verließ. Es folgten Frau Dr. Gaffrey, Herr Dr. Heinz Grundmann und Frau Dr. Ilse Rennefarth. Darüberhinaus wurden im Oktober bzw. im Dezember 1946 zwei Zahntechniker eingestellt.

In der direkten Nachkriegszeit ergaben sich wie allerorts in der sowjetischen Besatzungszone Materialprobleme: es fehlte an Bohrern und Wurzelkanalinstrumenten, Amalgam für Zahnfüllungen, Zahnröntgenfilmen, Spezialmedikamenten und Fachliteratur - vor allem die aus Westdeutschland stand nicht zur Verfügung. Trotz allem schätzte Vogelsang ein, dass die Zahn- und Kieferklinik des Stadtkrankenhauses Dresden-Johannstadt mit zu den wenigen relativ gut ausgestatteten Spezialkliniken Deutschlands gehören dürfte.

Obwohl die Bettenanzahl von 13 auf 19 im Jahre 1948/49 erweitert wurde, reichte die Kapazität aufgrund der sich erhöhenden Patientenzahlen nicht aus, so dass im Jahre 1951 eine Erhöhung
auf 29 Betten erfolgte.

Mit Gründung der Medizinischen Akademie Carl Gustav Carus wurde auch ein Lehrstuhl für Zahnheilkunde geschaffen. Karl Jarmer (1898-1983) aus Greifswald wurde zum Ordinarius in Dresden berufen. Die fehlende Habilitation Vogelsangs sah das Ministerium für Gesundheitswesen und das Staatssekretariat für Hochschulwesen als entscheidenden Grund für die Präferenz Jarmers an.

In Anerkennung der Leistungen Vogelsangs kam es in der Folgezeit zu einer Reihe von Kompromissen. Der Senat erteilte Vogelsang am 21. September 1954 einen Lehrauftrag für “Klinische Visite" und “Fraktur- und Luxationslehre" und beantragte eine Professur mit fachlich begrenztem Lehrauftrag. Des weiteren wurde festgelegt, dass die Zahn- und Kieferklinik mit eigenem Haushalts- und Stellenplan unter der Leitung Vogelsangs getrennt von der Akademie bestehen bleiben sollte. Auf Grund dessen kam es am 23. September 1955 zu der Vereinbarung, dass Vogelsang den stationären Bereich weiterhin selbständig leitet. Seine ambulante kieferchirurgische, prothetische, konservierende und kieferorthopädische Tätigkeit - mit Ausnahme seiner Privatpatienten - musste er einstellen. Im Oktober 1958 wurde die Zahn- und Kieferklinik sowie die anderen bislang nicht zur Akademie gehörenden Krankenhausteile angegliedert.

Johann Alexander Vogelsang leitete diese Kieferchirurgische Klinik, mit kurzen Unterbrechungen, von ihrer Gründung an im Jahre 1921 bis zu seinem Tod am 8. Mai 1963.

Mit Verfügung des Rektors vom 20. Mai 1963 wurde die eigenständige Kieferchirurgische Klinik aufgelöst und der Stomatologischen Klinik der Medizinischen Akademie Carl Gustav Carus als Chirurgisch-stationäre Abteilung eingegliedert.

Für die Jahre 1946 bis 1962 ist den Unterlagen des Hochschularchivs der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der Technischen Universität Dresden die Bettenkapazität für die Zahn- und Kieferklinik zu entnehmen. Sie unterscheidet sich von Angaben anderen Autoren, da die Notbetten hier keine Berücksichtigung finden.
 

Jahrgang

Bettenkapazität

 

Jahrgang

Bettenkapazität

1946

13

1955

27

1947

14

1956

27

1948

19

1957

27/25

1949

19

1958

30

1950

18

1959

30

1951

29

1960

30

1952

29

1961

30

1953

29

1962

30

1954

29

 

 

 

 

Tabelle:                   Bettenkapazität im Untersuchungszeitraum 1946 bis 1962

by Thomas Fehr last modified 2010-02-24 16:36
Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie